Beruflicher Neustart

Hallo Community,

ich bin jetzt Anfang 30 und ich merke, dass ich echt die Schnauze voll habe von meinem Beruf.
Ich arbeite im medizinischen Bereich und habe 2 Optionen: entweder verdiene ich nix, hab dafür aber kein Schichtdienst oder ich mach mich mit Schichten tot und hab dann gerade mal ein normales Gehalt. Was mir völlig ausreicht. Reich werden ist nicht mein Ziel.
Aber das macht mich kaputt.
Mir reichts, ich will weg!

Dabei ist es gar nicht der Job, es sind die Menschen, die darin arbeiten.

Kennt ihr Branchen, in die man gut quereinsteigen kann?

Ich habe allerdings durch meinen kürzlichen Jobwechsel festgestellt, was ich brauche und was gar nicht funktioniert.

Zu viele Menschen um mich rum machen mich kaputt, erstens wegen der Lautstärke und zweitens weil ich zu viel von ihren Befindlichkeiten mitbekomme und darauf reagiere. Ich kann mich emotional nicht abgrenzen. Ist das 15* am Tag der Fall, flirrt mir nach Feierabend der Kopf.
Ebenfalls geht eine laute Arbeitsatmosphäre deswegen auch nicht.

Ein Zweiersetting (ich und Pat) funktioniert aber sehr gut. Wahrscheinlich weil ich den Patient als Teil des Arbeitsprozesses empfinde.

Ich organisiere mich gerne selbst. Wenn das dann noch produktiv wird, dann hab ich richtig Spaß.
Ich arbeite auch einfach gerne, auf Arbeit funktioniere ich auch gut und verfalle nicht in inactivity dysphoria.

Das Problem ist, ich kann irgendwie nichts. Weder Mathe, noch Informatik, noch technisches Zeug.

Ich merke, dass Patienten sich bei mir immer sehr wohl fühlen…Das bekomme ich oft genug gesagt…Sie fragen dann schon sehr oft bei mir nach, ob ich das nächste Mal auch da bin…
Empathie und Rücksichtsnahme kann ich. Allerdings nützt mir das nur da was, sonst sorgt es eher dafür, dass ich unter die Räder komme.

Ich weiß echt nicht wohin mit mir? Das kann doch nicht sein?

Manchmal habe ich so die Schnauze voll und überlege schon, ob ich bei meinem Partner in der Firma Medikamente packen kann.
Keine Menschen, arbeite alleine vor mich hin und beam mich eben weg.
Achja, Tagträumen, das geht auch noch…

Evtl habt ihr ein paar Tipps oder auch nur Erfahrungen was ihr so erlebt habt.

Ich mag nicht mehr und die Feder spannt sich immerweiter. Und dann kommen weitere Brüche, die nichts bringen im Lebenslauf.

Wie ist es mit Selbstständigkeit? Geht da irgendwas, wenn man nichts kann? Haha xD

Oh man, echt blöd alles. Glaub nicht, dass meine Zukunft so rosig wird …

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Nur so eine Idee… du hast Arzthelfer*in/MFA gelernt, oder? Wie wäre es mit der Stelle in der Abrechnung?

Ich würde ja auch technische Sterilisationsassistentin Vorschlagen aber das könnte zu laut sein…

Ne, Arzthelferin bin ich nicht.

Ja, Lautstärke ist wirklich ein Problem :frowning:

@Irrlicht darf ich fragen was du gelernt hast?
Einfach um eingrenzen zu können was ich dir sinnvoll vorschlagen kann.
Aber um vorab schon mal einen Schuss ins Blaue zu wagen…
Medizinischer Bereich heißt für mich Versorgung von Patienten.
Wie wäre es mit einem Pflegedienst? Sowas in die Richtung „Pflege von Zuhause“ oder so. Also die zu den Patienten nach hause fahren und sich kümmern.
Wäre so das erste was mir einfällt und wo ich mir zumindest denken kann dass sich da eine Selbstständigkeit lohnen kann. Zumindest wäre es lohnenswert darüber mal eine „Machbarkeitsstudie“ für sich selbst anzufertigen.

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Nein, niemals Pflege. Egal in welcher Form! :face_with_spiral_eyes:

Ich bin dazu bereit mich komplett umzuorientieren und will eigentlich weg aus dem med-sozialen Bereich.

Ich will dich nicht überzeugen dass du in deinem Bereich bleiben sollst, mir blieb nur deine Aussage im Kopf, dass es im 1:1 Setting gut läuft und darum dennoch eine Idee im sozialen Bereich: wäre mobiler Dienst a la Familienentlastungsdienst oder mobile sozialpsychiatrische Betreuung etwas für dich? Da ist es 1:1, gerade im Familienentlastungsdienst auch noch leichter mit Abgrenzung. Klientel oft im ASS, oder auch mit Adxs. Es steckt aber viel Selbstorganisieren dahinter.
(weiß nicht ob du meine beiden Beispiele eh kennst oder nicht, verzichte jetzt aber erstmal auf meine üblichen Ausschweifungen…)

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Das Problem mit der Pflege ist halt, dass man da als ADxS`ler wohl eher unter geht. Man ist empathisch, möchte den Menschen gern geben was sie brauchen, nämlich dass man sich Zeit nimmt, ihnen zuhört, sich mit ihnen beschäftigt… aber die Zeit hat man nicht! Genauso wie man die Zeit nicht hat, sich Zeit für die Pflege der Personen zu nehmen… Beispiel aus meiner Erfahrung (Pflegeeinrichtung mit schwerst mehrfach behinderten Menschen) : war ich „in der Zeit“, wurde mir angekreidet, die Männer wären nicht vernünftig rasiert (ja mach das mal mit nem elektrischen Trockenrasierer, wenn der gute Herr aufgrund seiner Behinderung den Kopf nicht still halten kann) und wenn ich mir dann die Zeit nahm, sie ordentlich zu rasieren, dann war ich zu langsam…

In der Pflege ist nicht viel Spielraum, was die Dienste betrifft, da es überall an Personal mangelt. Demzufolge ist Freizeit leider eher ein Fremdwort. Dazu dann noch der Schichtdienst, der nicht unbedingt ideal ist für ADxS, wo Routinen notwendig sind (Routine gibt es nicht in der Pflege mMn).
Ich kannte mal eine, damals war sie meine Freundin, die fing in der Pflege an und seitdem habe ich sie quasi nicht mehr gesehen. Weil sie war entweder arbeiten oder brauchte Zeit zur Erholung… und ADxS hatte sie meines wissens nicht…

Und dieses ganze Paket wird dann oft noch so schlecht bezahlt, dass man davon nicht mal leben kann… ich mag die Arbeit mit Menschen sehr, ich liebe es zu helfen, aber Pflege? Never ever! Dassselbe betrifft auch den Beruf der Medizinischen Fachangestellten, den ich ursprünglich gelernt habe. Als voll ausgelernte MFA in Vollzeit verdient man (Stand 2018) netto 1.100 Euro ungefähr. Und das bei Arbeitszeiten die unter Umständen so aussehen: Montag bis Donnerstag von 7:30 Uhr bis 13 Uhr, Pause, dann von 15 Uhr bis 19 Uhr, Freitag vonn 8 Uhr bis 14 Uhr oder so. Und eine Stelle hatte ich mal, da wurde die ganze Woche in einer Art Schichtdienst gearbeitet. „Früh“ hieß dann - wenn man als erste gehen durfte - von 6:30 Uhr bis 15:30 (wenn man Glück hatte) oder auch 16 Uhr. Wenn man als 2. gehen durfte so ungefähr 17 Uhr. „Spät“ hieß dann, man fängt gegen 9 Uhr an und arbeitet bis 18/19 Uhr, je nach dem wann die Ärzte fertig wurden…
Und war jemand krank, durfte man von 6:30 Uhr bis 19 Uhr durch arbeiten - Pausen existierten in dieser Praxis nicht… und das ist Ausbeute. Und leider keine Seltenheit.

Und im ambulanten Pflegedienst hat man in der Regel mehrere Patienten zu betreuen und die Zeit ist auch hier viel zu knapp bemessen, weshalb ich nicht glaube @AWOL dass das so einfach ist, auch mit der Abgrenzung, wie du es schreibst - oder hast du da andere Erfahrungen gemacht?

Ich kann jedenfalls @Irrlicht sehr gut verstehen, wenn Pflege oder medizinischer Bereich nicht mehr in Frage kommt.
Da muss man für sich dann halt rausfinden, „was will ich?“ , „Was kann ich leisten, wo sind meine Stärken?“ ich weiß, das ist nicht einfach.
Ich kann dir sagen wie es bei mir war @Irrlicht: ich hatte MFA gelernt, kam aber mit dem Setting nicht klar. Medizin interessiert mich nach wie vor, also hab ich mich in der Zentralsterilisation beworben. Gut, ist jetzt nicht mehr viel mit „Medizin“ an sich, eher mit den Geräten, aber trotzdem ist das etwas, das ich mit dem ADxS gut leisten kann.
Ganz wichtig finde ich: such dir einen größeren Betrieb - egal welche Branche. Da ist es dann wesentlich einfacher, wenn man mal krank ist. Oder wenn man mal einen Tag frei braucht…

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Selbstorganisation funktioniert auf Arbeit super bei mir, das ist kein Problem. Klar, vergesse ich öfter mal was, aber trotzdem ist meine Arbeit ordentlich und sauber. Und nachdem die Routinen eingeschliffen sind, bin ich auch flink.
Habe dann bloß ein paar Gänge mehr :slight_smile:
Aber sonst ist das eine gute Idee, bloß wieder Schichtdienst :frowning:
Und ich habe ein paar Mal gesehen wie dieser Dienst arbeitet…naja…ähh…nicht so berauschend.

Wenn der Umgang mit Menschen wie mit Maschinen wird, dann brauche ich auch nicht mehr in einem sozialen Bereich arbeiten.

Die Pflege hat ihre Routinen. Habe da ja auch länger gearbeitet. Ich finde es eben super langweilig. Und für den schönen Aspekt hat man keine Zeit.

Aber ich gebe Dir Recht, die Pflege ist meistens katastrophal. Das will ich nicht.

Bzgl der Größe des AGs: ich bin von einem großen Haus in ein ganz kleines gewechselt und da ist es 1000* besser…
Wir haben aber auch gute Arbeitszeiten und wenn wer ausfällt, dann werden die Untersuchungen verschoben. Das liegt daran, dass wir sehr sehr gute Chefs haben.
Aber sonst stimmt die Theorie.

Wie wäre es mit einer Umschulung zu Physiotherapeutin oder Ergotherapeuten? Was macht dein Studium eigentlich, machst du weiter oder hast du es aufgegeben?

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Ich hab in meiner Jugend gerne Computer auseinander und zusammengebaut. Auch ein paar eigene Homepages programmiert. Aber nur ganz wenig.
Das war wohl wieder sone ADHS Flitzphase :smiley:
Ich habe unseren IT-Mensch, der ab und an kommt mal gefragt, was er gelernt hat.
Da kam: ha, Musikalienhändler!
Ich: wie!?
Ja, das hab ich gelernt…aber jetzt bin ich Fachinformatiker für Systemintegration. Du musst nur nen Arbeitgeber finden, der dich für Geld auf seine Kunden loslässt. Vieles ist learning by doing.
Evtl ist das was? Aber ob ich den Wechsel hinlegen kann?

Wäre ich nicht so ein ADHS Brain hätte ich auch noch über ganz andere Sachen nachgedacht.
Ich hatte mal Jura ins Auge gefasst. Aber das Studium prädestiniert mich dafür, dass ich 30 Semester studieren werde. Ist auch völlig beknackt.

Studium läuft noch, ich strebe ein Urlaubssemster an, bevor ich es tatsächlich absäge.

Vllt werde ich auch einfach Jobnomadin xD

Muss dieses Zitat einfach mal hierher verfrachten, weil es so dermaßen den Nagel auf den Kopf trifft.
Und auch Grund für meinen Leidensdruck ist.
Die Kollegen üben ja nicht nur Macht gegenüber den Patienten aus, sondern eben auch interkollegial.
Sie machen alles immer toll, wehe man kritisiert mal etwas.
Darauf gehe ich später nochmal gesondert ein, weil das so unglaublich interessant ist.
Und auch ein Grund warum ich meinen Studiengang abbrechen möchte.

Hat jmd von Euch schonmal so eine Berufsberatung gemacht? Also jetzt nicht Jobcenter, sondern eher von Coaches? Da gibt es ja reichlich Angebote.

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Familienentlastungsdienst und mobile sozialpsychiatrische Betreuung ist kein Pflegedienst. Ersteres ist Mischung aus Behindertenbetreuung (je nach Grad KANN Pflege vorkommen, muss aber nicht und ist im Hintergrund), pädagogischer, psychologischer etc Arbeit, zweiteres ebenso, nur ohne den Aspekt der Behinderung. Zeit ist nicht knapp bemessen, es werden vom Land Stunden bemessen, von 2-10 h a Kund:in und dazu kommt noch mittelbare Zeit für administratives.

Ist keine Schichtarbeit :smiley: Familienentlastungsdienst eher nachmittags, MSB von vormittags bis nachmittags eher.

Auch das wäre in dem Bereich weniger so, weil man meist allein arbeitet. Klar gibt es Teamsitzungen und man muss auch mal telefonieren miteinander, aber ich hab beide Bereiche als deutlich konkurrenzfreier kennengelernt. Bis auf die ein oder andere inkompetente Leitung.

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@AWOL

Das klingt ganz gut! Vielen Dank für die Anregung!!
Ich bringe das mit sozialer Arbeit in Verbindung. Also den Studiengang, liege ich da richtig?

Wie gesagt, ich bin komplett bereit für einen Neuanfang.
Hab auch ziemlich „viel“ Geld gespart…vllt weil ich immer wusste, dass ich nicht bleiben möchte.

Schade eigentlich, denn die Arbeit an und für sich mag ich :frowning:

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Ok dann werd ich bei Gelegenheit doch einen Aufsatz noch schreiben ^^ Fingerknöchel knacken lass und sich freu

Aber erst in Kürze: Beide Bereiche sind multiprofessionell. Haben Leute aus der sozialen Arbeit, Pädagogik, Psychologie, psychiatrische Pfleger:innen, Beh.fachsozialbetreuer:innen… Entsprechend weniger Konkurrenz vllt, alle steuern unterschiedliches bei. Eher guter Austausch. Klar gibt’s dennoch welche die sich mehr profilieren oder andersrum, sich voll ausnutzen lassen, aber das ist dann deren Suppe, außer man teilt sich Klientel (also, dass Kollegin X dienstags vormittags hingeht für 2h und ich Donnerstags für 2 h etwa (keine zeitgleiche Betreuung), da braucht man eine gemeinsame Linie in der Art der Betreuung), da ist guter Austausch wichtiger.

Mir kommt es generell so vor, dass es in multiprofessionellen Bereichen entspannter zugeht. Alle haben so ihre individuelle Expertise und Erfahrung.
Vllt mal bei NGO Vereinen umschauen, wenn die in Jobbeschreibungen mehrere Ausbildungsrichtunge oder Studienrichtungen als Anforderungen auflisten, ist das Team entsprechend auch gemischt.

Voll schade (bis ärgerlich - Ärger kann man ja auch zulassen), dass du die Arbeit magst aber die Umstände so schlecht oft sind, dass es einem den Willen/jedwede Lust nimmt. Hatte es in letztem Jahr auch in einem Job so (MSB), aber das lag ziemlich klar an der Leitung (das führ ich jetzt nicht aus). Die Arbeit war klasse, aber die Leitung war ein (manipulativer) Fall für sich. Hab nach Verlassen des Jobs auch alles infrage gestellt (mich vor allem, lol, sie hat einfach in sehr kurzer Zeit super Arbeit geleistet), bis ich mich mit viel Selbstreflexion und Therapie wieder fangen konnte und mich nun auch weiter nach guten Jobs umschau, während ich im vorigen drin bin, wo es ganz ok läuft. Und ich starte eine berufsbegleitende und teuere (yay, Österreich) Fortbildung im März. Also, ich versteh dich da ein bisschen, mit all dem Zweifel. Jede story ist anders, aber die schlechten Erfahrungen, gerade wenn wiederholt oder sehr perfide, bleiben halt hängen.

Ok, zurück zum Allgemeinen vllt…

Da seh ich starkes hit or miss Potenzial ^^
Es kann gute Beratung geben, sicher. Bei Coaches bin ich ehrlich gesagt manchmal skeptisch :see_no_evil:. Hatte eine Coachin die mich dauernd in die Selbstständigkeit schieben wollte, ohne viel auf mich und meine Themen einzugehen. Eine andere Coachin (und Lebens- und Sozialberaterin) die wir auf der Arbeit als Supervisorin haben in der Gruppe, fragte mich zuletzt fast irritiert, was ich mir von meiner Fortbildung denn überhaupt erhoffe… :clown_face: Also, weiß nicht ob sie Andere da so gut beraten könnte, irgendwie wurde bei den beiden der eigene Weg da als der Goldweg betrachtet. Wenn du an Coaches gerätst, die offener sind, kann das aber sicher auch gut werden.
Vllt die Coaches vorab fragen, in welchen (Berufs-) Bereichen sie bisher Erfahrungen hatten im Coaching?

Wie sind von den anderen die Erfahrungen da?

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narcissism again? :wink:

:joy: na, eh net. Andere Wege, andere Erfolge können manche halt verunsichern (und diese darauf dann konfrontativ oder ignorierend reagieren und weiter ihre Schiene fahren). Hell, allein andere Meinungen bieten manchen Menschen schon genug Anstoß um erbost darüber zu sein (Corona-Politik * hüstel*).
Da simma aber wieder beim vorigen Punkt, über die Machtausübung im Gesundheitswesen. Wenn jemand starrer ist und auf seinem beharrt und dabei die Macht über andere hat, dann Prost.

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