ADHS mit und ohne Stimulanzien

Hallöchen zusammen,

vor einiger Zeit habe ich von meinem Psychiater mal zu hören bekommen, dass ADHSler selbst mit Stimulanzien unruhig sitzen. (mit den Beinen wippen oder die Sitzposition oft in einem kurzen Zeitkontingent wechseln)

Daraufhin habe ich mich mal beobachtet und kann dem nur teilweise zustimmen.

Eine andere Erfahrung habe ich bei einem ca. 40jährigen ADHSler (Familienvater und akademischen Grad) beobachten können.
Er spricht viel und lautstark, witzelt herum und bewegt sich viel während er sitzt.
Er hat keine pharmakologischen Behandlung, dafür geht er aber täglich/jeden 2. Tag 10-15km joggen.

Das mit der „Unruhe“ beim Sitzen kann einfach Gewöhnung sein, auch mit Stimulantien. Außerdem wäre interessant zu wissen, was passiert, wenn du dich nicht selbst beobachtest, sondern das anderen überlässt.:wink:

Bei mir trifft das zu, ich kann keine 10 Minuten in einer Sitzposition bleiben, wenn ich auf der Arbeit am Schreibtisch sitze, trotz Medikinet adult.

Frage: warum hat der Arzt das erwähnt? Wollte er auf etwas Übergeordnetes hinaus? Und warum postest du das hier, @texel , also was ist dein Anliegen oder Interesse?


Wenn ich jemandem zuhöre oder ich selber erzähle, kann ich bestimmt 15 Minuten ruhig sitzen bleiben ohne mich stark zu bewegen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen sammeln können?

Beim Arbeiten in Lerngruppen bin ich manchmal und gerade heute sehr unruhig und hastig. (Sagte mir meine Kommilitonin, die neben mir sitzt)
Ich erkläre mir das jetzt mal mit der 5. Einnahme insgesamt von Ritalin Adult 20 mg.
Habe in der letzten Woche 20 mg Medikinet durch Ritalin ausgetauscht. Kann es daran liegen?
Oder eventuell daran, dass man schnell beim Erfüllen von Aufgaben sein will?

Ich würde sagen: Wenn du den Fokus über längere Zeit auf eine Person/Tätigkeit lenken kannst, z.B. Beim Zuhören/erzählen, dann wirst du automatisch ruhiger. Wenn der Fokus ständig zwischen verschiedenen Personen/Tätigkeiten/Themen Wechselt, wird es schwierig. Meine Theorie. :wink:


Guter Punkt:) Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.

Wie könnte man es dann hinbekommen seinen Fokus bzw seine Gesamtaufmerksamkeit auf einen öfter wechselnden Taskwechsel am PC zB aufrechtzuerhalten?

Stimmt, wenn ich an etwas dran bin, das länger dauert und mehr Aufmerksamkeit erfordert, dann werd ich auch ruhig. Das Rumgerutsche hab ich eher bei schnellem und häufigem Wechsel und Unterforderung.

So geht es mir auch. Habe ich den Fokus nur auf eine bestimmte Sache gerichtet, werde ich auch ruhiger.


Mit innerem Sprechen vielleicht?


Wie soll ich mir das vorstellen?
totale Konzentration auf eine Aufgabe innerlicher Timer sagt: fertig machen zum Wechsel klick klick „Andere Aufgabe“ jetzt geht’s los Jung. Gib Gas, volle Aufmerksamkeit

Tut mir leid, klingt ein wenig selbstironisch. Kann mir aber nichts darunter vorstellen. :smiley:

Ich meinte, dass man jeden Schritt innerlich sprechend begleitet, um nicht abzudriften. So nach dem Motto: „So, mal sehen, ok… Erstmal mache ich das hier…, so, danach folgendes, danach dieses“ usw.

So machen es zumindest die Neurotypischen… :smiley:

So, wie @Addy_Haller es beschreibt, mache ich es jetzt - ich hatte ja das Thema zum inneren Sprechen/zur Selbstinstruktion gestartet und setze mir das jeden Tag als Aufgabe in meinen Handy-Terminkalender, sodass ich auch wirklich täglich daran erinnert werde. Ich kann natürlich nicht dauerhaft aufrecht erhalten, aber ich denke immer wieder mal daran und wende es dann an. Das hat noch einen anderen guten Effekt: sonst springt mein Blick, wenn er die benötigten Informationen nicht sofort findet, wild auf der Seite, die ich lese, hin und her. Bei der Selbstinstruktion sage ich mir aber auch: Moment, lies langsam und der Reihe nach! Dann geht mein Blick von oben links nach oben rechts, nächste Zeile usw. usf. Dafür muss ich Disziplin aufbringen und es ist auch anstrengend, so konzentriert vorzugehen, gleichzeitig aber kehrt dabei auch etwas Ruhe ein ins Gehirn, wenn ich mit Plan und mehr Geduld rangehe.

Ich werde es mal versuchen, vielen Dank.

Ich habe es vor 2 Jahre Non-stop täglich für 6 Monate geübt.
Das dann aber im Bezug auf entsprechende Verhaltens-/Ausdrucksweisen in Interaktion.
Es bringt etwas, weil man irgendwann einen besseren Überblick über Unterhaltungen bekommt.
(+ Stimulanzien kann es ja nur noch gut werden)

Das interessiert mich, könntest du darauf etwas eingehen, was du da gelernt hast? Gespräche bekomme ich einfach nicht ordentlich hin, ich rede zu lange oder lage zu wenig, unterbreche, sage etwas, was evtl. als zu frech oder so ankommt.

Und hast du das im Rahmen einer Verhaltenstherapie gemacht? So lang dran bleiben, das geht bestimmt nur mit Unterstützung, immer wieder darauf zurück geführt werden, oder?


Ich habe es nicht im Rahmen einer Verhaltenstherapie gemacht, sondern eigenständig und eigenwillig.

Ich habe mir eine fiktive Person im Inneren selbst kreiert, welche ein paar vorher festgelegte Charakteristika/innere Einstellung/Verhaltenweisen aufweist/en.
Dabei wird sich an reale Eigenschaften/Verhaltensweisen gehalten. ZB. (1. Größtenteils trete ich selbstbewusst auf. Also kein gesenkten Kopf oder hängende Schultern. 2. In Interaktion nehme ich alles akzeptierend an und versuche auf die Aussagen vom gegenüber Fragen zu stellen, ohne dabei das Wort/Gespräch auf mich zu beziehen. 3. …)

Das sind nur Beispiele.
Du kannst dich natürlich auch an Persönlichkeitsakzentuierungen vorbeihangeln. Sowas muss man sich dann aber mehrmals am Tag durchlesen und immer wieder verinnerlichen.

@texel Danke für deine Antwort. Das klingt sehr interessant, du hast dir quasi überlegt, wie du sein möchtest und bist das dann geworden, indem du dich entsprechend verhalten hast! Das finde ich erstaunlich.

Ja das finde ich auch sehr erstaunlich und bewundernswert! Ganz toll!

Ich denke mir grade, dass ich es mal in einigen Aspekten auch probieren möchte.

Beim Üben von Achtsamkeitsmeditationen gibt es ja auch Übungen, bei denen man sich vorstellt, Freude „einzuatmen“, dann, Dankbarkeit „einzuatmen“… ich kann da wirklich etwas spüren. Es tut unheimlich gut und hat auch etwas Tröstendes und Befreiendes.

Ähnlich stelle ich mir das bei deiner Methode vor, dass man sich erstmal etwas genauer vorstellt, das man sich vorher als wünschenswert zurechtgelegt hat… und sich das dann eben vorstellt.

Ich persönlich stelle es mir allerdings ziemlich schwierig vor, wenn es sich um die Verbesserung von echten problematischen Verhaltensweisen handelt. Schon beim Gedanken daran kommen bestimmt ganz fürchterliche Emotionen hoch, denn wenn es nicht so wäre, war es ja kein Problem…

Aber das wiederum ist ja in einer Therapie auch nicht so viel anders…

Der Therapeut fragt einen, was für ein Problem man hat. Dann redet man hin und her, umkreist das Problem und schließlich wird man ja von Therapeuten mit geschickten Fragen darauf gebracht, was man daran ändern könnte und wie man da hin kommen könnte.

Dann wird man nach Hause geschickt und soll das ausprobieren…

Letztendlich könnte man so eine Art des Dialogs ja auch mit sich selber Schritt für Schritt machen.

Und das umzusetzen wird wiederum diese Emotionen frei setzen, die einen womöglich daran hindern, es umzusetzen. Hier muss man einen Weg finden, mit den Emotionen umzugehen.

Meine Vermutung ist, dass man sich da mit Meditationen wie im Insight Timer und der App Die Achtsamkeit herantasten und die Emotionen schon etwas auflockern und erweichen könnte…

@texel , wie lief das denn bei dir? Bzw wie bist du drauf gekommen?


Sorry, war viel arbeiten. Werde mich dazu später detaillierter melden.

Nur eine Sache finde ich merkwürdig…
Seit 8 Monaten bekomme ich MPH und seit 3 Monaten ca. 20-20-10mg.
Vor 1,5 Monaten änderte ich es (nach Rücksprache mit dem Arzt) zu 20mg, nach 1,5 Stunden 10mg und nach weiteren 3,5 Std 20mg.
Seit Dienstag, d.h.seit 4 Tagen, heute Tag 5, in Folge: 30mg Medikinet Adult und 4,5h - 5h später 20mg Ritalin.
Anfangs war es ungewohnt. Jetzt wirkt es echt sehr gut.

Ich dachte, dass man sich nicht an die Dosierungshöhe gewöhnt sondern irgendwann mit der mg Anzahl stagniert.
Wie kann es sein, dass ich immer noch „mehr“ geben kann. (30 statt 20, wobei 30 vor 1 Monat zu viel waren)

Hm, dazu weiß ich leider nichts zu sagen… es wird ja öfters von der Anpassung nach zwei Monaten geschrieben, aber du bist ja schon weiter…

In diesem Zusammenhang würde ich gerne mal folgende Frage stellen, die sich an @Ulbre und die anderen richtet, die schon viel gelesen haben.

Eine Bekannte von mir arbeitet in der Suchtberatung und schildert mir einen Fall, in dem angeblich jemand sein MPH immer weiter erhöht haben soll und so in die Sucht geraten sein soll.

Hier habe ich von so etwas noch nie gehört. Eigentlich immer genau das Gegenteil… kann das vielleicht jemand kommentieren?

Geht das dann nur mit unretardiertem MPH? Geht das überhaupt? Woran würde man das Entgleisen merken?