ADHS oder einfach nur alles zuviel

Hallo,
Ich hab mich hier recht neu angemeldet und war bisher stiller Mitleser. Ich möchte, da meine Partnerin auch viel im Internet unterwegs ist, versuchen anonym zu bleiben. Erstmal zu mir und uns: wir sind eine Großfamilie mit 5 Kids, Mitte 30 aus dem Raum Fränkischen. Wir sind seit nun mehr 13 Jahren zusammen und haben auch relativ schnell geheiratet gehabt. Ich vom Typ eher extrovertiert, sie eher introvertiert. Ich eher der Typ für reisen, Menschen kennen lernen und auch - familienkonforme Abenteuer zu erleben. Wir hatten schon je her kleinere Streitpunkte in unserer Beziehung gehabt die jedoch immer größer geworden sind. Ich bin seit wir uns kennen selbstständig und konnte, gerade auch deswegen sehr unser Leben gut koordinieren. Mir sind meine Kinder, aber auch meine Partnerin sehr wichtig. Ich versuche jeden 2.-3. Tag auf den Spielplatz zu gehen oder Unternehmungen zu machen. Koche meist abends und versuche das Wochenende auch mit den Kindern zu füllen. Klar Haushalt kommt manchmal zu kurz aber ich versuche schon regelmäßig einiges abzunehmen und zu übernehmen. Klappt nicht alles jeden Tag aber so alltägliche Sachen wie Wäsche, Küche und co. Teilen wir uns täglich auf. Ich habe seit ich 14 bin regelmäßig mit mittelstarken Depressionen zu kämpfen. Sie weiß davon - wie haben offen über alles gesprochen. Doch je länger wir zusammen sind will sie weniger darüber reden. Mir tut es hin und wieder (wir sprechen hier von allen 6-8 Monaten mal ein Gespräch) gut über das ganze zu reden und es kommt in mir hoch. Das ganze gipfelte vor 2 Jahren in „Ich werd mit dir darüber nicht reden. Helfen kann ich dir sowieso nicht und ich will jetzt schlafen“. Hierbei hab ich ihr auch schon in der Vergangenheit gesagt das es mir hilft mit ihr zu reden - und sie sagte dass ich das gern jederzeit tun kann. Aufgrund Corona Regelungen sind waren wir gezwungen 2020 meine Selbstständigkeit aufzugeben. Was natürlich auch finanziell erstmal das ganze schwieriger gemacht hat - davor ging es uns mehr als gut und wir hatten auch einen größeren Puffer gehabt, wovon wir erstmal lebten. Trotzdem hat es mir erstmal
Meine Depressionen wieder sehr stark hervor gerufen. Wir hatten seither einige startversuche gehabt und sind jetzt wieder dabei Gas zu geben. Doch mit immer größer werden Problemen zwischen uns. Sei es mit Beleidigungen ihrerseits (will ich nicht näher drauf eingehen - gingen aber weit unter die Gürtellinie) weil wir eine zeitlang sehr wenig Geld hatten und auch etwas beengt wohnten (im Vergleich zu früher). Ich sagte ihr auch das ich mich wieder mehr um das Geschäft kümmern muss (Anlaufphase) und ob sie wieder etwas mehr im Familienleben übernehmen kann. Sie macht gewisse Dinge im Haushalt aber - sorry - in meinen Augen zu wenig. Und damit meine ich nicht Sauberkeit sondern in Bezug auf die Kinder. Unsere Kids wollen immer gern raus - sie will es nicht aufgrund von Sozialphobien. Sie ist ungern - noch mehr wie früher - unter Menschen. Daher fällt mir neben der Selbstständigkeit und Home Office im Keller (damit ich ihr zu Hause helfen kann - woanders ist leider kein Platz) das fahren der Kinder in die Schule (gibt leider niemanden aus der Umgehung der auch dorthin fährt und kein ÖVPN), Gespräche mit allen Personen außerhalb der Familie (Ämter, Ärzte usw.). Sie fährt kein Auto - daher bleibt das alles zwangsweise an mir hängen. Kinder zur- bzw. von der Schule bringen (und wenn eines krank ist auch zwischendurch), Einkaufen, Ärzte, Erledigungen usw. Ich bringe dazu meist die Kinder ins Bett und bin derjenige der mit ihnen aufsteht. So um diesen Roman zu schließen - sie sagte - weil ich durch die ganzen Sachen teilweise Sachen im Alltag liegen lasse oder bei der Arbeit nicht hinterher komme, sollte ich mich auf ADHS testen lassen. Wir hatten wegen so vielen Kleinigkeiten diesbezüglich Streit das ich selbst nahezu dran glaub - entgegen der Meinung des Arztes der sich nicht sicher ist, ob ich ADHS habe. Ich habe ihr auch gesagt das ich mich überfordert fühle - für sie ist es einfach nur miserables Management von mir. Das und viele andere Sachen treffen sehr und verletzen mich, weil sie diese Punkte nicht sieht. Ich bin - weil wir uns wieder deswegen seit knapp 2 Wochen sehr intensiv und oft streiten (mit so jemanden zu leben ist eine Zumutung / hätte sie das vorher gewusst / die letzten 10 Jahre waren für die Katz usw.) bin ich an dem Punkt das ich eigntl die Scheidung will. Damit sie ihre Ruhe hat vor mir. Ich bin einfach selbst sehr am Ende und weiß einfach keinen Rat. Habe aber auch niemanden mit dem ich darüber reden kann. Ich liebe meine Kinder und will ihnen das auch nicht antun. Aber gesund ist das ganze nicht mehr. Ich habe noch sehr viele Punkte ausgelassen die das ganze einfach noch intensiviert - das wichtigste habe ich aber geschrieben. Falls es zu verworren ist versuche ich es nochmal neu zu gliedern. Ich bin einfach nur ratlos - ist es ADHS und soll ich zu weiteren Ärzten gehen oder wären andere u.u. Mit den lebensumständen Auch teilweise an seinen Grenzen.
Grüße Lu

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Hallo @Luxemburg,
willkommen im Forum.

Hast Du schon die Tests gemacht die auf der Homepage angeboten werden?

Bislang hört sich vielles mehr danach an als ob sie auch ein Päckchen zu tragen hat und Du auch wenn kein AD(H)S oder ähnliches vorliegt massiv überlastet bist/wirst…

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Hallo Dokma,
Ich werde sie heute Abend in Ruhe mal machen - war ja bereits beim Arzt (spezialisiert auf AD(H)S) und er war sich selbst nicht sicher. Ja da gebe ich dir absolut recht und ich will ihr eigntl nur eine Stütze und Hilfe im Leben sein und versuche vieles auch auszugleichen - gerade für die Kinder. Aber das wird einem meist negativ ausgelegt und man ist am
Ende „der dumme“. Das hat sich auch bei uns so langsam ins Leben geschlichen. Und das schlimmste für mich ist einfach das ich keine Hilfe find oder zu irgendwem gehen kann. Entweder bekomme ich zwei meds verschrieben mit dem Kommentar das wird schon oder wird mir geraten mich zu trennen… das können einfach nicht die Lösungen sein (die Medikamente haben bis dato nichts gebracht - der Stress wird nicht weniger dadurch)
Lg Lu

Hallo @Luxemburg , also mit 5 Kindern, selbständigem Job, Aufgaben in Haushalt und mit Kindern wo ungleichgewichtig verteilt sind, heisst Du den Bärenanteil alleine stemmst, sowie Kommunikationsprobleme mit Frustpotential, ja also wer würde sich da eigentlich nicht total überfordert fühlen?, wer würde dabei eigentlich nicht ab und zu mal was vergessen?.
Wobei man mit Adhs Sachen vergisst auch wenn man nicht unter solchen Bedingungen lebt wie Du.
Von dem her Wow, einfach unglaublich was Du Dir da alles aufgehalst hast, ich meine nur schon 5 Kinder ernähren zu müssen, ich möchte mir garnicht vorstellen was man da beruflich leisten muss, und dazu dann noch den Haushalt mit 5 Kindern wuppen, alleine bei der Vorstellung eines solchen Leben bekomme ich schon Schweissausbrüche.
Jedenfalls habe ich deshalb mehr als Verständnis dafür das Du Dich überfordert fühlst, denn das bist Du ja ganz eindeutig, und das ist auch mehr als normal, vor allem wenn da sonst niemand ist, Grosseltern, Tanten und Onkeln, Freund:innen, Nanny, Haushaltshilfe, was weiss ich wer wo euch Sachen abnimmt?.
Von daher sehe ich persönlich nach Deiner Schilderungen natürlich sehr naheliegend zuerst mal eine Überforderung im täglichen Leben, was Adhs anbetrifft, dafür fehlen mir hier die Informationen darüber was für ein Mensch Du bist, mit was für Baustellen Du ausser Vergesslichkeit zu kämpfen hast.

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Erstmal vielen Dank für deine Antwort. Aufgehalst klingt erstmal negativ behaftet aber ich denke das war nicht so gemeint. Alle unsere Kinder waren gewünscht und ich genieße jede Sekunde mit Ihnen. Ich mache das auch aus der Seele und dem Herzen heraus gerne und könnte mir keine Sekunde ohne sie vorstellen.

Leider hilft uns niemand. Leider gab es seitens der Partnerin Verwerfungen weswegen der Kontakt hierzu sehr eingeschränkt ist. Klar kann man hinterher sagen „wieso hast du und wieso habt ihr“ aber das ist nunmal mehr der Status quo und ich will einfach nur nach vorne schauen und die Probleme lösen. Mit meiner Frau und der Familie. Für die Familie.

Auffälligkeiten bezüglich ADHS - ich brauche immer etwas in der Hand. Bin immer schon in der Selbstständigkeit gewisse Risiken und damit auch Herausforderungen eingegangen die vielleicht andere nicht gemacht hätten, habe aber dadurch auch viel positives erfahren können. Ich habe große Probleme mit Vergesslichkeit und in gewissen Bereichen auch Zuverlässigkeit. Bei den persönlichen Gesprächen mit dem Arzt hat er selbst nicht den Eindruck gehabt, dass ich ADHS habe - nachdem er die Bögen ausgewertet hatte, dachte er das es im
Bereich des möglichen steht. Egal wie - ich komme mit dem Druck nicht mehr klar - vor allem das ich in so vielen Bereichen alleine da stehe und dazu noch Druck aufgebaut wird warum x und y noch nicht oder zu spät gemacht wurde. All das belastet mich psychisch extrem und hat auch in der Vergangenheit zu suizidgedanken geführt. Doch meine Kinder geben mir einen Halt im Leben - ich könnte es nicht. Nur von pontius zu pilatus zu rennen und ich finde keine Angriffspunkte mit Ärzten. Ich will keine Pille x haben und alles ist gut. Ich will mein psychisches, inneres Leben in den Griff bekommen. Von außen bekommt man sehr wenig davon mit.

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Ob es ADHS ist oder nicht, ich befürchte ohne Unterstützung deiner Partnerin wirst du das nicht schaffen können.

Auch wenn es ADHS ist und du medikamentös eingestellt bist, ist das alles furchtbar viel und ohne gegenseitige Unterstützung nicht machbar.

Wenn deine Partnerin sich bei Kindern und Haushalt (wenn ich es richtig gelesen habe) kaum einbringt… wo dann?

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Es hört sich nach wahnsinnig viel an, was du leistest. Das muss ich jetzt hier gar nicht auflisten, du weißt es selber am besten. Und das noch mit einer bekannten Depression und evtl. ADHS. Ob das vorliegt, finde ich schwer zu beurteilen, einiges spricht schon dafür.

Was macht deine Partnerin denn beruflich? Macht sie denn überhaupt noch was für die Familie oder bleibt das alles an dir hängen?

Ich drück die Daumen, dass ihr das klären könnt und wieder zueinander findet.

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@Luxemburg entschuldige bitte wenn das mit dem „aufgehalst“ negativ rüber kommt, tatsächlich war meine Ausdrucksweise nicht negativ gemeint, leider fiel mir nur kein richtiger oder passender Ausdruck ein mit dem ich zum Ausdruck hätte bringen können wieviel Arbeit, Zeit und finanzieller Aufwand mit dem grossziehen von 5 Kindern verbunden ist, von dem her entschuldige ich mich, ich wollte Dich mit meiner Ausdrucksweise wirklich nicht verletzen.

Aber es ist nun mal eine Tatsache mit der man als Grossfamilie höchstwahrscheinlich deutlich mehr zu kämpfen hat als eine Familie mit 2 Kindern, auch mit oder ohne Hund, so Quasi als das allgemein gängige Abbild der heutigen Familie.

Obwohl so ein Vergleich natürlich auch irgendwie nichts taugt, denn auch mit „nur“ 2 Kindern im Vergleich, kann man als Mensch an seine Grenzen stossen.

Wie auch immer, um irgendwelche Vergleiche geht es mir sowieso nicht, denn so eine Diskussion wäre kontraproduktiv, und ist absolut nicht das um was es geht.

Aber was halt wegen einer Adhs Abklärung wichtig wäre, dass wäre eine Analyse Deines Lebens, heisst von Kindbeinen an.

Also unter anderem Fragen über Deine Herkunftsfamilie, heisst könnten andere Familienmitglieder* Deiner Herkunftsfamilie nach Deiner Einschätzung z.B. von Adhs oder auch dem Autismus Spektrum betroffen sein?.

Wie war Deine Schul und oder Studienzeit?, wie lief es während der Lehre?, hast Du Erfahrungen mit Drogen, egal welcher Art gemacht?, hast Du immer wieder kehrende depressive Episoden?, und wenn?, dann seit wann?.

Bist Du impulsiv?, innerlich unruhig oder zappelig?, wechseln Deine Stimmungen schnell?, kennst Du Gefühle wie Gedankenkreisen?, und oder das Gefühl das Dein Leben verläuft als sässt Du permanent auf einer Achterbahn?.

Verfällst Du bei Sachen die Dich interessieren oder Dir Spass machen in einen Hyperfokus?, brauchst Du lange um gefühlsmässig wieder runter zu kommen?, leidest Du seit Kindheit unter Schlafproblemen?.

Naja, diese Fragen nur mal so als Denkanregung für Dich, auch wenn es ohne Frage auch noch andere wichtige Fragen gibt um den Symtomen von Adhs auf die Spur zu kommen.

Und deshalb kann wie von anderen hier bereits erwähnt, ein Adhs Test bereits Licht ins dunkel bringen.