Danke allen für eure Beiträge! Ich habe aus allen etwas Wichtiges lernen können. Ich habe geschaut ob ich auch etwas auf deutsch finde und bin auf Deutsch finde und bin auf das „Clinicum St. Georg“ in Bad Aibling getroffen, dort hat Dr.med. Friedrich R. Douwes folgenden Beitrag unter: Hormone und Hormonstörungen | Clinicum St. Georg erstellt:
„Fallgeschichte Hubert N.
Hubert N. kam in meine Sprechstunde, er war 54 Jahre alt. Er setzte sich und sagte ohne weitere Einleitung: „Doktor, hoffentlich können Sie mir helfen, sonst sehe ich schwarz für mein weiteres Leben. Sie sind quasi meine letzte Hoffnung.“
Worüber klagte Hubert N.?
- Depressionen (und dies war ganz offensichtlich aus seinem Gesicht abzulesen)
- schwere Unterzuckerung
- Asthma
- Osteoporose (er hatte im Jahr zuvor einen Oberschenkelhalsbruch, an dessen Folgen er immer noch litt)
- Restless Legs (RLS)
Ich konnte ihn beruhigen und ihm erklären, dass wir seine Probleme ziemlich gut lösen könnten, weil er einen Hormonmangel habe. Er schaute mich etwas zweifelnd an, da er über so etwas überhaupt noch nicht gehört habe. Er habe viele Ärzte aufgesucht und viel Geld und auch Zeit in seine Gesundheit investiert. Dann legte er mir eine dicke Krankenakte vor: Er hatte Hunderte von Untersuchungen und Eingriffen über sich ergehen lassen – kein Arzt hatte jemals das Wort Hormonmangel erwähnt, geschweige denn seine Hormonwerte bestimmt. Jetzt, innerhalb weniger Minuten, wollte ich das als das eigentliche Problem erkannt haben.
Dennoch stimmte er einer Hormonbehandlung zu. Ich bestimmte seine Hormone im Speichel und seine Schilddrüsenwerte. Sie waren erwartungsgemäß niedrig. Deshalb verschrieb ich ihm Testosteron und Progesteron in einer transdermalen Formulierung sowie Thyreoida sicca (getrocknete Schilddrüse). Nach nur acht Tagen rief er mich an, um mir mitzuteilen, dass er sich so gut fühle wie nie in den letzten Jahren. Seine Reaktion war genau, was ich erwartet hatte.
EFFEKTE DER HORMONERSATZTHERAPIE BEI HUBERT N.
Die Fallgeschichte von Hubert N. kann folgendermaßen erklärt werden: Zum einen wirkt Progesteron auf die Neurotransmitter im Gehirn und kann deshalb Depressionen schnell beseitigen. Darüber hinaus verhindert es die Überproduktion von Insulin und hilft damit schnell gegen Unterzuckerung. Außerdem wirkt es großartig bei Asthma, vermutlich aufgrund seiner „Anti-Östrogen“-Wirkung: Zu hohe Östrogenwerte sind häufig die Ursache von „Asthma“ – und auch Männer haben oft zu hohe Östrogenwerte. Dies war auch bei Hubert N. der Fall. Zudem wirkte sich das Progesteron neben dem Testosteron günstig auf seine Osteoporose aus. Und schließlich besserte sich mit dem natürlichen Schilddrüsenhormon auch sein Stoffwechsel.
Progesteron lindert darüber hinaus das sogenannte Restless Legs Syndrom (RLS). Diese Störung wird durch zu hohe Adrenalinwerte hervorgerufen. Allerdings ist das vielen Ärzten nicht bekannt: Sie gehen meist davon aus, dass die Ursache des Syndroms nicht bekannt und die Störung deshalb nicht heilbar sei. Daher raten sie zu einer Behandlung mit toxischen Medikamenten, die ursprünglich für die Therapie von Parkinson verwendet werden. Auch hier werden also nur Symptome behandelt, nicht aber die Ursache der Krankheit. Die Anwendung von Progesteron jedoch kann die Patienten teilweise innerhalb einer Woche von ihren RLS-Symptomen befreien.
Doch nicht nur bei Restless Legs, sondern auch bei ADHS von Erwachsenen und Fibromyalgie kann Progesteron erfolgreich eingesetzt werden. Dies hat den Grund, dass auch diese Leiden häufig auf einem Zuviel an Adrenalin beruhen. Mit einer 3x-täglichen Anwendung von Progesterongel, kombiniert mit einer Reduktion von Kohlehydraten und einer Absenkung des Insulinspiegels, kann diesen Patienten entscheidend geholfen werden.
Wir Ärzte lernen in unserer Ausbildung nur wenig über Hormone. Wen wundert es da, dass keiner der Spezialisten, mit denen Hubert N. über seine Probleme sprach, sein Problem erkennen konnte?
Dosierung von Progesteron bei der Ersatztherapie
Ich halte Progesteron neben Testosteron für das zweitwichtigste Hormon in einer Ersatztherapie bei Männern. Die Anwendung dieses Hormons bringt praktisch keine Nachteile. Es muss lediglich von einer Herstellungsapotheke bezogen werden. Statt Tabletten empfehle ich ein liposomales Gel, da dieses die Leber nicht belastet. Ich verschreibe in der Regel ein 5–10%iges Progesterongel mit einer Dosierung von 50–100 mg pro Hub über einen Zeitraum von zwei Wochen. Das entspricht 1,0 ml dieses Gels täglich. Am besten wird das liposomale Gele auf die Innenseiten der Unterarme aufgetragen. Männer, die zu einer hohen Produktion von Insulin neigen, benötigen etwas mehr Progesteron.“
Fazit: Es scheinen offensichtlich auch ein paar Deutsche Ärzte, dieselben Quellen aus den USA gelesen zu haben und setzen das ganze etwas modifiziert zwar aber immer doch auch in Deutschland um.
Weiters fällt mir Frau Dr.med.Johanna Krause ein, die in einem Artikel zu ADHS und Fibromylangie geschrieben hat, dass es bei ADHS und Fibromynagie eine gemeinsame Beteiligung der „Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse im Sinne einer neuroendokrinen Stress-Reaktion gibt“ siehe:
- Crofford LJ: The hypothalamic-pituitary-adrenal stress axis in the fibromyalgia syndrome. J
Musculoske Pain 4 (1996) 181-200 The hypothalamic-pituitary-adrenal stress axis in fibromyalgia and chronic fatigue syndrome - PubMed
- Demitrack MA, Crofford LJ: Hypothalamic-pituitary-adrenal axis dysregulation in
fibromyalgia and chronic fatigue syndrome: An overview and hypothesis. J. Musculoske Pain 3
(1995) 67-73
11. Krause KH, Krause J, Magyarosy I, Ernst E, Pongratz D: Fibromyalgia syndrome and
attention deficit hyperactivity disorder: Is there a comorbidity and are there consequences for
the therapy of fibromyalgia syndrome? J. Musculoske Pain 6 (1998) 111-116
https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1300/J094v06n04_10
Man könnte es vieles gesagte kurz wie folgt beschreiben:
Schilddrüse, Cortisol und ADHS: Hormonelle Fehldiagnosen
Jemand leidet unter Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und dem Gefühl, dass das Gehirn nicht richtig funktioniert. Vielleicht hat jemand ADHS vermutet. Vielleicht haben Sie sich sogar selbst schon gefragt, ob es ADHS ist.
Aber was, wenn die Ursache gar nicht ADHS ist? Oder wenn ADHS zwar eine Rolle spielt, aber etwas anderes die Symptome verschlimmert? Schilddrüsenfunktionsstörungen und ein gestörter Cortisolspiegel gehören zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen, die ADHS-Symptome imitieren, überschneiden oder verstärken können. Sie werden bei einer Standarduntersuchung oft übersehen. Das Verständnis dieser hormonellen Fehldiagnosen ist entscheidend für eine korrekte Diagnose und eine wirksame Behandlung.
Es geht hier nicht darum, ADHS zu ignorieren. Es geht darum, das Gesamtbild zu erfassen, bevor ein Behandlungsplan festgelegt wird.
Wenn Ihre Schilddrüse ADHS-ähnliche Symptome hervorruft
Die Schilddrüse, ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ im Hals, produziert Hormone, die Stoffwechsel, Energie und Gehirnfunktionen im gesamten Körper regulieren. Schilddrüsenhormone sind entscheidend für das Wachstum von Nervenzellen, die Myelinisierung (die Isolierung der Nervenfasern, die die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen beschleunigt) und die Regulierung von Neurotransmittersystemen wie Dopamin und Serotonin.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion können die Auswirkungen auf das Gehirn gravierend sein und ADHS stark ähneln.
Hypothyreose: Der Imitator von Aufmerksamkeitsstörungen
Hypothyreose, bei der die Schilddrüse zu wenige Hormone produziert, ist die häufigste Schilddrüsenerkrankung und ähnelt oft den Symptomen von ADHS. Zu den Symptomen gehören Konzentrationsschwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme, Müdigkeit, verlangsamte Verarbeitungsgeschwindigkeit und Depressionen. Bei Menschen, die bereits Aufmerksamkeitsprobleme haben, kann eine Schilddrüsenunterfunktion die Symptome dramatisch verschlimmern. Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung und die häufigste Ursache für Hypothyreose, verdient besondere Beachtung. Hashimoto kann zu Schwankungen der Schilddrüsenfunktion führen, bevor diese schließlich abnimmt. Das bedeutet, dass Symptome unvorhersehbar auftreten und wieder verschwinden können, was die Diagnose zusätzlich erschwert.
Das Problem mit dem Standard-Screening
Hier wird es aus klinischer Sicht wichtig. Das Standard-Schilddrüsen-Screening umfasst typischerweise die Bestimmung des TSH-Wertes (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) und manchmal des freien T4-Wertes. Liegen diese Werte im „normalen“ Referenzbereich, wird die Schilddrüse oft als unauffällig eingestuft.
„Normal“ ist jedoch ein weit gefasster Bereich, und eine subklinische Hypothyreose, bei der der TSH-Wert zwar leicht erhöht, aber nicht außerhalb des Referenzbereichs liegt, kann dennoch relevante kognitive Symptome hervorrufen. Studien haben gezeigt, dass TSH-Werte selbst innerhalb des Normbereichs mit kognitiven Beeinträchtigungen und ADHS-ähnlichen Symptomen in Zusammenhang stehen können. Eine umfassendere Schilddrüsenuntersuchung könnte freies T3 (die aktivste Form des Schilddrüsenhormons), reverses T3, Schilddrüsenantikörper (zum Ausschluss von Hashimoto) und das Verständnis des optimalen Funktionsbereichs im Vergleich zum Beginn des Referenzbereichs umfassen. Das ist der Unterschied zwischen „Ihre Laborwerte sind normal“ und „Ihre Schilddrüse funktioniert optimal für Ihr Gehirn“.
Hyperthyreose: Das Symptom, das Hyperaktivität vortäuscht
Am anderen Ende des Spektrums kann eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) die hyperaktiv-impulsive Symptomatik von ADHS imitieren. Zu den Symptomen gehören Unruhe, Angstzustände, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaflosigkeit und rasende Gedanken. Bei Kindern wurde eine Hyperthyreose insbesondere mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen, einschließlich Aufmerksamkeitsstörungen, in Verbindung gebracht. Obwohl eine Hyperthyreose seltener als eine Hypothyreose auftritt, ist sie eine weitere wichtige Erkrankung, die bei Verdacht auf ADHS ausgeschlossen werden muss.
Symptomüberschneidung: ADHS vs. Schilddrüsenfunktionsstörung
Symptom ADHS Schilddrüsenfunktionsstörung
Konzentrationsschwierigkeiten Kernsymptom Häufig bei Hypothyreose und Hyperthyreose
Gehirnnebel Häufig Sehr häufig bei Hypothyreose
Müdigkeit Häufig (oft durch Anstrengung) Kernsymptom der Hypothyreose
Ruhelosigkeit/Angstzustände Häufig (innere Unruhe) Kernsymptom der Hyperthyreose
Gedächtnisprobleme Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis Häufig bei Hypothyreose
Stimmungsschwankungen Emotionale Dysregulation Depression (Hypothyreose) oder Angstzustände (Hyperthyreose)
Schlafstörungen Häufig Schlaflosigkeit (Hyperthyreose) oder übermäßiger Schlaf (Hypothyreose)
Cortisol, chronischer Stress und die HPA-Achse
Cortisol ist das wichtigste Stresshormon des Körpers. Es wird von den Nebennieren unter der Steuerung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) produziert. Bei gesunder Funktion folgt der Cortisolspiegel einem vorhersehbaren Tagesrhythmus: Er erreicht morgens seinen Höhepunkt, um das Aufwachen zu unterstützen, und sinkt im Laufe des Tages allmählich ab. Wenn die Stressreaktion chronisch aktiviert ist, sei es durch anhaltenden Lebensstress, Traumata, Entzündungen oder andere Faktoren, kann die HPA-Achse aus dem Gleichgewicht geraten. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Cortisolspiegel einfach „zu hoch“ oder „zu niedrig“ ist; das Muster der Cortisolproduktion kann auf komplexe Weise gestört werden, was die Gehirnfunktion beeinträchtigt.
Wie sich eine Cortisol-Dysregulation auf die Aufmerksamkeit auswirkt
Der Zusammenhang zwischen Cortisol und kognitiver Funktion folgt einem von Forschern beschriebenen „umgekehrten U“-Muster. Sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Cortisolwerte beeinträchtigen Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktionen. Ein moderater, gut regulierter Cortisolspiegel unterstützt die kognitive Leistungsfähigkeit. Studien haben wiederholt gezeigt, dass Kinder und Erwachsene mit ADHS im Vergleich zu Kontrollgruppen tendenziell niedrigere basale Cortisolwerte am Morgen aufweisen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 bestätigte dieses Muster und fand signifikant niedrigere Cortisolwerte am Morgen, nach dem Aufwachen und am Nachmittag bei Kindern mit ADHS. Die Forscher beschrieben dies als ein Muster einer „HPA-Achsen-Hypoaktivität“, die zu der für ADHS typischen Untererregung beitragen könnte.
Diese Erkenntnis hat wichtige Implikationen. Sie legt nahe, dass das Stressreaktionssystem und das Aufmerksamkeitssystem gemeinsame biologische Signalwege nutzen und dass eine Dysregulation des einen Systems eine Dysfunktion des anderen Systems hervorrufen oder verstärken kann.
Anmerkung zu „Nebennierenschwäche“
Sie sind vielleicht schon einmal auf den Begriff „Nebennierenschwäche“ im Zusammenhang mit Wellness gestoßen. Er beschreibt einen Zustand, in dem chronischer Stress die Nebennieren erschöpft und zu niedrigem Cortisolspiegel sowie Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Problemen im Alltag führt. Wichtig ist: „Nebennierenschwäche“ ist keine anerkannte medizinische Diagnose. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Nebennieren in dem Sinne „erschöpft“ werden, wie es dieses Konzept suggeriert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) nicht existiert. Die Forschung belegt vielmehr, dass chronischer Stress das Muster und die Reaktionsfähigkeit der Cortisolproduktion so verändern kann, dass sich dies auf die Gehirnfunktion, das Immunsystem, den Schlaf und die Stimmung auswirkt. Der Mechanismus ist komplexer als die Annahme „erschöpfter Nebennieren“, aber die beschriebenen Symptome sind real und sollten untersucht werden.
Der klinisch sinnvolle Ansatz besteht darin, Cortisolmuster zu messen (z. B. einen Vier-Punkte-Speichelcortisoltest), die Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) im Kontext des allgemeinen Gesundheitszustands zu beurteilen und die Ursachen chronischer Stressaktivierung zu behandeln, anstatt sie mit einem Begriff zu bezeichnen, der wissenschaftlich nicht fundiert ist.
Warum umfassende Hormondiagnostik notwendig ist
Die in diesem Artikel beschriebenen Erkrankungen haben eines gemeinsam: Sie rufen Symptome hervor, die sich stark mit denen von ADHS überschneiden, und können durch geeignete Tests diagnostiziert werden. Das Problem ist, dass Standarduntersuchungen diese Tests oft nicht umfassen.
Ein umfassendes Hormonprofil für Personen mit ADHS-ähnlichen Symptomen könnte Folgendes beinhalten: ein vollständiges Schilddrüsenprofil (TSH, freies T3, freies T4, reverses T3, Schilddrüsenantikörper), eine Cortisolbestimmung (Morgencortisol oder idealerweise ein Vier-Punkte-Speichelcortisolprofil), Sexualhormone (Estradiol, Progesteron, Testosteron, DHEA-S) sowie die Berücksichtigung weiterer Stoffwechselmarker je nach klinischem Bild.
Ziel ist es nicht, eine ADHS-Diagnostik durch eine Hormondiagnostik zu ersetzen. Ziel ist es, hormonelle Faktoren zu identifizieren und zu behandeln, entweder weil sie die Hauptursache der Symptome sind oder weil sie eine bestehende ADHS verschlimmern. In der klinischen Praxis ist es häufig der Fall, dass ADHS und ein oder mehrere hormonelle Faktoren gleichzeitig vorliegen. Wird nur ein Faktor behandelt, bleiben die anderen unbehandelt.
Was die Behandlung hormoneller Ungleichgewichte bewirken kann (und was nicht): Wenn eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder eine Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) erkannt und adäquat behandelt wird, erleben viele Patienten eine deutliche Verbesserung ihrer Konzentration, Energie, Stimmung und exekutiven Funktionen. Bei manchen sind diese Verbesserungen so ausgeprägt, dass sie die Kriterien für eine ADHS-Diagnose nicht mehr erfüllen.
Bei anderen wiederum macht die Behandlung des hormonellen Ungleichgewichts die zugrunde liegende ADHS deutlicher sichtbar, da die verwirrenden Symptome verschwinden und das eigentliche neurokognitive Entwicklungsmuster erkennbar wird. Dies ist ein wertvolles klinisches Ergebnis: Es ermöglicht eine präzisere ADHS-Diagnose und eine gezieltere Behandlung. Die Realität ist jedoch, dass hormonelle Faktoren selten das gesamte Krankheitsbild erklären und ADHS allein ebenfalls selten alles erklärt. Der effektivste Ansatz ist die Bewertung und Behandlung aller relevanten Faktoren, um einen Therapieplan zu erstellen, der die tatsächliche Komplexität der individuellen Situation berücksichtigt.
Wichtigste Erkenntnisse:
• Schilddrüsenunterfunktion und -überfunktion können ADHS-Symptome stark imitieren, und eine standardmäßige TSH-Bestimmung allein kann eine subklinische Schilddrüsenfunktionsstörung übersehen.
• Eine Dysregulation des Cortisolspiegels durch eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) kann Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen beeinträchtigen, und zwar über Mechanismen, die sich mit ADHS überschneiden.
• „Nebennierenschwäche“ ist keine anerkannte Diagnose, aber eine Dysregulation der HPA-Achse ist real, messbar und klinisch relevant.
• Umfassende Hormonuntersuchungen sind eine wichtige Ergänzung zur ADHS-Diagnostik, kein Ersatz dafür.
• Die Behandlung von Hormonstörungen kann in manchen Fällen ADHS-ähnliche Symptome lindern und in anderen Fällen das tatsächliche ADHS-Bild klären.
• Die effektivsten Untersuchungen berücksichtigen ADHS, Schilddrüsenfunktion, Cortisolmuster, Sexualhormone und den gesamten Stoffwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Können Schilddrüsenprobleme mit ADHS verwechselt werden?
Ja. Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion als auch eine Schilddrüsenüberfunktion können Symptome hervorrufen, die ADHS stark ähneln, darunter Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit, Müdigkeit, Unruhe und Stimmungsschwankungen. Dies ist einer der Gründe, warum eine umfassende Schilddrüsenuntersuchung bei der Abklärung von Aufmerksamkeits- und kognitiven Problemen wichtig ist.
Welche Schilddrüsenuntersuchungen sollte ich anfordern?
Ein umfassendes Schilddrüsenprofil umfasst TSH, freies T3, freies T4, reverses T3 und Schilddrüsenantikörper (Anti-TPO und Anti-Thyroglobulin). Dies liefert ein deutlich vollständigeres Bild als TSH allein, das subklinische Funktionsstörungen und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse übersehen kann.
Gibt es eine Nebennierenschwäche?
„Nebennierenschwäche“, wie sie in der populären Wellness-Szene beschrieben wird, ist keine anerkannte medizinische Diagnose. Die Dysregulation der HPA-Achse ist in der wissenschaftlichen Literatur gut dokumentiert. Chronischer Stress kann die Cortisolproduktion so verändern, dass sich dies auf Gehirnfunktion, Energie, Schlaf und Stimmung auswirkt. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie die korrekte Diagnose und Behandlung der Erkrankung beeinflusst.
Kann man ADHS und eine Schilddrüsenerkrankung gleichzeitig haben?
Ja, und das kommt sogar recht häufig vor. Studien deuten darauf hin, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen bei Menschen mit ADHS häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Bei Vorliegen beider Erkrankungen müssen beide behandelt werden, um die Symptome optimal zu lindern. Die alleinige Behandlung der Schilddrüse heilt ADHS nicht, und die alleinige Behandlung von ADHS behebt keine Schilddrüsenfunktionsstörung.
Wie verschlimmert chronischer Stress ADHS?
Chronischer Stress führt zu einer Dysregulation der HPA-Achse, was die Cortisolproduktion verändern und die Dopaminfunktion, die Aufmerksamkeit und die exekutiven Funktionen beeinträchtigen kann. Studien zeigen, dass Menschen mit ADHS bereits tendenziell niedrigere basale Cortisolwerte aufweisen, was auf eine Hypoaktivität der HPA-Achse hindeutet. Zusätzliche Stressdysregulation kann bestehende Aufmerksamkeitsstörungen verstärken.
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Beste Grüße Stefan