ADHS in der Ehe

Hallo Community, ich (w, 30) suche hier Rat und Erfahrungen (für mich für den Umgang) da mein Mann ADHS hat und das unser zusammen leben belastet.

Es belastet mich zum Beispiel, ihm wie in einer Endlosschleife immer alles sagen zu müssen, weil er scheinbar Dinge nicht sieht die zu machen sind. Ich werfe ihm das nicht vor, sondern ich merke das ich nicht die Kompetenz habe, um damit klar zu kommen.

Ich muss ständig überall hinterher sein, gucken ob er etwas vollständig erledigt hat oder ob er seine Aufgaben vom Plan überhaupt gemacht hat. Wenn wir raus gehen jedes Mal nachfragen, ob er seinen Schlüssel dabei hat. Dinge die er benutzt hat werden danach an Ort und Stelle liegen gelassen. Vom Auto fahren will ich erst gar nicht anfangen. Es kommt mir so vor, das es dabei keinen Lerneffekt gibt, also auch nach dem 50. Mal Widerholung bessert es sich nicht. Mich raus halten und ihn selbst machen lassen müssen („Dein Mann kann nur lernen selbstständig zu werden, wenn du ihm nichts mehr abnimmst“, erhaltener Ratschlag) brachte erst Recht nichts. Mir kommt es so vor, als wäre das was für diese Kompetenzen nötig ist einfach nicht vorhanden und kann auch nicht erlernt werden.

Als wir uns kennen lernten wohnte er noch zu Hause und bekam vieles abgenommen, erst als wir zusammen zogen kamen alle seine Probleme auf ein Mal und danach dann auch die ADHS Diagnose in einem Fachzentrum.

Bisher habe ich immer nur geguckt was ihm helfen könnte, aber nicht was ich für mich machen kann. Ich denke das mein Umgang damit, mit den Situationen und mit ihm, für uns beide eine Besserung bringen könnte. Zum Beispiel ist mir oft nicht bewusst, das er ADHS hat und ich setze voraus das er z.B. beim Geschirr spülen sieht das der Herd dreckig ist und drüber wischt. Ein Haushaltsplan (Vorschlag von seinem letzen Therapeut gewesen) bringt nichts, weil er nicht daran denkt. Erinnerungen am Handy werden weg geklickt und dann vergessen.

Was kann ich machen um mir im Alltag immer wieder bewusst zu machen, das er ADHS hat? Manchmal werte ich Situationen als Faulheit oder Desinteresse, weil ich nicht daran denke das es ADHS bedingt ist oder sein könnte.
Wie viel sollte oder kann ich ihm abnehmen oder helfen, ohne das es zu viel ist aber auch ohne das es zu wenig Unterstützung ist? Mich um alles zu kümmern und alles abzunehmen kann und will ich nicht. Aber ich weiß nicht was ich von ihm erwarten kann.

In wiefern ist es möglich, das sich bei ihm Situationen bessern können? Oder ist das von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich? Bisher hat an ausprobierten Tipps (Pläne, Erinnerunge, A4 große Notizen,…) überhaupt nichts geholfen.

LG Nautilus.

Liebe Nautilus,

für eine längere Antwort habe ich gerade keine Zeit, daher erst einmal herzlich willkommen! :smiley:

Ich kenne das, aber aus der Perspektive des ADHS-betroffenen Ehemannes, und ich beneide meine Frau nicht.

Viele Grüße
Falschparker


Das kann ich für mich bestätigen.

Hallo Nautilus,

Willkommen auch von mir.

Medikamente können helfen, Lernprozesse in Gang zu bringen. Nimmt er welche?

Und könnt ihr über das Thema sprechen?

Viele Grüße!

Addy

ohhh nee schon wieder Schreibdurchfall :o :shock: :mrgreen:

Herzlich Willkommen hier Nautilus

und schön , dass du hier so schriebst, denn davon können wir bestimmt viel lernen. :slight_smile:

Leider finde ich mich in deinen Worten als ADHSler wieder. :cry:

Mein Partner und ich leben in getrennten Wohnungen und jeder ist in allem für alles selbst verantwortlich.
Ich bin froh das ich ihn dadurch in vielen Dingen mit meinem ADHS nicht so belaste und für mich ist es eine enorme Entlastung, nicht zusätzlich noch für jemand anders an allen Stellschrauben drehen zu müssen, an Dingen die ich nicht gut kann. Es würde mir unwahrscheinlich viel Energie kosten.

Da ich jedoch früh von zu Hause ausgezogen bin und schon vorher lange alleine lebte habe ich natürlich mir einiges aneignen können und habe einen Abstand dazu.

Ich finde es den totalen Wahnsinn, wie sehr du dich mit ADHS auseinandergesetzt hasst und vor allem wie du das alles versuchst zu verstehen oder zu helfen. Echt REspekt, ich danke dir mal stellvertretend für deinen Mann :wink:

Das ist eigentlich der wichtigste Satz hier in deinem Posting, „WAS ICH FÜR MICH MACHEN KANN“
Bitte richte deinen Fokus da gut drauf aus !!!
Wir selbst kämpfen ja schon mit dem, immer wieder nicht hinbekommen und neu Anfangen, und du würdest wirklich darin in einer Endlosschleife landen.

Ja , dass ist ein guter Ansatz, aber dein Mann muss an dem Thema auch mit ran.

ADHS darf nicht zu einer Entschuldigung werden.

Wir mit ADHS müssen trotzdem für alles, was wir nicht machen die Verantwortung übernehmen !!!
Wir mit ADHS müssen trotzdem alles versuchen, damit Alltag mit uns gelingt !!!

Du darfst auch gerne „Arschloch“ sein und einfach mal nicht an alles für ihn denken oder alles mitbedenken.

Es ist ok wenn du z.B. seine ToDo Liste für mitpflegst, aber nur so lange er es dankbar annimmt und versuchst umzusetzen.
Das wegklicken von HAndyerinnerung kenne ich, dass ist nicht böse gemeint, sondern geschieht einfach.
ICh schreibe mir manchmal gar wichtige Sachen FETT an den Spiegel und blicke trotzdem hindurch.

All das was du für ihn ausprobierst ist ebenso seine Verantwortung da Lösungen zu finden und wenn du ihm helfen kannst , dies zu benennen.

Ich kann dir leider als Selbstverantwortliche mit ADHS auch nur sagen, das man an diesen Themen immer und immer wieder dran ist und versucht eine Lösung zu finden.
Das heisst auch hier , das was durch deine Hilfe nicht gelingt, gelingt auch so nicht. Es geschieht wenn überhaupt erst nach und nach und das manche Dinge Früchte tragen dauert halt.

Doch du hast ja auch um Tips gebeten.

Grundlegend ist eine „minimalisistsche“ Wohnung in der man schnell erfassen kann wo Dinge ihren Platz haben sehr hilfreich.

Wenn es in bestimmten Dingen keinen Lerneffekt gibt, dann darfst du ihn trotzdem sehr wohl ihn damit immer wieder auf Schnauze fallen lassen. Du musst nicht jede Suppe auslöffeln. Er ist trotzdem Erwachsen !!!
Hält mein Partner sich mal nicht an eine Uhrzeit wenn wir los wollen, dann stresse ich ihn nicht auf Pünktlichkeit sondern gehe manchmal einfach schon los und er kann dann sagen warum er zu spät ist.
Habe ich die Uhrzeit verhauen, lass ich ihn schon losgehen oder übernehme für unser Zuspätkommen die Verantwortung.

Wir haben beide jeweils von der Uhrzeit gewusst und es jedem selbst die Verantwortung diese Einzuhalten oder bei nicht einhalten die Verantwortung zu übernehmen.

Aber nun wieder Produktiv…
Was kann denn dein Mann gut ?
Was kann dein Mann dir abnehmen , was du ungern machst. ?
Irgendwo muss er ja schon ein paar Stärken mit „Nutzwert“ haben :wink: !!!

Wenn gerade im Haushalt viel übernommene Verantwortung bei dir liegt und du ihm dadurch viel abnimmst, fände ich es fair wenn es dann anders ausgeglichen wird.
Dann soll er eine Putzfrau zahlen, entlastende Arbeitsgeräte, Gärtner , Wäscherei, Fensterputzer was weis ich , damit es einfach fairer wird.
Oder ein Wellneswochenende für dich zahlen :wink:
Ansonsten Egotripp fahren, nur noch die eigene Wäsche waschen
Nur noch dass eigene Süppchen kochen

Ich müsste z.B. in einer gemeinsamen Wohnung definitiv ein eigenes Zimmer haben und mein Partener dürfte da ggf alles reinschmeißen was ich hinter mir liegen lasse und wenn es das ungespülte Geschirr wäre.

Wie sieht es ansonsten aus mit „gemeinsam“ zu bestimmten Zeiten den Haushalt zu machen?

Letztendlich sollte er schon mithelfen dir zu sagen was er benötigt damit Alltag halbwegs fair und gerecht aufgeteilt funktionieren kann.

Leider hat er ja schon immer alles abgenommen bekommen, das erschwert die Sache aber auch das er darin die Notwendigkeit erkennt.
unterchiedliche Einstellung zu was ein gelungenen Alltag ausmacht spielen ja auch eine Rolle.

Natürlich kannst du einiges für ihn tun und abnehmen so was hilft, aber es muss einen fairen Ausgleich geben.
Ja wir brauchen wirklich Verständniss für unsere Denkstruktur weil wir leiden ja selber drunter aber ich selbst muss ja ebenso Verständniss für meine Partner haben wo er unter dieser Sache „leidet“

Liebe Nautilus,

das tut mir leid. :oops:

Einerseits: Er sieht/merkt es wirklich nicht. Er macht die Sachen nicht um dich zu ärgern.

Andererseits: Er ist erwachsen, also ist er verantwortlich.

Das hört sich widersprüchlich an und ist es auch, aber es ist beides richtig.

Und: Jetzt ist alles „nur Spaß“. Der Stress fängt richtig an (in jeder Ehe, klar, aber bei euch besonders), wenn ihr Kinder bekommt. Dann müsst ihr ein eingespieltes Team sein. Und ihr werdet ein Team sein, es bleibt euch dann nichts Anderes übrig sozusagen.

Nur wird es bei euch nicht aussehen wie in ordentlichen Familien. :wink:

Schau am Besten schon jetzt nach Entlastungsmöglichkeiten. Ein Geschirrspüler kann schon so ein Game Changer sein. Keine falsche Bescheidenheit, heutige Geschirrspüler sind umweltfreundlicher als Handspülen.

Für manche Familien ist es auch eine Putzhilfe. Jedenfalls wenn ihr beide berufstätig sein solltet, müsst ihr ja nicht unbedingt auch noch allein alles machen müssen.

Wie schade, das hätte mich aber interessiert.

Ich habe für mich den Schluss gezogen, dass ich nicht Deutschlands allerbester Autofahrer bin, anders gesagt lange Autofahrten finde ich ultrastressig, weswegen wir für alles außerhalb eines 40-km-Radius Öffis nutzen. Dann kann man sich noch selbst auf die Schulter klopfen wegen Klima und so. :lol:

Sehr schön, und dann? Außer Ratschläge von einem Therapeuten zu erhalten, die nicht funktionieren? Übrigens, du sprichst vom letzten Therapeuten, das heißt er hat schon mehrere durch? :wink:

Ich frage, weil die erste Maßnahme wäre ja eigentlich eine ordentliche medikamentöse Einstellung. Die beseitigt die ADHS nicht, aber macht Vieles doch einfacher, wenn die Tabletten oder Kapseln auch am Wochenende und spätnachmittags genommen werden und nicht nur für das Funktionieren im Beruf!

Die Selbstwahrnehmung vieler ADHS-ler ist oft sehr schlecht. D. h. wenn dein Mann eventuell zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die Medikamente ihm nicht genügend helfen und von daher nichts bringen, dann solltest du versuchen ihn zu überzeugen, dass es auch auf die Familie ankommt dabei. Meiner Ehe hat das ADHS-Medikament außerordentlich gut getan- und ich habe vorher, wie dein Mann ja offenbar auch, gar nicht wahrgenommen, dass es in diesem Bereich ein nennenswertes Problem gibt. :lol:

Als ich meine Diagnose bekam, waren meine Frau und ich schon 12 Jahre verheiratet und hatten ein 8-jähriges Kind, also es hatte schon irgendwie auch vorher funktioniert, aber es gab schon eine deutliche Verbesserung, wir haben viel weniger gestritten seitdem und ich hatte mehr Geduld für das Kind- ja ob wir uns ein zweites überhaupt zugetraut hätten (ich habe natürlich leider beiden meine ADHS vererbt), ist die Frage!

Viele Grüße
Falschparker


So ist es.

Das muss man akzeptieren, wenn ein Partner ADHS hat. Alles andere halte ich für unrealistsich, auch bei besten Vorsätzen des ADHS-Partners.

Dazu kommt, dass dann voraussichtlich auch die Kinder „besonders“ sein werden…

Hallo alle zusammen und danke für eure Erfahrungswerte! :slight_smile:

Er hat in ungefähr einem Monat einen Telefontermin mit dem ADHS Arzt wegen Medikation.

Darüber sprechen können wir schon, nur während ich der Typ bin wo nach Lösungen und Möglichkeiten sucht, ist er eher der Typ Vermeidungsverhalten. Anstatt eine Hürde anzugehen, bleibt er lieber davor stehen und findet sich damit ab. Ich sage es ganz offen, trotz dessen was ich über ADHS lese schaffe ich es kaum, mich in ihn hinein zu versetzen. Mir fehlt die Nachvollziehbarkeit seiner ADHS Probleme, ich bin nicht Mal von Natur aus ein verpeilter oder vergesslicher Mensch.

Ja da arbeiten wir schon etwas länger darauf hin. Ich habe die Vorstellung, dass dann auch weniger herum liegt weil es ganz einfach weniger Zeug gibt das herum liegen kann. Er kommt da wohl nach seinem Vater und will alles behalten, auch wenn es seit über einem Jahr keiner mehr gebraucht hat. Wirklich unnötiges (Druckvorlagen für Visitenkarten von 19-hundert irgendwann) sortiere ich auch ohne ihn aus. Hinterher ist es dann auch in Ordnung, aber der Schritt etwas herzugeben ist seine Hürde.

Mir ist es wichtig, das wenn er mir etwas abnimmt, es etwas ist das er dann auch ordentlich erledigen kann. Oder soll ich ihn „nacharbeiten“ lassen wenn er ungründlich war?

Das ist bisher gescheitert, er räumt auf wie eine Bombe. Wuselt permanent von einem Raum zum anderen, von A nach C nach K und zu D, ich kann dabei nicht mal zugucken weil es mich unruhig macht. Bisher machen wir es so, das ich ihm etweder alles für ihn aufzuräumende an eine Stelle zusammen trage und er das selbst aufräumt. Oder das ich anfange und ihm übrig lasse, was er machen soll oder was ich nicht kann. Das war bisher aber weniger gut, weil ich ihm dann trotzdem zeigen muss was aufzuräumen ist.

Den Platz haben wir nicht, aber vielleicht finden wir da eine Alternative. Eine Kommode oder Truhe mit Deckel, ein kleiner Schrank, irgendwas wo es mich nicht stört weil man die Ordnung darin nicht sieht. Das kann er dann selbst wegräumen wann er will, oder auch nicht.

Das ist aktuell bei uns beiden aus mehreren Gründen kein Thema.

Ein Thema ist beispielsweise sowohl das Übersehen von Schildern, wie auch das nicht achten auf die eigene Geschwindigkeit. Das für mich krasseste waren da mal fast 100 innerorts, weil er dachte er wäre schon am Ortsschild vorbei. Wohl gemerkt in dem Ort, in dem er seit seiner Kindheit wohnt und es ist nach wie vor immer dieselbe Stelle. Ebenso die Ablenkbarkeit, wenn er als Fahrer in der Gegend herum guckt anstatt auf das Verkehrsgeschehen.

Das Problem bei ihm ist eher, daran zu denken sie überhaupt regelmäßig einzunehmen egal an welchem Tag.

Als ob du ihn kennen würdest… :smiley:

Hallo,
Das klingt für mich (Achtung, krasse Unterstellung:), als wärt Ihr auf der Basis schon ein eingespieltes Team. Er zieht sich auf sein ADHS zurück (hat vermutlich auch bei Muttern schon so geklappt) und Du windmühlst hinter ihm her. Mit dem Erfolg, dass Du im Prinzip die Rolle seiner Mutter übernimmst. Das geht gar nicht und tötet über kurz oder lang jede Beziehung!!
Was Du nicht klären kannst ist, welche Rolle „erlernte Hilflosigkeit“ aus Hotel Mama im Verhältnis zu ADHS spielt. Das kann jemand klären, der/die etwas davon versteht.

Ein Problem könnte sein, dass er gar nicht die Möglichkeit hat, die Dinge auf sich zuzuschneiden, zB. ein eigenes Ordnungssystem zu entwickeln, weil Du das alles vorgibst. Und er kommt gar nicht auf die Idee, weil Mama s.o.
Ich habe über mich erst lernen müssen, dass ich nicht unordentlich bin - sondern, dass mich Unordnung schon in einem recht frühen Stadium überfordert. Nachdem ich mir(!) ein System entwickelt habe, an dem jedes Ding seinen Platz hatte, wurde es deutlich besser und macht auch Spaß.

Was für uns (beide betroffen) wichtig wurde:
Du brauchst dringend Bereiche, die für ihn tabu sind. Und er braucht „seinen“ Bereich, den Du zu respektieren hast. Jeder ist für seinen Bereich zuständig.
Gemeinsame Bereiche werden so aufgeteilt, dass es klare Zuständigkeiten gibt, wo er also auch sein „System“ entwickeln kann / muss!, das Du dann akzeptierst.
Wichtig ist, ihn nicht zu korrigieren. Das ist nicht Dein Job, das ist - so doof es klingen mag - respektlos und unterstützt ihn nur in dem Gefühl der Hilflosigkeit.

Lass ihn Dir erklären, wie er sich das für sich vorstellt oder biete ihm Unterstützung an, zB. für unterstützende Listen oder Apps.
Auch wichtig: Routinen. Schafft Ihr es, zB. Aufräumen und Putzen auf einen Zeitraum zu beschränken, wirkt das sehr entlastend.

Wichtig ist, dass Ihr diese Dinge gemeinsam entwickelt.

Kannst also Prioritäten setzen ob dreckige Küche oder dreckiges Bad :smiley: .
Und wenn er den Schlüssel vergisst, dann muss er damit leben. Das ist nicht Dein Problem.

ADHS ist, wie der Name schon sagt, eine Störung.

Gestört sind die Exekutiven Funktionen, dazu gehören Handlungsplanung, Durchführung, Selbststeuerung aber auch Motivation, Zeitmanagement und diverses mehr.

Alles das funktioniert bei dir offenbar gut, bei deinem Partner aber nicht. Deshalb kannst du dich natürlich nicht in ihn hineinversetzen, denn er ist eben „anders“. Dinge, die für dich einem Leben als Erwachsener selbstverständlich sind, funktionieren nicht, und das nachvollziehen zu können, ist als Nicht-ADHSler eben schwierig.

Das heißt aber nicht, dass ihr es nicht trotzdem hinbekommen könnt. Aber dazu gehört viel Wissen über den Umgang mit ADHS und viel guter Willen auf beiden Seiten, wobei Medikamente dies, wie bereits angeklungen, positiv beeinflussen können.

Neben der ADHS gibt es aber auch noch eine psychologische Seite.

@Hibbelanna hat ja schon einiges dazu geschrieben. Ich nenne es mal Kollusion bei ADHS. Solche Schlüssel-Schloss-Geschichten sind einem ja oft gar nicht bewusst, aber wichtig für die Dynamik, da sich die Dinge verselbstständigen und Rollen verfestigen können, ohne dass man es merkt.

Beispiel: Wenn du sagst, du bist null verpeilt und null vergesslich, dann bist du ja praktisch das genaue Gegenteil deines Partners. Das ist möglicherweise kein Zufall.

Provokant formuliert: Hat er überhaupt eine Chance, wenn du alles scheinbar mühelos und perfekt hinbekommst? Kann er überhaupt etwas richtig machen, wenn du alles an den Maßstäben eines sehr gut organisiert Menschen, der du vermutlich bist, misst?

Ich hoffe, du verstehst das nicht falsch, ich will dich nicht kritisieren, sondern einen konstruktiven Denkanstoß geben…

Schließe mich an - ich hoffe auch, dass das nicht falsch rüberkommt. Ich beziehe mich da auf meine Erfahrung als Hibbel aus über 30 Jahre Zusammenleben mit Schussel - davon 20 Jahre mit Hibbelschussel Junior…

ICH bin unschuldig! :smiley:

Du bist ja auch SchusselCHEN - der Meinige ist schon ein ausgewachsener Schussel … :mrgreen:

Hallo!

Ich möchte noch anmerken dass ich denke dass du hier keine allgemeingültige Antwort finden wirst weil wir ja doch alle unterschiedlich sind und doch jeder so seine Persönlichkeit hst.

Ich habe jetzt in den Antworten Dinge gelesen wie dass du dich auch mal auf den Putz hauen und das A**loch raus hängen lassen darfst, aber für mich persönlich ist das absolut kontraproduktiv.

Ich persönliche motivierte mich durch Lob. Lobt mein Mann mich weil ich etwas toll gemacht habe (zB die Wohnung geputzt, die ganze Wäsche gewaschen etc) dann freue ich mich so dass ich dieses Lob nochmal haben will und mich nochmal anstrenge. Druck von außen endet bei mir in Selbstzweifel, Depression und Lethargie. Ich gebe mich dann auf und versuche es gar nicht mehr und versinke auch ein bisschen im selbst mitleid.

Ich habe durch Programme wie Ordnung und sauberkeit im Haushalt und vielen gelben Post it’s in der Wohnung Routinen entwickeln können die ich oft ganz gut durchziehen kann. Dank Marie Kondo haben wir auch weniger Dinge im Haus und Ordnung in den schränken. Aber auch das alles tue ich nur, weil ich meinen Mann und meine Kinder stolz auf mich machen will.

Mir hilft es zum Beispiel auch gar nicht wenn mein Mann mir zu viel abnimmt. ZB nimmt er Immer meinen Schlüsselbund mit wenn wir aus dem Haus gehen. Er fährt dann auch. Ich hab dann also keinen Schlüssel an den ich denken muss. Gehe ich dann alleine aus dem Haus, neige ich dazu ohne Schlüssel zu gehen weil mir die Routine fehlt. Besser wäre es er würde mich meinen Schlüssel mitnehmen lassen oder ihm mit einfach in die Hand drücken und er seinen nehmen so das ich mich daran gewöhne dass er immer dabei sein muss.

Du siehst jeder ist da völlig anders. Manche brauchen den Druck von außen, andere, wie ich, zerbrechen daran. Wie sind ja alle nur Menschen.

Ich möchte aber noch erwähnen dass ich es toll finde dass du so einen gemeinsamen Weg suchst und dich so rein hängst. Vielleicht wäre für euch eine sehr Sitzung beim Therapeuten eine Option? Das ist etwas was ich mir für meine Ehe wünschen würde, damit mein Mann - endlich - etwas verstehen lernt wie schlimm es für mich ist, mit mir selbst zu leben.

Wobei ich anmerken möchte, dass Lob bei vielen ADHSlern Wunder bewirkt. Bedingung: Es muss authentisches Lob sein.

Ja da hast du so recht !!!
Musst genau bei deinem Beitrag schmunzeln weil bei dir was genau Gegenteilig ist.
Mit Lob für Haushaltstätigkeiten kann man mich glatt verjagen :twisted: , selbst wenn es nur um Dinge für mich alleine in der Wohnung geht :lol:

Haushalt bedeutet für mich so viel Anstrengung und macht so wenig Spass ist so ein doofe notwendiges Übel was halt irgendwann getan werden muss und wenn ich es ereldigt habe bin ich nur froh das ich es geschafft habe und genervt weil es ja nie aufhört .
UN dfür so ein Scheiß gelobt werden ist für mich dann fast dekadent :wink:

Das Glück eines anderen wenn ich im Haushalt „fleißig“ bin könnte mir nie reichen , weil für mich selbst die Tätigkeit keinen Spass macht und ich gleich denke, der könnte ja auch mal :wink:

Aber ich freue mich über jedes Lob, wenn ich selbst für mich Glücklich oder Stolz bin. Z.B. wenn ich mein Fahrrad auf Hochglanz gebracht habe und es wieder richtig gut aussieht und es meinem Partner gefällt.
Ich freue mich über ein Lob wenn mir was gut gelungen ist oder ich was gut umgesetzt habe.
Als ich z.B meine Wohnung so umgeräumt hatte, dass sie für eine Putzfrau zu putzen ist und ich einige Zeit eine Putzfrau hatte, da lobte er mich für diese gute Idee, mit der es mir um so vieles besser ging .
Ich würde mich über ein Lob freuen wenn ich Samstags schon um 11:00 meine Bude fertig hätte anstatt bis 18:00 / 19:00 Uhr das herauszuprokrastinieren, weil es halt auch mein eigener Wunsch ist.

Druck von außen bringt bei mir auch nichts, allerdings reagiere ich dann eher mit Gegenwehr. Nun ja aber durch die getrennten Wohnungen ist es ja eh mein eigener Druck und ich muss mich eher mit eigenem Lob versorgen. :wink:

Irgenwie finde ich Teile unserer Situation oder von ihm in jeder eurer Erzählungen wieder. :wink:


Eingespielt würde ich nicht sagen, aber ja, es hat sich mit der Zeit so „festgefahren“ und in dem Ablauf stecken wir seitdem drin.


Das funktioniert (nach meinem bisherigen Eindruck zumindest) einfach nicht. Sobald er eine Hürde vor sich sieht, hat er schon aufgehört bevor er sich die Mühe überhaupt gemacht hat es anzugehen. Ich weiß, wie sollte er es auch können wenn er das nicht kennt/kann. Aber ich sehe bei mir ganz ehrlich nicht die nötige Kompetenz, um bei ihm Dinge nachzuholen, die er früher nicht mit auf den Weg bekommen hat. Das kann vielleicht eine Verhaltenstherapie o.ä. erarbeiten, bei mir zumindest übersteigt es mein Können und überfordert mich.


Das Stichwort Routinen finde ich ein hilfreicher Hinweis.



Im Zusammenhang mit den 2 Denkanstößen, wofür sollte/könnte ich ihn loben, wenn er Dinge die er nicht gerne macht z.B. nur oberflächlich macht damit es erledigt ist? Selbstständig macht er solche Dinge nicht. „Ich finde es toll, das du meiner Bitte zum Staubsaugen nachgekommen bist“? Wäre doch auch unschön, wenn nicht. Teile ich ihm mit, wenn er etwas vergessen oder übersehen hat, ist es auch nicht Recht.

Vielleicht hat er auch selbst den Anspruch, Dinge nicht zu Vergessen und nichts zu übersehen, aber schafft es ohne medikamentöse Unterstützung nicht das umsetzen zu können was er will?


Das geht auch manchen Menschen ohne ADHS nicht anders. :smiley:


Aber dieses Beispiel ist doch wunderbar, um zu erklären, wo bei ADHS das Problem liegt:

Das Belohnungssystem funktioniert nicht. Jemand ohne ADHS kann diese doofen Dinge erledigen, weil sein Gehirn ihm eine Belohnung dafür in Aussicht stellt. Er weiß: Wenn ich das erledige, wird mein Gehirn dafür sorgen, dass ich mich gut fühle.

Das ist bei ADHS nicht der Fall. Ergo gibt es hirnorganisch keinen Grund, unliebsame Dinge zu tun, weil man ja nichts davon hat. Entsprechend gibt es dafür keine Motivation und keinen Antrieb. Eine Belohnung vom Gehirn gibt es nur bei reizvollen, motivierenden Tätigkeiten.

Alles andere ist extrem anstrengend, viel anstrengender als für jemanden ohne ADHS, und wird deshalb vermieden. Dazu kommt der von Dir geschilderte Berg: Alles unliebesame wird, von außen betrachtet, deutlich dramatischer wahrgenommen als es offensichtlich ist, aber für das ADHS-Gehirn IST es so dramatisch, denn man weiß aus Erfahrung, wieviel Kraft man dafür aufwenden muss.

Jetzt könnte man entgegnen: „Das Leben ist aber kein Ponyhof, man kann ja nicht immer nur machen, worauf man Lust hat“. Ich denke, jeder ADHSler kennt diesen Satz und hat ihn sich über lange Zeiten seines Lebens selbst zu eigen gemacht - und viele sind deshalb im Burnout gelandet.

Warum? Nun, auch diese Dinge müssen natürlich erledigt werden, und das kostet unendlich viel Kraft, mehr als man aufbringen kann.

Es gibt also von der Tendenz her nur eine Lösung bei ADHS: Möglichst alle Tätigkeiten über Bord werfen, die demotivierend sind und sich auf das konzentrieren, was Spaß macht. Klingt komisch, ist aber so.

Beispiel: Bei uns macht meine Frau die Steuererklärung und ich mache die Wäsche für die fünfköpfige Familie mit drei kleinen Kindern, ist also nicht gerade wenig. Aber die Wäsche ist eine Tätigkeit, bei der ich ein hohes Maß an Routine entwickeln konnte und die sozusagen von selbst läuft: Ich kann beim Sortieren, Aufhängen und Falten mein Gehirn einfach abschalten und meinen Gedanken nachhängen. Die Steuererklärung dagegen überfordert mich in Sachen Organisation: Wo sind die Unterlagen, wohin schicke ich das nochmal etc.

Man kann sich so die Pflichten prima aufteilen, aber man muss dafür natürlich erst akzeptieren, dass das Erwachsenen-Credo „Ich erledige, was ich tun muss, nicht nur das, was mir Spaß macht“ bei ADHS einfach nicht funktioniert.

Wäre es denn für dich überhaupt akzeptabel, wenn er überwiegend Dinge übernimmt, die ihm Spaß machen oder leicht von der Hand gehen, wenn damit die Arbeit gerecht aufgeteilt wäre?

Bei mir kommt das widersprüchlich rüber, vielleicht verstehe ich es aber auch nur nicht richtig.

Einerseits die angesprochene „erlernte Hilflosigkeit“, andererseits hat er (außerhalb der Wohnung) nicht immer und überall die Möglichkeit unliebsame Tätigkeiten einfach bleiben zu lassen. Da wäre ihm, nach meinem Verständnis, langfristig mehr geholfen wenn er zumindest ein Bisschen auch mal unliebsame Tätigkeiten durchziehen kann. Ich würde den Spruch eher abändern „Das Leben ist kein Ponyhof, du lebst in einer Gesellschaft die auf ADHS (überwiegend) keine Rücksicht nimmt“.

Vielleicht funktioniert die Eigenbelohnung hinterher nicht, das man sich freut wenn man es geschafft hat. Man könnte doch vielleicht aber eine alternative Belohnung dafür ansetzen, die man bekommt wenn man die unliebsame Sache durchgezogen hat.

Es ist nicht mal ein Lob dafür dass ich den Haushalt mache sondern viel mehr ein Lob dafür dass ich es geschafft habe mich zu überwinden. Die Blockade in meinem Kopf zu überwinden. Er weiß wie wichtig es mir , dass alles funktioniert und meinen Kindern ein vernünftiges Bild vom Leben zu vermitteln, ihnen Struktur zu bieten… Ich Kämpfe so hart dafür in arbeite so stark daran dass ich es genieße wenn mein Mann mir dafür mein ego streichelt.

Ist er aber mies drauf weil was nicht erledigt ist und das obwohl ich mich so anstrenge, dann macht mich das richtig kaputt.

Interessant wie anders wir da alle ticken.

@Nautilus
Dass die Gesellschaft auf ADHS keine Rücksicht nimmt, mag sein, aber das muss ja nicht für eure Beziehung gelten.

Das mit alternativen Belohnungen ist etwas, was in der Praxis tatsächlich funktioniert, also nur zu. :smiley: