ADHS (Vyvanse) + Angstmedikamente – Erfahrungen beim Ausbalancieren ohne emotionale Abstumpfung

Hallo zusammen,

ich möchte meine Situation ausführlich schildern und von Leuten hören, die vielleicht Ähnliches erlebt haben – besonders diejenigen, die sowohl ADHS als auch Angst-/Panikstörungen haben.

Ich wurde mit ADHS und Angst-/Panikstörung diagnostiziert.

Momentan nehme ich:

  • Vyvanse (Lisdexamfetamin) 40 mg gegen ADHS

  • Sertralin 50 mg gegen Angst/Panik

Ich nehme Sertralin seit etwa 1,5 Jahren.


Wie es mir geholfen hat:

Sertralin hat meine Angst deutlich verbessert.

Vor der Einnahme hatte ich:

  • Häufige Panikattacken

  • Starkes Schwitzen

  • Körperliche Symptome der Angst

  • Vermeidungsverhalten (manchmal wollte ich gar nicht nach draußen)

Insofern hat es mich wirklich stabilisiert.


Das Problem: emotionale Abstumpfung / „Lebenslustverlust“

Das Problem ist, dass Sertralin mich emotional flach fühlen lässt.

Nicht nur das sexuelle Verlangen – sondern auch meine allgemeine Lebensenergie:

  • Weniger Freude an Dingen

  • Weniger emotionale Tiefe

  • Weniger Motivation durch Gefühle

  • Ein „Ist mir egal“-Grundgefühl

  • Die Zeit vergeht, ohne dass ich sie wirklich erlebe

Ich fühle mich stabil, aber auch abgestumpft.

Als ich früher 100 mg genommen habe, war es noch schlimmer:

  • Extreme Müdigkeit

  • Viel Schlaf

  • Keine Motivation

75 mg war etwas besser, aber immer noch sedierend.

50 mg ist tolerabler, aber ich fühle mich immer noch emotional gedämpft.


Interaktion mit Vyvanse

Vyvanse wirkt gut gegen mein ADHS:

  • Ich bin fokussiert

  • Eingespannt auf Aufgaben

  • Produktiv

Aber ich habe das Gefühl, dass Sertralin den dopaminergen Antrieb von Vyvanse „bremst“.

  • Fokus ist da

  • Begeisterung fehlt

  • Motivation ist eher kognitiv als emotional

Außerdem merke ich, dass meine Stimmung und Angst am Abend deutlich abfallen, wenn Vyvanse nachlässt.


Wonach ich suche

Ich möchte nicht unmediziert sein.

Ich suche etwas, das:

  • Einen stabilen Blutspiegel aufbaut (nicht nur bei Bedarf)

  • Bei Angst/Panik hilft

  • Mich nicht emotional abstumpft

  • Libido und Lebenslust nicht zerstört

  • Mit Vyvanse kompatibel ist

Ich habe über Optionen wie Buspiron, SNRIs etc. gelesen, bin mir aber unsicher, wie wirksam sie speziell gegen Panikattacken im Vergleich zu allgemeiner Angst sind.


Meine Fragen

  • Hat jemand von euch ADHS-Stimulanzien + Angstmedikamente erfolgreich kombiniert ohne emotionale Abstumpfung?

  • Hat ein Wechsel von SSRI zu etwas anderem geholfen, die „Lebenslust“ zurückzubringen?

  • Wie hat sich das konkret auf Panikattacken ausgewirkt?

  • Kam die Angst nach Absetzen von SSRIs wieder, oder war sie nach Behandlung von ADHS gut kontrollierbar?

Ich würde mich sehr über echte Erfahrungen freuen, vor allem langfristige.

Danke :folded_hands:

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Hey nineteenxd,

erstmal danke, dass du deine Situation so detailliert beschrieben hast – das macht es für andere leichter, dir konkrete Erfahrungen zu teilen. Ich kann natürlich nur aus meinen eigenen Erfahrungen oder von dem, was ich von anderen gehört habe, sprechen, aber vielleicht helfen dir ein paar Denkanstöße.

  1. SSRI + Stimulanzien
    Viele Leute, die ADHS-Stimulanzien wie Vyvanse nehmen, berichten genau das: SSRIs (wie Sertralin) helfen super gegen Angst/Panik, können aber die emotionale Bandbreite dämpfen. Die Kombination kann den dopaminergen „Drive“ der Stimulanzien etwas bremsen, wodurch Fokus da ist, aber Motivation und Freude eher kognitiv als emotional wirken. Das ist leider sehr häufig und kein „Einzelfall“.

  2. Dosisanpassung vs. Wechsel

    • Einige berichten, dass sie durch Reduzieren der SSRI-Dosis einen Mittelweg gefunden haben: Angst bleibt kontrolliert, Lebenslust kehrt ein.

    • Andere wechseln auf SNRIs (z.B. Venlafaxin, Duloxetin) oder Buspiron, um Panik zu behandeln. Die Erfahrungen sind gemischt:

      • Buspiron kann weniger emotional dämpfen, wirkt aber oft nur mäßig stark bei akuten Panikattacken.

      • SNRIs wirken oft ähnlich wie SSRIs bei Panik, aber manche empfinden sie als weniger „flachmachend“.

  3. Alternative Strategien

    • Bupropion (kein SSRI, dopamin/noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) wird manchmal als Alternative für ADHS + Angst diskutiert. Es steigert oft Lebensfreude und Motivation, hilft aber nicht jedem bei Panik und ist bei starker Angst oft nicht ausreichend alleine.

    • Therapieunterstützung: Kognitive Verhaltenstherapie oder gezielte Paniktherapie kann in Kombination mit niedrigdosierten Medikamenten helfen, die Dosis zu reduzieren und trotzdem stabil zu bleiben.

  4. Absetzen von SSRIs

    • Einige berichten, dass die Angst nach Absetzen zurückkommt, besonders ohne alternative Angststrategie.

    • Andere, die ADHS besser mit Stimulanzien kontrollieren, haben zumindest eine gewisse Stabilität, aber meist bleibt ein gewisses Risiko für Rückfälle ohne medikamentöse Unterstützung.

Fazit / Tipp:
Es gibt leider keinen perfekten Weg, der alle vier Punkte gleichzeitig löst: Angstfreiheit, volle Lebensfreude, stabile ADHS-Kontrolle, keine emotionale Abstumpfung. Viele finden aber einen Mittelweg durch:

  • Dosisoptimierung (SSRI niedriger)

  • Wechsel auf SNRI oder Buspiron

  • Kombination mit Bupropion oder ähnlichen Substanzen

  • Therapie zur Unterstützung der Angstkontrolle

Wenn möglich, könnte ein Arzt, der Erfahrung mit ADHS + Angst hat, helfen, verschiedene Strategien auszuprobieren – manchmal braucht es mehrere Schritte, um das richtige Gleichgewicht zu finden.

Hallo Nineteen,
meine Tochter nimmt auch Lisdexamfetamin und Sertralin und ist aber ganz zufrieden damit.
Wenn ich es richtig verstanden habe, nimmst du das Sertralin schon länger und hast des Yvanse erst später dazubekommen? Wann hast du die ADHS-Diagnose bekommen?
Oft sind ja Angsterkrankungen eine Folge von unbehandelter/unerkannter ADHS. Viele hier berichten, dass sie jahrelang auf Angststörung/Depression usw behandelt wurden, und die Symptome dann nach der ADHS-Siagnose und -Therapie wesentlich besser wurden.

  1. D.h., vielleicht könntest du versuchen, das Sertralin langsam zu reduzieren oder auszuschleichen, und
    gucken ob Elvanse alleine vielleicht schon ausreicht. Begleitend Psychotherapie ist auch hilfreich v.a. gegen die Angstsymptome, da viele ADHSler erst mit Stimulantien „Therapiefähig“ werden.

  2. Manche empfinden diese emotionale Abflachung wie du sie beschreibst auch unter
    Stimulantientherapie (ich auch, aber noch erträglich), die Kombination könnte den Effekt also vielleicht
    sogar verstärken (???)

  3. Bevor du auf SNRI wie Venlafaxin umsteigst, lies bitte erstmal die Berichte dazu hier im Forum, es
    wirkt wohl sehr gut aber die Absetzsymptome sind wohl oft die Hölle und können ewig anhalten.
    (Hab ich aber keine persönliche Erfahrung mit.)

  4. Ich persönlich bin ein großer Fan von Bupropion, da es wie die Stimulantien auf den Dopamin-und Noradrenalinspiegel wirkt. Bei mir wirkt es stark angstlösend und antriebssteigernd, allerdings immer nur begrenzte Zeit (3-4 Wochen in jeder Dosis).
    Ich nehme es manchmal im Urlaub, weil es kein BTM ist wegen der Zollformalitäten. Und fühle mich dann immer viel mehr wie ich selbst, WENIGER abgeflacht.
    UND: es ist soweit ich weiss das einzige Antidepressivum, das keine Libidominderung verursacht.
    UND: da es sich auf den Metabolismus von Elvanse auswirkt, nehmen manche das in Kombi um die Elvanse-Wirkzeit zu verlängern.
    Das sind aber nur meine Erfahrungen, viele hier haben keine so guten Erfahrungen damit.

Vielleicht hilft dir davon irgendwas als Denkanstoß weiter. Besprich das vielleicht einfach mal mit deinem Arzt, auf keinen Fall würde ich auf eigene Faust irgendwas ändern, das kann nach hinten losgehen.
Viele Grüße :slightly_smiling_face: