ADHS Zweifel an meiner Diagnose

Hallo zusammen,

ich schreibe diesen Beitrag, weil ich seit langer Zeit an mir selbst zweifle und hoffe, dass vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Oder mir helfen kann es einzuordnen.

Ich habe nach einer Diagnostik die Diagnose einer mittelgradigen ADHS-Symptomatik erhalten. Die Diagnostik bestand aus einem Interview, Online-Fragebögen, einem IQ-Test und einer weiteren persönlichen Befragung. Trotzdem fällt es mir bis heute unglaublich schwer, die Diagnose anzunehmen. Weil im Endeffekt eigentlich bis auf das erste Interview mit der Therapeutin, alles ziemlich so ist, wie der Fragebogen auf adxs.org

Mein Problem ist, dass ich mich in vielen Berichten von Menschen mit ADHS nicht richtig wiederfinde. Gleichzeitig erkenne ich aber einige Dinge sehr deutlich wieder. Dadurch zweifle ich ständig, recherchiere stundenlang und komme aus diesem Kreislauf nicht mehr heraus.

Meine größten Probleme sind:

  • Mein Arbeitsgedächtnis fühlt sich extrem schlecht an. Alles fließt einfach nur durch meinen Kopf durch, und ich krieg die Informationen einfach nicht gehalten.

  • Gedanken/Themen sind immer wieder in mir und machen mein Leben manchmal wirklich zu Hölle.

  • Namen und merke ich mir sehr schlecht. Auswendiglernen war für mich schon immer extrem schwierig. Wenn es mich interessiert, oder einen Zweck erfüllt merke ich mir alles direkt beim ersten mal.

  • Neue Situationen lösen in mir seit meiner Kindheit starke Anspannung aus. Das war schon als Kind beim Friseur, beim alleinigen Einkaufen oder auf Kindergeburtstagen so.

  • Ich habe keine Hyperaktivität im Sinne von, ich kann nicht ruhig sitzen bleiben, bin aber immer wieder das Bein am Wippen, auch zum Schlafen muss ich ständig das Bein wippen.
    Ich habe eher das Gefühl von Hyperaktiven Gefühlen. Die ganze Zeit sprudeln Gefühle in mir rum, was extrem anstrengend ist. Plötzlich muss ich weinen weil es zu viel wird… Stimmungen von anderen spüre ich, und nehme alles im Raum war. Extrem ätzend.

  • Emotionen sind mein dauerhafter Begleiter, alles wird analysiert und durchdacht. Alles hat ein Gefühl.

  • Aufgaben fallen mir sehr schwer, Haushalt etc. erst wenn der Druck dahinter ist kann ich loslegen.

Vor einigen Wochen habe ich mit Lisdexamfetamin begonnen 40mg. Was mich verwirrt: Ich habe nicht das Gefühl, plötzlich fokussierter oder „schlauer (Arbeitsgedächtnis)“ zu sein. Mein Arbeitsgedächtnis fühlt sich kaum besser an. Was sich eher verändert, scheint meine Gefühlswelt (also das ist schon super nicht falsch verstehen). Ich habe in mir eine Ruhe was angenehm ist.
Ich merke aber keinen „flash“ ich merke kein klares jetzt ist die Wirkung da, mein puls geht nicht hoch, mein Kreislauf scheint eher runterzufahren als hoch … das ist doch auch nicht normal?

Sobald die Wirkung aufhört, kommen Gedanken die mir sagen, dass ich kein ADHS habe, dass es alles nicht zusammen passt, dass das Medikament eigentlich nicht wirkt (das Gelaber geht wieder los) ..

Genau das bringt mich wieder ins Zweifeln: Wirkt das Medikament wirklich? Oder rede ich mir das nur ein?

Ich bin extremst gut im Maskieren seid ich ein Kind bin, ich kann jedem zuhören, obwohl ich nicht zuhöre, und niemand merkt es. Ich bin so angepasst, dass ich meine Emotionen immer in mir halte, außer es sind nahestehende Personen, dann kann es leider mal Kippen und ich schreie rum wie ein Kind.

Ich war schon in mehreren Therapien, Depressionen wurden genannt … gleichzeitig frage ich mich langsam ob das wirklich Depressionen sind, oder ob ich einfach zu viel „Gefühl“ in mir habe …

Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Oder kann mir eine andere Perspektive bieten?

In der Therapie wurde ich Jahrelang quasi darauf trainiert, diese ganzen Dinge an mir durch Depressionen oder zu viel Stress zu beantworten …

Dann ist doch alles genauso wie es sein sollte (EDIT: wenn jemand wirklich ADHS hat), oder nicht? Ich sehe jetzt nichts was darauf hindeutet, dass die Diagnose falsch war

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Hast du mal höhere Dosierungen ausprobiert?
Bei mir war es so, dass Emotionen und Gedanken sich recht schnell beruhigt haben, Fokus aber erst bei höherer Dosis kam.

Und grundsätzlich kann die Medikamentenwirkung hinweise geben, aber keinen Beweis für oder gegen ADHS darstellen.

Wenn du die Diagnose hast, und du das Gefühl hast die Medikamente helfen dir, versuch die zweifelnden
Gedanken ziehen zu lassen :slight_smile:

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Hallo Nea,

über die Wirksamkeit vom Medikament kann man leider nicht feststellen, ob man wirklich ADHS hat. Das ist einer meiner Konflikte.

Hi Hypo,

danke für deine Antwort. Ja ich muss es schaffen diese zweifel ziehen zu lassen. Selbst wenn es kein ADHS wäre, sollte ich froh sein das es etwas leiser in mir wird. Aber das sieht mein inneres leider etwas anders :smiley: .

Zu Anfang hatte ich 20mg bekommen. Die honeymoon Phase war super, ich hatte Fokus es war ganz ruhig in mir, und ich dachte wie toll… aber schon am zweiten Tag gab es diesen Effekt nicht mehr, und ich spürte nichts mehr.

Dann habe ich 40mg genommen, und hier merke ich das meine Gefühle nicht mehr so in mich reinknallen. Aber der Rest bleibt aus.
Ich weiß nicht ob ich einfach eine Dosiserhöhung machen sollte. Ich habe 20mg Tabletten, die nächste Stufe wären direkt 60mg.

Wenn dein Arzt dir erlaubt hat höhere Dosierungen auszuprobieren könntest du sonst noch eine 20mg Kapsel mit der Wassermethode aufteilen. Dann könntest du erstmal 50mg noch testen