ADHS - Verhalten, Erleben und Umgangsstrategien

Geschätzte Freunde

Ich bin 32-jährig und lebe alleine. Ich tendiere immer mehr zur Einsamkeit. Ich habe mein zweites Studium abgebrochen und kann lebe inkonstant in allen Bereichen, typisch ADHS. Ich therapiere mein ADHS und die Begleiterscheinungen intensiv. Trotzdem die Frage, wie gestaltet ihr euer Alltag, dass ihr ihn als „erfüllt und lebenswert“ bezeichnen könnt? Wie erreicht Ihr Selbstakzeptanz? Mit diesen Fragen habe Ich momentan zu kämpfen.

Beste Grüsse und schöner Abend

Hallo soulriser,

Das ist nicht so gut, auch wenn man scheitert und viele Probleme hat sollte man, möglichst versuchen, sich nicht zu sehr zurück zu ziehen.

Darf ich fragen wie du das machst?

Das ist eine sehr schwere Frage wie ich finde, für mich ist es ein Täglicher Kampf, da man immer wieder merkt, wie anders man ist und einem auch leichtes, sehr schwer fällt.
Ich würde jetzt der Einfachheit sagen, sich selbst Zeit geben, neue Dinge ausprobieren und nach vorne schauen und möglichst nicht zurück sowie viel Selbstironie.

Man ist wie man ist und da kann man erst einmal nicht soviel daran ändern aber Akzeptieren und darauf neues aufbauen, sich ausprobieren und weiter machen. Als erquickend empfinde ich, wenn mich der Hyperfokus mal wieder packt, sofern es denn ein Positiver ist, momentan warte ich jeden Tag darauf aber dieser wird kommen da bin ich mir sicher.

Hallo Soulriser,

mir geht es genau wie dir, ich bin 32 und lebe seit kurzem wieder alleine. Ich habe meine Impulsivität nicht unter Kontrolle bekommen und habe deshalb meine Freundin verloren.

Auch habe ich mich von allen sozialen Kontakten die ich hatte distanziert, merke aber langsam, dass mir diese Einsamkeit nicht gut tut.

Im Wartezimmer meiner Therapeutin lag vor Monaten ein Beitrag in dem es hieß, dass uns gesunde Beziehungen glücklich machen.
Anfangs habe ich mir noch gesagt „ nein Danke, ich habe genug von Menschen und mit Welchen zu reden stresst mich sowieso nur“

Anfang dieser Woche hab ich mir gedacht, ich probier es einfach. Im Raucherverbreich verbringe ich soviel Zeit, warum Die nicht sinnvoll nutzen statt Sie nur der Sucht zu schenken.

Ich habe angefangen mich in Gespräche einzubringen und habe in den letzten 4 Tagen gelernt wie einfach es ist Menschen glücklich zu machen…
Man muss Ihnen nur zuhören, wirklich es ist total simpel. Zwischendurch lächeln und was fragen und die fangen an zu erzählen.
Es ist ja eh alles belanglos, die meckern nur über die Schule und den Unterricht, es kann mir nicht zu „nah“ werden wenn ich nicht selbst was erzähle.

Gucken, die mich blöd an - Nein, ich tu mich schwer Ihre Emotionen zu deuten

Lachen Die mich aus - Nein, warum sollten Sie, die lachen mich höchstens an weil Sie gerne mit mir reden

Sind die Böse auf mich - Nein, warum denn, die kennen mich doch gar nicht

Oh Gott was labert die - ach, vielleicht hat Sie auch keine Freunde

Der hat nen Pickel auf der Stirn - ja, schön ist ja nicht so wichtig

Die innere Stimme läuft natürlich immer mit, aber da ich mich eh nicht auf eine Sache konzentrieren kann, konzentrier ich mich halt auf Zwei^^

Zugegeben, es wird manchmal anstrengend, aber dann such ich mir eine Lücke und sage einfach“ ich muss wieder hoch, bis später“

Ob du es glaubst oder nicht, meinem Selbstwert hat das diese Woche wirklich geholfen.
Jetzt heißt es dranbleiben.

Das Studium war wohl nicht so wie du es dir vorgestellt hast, dass du abbrechen wolltest?

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Hi @soulriser!
Bei mir hat es langsam mit der Akzeptanz begonnen, als ich mit Elvanse angefangen habe und merkte, wie sehr ich diese Wirkung brauche.

Dadurch ist mir erst so richtig klar geworden, dass ich bis dato VIEL MEHR geleistet habe, als ich eigentlich im Stande gewesen wäre. Trotz 3 abgebrochener Ausbildungen :wink:

Erst als ich Nachmittags/Abends ohne die Elvansewirkung wieder zerstreut und planlos war, ist mir das Licht :bulb: aufgegangen:
ALTE! Du warst 30 Jahre lang so und stehst trotzdem noch!

Dadurch kann ich mir nun immer besser sagen: Solange Essen da ist, dein Kind glücklich ist und du dir jeden Tag 1-2 Aufgaben gibst, ist alles tutti!

Ich war echt viel zu streng mit mir und wollte immer 130% geben, bei egal was und für wen.
Jetzt langen mir auch 50% und zwar „nur“ für mich.

Und zum Alltag: fang mit deinen Bedürfnissen an. Stille sie jeden Tag mal für einen Monat. Ohne zu denken: ach das ist doch unwichtig oder kann auch später gemacht werden.
Für mich war die Stillung meiner Bedürfnisse (egal ob essen/trinken, zocken oder einfach nur da liegen) der erste Schritt, um mir einen eigenen Alltagsplan gestalten zu können.

Ich hoffe, das hilft dir etwas!

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Lieber schlingelpilz

Danke für deine Worte. Absolut. Dieser Kampf, mich mit meinen Besonderheiten zu akzeptieren und mögen, ist momentan brutal. Ich musste mein Studium abbrechen, momentan fressen mich meine hohen Selbstansprüche und Versagensängste bisschen auf, wirklich teils sehr dunkel. Ich hoffe, mein Hyperfokus kommt bald wieder und bringt mir eine geniale Lebensidee und Sinnstiftung. Auf jeden Fall versuche Ich, den Tag aktiv zu füllen, was momentan nicht grad leicht ist.

Ich besuche eine Psychotherapeutin. Aufgrund eines Wechsels sehe Ich sie bald das erste Mal. Bis anhin hatte Ich einen Psychiater, die Zusammenarbeit war teilweise wild. Hoffe auf Besserung.

Guten Tag OlleBolle

Danke für deine Worte, sehr inspirierend. Ich kann die Geschichte gut nachvollziehen.

Mein Studium stellte ich mir komplett anders vor. Mit grosser Vorfreude angetreten, mit grosser Enttäuschung verlassen. Ich hätte viele Gründe, die Schuld in Person und Sache an der Hochschule zu finden. Jedoch musste Ich mir eingestehen, dass ich komplett überfordert mit dem Stoff, der Organisation und der Coolness war. Das tat weg, denn eigentlich bin Ich intelligent und interessiert an neuen Dingen. Die Sinnfrage, wofür Ich den ganzen Stoff wirklich später brauche, zermürbte mich zusätzlich.

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Guten Morgen MsBrightside

Freut mich, dass dir Elvanse hilft. Ich habe 8 Monate Elvanse genommen und musste in der Abwägung das Medikament leider abbrechen.

Besten Dank für deine Informationen und schönen Worte. Das mit dem Selbstanspruch und dem Selbstwert ist ein grosses Problem, und die Angst zu versagen/verarmen ebenfalls. Ja voll eh, manchmal denke Ich: Wie um Gottes Willen hast du es geschafft, mit mittlerweile 32 Jahren noch relativ unbeschädigt dazustehen? Nach all dem Scheiss was passierte? Ich versuche erstmals, meine Bedürfnisse als Bedürfnisse zu akzeptieren und sie zu geniessen.

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