ADHS in der Beziehung

Hey Leute ich bin 29 Jahre alt männlich und habe eine Frau und ein kleines Baby zu Hause :slight_smile: ich wollte Mal Frage ist es für euch und euer Patner auch so schwer mit dem ADHS um zugehen ? Das man im Streit nicht angemessen reagiert und ihr auch entlos Diskutieren könnt und man nicht zu eine Einigung kommt und erst Stunden später bei euch die Einsicht komm ?

Würde mich freuen wenn jemand antworten und man vlt die selber Problem hat vlt kann man sich gegenseitig helfen

Lieber Leon, herzlich willkommen!

Gerne beschreibe ich dir, was ich bei mir kenne: Wenn Diskussionen losgehen, dann werde ich sehr schnell sprachlos, und zwar in dem Sinne, dass ich einfach nicht mehr ruhig denken kann und zu viele Informationen völlig kreuz und quer im Kopf habe. Das ist dann einfach „overload“ pur und ich gehe in den „lass mich jetzt möglichst sofort in Ruhe“-Modus. Später, wenn ich wieder einen „klaren“ Kopf habe, kann ich darauf reagieren - aber dann ist das „Gespräch“ in dem Sinne „kaputt“, dass Partnerinnen halt gedanklich und emotional schon ganz woanders waren. Sie waren dann frustriert, weil ich (scheinbar) dem Gespräch ausgewichen bin. Und wenn ich mir dann meinen Standpunkt gut überlegt und sauber formuliert äussere, kam das auch immer wieder mal überheblich daher. Es ist ja normal (ha, was ist denn normal?), dass man bei einem Streit etwas unschön, halbfertig und stockend diskutiert, die Emotionen mache klare Gedanken und saubere Sätze schwierig. Es ist in dem Sinne unfair, wenn ich mir Zeit lasse, Zeit lassen muss, mein Gegenüber aber spontan, sofort und unmittelbar mit mir Verhandeln will. Blöd. Ich weiss. Aber ist nun mal so. Und mit einer nächsten Partnerin werde ich das sehr früh besprechen, denn sie muss wissen, wie sie damit umgehen soll und kann und was hilfreich ist und was nicht - für uns beide. Dass ich ADS habe und was das eben auch für eine Beziehung bedeuten kann, weiss ich erst seit ein paar Monaten.

Ihr seid erst kürzlich Eltern, du erst gerade Vater geworden, ja? Vermutlich kann ich dir nicht viel helfen, denn mit den Kleinkindern, da war ich völlig in meinem Element. Nachts aufstehen? Schoppen? Wickeln? Das Kind bei mir im Tragtuch und stundenlang durch den Wald und über die Felder gehen, dabei Geschichten erzählen, damit das Kind meine Stimme hört und sich geborgen fühlt… Ich könnte das heute noch machen und wäre glücklich.

Du und deine Partnerin werden wohl einen Modus finden müssen, wie ihr damit umgeht. Es gibt Techniken und Hilfsmittel, Diskussionen konstruktiv(er) zu führen oder sie zu begrenzen. Vielleicht versucht ihr gewisse Dinge auch so zu regeln, dass keine Endlosdebatten dazu nötig sind.

Was sind denn Anlässe für Streitereien? Vielleicht können wir hier dir dann eher konkrete Hilfestellungen geben, als dass wir grundsätzlich über Streit mit oder ohne AD(H)S reden.

Herzlich!
Felixyz

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Hallo Leon und herzlich willkommen, :adxs_jaaay:

herzlichen Glückwunsch zum Baby!

Natürlich ist die Situation, dass frisch ein Kind da ist, immer eine Belastung, aber natürlich noch viel mehr wenn jemand ADHS hat.

Du schreibst leider nicht, wer von euch beiden ADHS hat und ob diese behandelt wird und wie.

Beim Baby weiß man es ja noch nicht. Kinder, die sich später als ADHS-ler herausstellen, sind teilweise als Babys extrem anstrengend, teilweise aber auch unauffällig - bis sie anfangen zu laufen.

Ich habe beides erlebt. Also ein Baby zu haben als noch unerkannter ADHS-ler und später noch eines als diagnostizierter und (medikamentös) behandelter - und da muss ich sagen, es macht eine Menge aus. Vielleicht hätten wir uns das mit dem zweiten Kind sonst gar nicht getraut.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass das Medikament die Impulsivität, also die verzerrte Wahrnehmung und daraus resultierend die sinnlosen Streitigkeiten und Diskussionen, stark abmildert. Ich habe mehr Weitblick und gerate viel weniger in den Mecker- oder Verteidigungsmodus und kann ein besserer Ehemann und Papa sein.

Von daher kann ich nur dafür plädieren, sich um eine gute ADHS-Medikation zu kümmern und die auch bis zum Abend und auch an freien Tagen zu nehmen. Okay, falls (auch?) deine Frau die Betroffene ist und noch stillt müsst ihr damit noch warten, aber das ist dann eben so.

(Die Wirkung auf Impulsivität ist bei mir übrigens beeindruckender als die auf Verpeiltheit. Da meine Frau vor allem beim zweiten Kind auch schon bei der Schwangerschaft viel liegen musste, hatte ich für das Kochen zu sorgen, und ich brauchte immer endlos lange dafür, und wir hatten oft erst spät in der Nacht etwas zu essen.)

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Ja und nein. Vieles ist mit der Diagnose leichter geworden, weil man weiß, dass Verhaltensweisen keine Absicht und nicht böswillig sind.
Das äußert sich nicht nur im Streit, sondern auch im Alltag, wenn ich z.B. vollkommen in etwas versunken bin und nicht zuhöre, oder wenn ich Aufgaben nur halb erledige. Der Stress den diese Erkenntnis rausgenommen hat schlägt sich natürlich auch in der allgemeinen Beziehungsgesundheit und Diskussionshäufigkeit nieder, weil die Grundfrustration viel niedriger ist.
Eine andere Sache sind dann akute Streitsituationen.

Das kann ich auch gut, leider. Für meinen Mann war am Anfang unerträglich, dass ich schnell an die Decke gehe, wenn ich gestresst bin auch mal nicht reden will/ kann. Außerdem diskutiere ich viel, gerne, und wenn ich verletzt bin manchmal auch mit unfairen Mitteln. Mein Mann dagegen ist sehr harmoniebedürftig, extrem gut darin, sich zu entschuldigen, und kommt selbst wenn er sich aufregt oft innerhalb einer halben Minute wieder runter.
Für mich war der Schlüssel, neben Medikamenten, die ich erst eine Weile später bekommen habe, die Erkenntnis, dass ich meinen Mann sehr verletze. Das wollte ich nicht, also habe ich nach und nach angefangen, mir zumindest die bösen Vorwürfe und das unfaire Diskutieren zu verkneifen. Das hat viel Kraft benötigt und funktioniert nicht zu 100%, aber es wurde deutlich besser.
Auf Seite meines Mannes hat die Zeit sehr viel geregelt. Am Anfang war er noch geschockt wenn ich so schnell genervt war, Ruhe wollte oder emotional reagiert habe. Ihm hat das Angst gemacht, er hat deswegen geklammert und wollte mich beruhigen, was genau das Gegenteil bewirkt hat. Es war ein Lernprozess, aber mittlerweile ist er deutlich besser darin, mir Platz und Zeit zu geben und darauf zu vertrauen, dass ich mich auch wieder beruhige.

Magst du erzählen, was bei euch das Problem ist @Leon ? Wie habt ihr eure Konflikte bis jetzt gelößt, welchen teil davon schreibst du ADHS zu, und wie hat euer Kind diese Dynamik verändert?

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Hey erst Mal vielen Dank für euer Antworten :slight_smile:

Also ich bin Der ADHS ler

Also um unser Kind geht es garnicht so die kleine hat uns eher gesagt mehr zusammen geführt als Ehepaar und wir sind auch glücklich

Es sind eher die Streits also ich fühle mich sehr schnell angegriffen von meiner Frau ob wohl sie mir ja nichts böses will das weiß ich aber im denn Momenten wo ich merk es beginnt ein Streit werde ich gleich ganz schnell sauer ich denk immer es geht um mich auch wenn es nichts mit mir zutun hat Döner mit denn Haushalt z.B
Ich poch da quasi auf mein Recht und will sie überzeugen von meinen Ansichten ich fühle mich auch oft wie ein Mensch 2 Ter Klasse und bin traurig das ich mich nicht versteh und sie mich besser versteht als ich sie ist sehr liebenswert und sag wir bekomm das hin also sie steht zu 100% hinter mir ich will sie nicht mehr verletzten mit meiner Art mein ADHS ist unbehandelt ich weiß zwar das ich es haben aber ich hab erst vor 1ner Woche angefangen mich mit denn Thema ADHS auseinander zu setzten
Ich Versuch Grade zulernen mein Hyperfocus zu lenken auf meine Frau und unserer Familie
Mein Kopf ist mit 1000 Sachen voll die mich interessieren und das längt mich extrem am ich merk mir keine wichtigen Sachen die sie mir sag

Wie macht ihr das schreibt ihr euch Zettel und hängt sie in der Wohnung auf ? Oder wie merkt ihr euch wichtige Sachen von euer patneren

Und habt ihr auch schon was von denn Hyperfocus gehört oder könnte ihr denn gezielt steuern ?

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Und seit ihr auch so Gefühls kalt ? Wenn ihr so wüten und traurig seit ? In diesen Momenten kann ich keine Gefühle zulassen im Sinne von z.B trösten oder beruhigt Worte sagen zu meiner Frau das kommt immer erst wenn ich mich beruhigt habe und die Einsicht da ist

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@Leon wenn ich wütend bin muss ich mich zum Schutz anderer und mir selbst sofort zurück ziehen.

Ich muss aus dem Raum und der Situation raus damit ich nicht Sachen sage die ich später bereue.

Das hat nichts mit Flucht in dem Sinne zu tun das ich das Problem nicht lösen will, sondern nur damit um mein Gemüt wieder abkühlen zu können.

Dieser Rückzug wird dann je nach Situation oder Person auch mal als Gefühlskälte ausgelegt, dabei dient der Rückzug nur dafür um wieder runter zu kommen, sich zu beruhigen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Das Problem dabei ist das bei einem Streit beide Parteien aufgeregt sind und sich dann die Person die man allein im Zimmer zurück lässt nur noch mehr aufregt, nicht versteht warum man aus der Situation flüchten muss, nämlich weil man verhindern will das die Situation vollständig eskaliert.

Es ist wichtig das man das dann nach dem Streit, wenn beide wieder beruhigt sind und wieder einen kühlen Kopf haben erklärt, damit der andere verstehen kann warum man so reagiert.

Normalerweise kann der andere dann dafür auch Verständnis zeigen und nimmt einem den Rückzug auch nicht mehr übel, denn im Grunde ist das eine reine Schutzmassnahme für sich selbst und andere.

Denn seien wir ehrlich, eigentlich ist dieses Verhalten doch viel klüger als nur noch rum zu schreien und sich gegenseitig verletzende Worte an den Kopf zu knallen, dann lieber die Situation verlassen und den Streit nicht eskalieren lassen.

Auch wenn ich traurig bin ziehe ich mich vor anderen zurück, ich glaube diese Reaktion ist völlig normal, damit bist Du sicher nicht allein. :heart:

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Ja da hast du Recht es ist wohl das beste um ein kühlen Kopf zu bekommen ich werde das auf jeden mit meiner Frau besprechen und versuchen ein Abstand in einer Streit Situation zu bekomm

Und erst wieder zureden wenn man wirklich runter gefahren ist

Ich will meiner Frau nicht das Gefühl geben das sie mir nicht wichtig sei oder mich das nicht interessiert

Es ist echt schwer ADHS zu haben :confused:

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Ja mein lieber @Leon , mit dem Gefühl das es schwer ist Adhs zu haben stehst Du hier im Forum auf keinen Fall allein.

Fühle Dich verstanden, getröstet und nicht allein. :heart:

Wenn Du mit Deiner Frau über diese Sachen nach einem Streit in Ruhe sprechen kannst, sobald sich die Gemüter wieder beruhigt haben, sollte sie Dich eigentlich gut verstehen.

Ich wünsche euch beiden von ganzem Herzen nur das allerbeste. :hugs:

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@Leon, hier mein Überblick zu solchen Situationen aus meiner ADHS-Toolbox:


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Wie meinst du das? Ich kann nicht nachvollziehen welche Sachen du meinst?

Das freut mich sehr für euch!

Ja, das kann ich nachvollziehen, und leider ist das auch typisch. Dummerweise habe ich auch noch kein Wundermittel dagegen gefunden, außer danach wieder runter zu kommen und sich zu entschuldigen. Das reine Wissen darum hilft zwar, alles besser einordnen zu können und sich im Nachhinein nicht irre zu fühlen, aber das hilft in der Situation selbst leider wenig.

Jap. Ich kann mich dann zwar zwingen z.B. Umarmungen zu akzeptieren und zu trösten, das ist aber nicht gut für mich und daher für Extremsituationen reserviert. Ansonsten hilft mir nur Abstand zum Runterkommen, und den solltest du dir auch dringend gönnen, wenn die Alternative ist, dass du verletzende Dinge sagst.

Im Zweifel? Ja. Oder ich stelle Timer die mich erinnern. Und ich habe mir angewöhnt, vieles sofort zu erleigen. Mann wünscht sich einen Kuchen? Timer gestellt, Kuchen zum Timer klingeln bestellt. Da muss man halt gucken, wie man unerwartetes in seinen Tagesablauf geschummelt bekommt.

Ja, aber ich glaube, Hyperfokus ist etwas anderes als du denkst. Hier geht es um einen Zustand der extremen Konzentration, der oft einige Stunden anhält und in dem man oft auch z.B. das Essen vergisst, nicht wahrnimmt wenn man angesprochen wird etc. Es ist nicht so, als wäre man dann dauerhaft Zugewandter oder so, stell dir eher vor, dass du dann ohne wenn und aber hochkonzentriert die Kinderzimmermöbel aufbaust oder so.
Und ja, mit etwas übung kann man den Hyperfokus schon auch bewusst erreichen.

Du hast erwähnt, dass du dich erst seit kurzem mit ADHS beschäftigst. Hast du schon einen Plan, wie und von wem du dich behandeln lassen willst? Termine? Hast du mal über Medikamente nachgedacht? Bist du offen einer Verhaltenstherapie gegenüber?

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Das ist wirklich eine sehr reflektierte Übersicht! Ich feier dich dafür. Da ist ganz viel drin.

@Leon Ja, es ist schwer. Und es tut auch weh, weil es hätte soviel leichter sein können, weil wir für Dinge kritisiert werden, die wir gar nicht absichtlich machen, weil unsere Probleme oft runtergespielt werden.

Aber: Es liegt ganz viel tröstliches, hilfreiches in der Auseinandersetzung mit ADHS. Du weißt jetzt, was es ist. Du kannst dich selbst viel besser kennenlernen, gucken, was andere in bestimmten Situationen machen und dann auch mit deinen Lieben besser darüber reden.

Es folgt ein ausführliches Beispiel, das man auslassen könnte:
Beispiel: ich brauche viel Erholung. Dann will ich auch nicht mit Menschen reden, die ich liebhabe. Meine beste Freundin braucht ganz viel Nähe und viel Austausch. Wenn ich nicht ans Telefon gehe, fühlte sie sich manchmal zurückgewiesen, sie wollte mir nach einem langen Tag oder wenn sie wusste, mir geht’s nicht gut, das schenken, was ihr hilft: Austausch, Nähe. Sie wollte mir ihre Liebe zeigen.

Wenn es ihr nicht gut geht, habe ich nicht angerufen, lieber nur geschrieben. Ich wollte ihr das schenken, was mir hilft: in Ruhe gelassen werden, Stille.

Seitdem ich das weiß, wie unterschiedlich wir ticken, haben wir das besprochen. Ich rufe sie an(wenn ich kann), wenn sie krank oder traurig ist.
Sie fragt mich, ob ich reden mag oder Ruhe brauche. Oder ich sage ihr: Du, ich muss erstmal abschalten, mein Gehirn rauscht, ich kann jetzt nicht reden, ich muss auftanken, ich melde mich vielleicht, wenn die Kinder schlafen oder melde mich morgen.
Ganz banales Beispiel, aber seitdem bin ich nicht mehr in Abwehr oder sogar sauer, wenn sie nach einem langen Tag anruft, obwohl ich doch einfach nur meine Ruhe will. Und sie fühlt sich nicht mehr so abgewiesen, weil sie versteht, dass ich auftanken muss.
Genau so passt sie jetzt mit mir und für mich auf, dass ich nicht reizüberflutet werde, zB macht ne Redepause, wenn wir in einer lauten Umgebung sind oder weist mich darauf hin, wenn ich direkt unter einem Lautsprecher stehe. Also durch das Erkennen meiner Bedürfnisse und auch deren Akzeptanz habe ich nicht nur mehr Verständnis von mir und anderen bekommen, sondern auch eine tiefere, hilfreichere Beziehung zu meiner Freundin, in der wir uns beide akzeptiert fühlen.

Beispiel Ende.

Alleine das Lesen hier im Forum, der Austausch mit einer Freundin mit ADHS und auch Infos bei Instagram fühl ich mich schon verstanden, weniger alleine und merkwürdig. Als Teil einer sehr bunten Truppe. Und dieses Forum ist wirklich was Besonderes, viel Empathie und emotionale Intelligenz, Sprachwitz und Offenheit hier.

Du wirst ja vermutlich einen Psychiater aufsuchen, der eine Diagnose stellt. Dieser wird dir vermutlich Medikamente vorschlagen. Ich zB wollte keine. Ich wollte nur wissen, was los ist. Woran hat’s jelejen? Meine Psychiaterin hat mir vorgeschlagen, es nur mal zu versuchen und mit dem Satz:„Frau Katz, Sie haben so viel erreicht und es hat viel gekostet. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind weiterhin so erfolgreich und haben aber am Nachmittag noch Energie übrig. Für sich, fürs Lesen und malen und Ihre Kinder. Ihr Leben ist ja nicht nur Arbeit.“ hatte sie mich.

Für mich ist das Medikament ein Gamechanger. Ich kann mich besser regulieren, bin weniger müde, konzentrierter. Die Erfahrung haben hier einige gemacht, andere nicht. Du wirst herausfinden, Was für dich funktioniert.

Zum Streiten: Ich kann das nicht gut, laute Streits machen mir Angst, ich sehe gleich die Beziehung/ Freundschaft zu Ende gehen und fühl mich schnell beschuldigt. Das hat oft dazu geführt, dass ich entweder mich der anderen Person unterwerfe, damit ich den Streit nicht aushalten muss. Oder dass ich im Streitfall zumache, nicht mehr denken kann, mich selbst nicht mehr reflektieren kann, meine eigenen Werte nicht mehr abrufen kann und dann habe ich Diskussionen auch abgebrochen und gesagt, dass ich bitte erstmal denken muss. Nur wenn das Gegenüber voll in Fahrt war und das nicht akzeptieren konnte: Katastrophe. Bedrängter verängstigter Nebelkopf mit Verlustangst kann nicht konstruktiv diskutieren.

Wieder Beispiel

Ich sage sowas mittlerweile an, wenn mir ein Mensch wichtig genug ist. „Ich kann oft nicht gut streiten und brauche dann viel Zeit, um Sachen einzuordnen. Ich kann auch oft Dinge nicht gut ansprechen, die mich stören. Das hat nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun und nichts mit dir, ich arbeite daran.“

Meine oben genannte beste Freundin ist da ganz anders als ich, aber: seitdem ich ihr das gesagt habe, funktioniert unser Austausch noch besser. Ich fange vielleicht an mit:„Du, ich wollte dich was fragen, ich weiß nicht, wie du etwas gemeint hast. Das ist jetzt ganz schwer und ich sag es einfach, bitte sei nicht böse“ und sie gibt mir erstmal Sicherheit:„Hau einfach raus, Katz. Ich bin dir nicht böse, wenn du mir deine Gefühle mitteilst, ich wünsche mir das doch von dir. Alle deine Gefühle haben ein Recht darauf, gefühlt zu werden.“ Echt jetzt! Sie ist so toll.

Wenn ich es dann rausgestottert habe, verteidigt und erklärt sie nichts. Sie sagt erstmal, dass sie stolz auf mich ist, dass ich mich getraut habe, mit ihr zu reden. Dann sagt sie, dass sie meine Gedanken verstehen kann und dann erklärt sie ihre Perspektive und fragt nach, ob ich das nachvollziehen kann.

Das ist total schön, bin echt glücklich, jemanden wie sie zu haben, die sowas mit mir übt. :cat:
Beispiel Ende

Da du, Leon, ja sagtest, dass deine Frau eine ganz Liebe ist, wäre mein Tipp: Reden. Erzähl ihr, was das Streiten in dir auslöst. Vielleicht kann sie Kritik ein kleines bisschen anders formulieren, so dass du es nicht persönlich nimmst. „Dankeschön, dass du abgewaschen hast, ich bitte dich darum, das nächste Mal nicht mit dem Badetuch abzutrocknen, das fusselt auf die Teller. Aber ich bin froh, dass ich jetzt nicht abwaschen muss.“ oder „Ich weiß, dass du es ganz lieb gemeint hast und dafür Danke ich dir. Und ich wünsche mir, dass du das nächste Mal xyz“ Oder falls du Liebe sehr körperlich brauchst (so wie ich), könnte sie dir die Hand auf die Schulter legen etc. Da müsst ihr besprechen, was für beide funktioniert. Vielleicht kannst du dir auch angewöhnen, erstmal die Emotionen zu sortieren. Dann könntest du sagen:„Ich habe dich gehört. Ich muss erstmal darüber nachdenken, dann sprechen wir darüber.“ Und wenn es mit gefletschten Zähnen ist. Dann zählen, hopsen, atmen, was auch immer dir hilft, nicht direkt dich zu verteidigen.

Das bekommt ihr hin. Die Liebe habt ihr. Ihr seid beide offen. Du weißt jetzt, dass du wahrscheinlich nicht neurotypisch bist und kannst lernen, damit umzugehen. Auch für euer Baby :heartpulse:. Was du jetzt lernst, wird für euer Kind ein tolles Beispiel sein, wie man in Beziehungen mit Auseinandersetzungen umgeht.

Und: viele Beziehungen haben Stress, nachdem ein hilfloses kleines Wesen dazu kommt. Alleine der Schlafmangel, das ständige fremdbestimmt sein. Sei da bitte gut zu dir und verurteil dich nicht, wenn du Zeit brauchst. Wir wollen ganz oft hopp hopp, ich habe ne Erkenntnis, jetzt wird alles anders. Aber so funktioniert das leider nicht. Es ist ein Lernprozess, der Zeit braucht und nie ganz abgeschlossen ist.

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Sprach die Frau, die Beziehungen gerade abgeschworen hat, weil sie trotz aller Erkenntnisse blöde Filter zu haben scheint und zudem mit sich selbst 100 % ein so schönes erfülltes Dasein hat, dass ein Partner davon keinen Prozentpunkt reduzieren dürfte. :ghost:

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@Pedro grosses Lob für deine Tool Box!
Hab mir deine Ausführungen runtergeladen, sehr hilfreich…danke dafür :pray:

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Soooo schön! Das ist Freundschaft…so ein lieber Mensch! Ich freue mich sehr für dich liebe @Katz :blush:
Das ist so wertvoll!

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Jaaaaaa! Ich bin da sehr dankbar und kann viel üben und lernen. Und bekomme auch Bestätigung und Hilfe bei der Einschätzung von Situationen, wir arbeiten ja auch zusammen. Sie lebt auch eine zwar kritische aber doch eher radikale Selbstakzeptanz, da kann ich mir was abgucken.
Ich habe meinen eigenen therapeutischen Cheerleader :heartpulse:.

Sie ist auch immer sehr süß, wenn ich herum -ADHS-e.

Ich hatte Freundinnen und Partner, die das nicht ertragen konnten oder dann irgendwie gelabelt haben:
Du bist immer so x. Du kannst nie y. Du bist so-und-so.

Sie lässt mich einfach sein. Neulich habe ich vergessen, dass ich meine zweite Dosis schon genommen hatte und habe also statt 30/20 zu nehmen 30/20 und in kurzem Abstand wieder 20 genommen, plus Kaffee und Schoki, was gegen Ende der zweiten Dosis noch mal einen kleinen Schub gibt. Ich war völlig verpeilt und drüber, zum Glück nicht schwindelig oder so.

Wollte statt der Zigarette die Kaffeetasse anzünden, bin gegen eine Tür gelaufen, hatte die wildesten Themensprünge, habe ein vergessenes Päckchen entdeckt und das bestaunt- war noch ein Weihnachtsgeschenk für die Kinder. Die dann am nächsten Tag zwinkernd festgestellt haben, dass der Weihnachtsmann - an den sie nicht mehr glauben mit 10 und 13, es wird aber nicht ausgesprochen, wir lieben alle Weihnachtsrituale und -geschichten und darum bleibt es offiziell beim Weihnachtsmann - wohl auch ADHS hätte :sweat_smile:.

Sie hat das per Sprachnachrichten mitbekommen und hat sich köstlich amüsiert und fand das alles ebenso niedlich wie unterhaltsam. Und dadurch konnte ich mich einfacher auch einfach annehmen.

Sie hat mir mal gesagt, es gibt Menschen, die so lieb und kindlich-staunend - unschuldig alle um sich herum in gute Laune versetzen und sich um alle kümmern wollen, dass diese Menschen es dann absolut verdient haben, dass man sie im Alltag „rettet“, wenn sie sich verlaufen, Dinge, Essen, Selbstfürsorge vergessen oder die Welt nicht verstehen. Das bin dann wohl ich.

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@Leon, eigentlich wollte ich dir diese Frage beantworten:

Ich habe keinen, aber einen recht anspruchsvollen Beruf und zwei Kinder und zwei Katzen, die ich zu 98% alleine versorge. Ich schaffe immer noch nicht alles, was ich schaffen will und hier sieht es oft aus wie Sau. Aber das Wichtigste läuft (meistens) und dabei hilft mir:

  • ich habe einen Kalender, den ich IMMER dabei habe. Und den führe ich recht akribisch. To dos für die Woche. Den Tag. Den Monat. Termine direkt eintragen. Wichtige Termine auch schon eine Woche vorher eintragen, zb: „Nächste Woche Mittwoch Abgabe Zeugnisse! Vorher x,y,z“
    Das funktioniert nur, wenn ich schöne Stifte benutze, der Kalender das perfekte Format hat, ich ihn ästhetisch finde, heißt, ich klebe da auch fröhlich Sticker ein etc.

  • wir haben einen Familienkalender in der Küche mit Spalten für mich und jedes Kind und Termine, die alle betreffen. Da kommen wichtige Sachen rein, so dass ich die jeden Tag sehe und die Kinder auch.

  • Ganz wichtige Sachen, die ich nicht vergessen darf, schreibe ich mir auf die Hand.

  • wenn ich abends Angst habe, morgens was Wichtiges zu vergessen: Zettel an die Wohnungstür oder an den Badezimmerspiegel.

  • Geburtstage oder Jahrestage oder wichtige Ereignisse von lieben Menschen bekommen neben dem Platz in den beiden Kalendern noch eine Erinnerung in meinem Handy. Wenn ich daran denke.

  • Bestimmte Aufgaben für die Kinder haben wir auf einem Poster visualisiert, dann vergesse ich das nicht und kann sie auch einfach darauf verweisen

  • Mein Alltag funktioniert besser, wenn ich mich vorbereite. Leider ist das nervig und mein Jetzt -Ich ist da nicht immer sehr liebevoll mit meinem Zukunfts-Ich, aber dabei hilft mir das Medikament. Konkret: morgens bin ich verpeilt, muffig, tranig, langsam. Es geht viel besser, wenn dann meine Tasche schon gepackt ist inklusive Getränken und vielleicht Snacks für die Arbeit. Wenn ich mir Kleidung rausgelegt habe, vielleicht sogar auf die Heizung im Bad :heartpulse:. Wenn da schon eine Kaffeetasse steht und vielleicht sogar eingeweichten Haferflocken für die Kinder und mich.

  • Wenn ich daran denken muss, etwas auf die Arbeit mitzunehmen: Stelle ich es direkt vor die Wohnungstür. Da hängt auch mein Schlüssel auf Augenhöhe.

  • Wenn ich mir was Neues angewöhnen will, ist es schlau, das mit einer bereits bestehenden Gewohnheit zu verbinden. Ich will regelmäßiger den Spiegel putzen: ok, immer abends beim Zähne putzen sehe ich auf den Spiegel. Ich versuch dann, die Gewohnheiten zu verknüpfen.

Was für Methoden nutzt du denn schon, um weniger zu vergessen?

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