Angst vor einer Behandlung und den Konsequenzen

Hallo erstmal, ich bin gestern durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und erkenne mich in so vielen Themen wieder, was eine ziemliche Erleichterung ist.

Zu den eigentlichen Fragen:
-Brauche ich wirklich einen Psychiater zur Behandlung ?
-Wie sieht eine Behandlung aus?
-Welche Folgen könnte das für die Verbeamtung und die private Krankenversicherung haben?

Bei mir wurde ADHS bereits als Teenager diagnostiziert, aber da meine Eltern strikt gegen Medikamente waren, habe ich gelernt, damit umzugehen (dachte ich). Nachdem ich einige Zeit darüber nachgedacht hatte, wurde mir klar, dass ich vielleicht doch nicht so gut damit zurechtkomme, wie ich dachte. Der erhebliche Mehraufwand für einige Aufgaben, macht mir aber mehr zu schaffen, abgesehen von dem ständigen Chaos. Daraufhin beschloss ich, einen weiteren Test auf ADHS zu machen, weil mir damals gesagt wurde, dass ADHS mit der Zeit verschwinden kann. (Leider weiß ich jetzt, dass das nicht stimmt :d).
Die Auswertung hat es mir wieder bestätigt.
Ich tue mich ehrlich gesagt sehr schwer damit, zu einem Psychologen zu gehen, aus Angst. Angst, was es für meine Zukunft bedeutet, Angst vor möglichen Medikamenten, die mich verändern könnten.
Gerade meine angestrebte Verbeamtung ist ein großer Stein, der mir im Weg liegt.
Das Problem mit der Verbeamtung und der privaten Krankenversicherung, habe natürlich nicht nur ich.
Ich kann mich aus diesen Gründen seit Jahren nicht überwinden können, denn ich schaffe es ja irgendwie.
Allerdings hatte ich vor kurzem Kammerflimmern, was wohl stressbedingt war und dem Ganzen für mich einen neuen Schub gibt.

:heartpulse:lich willkommen @Tabula_rasa bei uns!

Ich gabe gerade Pause auf der Arbeit und nicht viel Zeit, möchte dir aber dennoch gern antworten, da ich aus deinen Zeilen eine echte Sorge und Belastung heraus lese.

Irgendwo hier gab es mal einen Thread, da wurde jemand trotz Adhs bei der Feuerwehr verbeamtet ( ich suche den Thread mal) …gefunden!@ :laughing:https://adhs-forum.adxs.org/t/hilfe-adhs-berufsfeuerwehr-verbeamtung/1444

Wichtig ist eine adäquate Behandlung für dich, da adhs eben ein Leben lang bleibt und je älter wir werden desto weniger Kraft haben wir das auszuhalten im Alltag.

Ich wünsche dir ganz viel Glück …du schaffst das! :adxs_zwinker:

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Also eine „Behandlung“ ist ja nicht unbedingt beim Psychologen.

Wenn man möchte, kann man sich einen suchen, aber erstmal eine/n finden, es gibt kaum welche, die sich mit ADHS auskennen.

Aber wenn es Dich so anstrengt und stresst, dann liegt es ziemlich auf der Hand, dass dir vor allem Medikamente helfen werden, wieder klarer zu sehen, dir helfen werden, das was du eigentlich kannst, weniger angestrengt zu tun.

Vielleicht ist das eine kleine Beruhigung für Dich?

Coaches für ADHS gibt es allmählich häufiger und sogar online - und das macht bei ADHS fast noch mehr Sinn, wenn es vor allem um das Alltagspraktische geht und weniger um das Leiden an den Folgen des ADHS…

Hi, also ich bin derjenige, der auch genauso viel angst hatte vor dem Amtsarzt wegen der Verbeamtung als Brandmeisteranwärter. Auch ich hatte ADHS diagnostiziert und die Behandlung verlief offiziell bis 1 Jahr vor meinem Ausbildungsbeginn.
und was soll ich dir sagen, ich bin inzwischen verbeamtet, obwohl ich gerade für Polizei und Feuerwehr nicht nur die generelle Leistungsfähigkeit attestiert bekommen musste (wie bei allen anderen Berufen außer FW und Pol), sondern sogar die uneingeschränkte Leistungsfähigkeit. Es war mit einem gewissen Mehraufwand verbunden, hat aber geklappt…

kannst dich gerne melden, wenn du mehr infos brauchst!

liebe Grüße

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Als kleine Beruhigung: ich hatte auch Sorge, ob das Medikament mich verändert. Vielleicht meine Kreativität dämpft oder meine Empathie. Oder mein Staunen über und meine Liebe für die Welt einstampft.

Im Gegenteil! Ich kann mehr ich selbst sein als vorher. Ich habe mehr Energie als vorher, muss nachmittags nicht immer direkt schlafen, schaffe es, gesündere Entscheidungen zu treffen, habe weniger Stress, weil ich weniger vergesse oder verlege und nicht mehr so oft alles nachkontrollieren muss. Ich muss weniger oft mich aus meinem Kopfnebel herauskämpfen. Ich kann mich besser abgrenzen.

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Zur Beamtung kann ich nicht viel sagen aber zur Krankenversicherung. Es gibt Anwartschaftstarife, damit zieht man die Gesundheitsprüfung vor und friert diese sozusagen bis zum Vertragsbeginn ein. Um sich so einen Lebenslangen Zuschlag wegen ADHS (Psyche für Versicherer) von ca. 50% zu sparen macht das Sinn.

Psychiater : Ja

Psychologen: kommt drauf an ob du noch andere Sachen vermutest, ein Psychologe kriegt das meistens schneller raus, da er mehr Konzepte und Techniken kennen sollte.

Psychotherapie: Ja

Das bei einer Behandlung von ADHS immer noch eine kombinierte Therapieform am effektivsten ist.
Sprich Medikamente [deswegen Psychiater] und Psychotherapie [Psychotherapeut].

Du kannst über die ADxS.org Seite eine Liste der Therapeuteninnen und Ärzteinnen mit ADxS Kompetenz anfragen.

Das ist ja das Ziel, die Veränderung, nur wahrscheinlich nicht so wie du meinst. Wenn ich Schmerzen habe, bin ich sehr unleidlich, aber nicht, weil ich grundsätzlich ein unleidlicher Mensch bin, sondern, weil ich Schmerzen habe. Ich betrachte allerdings Schmerzen auch nicht als etwas, das zu meiner Persönlichkeit gehört, ich leide darunter. Ebenso wie an den Einschränkungen der ADHS. Die betrachte ich nicht als meine Persönlichkeit, dies sind meine Einschränkungen. Medikamente kann man auch wieder absetzen. Das musste ich sowohl mit Medikinet, als auch mit Atomoxetin tun und war alsbald wieder genauso wie zuvor (Atomoxetin hat etwas länger gebraucht), froh darum war ich definitiv nicht.
Zu einem anderen Menschen hat mich weder Medikinet, noch Atomoxetin gemacht, ich habe nur ein wenig „Schmerzmittel“ genommen.

Ich schreibe hier als jemand, der seit über 30 Jahren im Berufsleben steht und erst vor kurzen, die (wenn auch gut begründete) Verdachtsdiagnose ADHS bekommen hat
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich, wenn ich das bereits zu Beginn meiner Berufslaufbahn gewusst hätte, ich mit Sicherheit einen anderen Beruf gewählt hätte
Von daher möchte ich dir nur gern auf den Weg mitgeben, Dich vielleicht nicht nur mit dem Thema Behandlung und/oder Medikation auseinander zu setzen, sondern überlegen, ob die Berufswahl unter diesen Umständen denn auch tatsächlich passt.
Die Situation für Berufsanfänger ist heute eine ganz andere als vor über 30 Jahren und vielleicht ist es da eher möglich, einen Beruf zu finden, der zu den eigenen Neigungen und Fähigkeiten passt, als sich zu verbiegen, um in ein bestimmtes Bild zu passen
Gerade bei Behörden gibt es oft relativ wenige Möglichkeiten zu wechseln und die passende Nische zu finden
Wenn du die gefunden hast, dann herzlichen Glückwunsch und ich hoffe, es entwickelt sich alles in deinem Sinne
Viele Grüße
Minzli