ich wollte mal fragen, ob es hier Leute gibt, die sowohl amphetamin als auch methylphenidat Präparate probiert haben und feststellen konnten, dass beide positive Effekte haben in unterschiedlicher Ausprägung je nach Symptom. Und ob ihr euren Psychiater überzeugen konntet beide zu verschreiben.
Beispiel:
Elvanse: Hilft bei mir hervorragend bei
Allgemeines Wohlbefinden / Stimmungslabilität
Aufmerksamkeit
Impulsivität
Für meinen normalen Alltag ist Elvanse besser geeignet
Methylphenidate
Deutlich effektiver bei Prokastrinationsproblemen
Ich bekomme mit Methylphenidate deutlich mehr erledigt als mit Elvanse
Aktuell wieder viel am lernen für anstehende Prüfungen und Methylphenidate ist um Welten wirksamer als das elvanse in dieser Hinsicht
Fühlt sich teils aber auch künstlicher an
Was mache ich damit nun?
Eigentlich hätte ich gerne Elvanse für meinen normalen Alltag und Methylphenidate immer dann, wenn wieder Klausuren anstehen oder andere Tätigkeiten, die höhere Konzentration erfordern und “einfach erledigt werden müssen”.
Ich möchte das Elvanse nicht aufgeben, weil es eben sonst stimmungstechnisch einfach super für mich funktioniert.
Bekommt jemand beide verschrieben? Wie habt ihr argumentiert?
Das kommt darauf an, ob du das pausieren von Elvanse verträgst , dass kann nicht jeder haben.
Damit ich Elvanse besser vertrage habe ich immer alle paar Tage zum Wochenende pausieren müssen und bin dann ggf auf Methylphenidat ausgewichen. Das war dann aber eher aus der „Not“ heraus entstanden.
Glücklicherweise vertrage ich das relativ gut. Brauche 2 volle Tage ohne Elvanse, sprich am dritten Tag fühl ich mich wieder halbwegs normal und dann wirkt auch Methylphenidat wie gewohnt.
Im Prinzip hab ich mir die Frage damit auch selbst beantwortet. Muss ich nur noch meinen Psychiater überreden, mir beide gleichzeitig zu verschreiben.
Ich finde, du hast es in deinem Eingangspost gut beschrieben - lege deinen Text (zwischen „Beispiel“ und „… super für mich funktioniert“) deinem Psychiater als Ausdruck vor und besprich es gemeinsam mit ihm.
Deine Wahrnehmung der unterschiedlichen Wirkungen ist differenziert und dein Anliegen nachvollziehbar.
Womit du deinem Arzt die Entscheidung zu deinen Gunsten vielleicht erleichtern könntest:
Du hältst genügend zeitlichen Abstand zwischen den beiden Substanzen
Du springst nicht alle 2 Wochen zwischen den Medis hin und her
Die Dosis MPH wird im vornherein festgelegt, sollte ja bei deiner Erfahrung kein Problem sein.
Du vereinbarst erstmal eine Probephase von z.b. 4-5 Monaten und führst in der Zeit ein Symptomtagebuch für die Wechsel
Für diese Probezeit kannst du ihm einen ungefähren Plan vorlegen, wann du zu MPH wechseln willst und der Anlass (Klausuren, wichtige Termine , Beendigung von Projekten, etc.)
Du hast während dieser mehrmonatigen Probephase mindestens einen Termin beim Hausarzt für Herzkontrolle (EKG, Blutdruck, Puls) und ggfs Blutkontrolle
Du zeigst damit deinen verantwortungsvollen Umgang mit dieser „Ausnahme“ und dass du selbstständig für Sicherheitsüberprüfungen sorgst.
Kann man machen, aber ich finde @Mumpitz_Creator auch schon so verantwortungsvoll, ohne die zusätzlichen Regeln.
Wenn sie ihrem Arzt versichert, dass sie immer ganze Tage entweder Elvanse oder Methylphenidat nimmt, sollte ihm das reichen, finde ich.
Ich selbst nehme ja Methylphenidat und möchte dir Elvanse nicht madig machen, aber mir hilft Methylphenidat sehr gut gerade für Ausgeglichenheit und gegen Impulsivität. Stimmt die Dosis und nimmst du immer rechtzeitig nach, so dass keine Lücke entsteht und es wirkt bis zum Abend?
Ich bin ganz bei dir - Mumpitz_Creator ist bestimmt eine verantwortungsvolle Person im Umgang mit den Stimulanzien.
Und da liegt die Krux: für den Arzt ist nicht die Einnahmetreue der einzelnen Medikamente entscheidend, sondern die besondere Kombination, die Mumpitz_Creator von ihm erbittet.
Die Kombi Elvanse+MPH im Tageslauf zum Boosten ist ja nichts ungewöhnliches.
Mumpitz_Creator möchte aber abwechselnd Amfetamine und Methylphenidathydrochlorid nehmen.
Standardmäßig Elvanse, dann 2 Tage keine Medis, dann MPH (für 1 oder mehrere Tage), dann wieder Elvanse. Das ist kein „gleichzeitig“ sondern jedes Mal ein Wechsel der Wirkstoffklassen. Elvanse muss raus aus dem Organismus, damit MPH seine volle positive Wirkung entfalten kann. Dann muss Elvanse bei Wiedereinnahme erneut steady-state erreichen. Das bedeutet auch höhere MPH Dosen als beim Boosten.
Dieses Hin und Her mit Elvanse ist gemäß Leitlinien nicht verboten, aus pharmakologischer Sicht aber nicht sinnvoll. Daher muss der Arzt gut begründen, warum er/sie diese Medikation trotzdem verschreibt, spätestens wenn die KK anfragt.
Deine Argumente sind weiterhin stichhaltig, Mumpitz_Creator, daher versuche es auf jeden Fall!
Es kann natürlich sein, dass Mumpitz_Creator den Wunsch vorträgt und der Arzt sofort nickt und bestätigt, dass er das bei anderen Patienten auch so macht und es gut funktioniert. Das wäre best case.
Mein Arzt hatte eine Substitutions Praxis, dementsprechend einen anderen Blick auf die Sache. Ich wirkte mit Elvanse aufgrund meiner Symptome/Nebenwirkungen auf ihn, wie jemand der auf Amphetamin das ganze Wochenende Party gemacht hat und Montags dann nichts mehr geht. Diese Symptome/Nebenwirkungen hatte ich nicht am ersten Tag der Erhöhung.
Grundlegend reagiere ich sehr empfindlich auf Medis und benötige meist eine niedrige Dosis. Seine Vermutung war, dass ich langsamer abbaue und sich so ein zu hohes Plateau aufbaut. Das mit dem pausieren war nur ein Versuch, was sich in meinem Falle dann als gute Lösung erwies.
Zeigt mal wieder, dass wir alle unterschiedlich sind und nicht für jeden die gleichen Regeln gelten.
Lieben Dank an euch alle für eure Ratschläge! Ich habe am kommenden Donnerstag Termin mit meinem Psychiater und habe Ihm vorab schon eine Mail geschrieben, in der ich das Thema anspreche und ihn “briefe” worum es beim Termin gehen soll
Lustig. Also nicht wirklich aber ich bin gerade in der gleichen Situation und dann lese ich deinen Beitrag. Du regelst das allerdings deutlich vorbildlicher als ich!
Ich habe damals Medikinet bekommen zu der Zeit als ich meine Bachelor- und später Masterarbeit geschrieben habe. Absolut unglaublich weil ich zuvor keinen 2-seitigen Bericht schreiben konnte. Dann begann ich meine Doktorarbeit, das waren 3.5 Jahre quasi normales Berufsleben mit vielen unbezahlten Überstunden und fixen Arbeitszeiten. Medikinet hat mir in dem Kontext nicht mehr geholfen. Medikinet half mir mich auf Dinge zu konzentrieren auch wenn sie mich nicht extrem interessieren, geradlinig zu Denken aber eben auch heftigste Rebounds die dazu führten dass ich 5 Stunden nach Einnahme im Sitzen eingeschlafen bin. Habe dann zu Elvanse gewechselt und siehe da, gar kein Rebound mehr und ich schaffte es eine 2-zeilige E-Mail in unter 2 Stunden zu schreiben! Antrieb war besser, ich war entspannter und der Kopf der alles zu Tode überdenkt 20% leiser.
Das bringt uns zum heutigen Tag. Mein Doktorvater verwirft immer noch bereits fertige Arbeiten und kommt mit neuen Ideen. Also bin ich jetzt in der irrsinnigen Situation eine wissenschaftliche Dissertation in 3 Wochen zu schreiben Mit Elvanse garkeine Chance, in dem Department ist es mit Medis wie ohne. In meiner Verzweiflung hab ich das Elvanse abgesetzt und nehme für den Moment wieder Medikinet (hatte noch ne Packung nach dem Wechsel übrig). Ich weiß dass das alles andere als ideal ist aber Verzweiflung ist gar kein Ausdruck für die aktuelle Situation und den nächsten Termin bei meinem Psychiater habe ich erst in einem Monat bekommen, also zu spät um irgendwas zu machen. Ich versuche derzeit mein schlechtes Gewissen damit in Schach zu halten dass ich meinen Blutdruck genau im Auge behalte und dazu fähig bin einigermaßen koherente Sätze zu Papier zu bringen. Das wird spaßig zu erklären beim nächsten Termin.
Ich bin da absolut bei dir, beide Medikamente greifen bei anderen Symptomen. Du bist die erste Person deren Erfahrung so ähnlich ist und ich habe schon angefangen an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Ich hoffe das dein Behandler offen für solche Sorgen ist, weil ich das sehr nachvollziehbar finde. Wie ich das verstanden habe hast du auch vor für eine definierte Zeit (Prüfungsvorbereitung etc) zu wechseln und nach Ende wieder zu deiner regulären Medikation zurück kehrt, oder?
Das ist dann wohl wirklich keine Ausnahme Beruhigend.
Da hast du sicher recht. Meine Ärztin hatte nicht viel Erfahrung weil ich ihre Erste war die sie diagnostiziert hat, deswegen lief alles nach Schema F. Außerdem war meine Grunddosis 40mg bei nem Körpergewicht von 55kg. Das war ihr alles nicht geheuer.
Nach einer Woche zurück auf Medikinet, sind mir aber auch wieder all die anderen Gründe eingefallen warum ich auf Elvanse gewechselt bin. Ich bin leichter reizbar, furchtbar zähes Gefühl im Kopf und sogar meine Verdauung spinnt rum Ich freue mich drauf das Medikinet wieder hinter mir lassen zu können.
Das könnte bei mir auch passen. Eigentlich hat mir elvanse sehr gut getan, ich hatte aber irgendwann den Eindruck, dass es meinen Kreislauf belastet. Geht das: unter der Woche Elvanse, am Wochenende Ritalin?
Das wiederum hört sich an, als hättest du nicht die für dich passende Dosis. Ggf. würde es sich lohnen nochmal an der Dosis zu arbeiten und rechtheitig die nächste einzunehmen.
Nicht optimal passende Dosis/Einnahmeschemah des einen Wirkstoff mit gut passendem beim anderen Wirkstoff zu vergleichen, ist suboptimal
Das müsstest du mit deinem Arzt besprechen. Meiner hatte es so verschrieben. Ich konnte in der Woche Elvanse nehmen und am Wochenende auf Medikinet Adult ausweichen .
Rückmeldung: Der Termin lief äusserst positiv. Ich hab mir mal wieder zu viele Gedanken gemacht. Mein Psychiater hat überhaupt kein Problem damit. Er verschreibt mir das Methylphenidat auf Privatrezept, das ist für mich so auch kein Problem.
Er hat diese Erfahrung wohl schon häufiger gemacht. Er hat es etwas witzig formuliert: “Methylphenidat hat etwas mehr bums” bzw. oftmals auch mehr Kontrolle über die Wirkdauer und Spitzen, vor allem wenn man mit sofortfreisetzendem arbeitet.