ADHS Diagnose, und jetzt? (Motivations- und Aussichtslosigkeit)

Hallo Mitlesende,

Vor etwa einem Monat habe ich mehr oder weniger unerwartet nach einer Differentialdiagnose ADHS gesichert diagnostiziert bekommen. In meiner Selbstbeschäftigung habe ich mich bisher mehr auf dem Autismus Spektrum gesehen, oder eine Komorbidität von ADHS und Autismus Spektrum bei mir in Betracht gezogen.

Die Differentialdiagnose habe ich angestoßen, da ich seit Jahren mit Verdachtsdiagnosen umherlief (psychologisch festgestellte Verdachtsdiagnosen, nicht Selbstverdachtsdiagnosen), und mit jenen versucht mich selbst besser zu verstehen und mich vor Ämtern zu rechtfertigen, mit Ärzt:innen zu verständigen etc.
Irgendwann habe ich realisiert, dass diese Verdachtsdiagnosen nicht ausreichen, ich nicht weiterkomme. Weder persönlich, da ich mehr Klarheit brauche, noch in Bezug auf Amts- und Ärzt:innenangelegenheiten.
Ich beziehe Bürgergeld und möchte nun bereits seit über einem Jahr ins Fallmanagement wechseln. Es ist ein bürokratisches hin und her, erst soll ich den ärztlichen Fragebogen ausfüllen, dann wird er mir zurückgeschickt da es keinen Anlass für den Fragebogen gäbe (interne Kommunikation schlägt mal wieder komplett fehl) und der Fallmanagementwechsel wird dadurch auch behindert. Bedeutet ich muss alle paar Wochen krankschreibungen einreichen und meine derzeit bestehende Arbeitsunfähigkeit begründen. Alles schön und gut, so läuft es in dem System.

Ich bin nur unendlich frustriert und weiß nicht weiter. Durch die ständige Angst keine Grundsicherung mehr zu erhalten bin ich wie gelähmt. Ich will nicht all zu weit ausholen, aber ich bin nun seit 3 Monaten nicht mehr wohnungslos, aber der Umzug ist erst seit einer Woche bewältigt, da die umzugskostenübernahme per Jobcenter ewig gedauert hat. Möbel hab ich auch noch keine. Das ist nur ein kleines Fragment das zu dauerhaftem Stress führt. Seit Jahren komme ich nirgends an. Jetzt habe ich die Möglichkeit in dieser Trägerwohnung zu leben, doch auch diese ist nur eine Zwischenstation und ich muss weiterhin nach Wohnungen suchen.

Ich habe seit Jahren keinen Zugriff mehr darauf, wie sich Freude anfühlt, oder von etwas eingenommen zu sein und dabei die Zeit zu vergessen, einem Projekt nachzugehen etc. Ich habe keinen inneren Antrieb mehr. Morgens aufzustehen und überhaupt die Zähne zu putzen fühlt sich an wie Hochleistungssport. Vor ein paar Monaten habe ich selbst das nur 1x die Woche geschafft. Nun hat sich rein äußerlich etwas verändert, aber innerlich fühlt es sich an als würde ich noch an der selben Stelle stehen. Inzwischen habe ich es geschafft mir Überweisungen verschiedenster Art zu holen, da ich seit Jahren m3ine körperlichen Gebrechen verdränge und die Behandlung aufschiebe. Und jetzt wo nach und nach Termine vereinbart werden geht trotzdem alles einfach unsagbar langsam voran. Ich habe sehr lange auf die Differentialdiagnose gewartet und jetzt hab ich sie und bin gefühlt trotzdem keinen Schritt weiter. Habe inzwischen Medikinet ausprobiert, aber meine Antriebslosigkeit und Kraftlosigkeit hat sich dadurch auch nicht verändert. Appetitlosigkeit kam noch hinzu, was meiner Essstörung in die Hände gespielt hat. Inzwischen habe ich medikinet adult wieder abgesetzt.

Ich frage mich wie ich wieder zu Kräften kommen soll. Es gibt nichts, das mich motiviert. Kein süßer Hundeblick, auch meine Partnerperson ist nicht wirklich ein Antrieb. Ich leiste das, was ich gerade so leisten kann, aber auch da gehe ich bereits über meine Grenzen. Mehr geht nicht. Früher habe ich mehr geleistet, vor allem wenn es um andere ging , aber auch das ist inzwischen nicht mehr Antrieb genug.

Mein Alltag besteht darin, den Tag zu überstehen und durch Ablenkungen rumzukriegen, wenn ich keine Termine habe. Nach Kräften Haushalt machen, mit Hundi rausgehen, kochen. Und Termine wahrnehmen wenn Termine anstehen. Und das ist bereits viel zu viel. Ich bin chronisch erschöpft, und gleichzeitig schaltet mein Kopf aus wenn ich wieder beim Arzt sitze und begründen muss wieso ich immer noch eine Folgekrankschreibung benötige.
Ich fühle mich seltsam, weil ich dann keine Worte mehr habe. Ich kann mich nur wiederholen und nichts neues erzählen, und bekomme trotzdem nur 2 Wochen krankschreibung, und so bewege ich mich in dem Zirkel immer wieder erneut zu hoffen dass ich ernstgenommen werde, zumindest genug, um wieder krankgeschrieben zu werden. Zu diesem Alltag, der wie beschrieben eher noch einem Minimum entspricht, das mir dennoch zu viel ist, noch einen Arbeitsalltag hinzuzudenken, ist schier unmöglich. Ich weiß nicht wie ich das schaffen soll, wenn ich schon Schwierigkeiten habe einen Tag überhaupt als solchen zu genießen. Es ist nur ein aushalten und auf Termine warten und sich emotional darauf vorbereiten, zwischendrin Termine verteilen, neue Termine vereinbaren, und chronisch überfordert sein. Ich bin derzeit noch geräuschempfindlicher als sonst schon, habe täglich Kopfschmerzen und Verspannungsschmerzen, sensorische Schwierigkeiten mit Stoffen und Körperberührungen durch meine Partnerperson, fühle mich eklig und kraftlos, habe kaum Appetit und wenn nur auf fast Food und Süßigkeiten. Und selbst die Ablenkungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten stellen mich nicht einmal temporär zufrieden. Ich würde am liebsten einfach nur Schlafen bis diese Phase - ich hoffe es ist nur eine Phase - vorbei ist. Wenn es eine Phase ist dann zieht sie sich schon viel zu lange. Mein Funktionsnivesu sinkt immer weiter ab und gleichzeitig kann ich mir nicht leisten, einzukrachen, da ich auch für meinen Partnermenschen da sein muss und will, und gerade meine Gesundheit (körperlich, psychisch) auf die Reihe kriegen will. Therapien hatte ich im laufe der Jahre schon die ein oder andere. Es ist echt schwer das richtige zu finden. Auch da bin ich gerade Kraft- und ratlos. Und doch habe ich das Gefühl dass es mir nicht schlecht genug geht um in eine Klinik zu gehen, und dass ich mir das gerade auch nicht leisten kann. Und überhaupt, in welche Klinik sollte ich denn gehen und bringt das überhaupt was? Ich weiß nicht was ich jetzt tun soll. Hab zwar die ADHS Diagnose aber die ist auch nicht ausreichend Begründung für meine derzeitige Arbeitsunfähigkeit und ich brauche langsam mal Ruhe von dem Jobcenter und muss mich auf meine Genesung konzentrieren, aber Erklärungen mit Händen und Füßen reichen leider nicht aus. Vielleicht gibt es hier ja Menschen, denen es ähnlich ging oder geht.

Ich will einfach mal wieder echte Freude empfinden. Echte Motivation. Gerne lesen, zeichnen, Musik machen. Aber alles fühlt sich nutzlos, aussichtslos und nach vergebener Liebesmüh an. Nichts reizt mich. Ich will einfach mal wieder aufwachen und mich auf den Tag freuen. Vor circa einem Monat waren meine Partnerperson und ich mit Hundi wildcampen. Wir hatten gehofft dass der Abstand vom Alltag uns gut tun würde. Klar, Umgebungsänderung war nicht verkehrt, aber besser ging es uns trotzdem nicht. Es ist alles zu viel und ich würde einfach gerne mal auf den Pause Knopf drücken.

:heart: lich willkommen @moycelock

Das hört sich für mich an wie ein verzweifelter Hilferuf. Es tut mir sehr leid, dass du dich so fühlst :adxs_trost:

Und diese Verzweiflung, die ich aus deinen Zeilen lese, die solltest du auch dem Arzt zu lesen geben.
Es hört sich für mich nach eine Depression an. Das zieht dir den Stecker, nimmt dir jegliche Freude und macht dich müde, kraftlos und verzweifelt.

Schreib deine Symptome am besten genauso auf, wie du sie hier schilderst und zeig sie dem Arzt. Ich bin sicher er wird sehen was los ist und dir helfen!

Bis dahin versuche Routinen aufzubauen, also jeden Morgen mit dem Hund oder allein rausgehen, Vitamin D tanken an der frischen Luft und in der Sonne. Regelmäßig essen, wenn es auch nur etwas Kleines ist, Jogurth mit Obst oder so. Und bitte deine:n Partner:in dir zu helfen, dich zu unterstützen.

Und noch etwas sehr Wichtiges:
Adhs Medikamente helfen bei Depressionen auch, da sie quasi bei der Ursache ansetzen. Wenn medikinet nicht funktioniert, dann gibt es noch andere Medikamente, zB Elvanse. Sprich mal deinen Arzt darauf an!

Und ansonsten: wir sind für dich da! Schreib einfach wenn du Rat brauchst oder einfach nur erzählen willst.

Halt durch, Kopf hoch :adxs_zwinker:
Liebe Grüße v Lea

1 „Gefällt mir“

Kannst du das näher beschreiben? Wie lange hattest du Medikinet adult genommen und wie hast du es eindosiert? Wie hast du die Wirkung erlebt?

Wann war das?

Sehe es auch so. Ist es die ganze Zeit gleich?

Vielleicht solltest du mal über ein stationäres Angebot oder eine Tagesklinik nachdenken?

Eine antidepressivum?

Das klingt nach Depression. Man kann Flöhe UND Läuse haben…
Kann eine Folge sein.

ADHS-Medikamente können recht schnell die ADHS-Symptome beheben oder deutlich lindern. Bei Depression ist das leider langwierig und die eigentliche Probleme liegen oft in den Ausdosierungsnebenwirkungen von Antidepressiva. Daher würde ich es trotzdem zuerst mal mit (anderen) Stimulanzien versuchen und dann schauen, wie viel von der Depression nach ein paar Wochen noch übrig ist. Elvanse hat auch positive Neben-Einflüsse bei Depression, wenn auch nicht so stark wie Antidepressiva.

1 „Gefällt mir“

Oh man klingt nach wirklich weit unten gesackt und dass doofe ist, um Freude zu erleben müsstest du ja Dinge tun die dir Freude machen. Mit Depression bekommt man wiederum den „Arsch“ dazu nicht hoch und das was einem Freude machen könnte schüttete in einem keine Freudegefühle aus.
Ich vermute du warst in letzte Zeit wenig draußen und wegen deiner Verfassung ist gesund Ernährung bestimmt auch eine Baustelle, wie das dann halt so ist.
Aber lass mal dein Vitamin D Spiegel schecken vielleicht kannst du da schon was anstupsen ?

Hi Lea, danke für die liebe Antwort!
Die Symptome nenne ich seit Jahren immer wieder, bin auch seit Jahren auf Antidepressiva eingestellt, was die Suizidalität soweit runterschraubt, dass sie nur noch ein Mal monatlich zu den PMS Symptomen mit auftaucht.

Mit meinem Psychiater ist besprochen, dass medikinet gerade nicht das richtige für mich ist. Ich nehme inzwischen Busp 10, da ich ebenso häufig an Anspannungszuständen und innerer Unruhe leide, die mich in den Wahnsinn treiben. Bisher habe ich das Gefühl dass zumindest diese soweit unterdrückt werden, dass ich sie mit genug Ablenkung verhindern kann.

Das alles auszuschreiben hat schon gut getan, und ebenso gut tut es zu wissen dass meine Worte gelesen und gehört werden. Danke dafür!

1 „Gefällt mir“

Angefangen habe ich mit 5mg am morgen, was alles war das ich am Tag zu mir nahm. Das ging 2-3 Tage, dann bin ich übergegangen zu 10mg morgens und 10 mittags. Antrieb und Motivation haben sich nicht verbessert, hatte nur das Gefühl dass die Kraftlosigkeit etwas abgedämpft wurde und ich mich minimal besser zu Dingen zwingen konnte, für die ich eigentlich weder Kraft noch Motivation habe. Nach etwa einer Woche bin ich dann auf 20mg morgens und mittags übergegangen, hab das circa 5 Tage durchgezogen, bis ich dann 2 weitere Wochen morgens und mittags jeweils 30mg genommen habe. Ob meine Unruhe und Anspannungszustände davon verstärkt wurden, oder ein Symptom meines derzeitigen Stresses waren oder ein Zusammenspiel… ist immer schwer auseinanderzuhalten.

Als ich meinem Psychiater von den derzeitigen Symptomen und Entwicklungen erzählte, schlug dieser mir vor erst einmal etwas gegen die akuten Anspannungszustände zu nehmen, welche mich dazu getrieben hatten das Tavor meiner Partnerperson zu nehmen. Auch das hatte ich angesprochen, ich selbst hatte es noch nicht verschrieben bekommen. Daraufhin schlug mein Psychiater Busp 10 vor, da dieses im Gegensatz zu Tavor weder süchtig noch müde mache. Tatsächlich habe ich Tavor auch nicht zum Schlafen benutzt, sondern einfach um den Tag zu überstehen ohne konstant nen halben Millimeter vor nem Meltdown zu stehen.

Hab das Gefühl dass Busp 10 minimal gegen die Anspannungszustände hilft.
Sonst nehme ich seit ein paar Jahren Sertralin, was mir hilft die suizidalität unter Kontrolle zu kriegen. Aber kraftlos und lustlos und motivationslos bin ich trotzdem schon seit sehr langem.

Nehme gerade Busp10 um die Anspannungszustände in den Griff zu kriegen. Und seit Jahren Sertralin zwecks rezidivierender Depression. Hält mich über Wasser aber so richtig besser wird es gerade nicht. Meine Partnerperson ist gerade auch in einer schwer traumatischen Situation, also grundsätzlich sind die Bedingungen nicht ideal zum besser fühlen. Mal ganz von der politischen Weltlage abgesehen

Ich könnte mich mal wieder um ein Vitamin D Präparat kümmern, stimmt. Danke für die Erinnerung!

@moycelock bevor Du Dich um ein Vitamin D Prepärat kümmerst würde ich Dir empfehlen erst mal bei Deinem Arzt ein Blutbild machen zu lassen um zu sehen ob Du das wirklich brauchst, zuviel Vitamin D kann auch schädlich sein.

Hab ich erst kürzlich machen lassen und jetzt die Ergebnisse, Vitamin D ist „ok“. Aber bin in ner schilddrüsenunterfunktion, was Symptome der Depression nochmal verstärkt. Hab hashimoto