AD(H)S und lebenslanges Lernen sowie später beruflicher Erfolg

Hallo ihr Lieben!

Aufgrund meiner eigenen aktuellen Situation und meinem Gefühl, dass ich nicht die einzige hier bin, die sich auch im fortgeschrittenen Alter beruflich neu orientiert hat, möchte ich diesen Thread eröffnen.

Ich selbst habe erst im Alter von 47 Jahren durch eine glückliche Fügung meine berufliche Heimat gefunden und bin nun endlich angekommen. Aufgrund meiner zahlreichen Interessen wußte ich erst nicht so recht, welchen Weg ich beruflich einschlagen sollte.
Erst wollte ich Polizistin werden, dann ins Hotelfach. Letzteres hat sich nur deshalb zerschlagen, weil ich nicht zu Zeiten arbeiten wollte, wenn andere frei haben. Aber genau das macht mir heute nichts mehr aus, im Gegenteil. Ich mache mir nichts aus Weihnachten und Wochenenden, sondern finde es sogar gut, wenn ich frei habe und in einkaufen gehen kann, wenn die meisten Leute arbeiten müssen.

Das Abitur habe ich noch mittelmäßig geschafft, aber mit dem Studium fingen dann leider die Probleme an und ich habe nach einem Studienwechsel auch das zweite Studium kurz vor dessen Ende abgebrochen.

Danach habe ich mich jahrelang nach guter ADS-Lebenskünstler-Manier „durchgeschlagen“ und habe mir in meinen Jobs im learning-by-doing-Verfahren autodidaktisch immer wieder sehr viel selbst erarbeitet und bin in neue Aufgabengebiete hineingewachsen.

Durch eine glückliche Fügung hatte ich dann vor fast 6 Jahren die Chance als Quereinsteigerin im Personalbereich Fuß zu fassen. Dort bin ich jetzt endlich angekommen und habe mir durch eine berufsbegleitende Weiterbildung auch die notwendige theoretische Basis geschaffen.

Ich denke, aufgrund zahlreicher Interessen und den vielen Flausen im Kopf, die man ja gerade in jungen Jahren noch hat, fällte es uns deutlich schwerer als den Neurotypischen, im dafür typischen Alter schon die passende berufliche Orientierung zu finden und auch konsequent zu verfolgen. Daher gibt es sicherlich zahlreiche „Spätberufene“, die oftmals nach langer Odysee dann doch in ihrem Traumjob landen und nach einem langen Weg voller Frust, Niederlagen und Kampf endlich am Ziel sind.

Welche Erfahrungen habt ihr diesbezüglich gemacht?

Tja, was soll ich sagen - nach zig Jahren Selbstständigkeit in der zweiten Hälfte der 40er mein Erststudium in einem ganz anderen Bereich absolivert - nebenher gearbeitet und die Kinder auf den Weg gebracht. Jetzt mit dem Studium meinen Weg gefunden - und meine Leidenschaft!
Zackig einen Job gefunden - aber noch keine Ahnung, was draus wird. Nebenher wird der Master gemacht. Und dann? Mal sehen. Ich fang ja grade mal an…

So unüblich ist das nicht, ich kenne das gerade von Frauen: wenn die Kinderaufzucht beendet ist kommt nochmal ein PerspektivWECHSEL. Wenn man schon mal beim Wechseln ist … ich denke, dass AD(H)S da eher hilfreich ist, wir können ohnehin nicht konventionell, da ists dann grad wurscht.
Die Mutter einer Bekannten hat im gleichen Alter Medizin studiert und sogar noch eine Praxis eröffnet. Geht alles.

Ja, ich denke auch, dass unsere Biografie stark von den Einschränkungen(?) in unserer Jugend geprägt ist: da stapelt man nach negativen Bildungserfahrungen und einem Selbstkonzept, mit dem man unter dem Teppich Fallschirm springen kann, gerne mal seeeehr tief… es sei denn, man kann „narzisstisch“ auslenken, das hat bei mir aber nicht geklappt. Oder verallgemeinere ich da zu stark?

Frust, Niederlagen und Kampf?
Hatte ich beruflich nicht. War eher Arbeit, Arbeit, Arbeit und irgendwann mal - durch die Änderung der Arbeitsbedingungen - ein tiefes Motivationsloch. Aber ich habe mir durch die Selbstständigkeit den einen oder anderen Kampf gespart - um dann aber in einem Fahrwasser zu landen, dass mir nichts mehr bieten konnte.

@Hibbelanna

Mit Frust und Kampf meinte ich zum einen den Frust, ständig hinter den eigenen intellktuellen Möglichkeiten zu bleiben und auch dementsprechend wenig zu verdienen, wie das ja hier auch schon einige Male angesprochen wurde und aufgrund der häufigeren Jobwechsel sich immer wieder einen neuen Platz erkämpfen zu müssen bzw. immer mal wieder von vorne anfangen zu müssen. Dies fällt gerade mit zunehmendem Alter immer schwerer, auch wenn es interessant ist. Aber irgendwann kommt er dann mal… der Burnout.

Ich habe eigentlich nie viel gemacht in Sachen Beruf und Karriere. Andere haben manchmal neidvoll geguckt à la „Du lebst deinen Traum“, weil ich halt statt Karriere Comics gemacht habe, aber ganz ehrlich? Ich hatte nie einen beruflichen Traum, nicht mal den.

Soziologie studiert, weil der Prof bei der Einführung gesagt hat, das deckt noch ganz viele andere Disziplinen mit ab, und ich ganz naiv: Cool, muss ich mich nicht sofort entscheiden. Im Studium nicht mitgekriegt, wie sich alle um mich herum spezialisiert und professionalisiert haben, aber immerhin noch so gerade vor der Einstellung des Studiengangs den Abschluss geschafft, einfach um auch mal was fertigzukriegen. Danach halt gemacht, wozu sich Gelegenheiten ergaben. Zwischendurch hatte ich wieder mit den Comics angefangen, und da ergaben sich halt auch Gelegenheiten. Außerdem als Autor und Webdesigner. Also hier mal ein Aufsatz, da ain Artikel, dort ein Buch- oder CD-Cover, irgendwo eine Website. Irgendwann dazwischen musste ich mal eine Rechnung schreiben, brauchte dafür eine Steuernummer, und seitdem bin ich freischaffend.

Was sich nicht ergeben hat, war irgendeine Form von Stabilität. Irgendwann war das Geld alle und ich musste mir so langsam mal überlegen, was ich bis dahin aufgeschoben hatte: Was von all dem, was ich mir inzwischen angeeignet hatte, könnte ich denn wohl, naja, beruflich machen? Also auch dann, wenn’s gerade nicht direkt von der Muse kommt? Denn eins hatte ich gelernt: Um ernsthaft Geld mit den Comics zu verdienen, hätte ich auch Comics machen müssen, die mich nicht interessieren. Dazu waren mir Comics aber nicht egal genug. Und eine andere Sache wurde noch klarer: Was ich mit Abstand am Besten konnte, war keine der einzelnen Fähigkeiten, sondern all das irgendwie jonglieren und zusammenbringen und multimedial denken. (Was auf dem Arbeitsmarkt etwas ist, das viele Firmen brauchen, aber keine sucht.)

Ich hatte auch keinen blassen Schimmer, warum ich dieses Potenzial nie den entscheidenden Schriitt weiter bringen konnte. Warum das anderen, die auch nicht schlauer waren als ich, so leicht fiel. Das war alles noch vor der Diagnose. Die hat das dann ganz gut erklärt.

Am Ende hatte ich mehr Glück als Sachverstand. Der Job-Coach meinte, ich sei ja ziemlich gut darin, strukturell und logisch zu denken (?!) und regte eine Weiterbildung in Datenbankgestaltung an. Die Frau in der Weiterbildungseinrichtung meinte, das wäre ja totale Maxverschwendung, bei mir nur das zu machen, und so konnte ich auch gleich meine HTML- und PHP-Kenntnisse auffrischen. Und mit denen habe ich dann, im zarten und total noch formbaren Alter von 48, einen Job gefunden, der so was von genau mein Ding ist, dass ich mich selber wundere.

Super!
Und ich denke, genau darin liegt zwar nicht immer aber häufig unsere Vorteil. Wir halten die Augen und Ohren offen und packen eine Gelegenheit beim Schopf, wenn sie sich uns bietet.
Ich habe immer einen Job gefunden und habe mich immer gewundert, wenn ich hörte, dass andere zwischen 50 und 100 Bewerbungen schreiben mussten, obwohl sie sehr viel besser qualifiziert waren als ich. Ich habe nie mehr als fünf Bewerbungen geschrieben. :wink:

Oh, ich musste dutzende Bewerbungen schreiben, ich hatte eine Quote! Ein Jahr lang fünf pro Monat plus was mir die Sachbearbeiterin vorlegte. Einmal wurde sie sauer und hat mir neun Angebote auf einmal aufgedrückt. Die habe ich im Copy&Paste-Verfahren runtergerattert und für eine sogar eine Rückmeldung gekriegt.

Jeden Monat habe ich mir die Angebote rausgesucht, die am wenigsten wehtaten. Manchmal habe ich vergessen, eine Vita beizulegen oder sowas. Es ging wirklich oft nur darum, die Quote zu füllen. Ein bis zwei waren aber meistens dabei, wo ich mir vorstellen konnte, hinzugehen. Und alle paar Monate mal eine, wo ich wirklich hinwollte. Da habe ich mir dann etwas mehr Mühe gegeben. Von denen waren’s wohl auch nicht mehr als fünf.

Am Ende hätte ja eine gereicht, aber man weiß halt nie vorher, welche eine.


Entschuldige, da musste ich doch glatt einen Brüller ausstoßen :neiiin :juhuu

Das mit dem gut und strukturiert denken, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Als Comiczeichner hast Du Dir ja unbewusst ein „Design Thinking“ angewöhnt - davon kannst Du sicher profitieren. Dieses Auf-den-Punkt-Bringen, das ist echt Gold wert. Geht mir ähnlich.
Um die Comics beneide ich Dich… ich habe ständig diese Kopfgeburten, nur fehlt mir die Fähigkeit, das in Bilder umzusetzen. Leider schlägt sich mein ADHS in der Auge-Hand-Koordination nieder.

Noch formbar im zarten Alter um die 50 … ja, das ist der Vorteil der fehlenden Datenautobahnen, also unserer zarten Fipselsynapsen…

Tolle Idee mit dem Thread.

Es ist sehr motivierend, dass Ihr in meinem Alter noch umgesattelt habt.

Ich könnte hier Seiten füllen.
Bis zur Geburt von Kind 1 war mein Lebensweg geradlinig. (Dachte ich…)
Nach Kind 1 und bis zum Mutterschutz der 2. Schwangerschaft hatte ich einen tollen Job. Danach wurde es chaotisch.

Was ich nach dem Studium machen wollte fiel flach.

Momentan stecke ich mal wieder in einer Phase des Umbruchs und weiß überhaupt nicht was ich will.
In meinem letzten Job war ich sehr glücklich. Aber mein Privatleben kam völlig zu kurz.

Ich schwanke zwischen Extremen: Angestelltenjob vor Ort in Teilzeit mit viel Zeit für Familie und Sport.
Oder doch den super interessantenJob als Vice President im aufstrebenden Unternehmen 100km weg? Jedenfalls habe ich mich auf beide beworben.
Oder ich mache freiberuflich weiter und bin flexibel und wenn die Umsätze stimmen, mache ich mal ne längere Pause.

Momentan mache ich ja noch diese Fortbildung.
Damit habe ich noch mehr Einsatzmöglichkeiten :joy:

Bin aber froh, dass ich nicht allein mit dem
Kram bin, Schwestern.

@Hedwig

Ich denke, die Zeiten waren nie besser für Quereinsteiger und Leute, die sich neu orientieren. Es kommt zwar stark auf die Branche an, aber jetzt gehen die geburtenstarken Jahrgänge langsam in Rente und das, was momentan „nachwächst“ lässt zum Teil doch sehr zu wünschen übrig.

Auch wenn ich ganz gewiss nicht alle Jugendliche und junge Erwachsene über einen Kamm scheren will, aber wenn man mit Azubis zu tun hat, kann man echt schon mal verzweifeln.
Als wir mit unseren Azubis letztes Jahr mal ein Brainstorming für eine Azubiralley für die neuen Azubis gemacht haben, waren wir doch sehr entsetzt. Null Kreativität! Und wenn die Jungs vor unserem Fenster vorbeischlurfen, „amüsieren“ wir uns jedes Mal. Denen kannst du im Gehen die Schuhe besohlen. Da wir so viele Azubis nicht haben, sprach ich Anfang des Jahres mit einer Personalerin aus einem anderen Betrieb und fragte sie nach ihrer Erfahrung. Leider bestätigte sie mich.

Neulich habe ich sogar einen Artikel über eine Frau gelesen, die noch mit Mitte 40 eine neue Ausbildung gemacht hat. Die wird bestimmt mit Kusshand genommen.
Sie benötigt garantiert keinen Azubi-Kniggekurs. :wink:
Wir Älteren bieten schon einige Vorteile! :slight_smile:

PS: …und unsere Hochschulabsolventen zeichnen sich zum Teil durch Besserwisserei und Renitenz aus. Die müssen wir alle auf den Boden der Tatsachen zurück holen.

@Andromache
Das kann ich nur bestätigen, es wächst kaum Konkurrenz nach.
Über Mangel an Aufträgen/ Angeboten kann ich auch wirklich nicht jammern. So rosig war es selten. Keiner muss mehr befürchten, dass ich wegen Kindern ausfalle. Das war für mich lange ein Riesenproblem.
Auch kann ich durch Elvanse besser meine Klappe halten.

Aber kennt jemand von Euch dieses Hin- und Hergerissensein zwischen Management und Job mit Work-Life- Balance? Also zwischen den Extremen?

Aber eigentlich kenne ich die Antwort.

Eine Work-Life-Balance auf den Tag bzw. die Woche bezogen ist mir gar nicht wichtig. Es wird mir schon nach 2 Wochen langweilig, wenn immer um 12 Pause ist.

Für mich ist ein Leben in Projekten ideal. Und zwischendrin auch mal 5 Wochen frei.

So wie ich das in letzter Zeit gemacht habe. Aber dann ist da doch die Sehnsucht nach was Festem.

Das ist die Generation meiner Kinder, daher gefällt mir die Häme hier gar nicht. Die haben sich nicht selbst erzogen und sind auch nicht dafür verantwortlich, nicht artgerecht großgezogen geworden zu sein… Die Deppen finden sich daher eher in unserer Generation

Auch das sehe ich ähnlich, Hibbelanna.

Was mir persönlich im beruflichen Umfeld auffällt, ist eine relativ hohe Anzahl von jungen Kollegen, die vor Selbstbewusstsein strotzen bei ziemlicher Ahnungslosigkeit.
In meiner Branche gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich zu qualifizieren. Es gibt richtig fitte Leute, das ist keine Frage.
Es gibt heute Leute mit Abi und sogar mit Uni-Abschluss, die kein Prozentrechnen können.
Gesunder Menschenverstand und Denken bei der Arbeit sind bei Leuten mit Hochschulanschluss nicht selbstverständlich.

Ja, dazu hat unsere Generation beigetragen.
Als Eltern, die die Kinder überschätzen, pushen, beim Schummeln helfen. Als Lehrer, die nicht auf das Beherrschen der wichtigsten Grundlagen achten.
Als Politiker.
Als Personalchefs, die sich blenden lassen.

Ich will keine Personalverantwortung mehr. Genau aus dem Grund.

Sorry, aber da muss ich in 3 Punkten entschieden widersprechen.
Grundsätzlich haben die Eltern da sicherlich ein gerüttelt Maß Verantwortung, aber mit deinen Äußerungen nimmst du, ganz in diesem Sinne, dieser Generation auch noch das letzte Bisschen Eigenveratwortung für ihr Verhalten ab!
Irgendwann sollte schon mal die Selbstreflektion und Selbstverantwortung einsetzen!

Und den Lehrern und der Politik nun die Schuld in die Schuhe zu schieben, kann nicht dein Ernst sein.

Was bitte an erzieherischen Defiziten sollen Lehrer und Politik denn noch auffangen bzw. ausbügeln.
Was bitte sollen Lehrer denn dagegen tun, wenn die „liebe“ Elternschaft bei jeder Kritk am Sprössling sofort mit dem Anwalt droht. Sorry, aber ich möchte den Job nicht machen müssen.

Wenn du schon der Elterngeneration die Verantwortung dafür gibst, dann auch bitte die volle und schiebe nicht einen Teil davon auf Stellen ab, die nun wirklich nichts für diese Narzissten können, es sei denn, sie haben selbst welche herangezogen.

Ich rede hier nur von Personen, die ich persönlich kennengelernt habe. Die waren alle gut erzogen und da konnte man keine schlechte Kinderstube erkennen.

Ich vergleiche mich jetzt mal mit meinen Kindern.
In meinem Bundesland hatten Abiturienten zu meiner Zeit gewisse Grundlagen, ich hatte an der Uni auch den Eindruck, dass es durchaus Unterschiede zwischen den Ländern gab.
Meine Kinder sind an einem guten Gymnasium, haben aber definitiv Lücken, die auch die Lehrer zu verantworten haben. Das zu beurteilen traue ich mir zu und sehe es auch nicht als meine Aufgabe, z. B. den Satz des Pythagoras beizubringen. Und sowas leisten Eltern heute häufig.
Mein Eindruck ist, dass es heute viel mehr schlechte Lehrer gibt. Alles subjektiv.
Und ja, auch die Politik hat dazu beigetragen.
An den Gymnasien hier sitzen Kinder, die dem Stoff nicht gewachsen sind. Ich verstehe auch die Eltern, die es versuchen durchzuziehen.
Zufällig habe ich einen direkten Vergleich mit Bayern (da wohne ich nicht). Das sind Welten.
Klar, über Politik, Bildungspolitik kann man sich streiten. Aber ich erzähle hier nur meine Beobachtungen.
Zufällig habe ich selbst als Lehrerin gearbeitet und gebe Dir Recht, dass das ein harter Job ist. Aber es gibt da viele schwarze Schafe. Die wären in der freien Wirtschaft verloren.
Und da sind wir wieder bei Politik: wie akquiriert man gute Lehrer? Sollte man das System nicht überdenken?
Darüber könnte ich auch Stunden schreiben allein aus meiner Erfahrung.

Klar, bei vielen jungen Leuten sind die Eltern Schuld.
Solche Fälle kommen mir beruflich nicht oft unter.

Meine jungen Kollegen wurden oft an den Hochschulen hofiert und durchgepusht. Denen wird beigebracht, wie toll sie sind. Kritik ertragen sie nicht.
Uns wurde am ersten Tag an der Uni gesagt, dass wir es zu 50% eh nicht schaffen.

Ich bleibe dabei, es sind nicht nur die Eltern.

Und Unternehmen leisten auch ihren Beitrag, indem sie Narzissten befördern und viel zu viel auf Äußerlichkeiten und Darstellung achten.

Und wenn die Eltern so massenhaft versagen - ist es dan nicht sinnvoll, wenn die Politik sich darüber Gedanken macht?
Man kann Eltern ja schlecht verbieten, Kinder zu zeugen. Ich behaupte jetzt auch mal, dass fast alle Eltern die besten Ansichten haben. Sie können es einfach nicht besser.

Aber was soll Politik noch alles leisten?
Und wie soll sie da eingreifen?
Es versagen immer mehr Eltern und allein das kostet den Steuerzahler und die Solidargemeinschaft Milliarden. Logopädie-Kurse, weil die Kinder oft nicht richtig sprechen können, da die lieben Eltern sich lieber mit sich selbst beschäftigen; die Kosten für Heimunterbringung und Pflegeeltern, etc.
Aber wo soll man da ansetzen.

Normalerweise müssten Kinder schon in der Schule fit fürs Leben gemacht werden, indem man ihnen beibringt, dass Kinderkriegen kein gesellschaftlicher Automatismus ist, sondern eine bewusste Entscheidung sein sollte.
Und wenn man als Mädchen das Gefühl hat, dass ein Kind zur Überforderung führt, dass man dann die Finger davon lassen sollte.
Aber solange unsere Gesellschaft Frauen ohne Kinderwunsch stigmatisiert, sehe ich da schwarz.

Ich sehe das Versagen der Eltern auch als Belastung für die Solidargemeinschaft.
Auf die Vernunft der Eltern braucht man nicht zu hoffen.

Welche Alternative siehst Du?

Bessere Bildung steht für mich weit oben.

Lässt man die Eltern mal außen vor:

Jedes Kind hat ein Recht auf optimale Förderung.

Und da behaupte ich, dass Gymnasiasten, Hochbegabte, Kinder von gut situierten Eltern usw viel mehr subventioniert werden als Kinder aus sozial schwachen Familien.
Das fängt in der Schule/ Hochschulen an und geht bei Musikschulen und Sportvereinen weiter.

Ein Bespiel: meine Kinder hatten an einer staatlichen Schule höchstens eine Klassengrößen von 20. im Schnitt 15 SchülerInnen.

An der BBS, an der ich unterrichtete, hatte ich 32 Schüler und die Lehrer waren im Durchschnitt viel schlechter ausgebildet als Gynasiallehrer. Da wird gespart, da beschweren sich keine Eltern.

Ja, da hast du auch wieder recht.

Aber dennoch saß auch ich- trotz Privatschule- mit fast 30 Schülerinnen im Klassenzimmer. Und die Lehrer der Realschule waren grottig, wogegen die Gymnasiallehrer fast alle Top Niveau hatten.

Aber die Lehrer des staatlichen Gymnasiums, auf dem ich dann Abi gemacht habe, waren auch top.

@Hedwig

Ja, mit der Bildung steht und fällt eine Demokratie! Wir benötigen dringend eine Reform der Lehrerausbildung und wir müssen weg davon, dass Bildung als notwendiges Übel für die Erlangung gut dotierter Jobs verkommt.
Bildung muss Spass machen.

Eine gute Lösung wären Ganztagsschulen und zwar für jede Schulform. Das würde die Kinder aus bildungsfernen Haushalten auffangen.