AD(H)S und Freundschaften

Hallo an alle,

ich bin neu hier und bei mir wurde noch keine Ad(h)s bestätigt, aber ich gehe stark davon aus, weil ich mich in allem wieder erkenne. Es scheint bei mir in der Familie auch durchweg verbereitet zu sein, da auch Cousins usw. teiwleise richtig starke Probleme haben. Da hat es mich vergleichsweise noch eher gut erwischt, weil ich recht gut durchgekommen bin und mich anpassen konnte. Nur ein Problem habe ich immer wieder: ich kann keine Freundschaften halten und bei mir zerbricht immer nach einer Weile alles was ich aufgebaut habe. Geht es euch da ähnlich?
ich habe z.B. auch einen sehr starken Gerechtigkeitssinn und ecke auch an, bin schonungslos ehrlich und direkt. Damit können eben auch viele nicht umgehen. Ich breche auch schnell Kontakte und Freundschaften ab, wenn jemand gegen meine Werte handelt. Ich bin zwar sensibel und empfindlich, teile aber selbst oft auch aus…

Ich wollte mich einfach austauschen und fragen, wie das bei euch so ist.

Hallo @Teresa_85

Erstmal herzlich Willkommen hier im Forum :winken

Ich hatte noch nie viele Freunde, empfinde das aber mittlerweile auch nicht mehr als Defizit. Bei mir ist es vielmehr so, dass mich soziale Kontakte oft überfordern. Weil es mich schnell stresst mich regelmäßig melden zu „müssen“ oder oft zu Treffen zu „müssen“.
Als Teenager hätte ich gerne mehr enge Freunde gehabt, aber den meisten Menschen ist meine sporadische Kontaktaufnahme zu wenig. Und mit meiner ADxS bedingten Andersartigkeit kommt auch nicht jeder klar- oder ich nicht mit ihnen. :roll: :wink:
Mittlerweile geht es mir mit wenigen Freunden gut. Jetzt habe ich halt verstanden was mir gut tut und was nicht. :slight_smile:

Liebe Grüße
Nymphaea

Hallo @Teresa_85 und herzlich willkommen :winken ,
Gestern habe ich daran gedacht, ob ich jetzt in der Lage wäre neue Freunde zu finden. Zum einen bin auch nicht in der Lage Freundschaften zu pflegen zum anderen bin ich wie du, d.h. Kleinigkeiten im Verhalten anderer können mich dazu bringen, sie total schlimm zu finden und den Kontakt knallhart abzubrechen.
Leider habe ich kein Rat für dich, da ich selbst damit überfordert bin, wollte dir nur mitteilen, dass du nicht die einzige bist :knuddel

Einen langjährigen Freund haben wir in den letzten Monaten verloren, weil er plötzlich bei Anti-Corona-Demos mitläuft und Links zu Verschwörerseiten teilt. Hätte nicht gedacht, dass so etwas in unserem engeren Umfeld vorkommt. :neiiin

Geht mir leider auch so…

Hallo, @Teresa_85, bin zwar selber neu im Forum, begrüße Dich aber dennoch recht herzlich :slight_smile:

Beim Thema Deines Treads fällt mir ein Satz ein, der auch Buchtitel ist, aber schon der Satz bringt es für mich auf den Punkt:

„ADHS - Die Einsamkeit in unserer Mitte“.

Es ist für mich eine der neagtivsten Erfahrungen mit „meinem ADHS“, mich mein Leben lang im Prinzip, so wie von Dir beschrieben, verhalten zu haben. Selbst im Kreise von auch ADHS-Menschen ist es mir nicht möglich, mich dauerhaft sicher zu positionieren, weil ich halt bin, wie ich bin - und mit anderen ADHS-Menschen verbindet mich lediglich diese Disposition, aber alles andere bleibt individuell doch sehr verschieden. Es dauerte einige Jahre, bis ich DAS begriffen habe, nachdem ich glauben wollte/hoffte, innerhalb von ADHS-Menschen-Gruppen sicher aufgehoben zu sein.

Gut, dass ich mittlerweile weiß, dass die Gründe für den immer wieder stattfindenden Rückzug, nicht am Verhalten der anderen liegt, sondern an meiner eigenen Wahrnehmung und persönlichen Reaktion darauf.

Da ich das als für mich richtig ansehe, weil die Gefühle der Ablehnung ja da sind, fühle ich mich insgesamt gut damit.

Auch bin ich inzwischen in der Lage, keine Spontan-Abbrüche mehr hinzulegen, sondern kann eine Zeit lang hingucken, ob ich wirklich ohne diese Freundschaft sein will, bevor ich kommuniziere, dass ich jetzt mal wieder weg bin.

Aber ja, eigentlich bin ich für mich, lebe alleine in meiner Welt und bin „damit zufrieden“, wenn auch ein „eigentlich“ davor gestellt werden muss.

Hi@Teresa_85 und Herzlich Willkommen :hugs:
Das war bei mir auch lange so und könnte das hier so unterschreiben.

Und noch ergänzen das, ich bei manchen Sichtweisen/Eistellungen mit der Zeit etwas Nachsichtiger werden konnte, aus Liebe.
Dafür danke ich von ganzem Herzen zum einen meinen Kindern und zum anderen einer besonderen Freundin/Mutterersatzt, die nie müde wurde mich darin zu unterstützen. Sie wird immer in meinem Herzen weiterleben, auch mein Mann trägt einen Anteil daran.
Selbst meine Erkrankungen waren nicht unbeteiligt daran.

Dadurch lernte ich auch wirklich guten nachvollziebaren Argumenten eine Chance zu geben.
Die etwas Rechtfertigen können, was in Ihrem Lebenskontext Sinnvoll scheint, was für mich aber undenkbar wäre.
Klar es kommt sehr auf die Thematik an und die Menge der Dinge die ich nicht mag oder akzeptieren kann und wird’s zuviel dann Tschüss. Das ist auch gut so.

Solange Sie mich damit dann in Ruhe lassen bzw die grenzen Respektieren lernen, mir das nicht aufdrücken wollen, lasse ich es so stehen, nicht unkommentiert.
War ein langer Weg dahin, auch mit Rückschlägen gepflastert, aber für mich Lohnenswert.

So wie es jetzt ist, passt es prima.
Die die ich „länger“ kenne/habe/hatte als Freunde ticken, da sehr ähnlich wie ich.

Ich lege keinen gesteigerten Wert mehr auf die Menge, Dauer und Intensität von Freundschaften wie zur späten Jugend -Jung Erwachsenen Zeit
Ist gesünder für mich und kein Nachteil:wink:

Möglicherweise helfen Dir auch Absprachen/Verabredungen mit den Leuten, die Dir die Möglichkeit von Rückzug geben können, damit es nicht direkt raucht.
Wenn Du merkst das dich ein Gespräch/Thema triggern könnte oder so eine Richtung annimmt. Bitte kurz um Rückzug, falls keine Absprachen vorhanden sind.
Zur Not verschiebe das Gespräch, das Thema ,teilt es auf in aushaltbare Happen. Eine Art Waffelkecks Taktik.

Dadurch gibst Du Dir Zeit dich anzunähern, dem anderen die Chance zu begreifen das Dir das schwer fällt, Du aber interessiert und bemüht bist.
Beide sind vorbereiteter und vorsichtiger.
So kannst Du dir auch überlegen, wo wirklich deine Akzeptanz Grenze sein könnte. Es gibt auch tollerierbare grautöne.
Gib dir die Möglichkeit neue Denkweisen zu begreifen und den anderen auch.

Andere ändern geht nur seltenst mit unseren Kopf durch die Wand Methoden. Durch eigene Veränderung kann sich auch im Außen etwas tun.
Es ist ok geworden, das Freunde auch Seiten und Ansichten haben an Sich, die ich nicht teile.
Manchmal fungierten Sie auch als Vorbilder in Teilbereichen für eine Zeit ,einen Lebensabschnitt.
Für mich hat sich die Ansicht/Bedeutung zum Thema Freundschaft gewandelt und ich habe andere Werte dazu entwickelt.

Zuhören war/ist immer meine schwerste Disziplin, war schnell genervt, gelangweilt und es provoziert sich auch einfach manchmal zu schön.
Das Gelingen verschaffte mir neben Perlen von tollen Gedanken auch eine andere Art der Befriedigung, das kickte gleich doppelt und machnmal im Nachgang sogar später nochmal.

Ganz Wichtig ist ich Treffe mich auch nur noch dann mit anderen, wenn ich Satt, Ausgeschlafen und Fit bin. Was gut half, nach dem Sport (geduscht) da war ich viel Verträglicher.
Wenn ich angeschlagen bin, sei es nun durch die Tage, schmerzen durch Schübe, wegen Allergiebeschwerden oder sonst was, dann lass ich es Grundsätzlich bleiben.

Es reicht mir auch oft so, ohne treffen lose in Kontakt zu sein. Mit dem wissen um mich und den Medikamenten als Hilfe fällt mir auch einiges leichter.

Ich habe schon sehr langjährige Freunde und auch eine Vereinszugehörigkeit von fast 30 Jahren, was für meinen Therapeuten der ADHS diagnostiziert hat sehr ungewöhnlich ist und war.

Nun weiß ich nicht ob mein Beispiel dir hilft oder voll am Thema vorbei ??? aber Versuch macht klug :wink:

Ich bin so schleichend etwas öko und Vegatarier und manchmal vegan geworden und war mal ne kurze Zeit auch auf einem Esoterischen Tripp.
Ein Bruchteil von Momenten habe ich mit mir gehadert, ob ich überhaupt meine alten Freundschaften so aufrecht erhalten kann, weil doch eher etwas konsumorientiert, Fleischfresser und manche Gedankengängen mir immer fremder (nicht der Menschheit dienlich) wurden und umgekehrt auch.

Aber dann vielen mir all diese Momente ein wo wir Spass hatte, und Leid teilten und jeder jeden in seiner Not half und so vieles schon erlebten.
Diese Freundschaften waren mir so viel Wert als dass ich wegen meinem Tripp das alles aufgeben wollte, die hatten alle schon auch so viel für mich getan und dann nur wegen einer anderen Lebenseinstellung die sich reinschlich alles über einen Haufen werfen.???

Nett zu Tieren sein ist wichtig und zu meinen Freunden nett sein auch. Ich kann nicht jeden bekehren. Wir lassen uns gegenseitig in Ruhe in unseren Einstellung , keiner versucht den anderen zu bekehren.
Bis zu einem Gewissen grade muss eh jeder Selbst verantworten was er tut und keiner hätte sich geändert wenn ich denen meinen Rücken gekehrt hätte.

Es sind sehr Bodenständige Leute , die damals z.B mit meinem Eso-Edelsteintripp nichts anfangen konnten, aber wenn ich eine Einfahrt zu pflastern gehabt hätte, die hätten jeden Stein für mich geschleppt und geholfen und die Einfahrt wäre ruckzuck fertig gewesen.
Solche Menschen benötige ich genauso im Leben, wie welche mit denen ich nur über Steine reden kann.

Dann geht es euch mehrheitlich also ähnlich. Ich bereue das im Nachhinein total, dass ich den Kontakt abgebrochen habe (nicht aber bei allen). Wenn ich darüber nachdenke, dann sind glaube ich auch einige Adhsler dabei gewesen. Kann es sein, dass man sich da anzieht? mir geht es so, dass ich bei manchen total auflebe und wir den gleichen Humor haben und uns schnell für etwas begeistern können.

Hallo und willkommen, @Teresa_85!

Mein Mann und ich leben recht zurückgezogen, gehen meist nur etwa ein Mal im Monat mit zwei Menschen essen. Die Beiden sind Freunde, aber nicht so eng, dass wir ständig aufeinandersitzen.

Es ist auch bei mir so, dass ich schnell den Kontakt abbreche, wenn jemand gegen meine Werte handelt, da bin ich wirklich intolerant (geworden).

Ansonsten melde ich mich unregelmäßig, aber immer mal wieder bei Menschen, die mir etwas bedeuten. Ab und an kommt es auch mal zu einem Treffen, aber wirklich selten.

Ich habe davon schon öfter gehört/gelesen und denke dass es tatsächlich so ist.

Ja, das mit dem Anziehen ist tatsächlich so.

Ich habe zwei langjährige, neurotypische Freunde, die meine Werte teilen und mit denen ich direkt und ehrlich sprechen kann. Etwas anderes käme für mich auch nicht in Frage.

Inzwischen treffen wir uns etwa einmal im Monat abends für zwei, drei Stunden. Das reicht mir auch völlig.

Vielleicht ergibt sich zufällig noch einmal eine ähnliche Freundschaft, dann ist es gut, wenn nicht, auch.

Ehrlich gesagt bin ich jemand, der ohnehin viel allein und für sich sein muss. Da Familie und Arbeit einen Großteil meines Lebens bestimmen, habe ich kaum das Bedürfnis, darüber hinaus Leute zu treffen. Im Gegenteil: Meist ist es mir so schon zu viel, was Gesellschaft angeht…