ADHS Vollzeit arbeiten und Ausbildung

Hallo,
Ich habe schon gesehen, dass es hier im Forum ein ähnliches Thema schon besprochen worden ist - es geht darum mit ADHS Vollzeit zu arbeiten. Für mich persönlich nahezu am unmöglichen. Wie habt ihr das in der Ausbildung gemacht?
Ich habe meine Ausbildung aus diesem Grund abgebrochen, es ging einfach nicht mehr. Da zusätzlich in dieser Zeit probiert wurde wieder mit Medikamenten zu arbeiten, was total schief ging.
Jetzt möchte ich bald wieder eine Ausbildung machen, privat zuhause kann ich aber in der gesamten Ausbildung nicht ausfallen (was der Fall ist wenn Vollzeit). Teilzeit wollen die meisten Arbeitgeber entweder nicht oder nur wenn man zb schon Kinder hat.
Wie habt ihr das gemacht? Gehts jemanden eventuell genauso?

Hey,

wenn es das Thema schon gibt, könnte das dorthin verschoben werden?

Also ich kann dazu sagen, dass es mir auch so geht. Im Moment arbeite ich 20 Stunden/Woche und damit ist mein Limit erreicht. Wobei erschwerend zur Arbeit hinzukommt, dass ich mit den Öffis pro Strecke ca 2 Stunden pendeln muss. Wenn das nach meinem (hoffentlich baldigen) Umzug wegfällt, könnte ich vielleicht noch um ein paar Stunden erhöhen.

Was mir auf der Arbeit zusetzt sind der oft chaotische Tagesablauf, manchmal viele Aufgaben gleichzeitig bearbeiten/erledigen zu müssen und dabei auch noch immer wieder unterbrochen zu werden. Und wenn es ein Tag mit vielen Klient_innenkontakten ist, bin ich hinterher auch ziemlich k.o. Wobei mir die Arbeit durchaus gefällt, es ist halt nur auch sehr anstrengend für mich.

Bei vergangenen Jobs, die mir nicht gefielen und vergleichbar anstrengend waren, habe ich nie lange durchgehalten. Der „Rekord“ liegt bei ca 1,5 Jahren. Es ist für mich also sehr wichtig, dass die Arbeit an sich mir gefällt, daraus kann ich dann wieder Kraft schöpfen.
Vollzeit habe ich in einer Ausbildung versucht, aber auch nur knapp über ein Jahr geschafft. Es war zu viel. Dass Mobbing dazu kam, machte es nicht einfacher. Aber generell ist mir da klar geworden, dass Vollzeit für mich utopisch ist. (Damals wusste ich noch nichts von ADS und AS bei mir und hatte ein schlechtes Gewissen wegen meiner „Faulheit“.)

Was für eine Ausbildung machst du denn im Moment? Macht dir die Arbeit Freude?

Hey @SarahD1512, :heart:-lich willkommen!
Ich habe eigentlich mein ganzes Leben Vollzeit (40 Std) gearbeitet, wobei ich feststelle, dass oft nach 6 Std die Luft raus ist, aber da „pusht“ mich auch die Interaktion mit den Kollegen. Ich muss sagen, das ganze Soziale am Arbeitsplatz ist mir enorm wichtig und gibt mir Auftrieb. Wenn der Job Spass macht, schafft man sicherlich auch mehr Stunden konzentriert zu arbeiten, es geht zumindest mir so. Und ich denke immer ans Team Ergebnis und bin dann stolz, dazu beigetragen zu haben. Manchmal sind andere schneller in den Themen, dafür präsentiere und moderiere ich gern und auch gut. Da kommt mir das ADHS- plappern sehr entgegen :sweat_smile: liebe Grüße Lea

Nach 27Jahren im Berufsleben kann ich sagen das eine Vollzeitbeschäftigung nicht unmöglich ist.
Gerade bei Spätdiagnostizierten wie mir (Diagnose mit 45) ist es oft so, dass durch Coping (Bewältigungsstrategien) und unbewusster Selbstbehandlung (Sport/stimulierende Lebensmitteln) die AD(H)s soweit unter Kontrolle gehalten wurde.
13Tage am Stück arbeiten? Kein Problem. 10std am Tag? Gerne!
Voraussetzung ist aber das der Job abwechslungsreif und interessant ist, das soziale Umfeld auf der Arbeit passt und nicht belastet.
Zum Beispiel Pflege, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Aussendienst, IT, Kreatives…
Mit einem Mo-Fr/9to5-Schreibtisch-Job ist hier garantiert niemand glücklich geworden. Auch nicht wenn man gut mit Medikamenten eingestellt ist.
Klar gibt es Einschränkungen, eine Ausbildung wird man fast nie als Bester bestehen, dazu ist man zu chaotisch. Später im Beruf wird das eine oder andere liegenbleiben (Prokrastination besonders bei der Buchhaltung usw.).
Aber all das musst Du für Dich selbst herausfinden und nicht vorher die Flinte ins Korn werfen.

Wir sind nicht doof.
Wir sind anders. Aber jeder von uns ist anders anders.
Und Medikamente sind nicht die Lösung, sie sind nur ein Werkzeug.

Also dass man eine Ausbildung „fast nie“ als Beste_r bestehen wird, sehe ich anders. Es heisst doch, dass es den sogenannten Hyperfokus gibt. Oder dass sich Leute mit ADXS sehr gut konzentrieren und auch ausdauernd sein können, wenn sie sehr interessiert sind. Das sind doch Voraussetzungen, um (sehr) gute Leistungen in z.B. der Ausbildung zu erbringen. (Evtl mit Unterstützung durch Nachteilsausgleich.)
Bei mir war das im B.A. Studium jedenfalls so. Zwar nicht ganz Beste_r geworden, aber nah dran. (Wollte jetzt nicht angeben damit, nur anführen, dass es machbar ist unter entsprechenden Voraussetzungen.)

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Der Hyperfokus deckt aber immer nur ein Thema ab. Ein Thema für das man sich begeistert.
Aber wenn Du die Ausbildung in einem technischen Lehrberuf machst dann kommen bei der Abschlussprüfung z.B. Mathematik, Fachkunde, praktische-körperliche Aufgaben nahezu zeitgleich.
Das schafft der Hyperfokus leider nicht.

Studium ist ein anderer Schnack. Da kannst Du die Prüfungen nacheinander legen und jeweils nacheinander mit dem jeweiligen Fokus bestehen.

Ich glaube, wir sollten es trotz der Unterschiede von Studium und Ausbildung offen halten. Du hast ja selbst geschrieben, dass es „fast“ nie gelingt, @Dokma. Und sicher ist es meistens eine Zusatzbelastung.

Aber wenn das hier jemand liest, der seinen Abschluss noch vor sich hat, soll der sich ja nicht allein durch die Diagnose limitiert fühlen.

Es spielt so viel rein von Tagesform bis Trauerfall in der Familie, aber auch Unterstützung, ein gutes Wort eines Mentors zur richtigen Zeit oder ein motivierender Kinofilm oder einfach nur Glück und Pech.

Bis auf einen pro Vergleichsgruppe besteht nie einer eine Ausbildung oder was auch immer als „Bester“ - ohne, dass die „Nicht-Besten“ alle ADHS haben.
Es ist auch in fast allen Fällen irrelevant, ob man der Beste ist. Macht euch doch nicht selbst solchen völlig an der Realität vorbeigehenden Druck. Auch ohne Doktor mit Summa cum, ohne Studium mit Prädikatsexamen, ohne 1er-Abi, ohne „Bester Azubi“-Titel kann man seinen Platz im Leben finden. 99,9 % aller Menschen tun das. „Platz im Leben“ umfasst auch mehr als „Sprosse der Karriereleiter“. Es hilft übrigens, mal den Blick von Deutschland und der deutschen Mentalität abzuwenden und auch ruhig mal aus Europa mindestens gedanklich rauszugehen. Wir haben hier eine ganz extrem hierarchische und leistungszentrierte Mentalität. Kann man mitmachen. Muss man aber nicht.

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Naja, ich komme aus dem Bereich, bzw bin sehr fachnah und habe auch Erfahrung Im Rettungsdienst und fand es einfach nur ätzend.
Ich habe jetzt einen Routinejob und mache 10* am Tag die gleiche Untersuchung.
Damit gehts mir viel besser.

Auch ADHSler sind Individuen, was sich auch auf die Berufswahl auswirkt.

Von Pauschalisierungen halte ich nichts.

PS: ich habe meine Ausbildung mit 1,1 bestanden und war die Zweitbeste.

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Hi,

es kommt sehr auf dich und den Beruf/Firma/Kollegen an. Schule und später auch Studium waren mit Mo-Fr 0800-1900 eht hart, ich habe viele Scheine wiederholt, einige im letzten und allerletzten Versuch. Am Ende vom Studium war ich als ziviler Mitarbeiter bei einer großen Freuerwehr, was total cool war vom Umfeld, von den Kollegen usw., aber da staatlich, die (für mich) reinste Katastrophe, Behörde wie es im Buche steht, alles genau geregelt, keiner zuständig. So sehr es mein Traum ist, in gehobener Stellung als Feuerwehrmann zu arbeiten, so ist es der Albtraum schlechthin für mich, einfach von den Dienstwegen, vom ganzen Verwaltungsdings.

Jetzt arbeite ich in einem mittelgroßen Ing.-Büro, Die Kollegen sind gut, die B2B-Kunden cool, mit den Privatkunden ist es mal so mal so, ich habe einen vorgegebenen Dienstplan, der sich wöchentlich wiederholt (ausser bei Urlaub, Krankheit, etc, aber der Inhalt ist immer der gleich, nur die Personenzuordnung variiert dann), und ich kann außerhalb dessen machen was ich will, kann selbst kleinere Budgets ohne Rückfragen genehmigen. Einzig mit dem Chef komme ich nicht zurecht, aber dem gehe ich größtenteils aus dem Weg, und die Kollegen nehmen mich dahingehend in Schutz.

Wie gesagt, kommt auf deine Arbeit an, einen 9-5 Job könnte ich überhaupt nicht.