Berufsleben

Hallo,hab mal wieder eine Frage,wenn man nichts durchhält weil man Adler ist,welcher Beruf wäre der richtige,b.z.w.ist es überhaupt möglich einen Beruf zu ergreifen?
Gruss Betreuerin

Meinte ADS ler :blush:

Mist, wenn du Adler gemeint hättest, wäre die Sache ziemlich einfach. :grin:

Prinzipiell kommt es sicher auf viele Faktoren an. Unter anderem, wie stark die Symptome ausgeprägt und wo das Interesse und die Fähigkeiten liegen.

Hat man in einem Bereich schon gute Copingstrategien entwickelt?

Prinzipiell ist sicher etwas Abwechslungsreiches erfüllender.

Viele ADHSler sind im Verkauf, als Vertreter tätig. Etwas, wo man kurzfristige Erfolge haben kann.

Bei allem was mit Blaulicht und Signalhorn zu tun hat sind ADHSler häufiger vertreten.

Manche sind auch Lehrer oder zerstreute Professoren, die in ihrem Chaos an vielen Dingen gleichzeitig forschen.

Andere können nicht oder kaum Arbeiten.

Das Spektrum ist groß.

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Rettungsdienst fand ich zum Beispiel echt super. Entweder man hat den ganzen Tag Action und Adrenalin oder hängt auf der Wache mit netten Kollegen herum.
Klar, auch da gibt es viele Routinetätigkeiten aber die sind so gut durchorganisiert, dass es leicht von der Hand geht.

Und jeden Moment kann der Alarm losgehen und dann ist Adrenalin da :star_struck:

Das ist sehr pauschal gefragt.
Vielleicht magst du im geschlossenen Teil des Forums die Frage ja noch einmal stellen und dabei etwas auf deine bisherige Berufserfahrung eingehen und was dir daran gut gefallen und nicht gut gefallen hat und was die Gründe waren, warum du nicht dabei geblieben bist.

Und wie kamst du mit den Schichten klar?
Das macht mich komplett fertig.

Das war für mich kein Problem. Da war ich aber auch noch jung und knackig :sunglasses:

U-30?

Weil so alt bin ich auch nicht xD
Aber die Schichten gehen mir echt auf den Keks. Vor allem das Antreten zum Nachtdienst, wenn der Freund gemütlich auf der Couch den Abend ausklingen lässt.

Spannend finde ich die Arbeit auch. Aber es ist mir zu hart mit den Arbeitszeiten.

Habe viele Kollegen, die es zB nicht leiden können im Frühdienst zu arbeiten.
Ich weiß nicht wie die das schaffen xD

Darf ich fragen in welche Branche du danach gewechselt bist? :slight_smile:


Da war ich tatsächlich noch U20. Lang ist es her.

Tatsächlich bin ich jetzt Grundschullehrer.
Das ist zwar nicht der ADHS-freundlichste Beruf aber sehr abwechslungsreich und der Unterricht entspricht meinem Wesen überall gleichzeitig sein zu wollen, nicht immer ernst sein zu müssen und ich fühle mich sehr nützlich.
Der Bürokratie-Anteil ist aber grausam :face_vomiting:.
Und wenn ich mir meine Kolleginnen und Kollegen so anschaue, dann bin ich garantiert nicht der einzige mit ADHS im Kollegium :rofl:

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Mir hilft es enorm einen Beruf zu haben, den ich interessant finde, der Abwechslung aber eine feste Struktur hat und bei dem ich Menschen helfe. Bin Hörgeräteakustikerin. Bin jetzt seit 10 Jahren in dem Job, habe zwischendurch aber 3 Jahre in der Industrie am Telefon gearbeitet. Das war aber auf Dauer nichts für mich. Ich habe inzwischen meinen Meister, bin Filialleiterin und komme mit meinen Aufgaben sehr gut zurecht. Das hat sich allerdings entwickelt und ich musste mich überwinden wenn es schwierig war weiter zu machen. Jetzt bin ich total zufrieden und kann mir vorstellen mich in dem Job immer weiter zu entwickeln. Ich glaube einem muss klar sein, dass kein Job perfekt ist. Es wird immer Tage geben, an dem man keinen Bock hat. Dass es aber Kunden gibt, die auf mich setzen um besser hören zu können und ich dadurch eine Art Verpflichtung habe hilft mir z.b. sehr…

Gerade gesehen: ADHS als Chance im Beruf: „Effizient, auch wenn es zerstreut wirkt“ - WELT

Leider mit Bezahlschranke…

ja leider. Steht was interessantes drin?

Wenn Adhs und andere Neurodiversitäten als Vorteil gesehen werden können. Auch ein interessanter Artikel:

Kann den Artikel jemand lesen?
Ist das eine Paywall oder muss man sich nur anmelden?

@Khan
Steht was interessantes drin - lohnt sich die Anmelderei?

Vielen Dank!

Ich bin momentan auch auf der Suche, nach dem richtigen Beruf. Ich bin jetzt 39 und habe schon etliche Schulen abgebrochen und Jobs nur als 20 Stunden/Woche hinbekommen. Aber selbst die 20 Stunden haben mich oft überfordert. Mal abgesehen davon, dass man finanziell damit nicht zurecht kommt.

Momentan sind meine Schwierigkeiten noch stärker als jemals zuvor, und ich habe gerade garkeine Ahnung, was ich machen soll. Zuletzt konnte ich mich nichtmal 2 Stunden konzentrieren, was meine Tätigkeit als Programmierer extrem schwierig machte. Ich habe es einfach nicht geschafft, irgendwas brauchbares auf die Beine zu stellen.

Leider habe ich auch keine Lösung. Ich würde am liebsten einfach eine Pille schlucken, die voller Leistungskraft steckt.

Ein Artikel von Lachenmeier in der Süddeutschen zum Thema Beruf und Jobsuche mit ADHS:

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Das muss wahrscheinlich wirklich jeder für sich wissen, da das ja stark von Interessen abhängt. Für mich persönlich wäre z.B. Arzt gar nichts, da hätte ich viel zu viel Angst aus Schusseligkeit jemandem zu Schaden, indem ich irgendwie das Skalpell im Bauch vergesse oder so. Aber ich kenne einen Medizinstudenten(bzw. macht er jetzt seinen Facharzt) mit ADHS, der ist super fokussiert sobald er im OP steht, das ist einfach das richtige für Ihn.

Ich könnte mir gut vorstelle zu unterrichten. Ich hatte das schon ein paar mal gemacht, und kam immer ganz gut an. Auch wenn ich an der Tafel immernoch etwas verpeilt bin, das kann ja auch ganz sympathisch wirken :wink:

Da kann ich sehr mitfühlen. Ich halte mich zwar in meinem Job, aber ich bin unglücklich.
Ein paar Jahre jünger als du bin ich, aber ebenso planlos.
Es ist, als ob ich nichts über mich weiss. Was ich kann, wo ich aufblühe.
Ich weiß es nicht.
Ich hatte eben auch nie irgendwo irgendwelche Stärken oder Interessen.

Eine Lösung habe ich leider nicht :frowning:

Du hast ja schon so viel ausprobiert. Vllt kannst du mal sondieren, welche Arbeitsumgebungen (Einzelarbeit, Teamarbeit, wechselnde kurze Aufgaben hintereinander oder langfristige zusammenhängende Aufgaben) dir gefallen haben und welche weniger und woran das gelegen hat.
Also das wäre so meine einzige Idee.

Manchmal tut es gut alles mal aufzuschreiben, das schafft Ordnung.

Ich bin da wirklich sehr zwiegespalten. Mir haben viele Bereiche meines Jobs viel spaß gemacht, andere waren aber unglaublich anstrengend. Was mir nie möglich war, war eine stabile Leistung zu erbringen. Meistens bin ich alle paar Tage in ein Loch gefallen. Das ging ganz gut, weil ich nur 20 Stunden gearbeitet habe, das waren dann nur 3 Tage in der Woche. Ich konnte dann immer etwas spontan einen Tag frei nehmen. Allerdings war das auch oft mit Stress verbunden auf der Arbeit. Aber anders ging es tatsächlich garnicht. Nach 12 Jahren wurde es dann aber wirklich immer schlimmer und es fiel mir wirklich schwer, konstant Leistung zu erbringen.

Was mir immer gefallen hat, war das Problemlösen. Ich mochte es, wenn ich ins Büro kam, und es dann ein aufregendes Problem zu lösen gab, und ich dann etwas rum experimentieren konnte und am Ende eine gute Lösung hatte. Zum beispiel irgend eine tolle Animation für eine Webseite usw. Oftmals wollten Kunden ja irgendetwas ungewöhnliches, wofür es noch keine Vorlage gab. Sowas habe ich gerne gemacht. Aber auch nur, wenn ich das in ruhe und alleine machen konnte.
Was mir nicht gefallen hat, war das Telefonieren (ich werde beim telefonieren total unruhig und hibbelig und muss rumlaufen), oder feste Rituale usw. Also feste Arbeitszeit, Pausenzeit, feste planung usw. Generell mochte ich Planung nicht. Wir hatten dann angefangen, alle Zeiten zu erfassen und genau den Projekten zuzuschreiben. Das war ganz schrecklich.

Lügen fand ich auch ganz furchtbar, wenn mich ein Kunde Frage „wie lange brauchen sie dafür, um das zu ändern“, dann habe ich oft einfach gesagt „das geht ganz schnell, ich rufe sie in 10 Minuten wieder an, dann können sie es schon online sehen“. Das mochte mein Chef natürlich nicht, wir sollten das immer mindestens mit 30 oder 60 Minuten machen. Natürlich, das gibt mehr geld, aber es fällt mir einfach schwer, spontan zu lügen.

Teamarbeit fand ich auch ganz furchtbar. Nicht wegen den anderen Leuten, aber es bremste mich einfach unglaublich ab. Man muss so viel rumlaufen, mit anderen abstimmen, diskutieren usw. Und es kommt immer vor, dass ein Team eine falsche Entscheidung trifft, und niemand auf mich hört, obwohl ich es besser weiß :wink: Und das nervt unglaublich. Ich habe immer das Gefühl, ein Team schafft in der selben Zeit genau so viel, wie 1 Person.

Und ich fand es ganz schlimm, wenn ich zu schnell fertig war. Manchmal hatte ich wirklich einen guten Lauf und war dann schon 1 Stunde vor Feierabend fertig mit allen Aufträgen. Und dann zieht es sich unglaublich, dann fange ich an irgendwas zu machen. Meistens habe ich aber einfach feierabend gemacht, und hatte dann ziemlich viele Unterstunden. Aber ich kann das nicht, wenn ich fertig bin, und mir dann Arbeit aus den Fingern sauge. Auch wenn es genug vorbereitung usw. gäbe.

Ich habe aber auch wirklich oft Fehler gemacht oder irgendwas vergessen. Mein Chef wollte dann Abhake-Liste einführen, die ich durchgehen sollte, oder er wollte sich alles immer nochmal anschauen. Das hat mich total gestresst. Natürlich hat er auch jedesmal irgendwas gefunden.

Mein Chef war auch ziemlich „undankbar“. Es war ganz normal, dass 99 Aufträge ganz gut laufen und die Kunden alle Zufrieden sind. Und der 100ste ist unzufrieden, und schon heißt es von meinem Chef „andauernd sin die Kunden unzufrieden“. Er konnte nie wirklich lob Aussprechen, dafür generalisierte er ganz schnell, wenn man einen Fehler macht. Dann sind es für ihn gefühlt plötzlich zu 99% fehler, obwohl es eigentlich anders herum war. Das war extrem unbefriedigend und hat am Ende auch dazu geführt, dass ich den Spaß am ganzen verloren habe.

Zu der Zeit hatte ich aber noch garkeine Diagnose. Das war noch vor meiner Autismus-Diagnose, oder bevor ich mich mit AD(H)S beschäftigt habe. Ich denke, einige Dinge lassen sich durchaus dem Autismus zuschreiben, andere dem ADS? Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall gibt es so viele Dinge, die mich bremsen, demotivieren und auslaugen, dass ich es nie schaffe, irgendetwas länger als 2-3 Tage zu machen, dann falle ich oft in ein Loch voller Depression und komme garnicht mehr hoch.
15 Jahre hat es jetzt mit Krankschreibung und/oder Teilzeitarbeit funktioniert. Entweder nahm ich spontan freie Tage oder meldete mich Krank. Das ist aber keine Dauerlösung. Und leider hat sich keines der Probleme im laufe der Jahre verbessert. Wenn überhaupt, dann verschlimmern sich die Probleme, umso länger ich sie in mich reingefressen habe.

Die Autismus-Diagnose vor 3 Jahren hatte mir schon viel geholfen, aber erklärt eben nur Teilweise meine Probleme. So hasse ich Routinen, Strukturen, Ordnung, Planung, und ich brauche Spontanität, Veränderungen, Menschen. Ich hatte jetzt fast 2 Jahre mit Autisten zusammen gearbeitet, und dort gemerkt, dass mir diese Arbeitsweise (mit sehr viel Routinen, Planbarkeit, kaum veränderung) noch mehr schadet. Aber es war klasse, nicht mehr telefonieren zu müssen xD

Darum bin ich momentan wirklich planlos. Es ist ein wirres Gemisch aus Autismus und ADS Problematiken, und für nichts habe ich eine Lösung. Aber momentan geht es mir ohnehin erstmal nur darum, die Probleme zu beobachten.

Ein spät Diagnotizierter Japaner findet am Ende seinen Traumberuf, nachdem er jahrelang arbeitslos war.

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