ADS Diagnose mit Depressionen

Hallo zusammen.
Vor ein paar Wochen habe ich mit einer ADHS Diagnostik in einem ADHS Zentrum begonnen. Dafür musste ich von Zuhause aus zwei Tests von HASE ausfüllen, meine Mutter einen von CAARS und dann hatte ich noch ein Gespräch mit einem Diagnostiker, der nochmal mit mir die HASE Fragen durchgegangen ist & mit mir beantwortet hat.
Am Ende dieses Gesprächs sagte der Mann mir, dass es sehr wohl viele Anzeichen gäbe, aber für ADHS würde die Hyperaktivität bei mir fehlen. Es könnte aber noch ADS sein. Was, wie und ob müsste aber in einem weiteren Gespräch differenziert werden, da bei mir ebenfalls seit vielen Jahren Depressionen diagnostiziert sind.
Dieses Gespräch war dann gestern und lässt mich doch… sehr verwirrt zurück. Mir wurde kein ADS diagnostiziert, viel eher hatte ich das Gefühl, dass das Zentrum eben auch nur ADHS und kein ADS diagnostizieren würde (durch die Anfangsfrage: „Wie fühlen Sie sich damit, dass es kein ADHS sein kann?“). Des Weiteren berief sie sich immer wieder auf meinen Suizidversuch von vor über 10 Jahren, mit welchem sie erklärte, dass meine Symptome eindeutig von Depressionen stammen müssen und ADHS somit ausgeschlossen wäre; ebenso weil meine Mutter im Test über meine Kindheit viele Fragen über Selbstzweifel hoch beantwortet hat. Das Gespräch dauerte insgesamt 30 Minuten und ich fühlte mich ziemlich abgespeist.
Da ich nun sehr verwirrt bin, wollte ich hier um Rat fragen. Mir wurden auch die Testergebnisse zugesendet und ich habe gestern abend noch sehr lange damit verbracht, sie zu verstehen. Vor allem bei dem Test, den ich zusammen mit dem Diagnostiker gemacht habe, steht bei jedem Kriterium (Aufmerksamkeit, Temperament, Labilität etc.) „Gesamtbeurteilung als mittel bis sehr schwer“, eben außer bei der Überaktivität: „Gesamtbeurteilung als nicht vorhanden oder leicht“.
Nun bin ich verunsichert und fühle mich in eine Schublade gesteckt. Natürlich soll mir eine Diagnose oder auch Nicht-Diagnose nur helfen, und es ist somit in Ordnung, wenn ich kein AD(H)S haben sollte. Ich frage mich nur lediglich, ob das, was mir die Ärztin und das nach so kurzer Zeit diagnostizierte, wirklich Sinn ergibt. Gibt es vielleicht nur ADHS als Diagnose und ADS kann gar nicht diagnostiziert werden, weswegen die fehlende Hyperaktivität tatsächlich ein gänzliches Ausschlusskriterium für beides ist? Schließt ein Suizidversuch AD(H)S wirklich so genau aus, sodass die Testergebnisse keine Rolle mehr spielen? Oder habe ich die Testergebnisse vielleicht auch falsch gelesen?
Ich bin mir einfach nicht sicher, ob ich dem Ergebnis/der Ärztin so gut trauen kann oder ob in meinem Fall eine zweite Meinung evtl. angebracht wäre. Was meint ihr?

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Hallo Overblot,
hole Dir unbedingt eine zweite Meinung ein bzw mache eine erneute Diagnostik an anderer Stelle. Meine erste Diagnostik hat AD(H)S ausgeschlossen. Nach außen sichtbare Hyperaktivität habe ich kaum (kein Gewackel und Gezappel und Geklopfe), aber ich rede viel, was ja auch Hyperaktivität ist. Zudem braucht die Diagnose ADS Erfahrung beim Diagnostiker.

Die zweite Diagnostik kam zum Ergebnis ADHS-C und die Medikamente unterstützen dies, denn ich bin durch Ritalin deutlich ruhiger, klarer und emotional stabiler.

Wurde bei Dir ein Computertest und ein Intelligenztest im Rahmen der Diagnostik durchgeführt?

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Mein Diagnostiker hatte zum Glück die Copingstrategien mit im Kopf, die man als braver ADHSler zu Tage legt , damit man eben nicht im Gespräch so herumhibbelt.
Des Weiteren hatte er im Blick das meine Ruhe/Depressivität daher rührte weil mich ein BurnOut ausgeknockt hatte und ich noch gar nicht auf mein altes Energielevel zurück war.

Nein, nur die Fragebögen.
Das Problem ist leider, dass die ganzen ADHS Zentren für Erwachsene in meiner Umgebung aktuell komplett überlastet sind und keine neuen aufnehmen. Überhaupt an einen Termin zu kommen war schwierig und hat sehr lange gedauert. Vielleicht muss ich nochmal nach anderen Anlaufstellen suchen.

Was sind das für Copingstrategien?

Es wird nicht mehr zwischen ADHS und ADS in dieser Form differenziert. Ich finde diese Aussage/ Frage nicht professionell.

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Wenn ich mit was rumspielen muss, dann mache ich das zB dezent in der Jackentasche. Nervöse Beine leite ich ab in dem ich mit den Zehen in den Schuhen wackel .

Aber ich glaube Copingstrategie war eher das falsche Wort. Es sind wohl eher Kompensationstrategien :sweat_smile:

Eben sich halt mit viel Energie anzustrengen ruhig zu sein , nicht dazwischen reden . Das Eichhörnchen am Fenster nur zu registrieren und nicht drauf hinweisen . Halt alles was man versucht um sich anzupassen um nicht zu anstrengend zu sein.

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Danke für die Erklärung, das mache ich auch. Musste mir das „Beinwippen“ als Jugendliche abtrainieren und bin seitdem meine Muskeln an den Schenkeln konstant am an- und entspannen. Oder spiele mit Stiften, drücke meine Fingerkuppen aneinander usw. Einfach nur sitzen und gar nichts tun kann ich überhaupt nicht, aber es ist unauffälliger.
Ich war daher auch verwirrt, weswegen das nicht als Überaktivität zählt. Allerdings habe ich kein Problem damit, länger sitzen zu bleiben, das stimmt.

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Hast du das nicht gesagt bei der Diagnostik?

Auch mal bitte die sekundären und tertiären Symptome anschauen.