Buch: ADHS bei Kindern und Erwachsenen – Eine neue Sichtweise

Hallo Forum

Kennt von Euch jemand dieses Buch: ADHS bei Kindern und Erwachsenen - eine neue Sichtweise – Hogrefe Verlag ?
Es wurde mir von meiner Therapeutin empfohlen.

Ich habe noch nicht viel gelesen, aber bislang finde ich es ganz interessant.

Gruß K.

Thomas E. Brown ist einer DER AD(H)S-Spezialisten in den USA. Anerkannter Wissenschaftler und großer Name.
Wusste gar nicht, dass es von ihm was auf Deutsch gibt, hab es mir gleich mal bestellt.

Gibts in meiner Bibliothek online… habs auf dem Schirm.

Hauptsache, Du hast es nicht beim Großen Halsabschneider bestellt sondern beim Buchhändler Deines Vertrauens… :mrgreen:

Ja, es kommt ganz knackig, prägnant daher (kurze Sätze - wohl gegliedert… da hatte mal einer die Zielgruppe im Auge!) - im weiteren Verlauf dann wissenschaftlicher und komplexer.

Das mit Kennedy und ADHS, gerade eben von Thomas Brown, dazu:

nebenbei soll Kennedy auch ADHS (leichtgradig) gehabt haben, auf dem ADHS-Weltkongress in Glasgow 2015 gab es ein Theatherstück zur Kindheit und Jugend von J.F. Kennedy http://kolleg-dat.de/wp-content/uploads … %20(3).pdf (S. 48 von 71: “Eine “Glanznummer” – Ein diagnostisches Interview des 21-jährigen JFK (gespielt durch einen jungen Wissenschaftler Ryan Kennedy) durch Prof. Thomas Brown (Yale University)”) ,


Aus dem neuen Buch?


Die Geschichte mit Kennedy und ADHS hat einen meterlangen Bart und wurde schon bei Krause/Krause thematisiert. Dort wurde u.a. darüber berichtet, welches Chaos im Hause Kennedy ausbrach, wenn sein Hausdiener einmal frei hatte. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich das las, war ich mir sicher, dass es relativ normal ist, seine Klamotten abends nicht ordentlich auf dem Stuhl zusammenzulegen, sondern einfach Kreuz und quer durchs Zimmer zu pfeffern. Insofern hat mich diese „Diagnose“ nicht besonders überzeugt.

So schreiben die Leute, die es voll durchblicken.
Die 6. Auflage von ADxS.org 2033 wird hoffentlich auch so :wink:

Hallo

So, das Buch habe ich jetzt durch, nicht alles gelesen, aber schon recht viel.

Geschrieben ist es, eben typisch für ein Fachbuch, mit sehr vielen Quellenangaben, Studiengruppen und Prozentangaben.
Das stört mich schon etwas im Lesefluss.

Inhaltlich bin ich davon aber sehr angetan, denn die „neue Sichtweise“ entspricht viel mehr meinen eigenen Empfindungen.
Grundlegend sagt sie, das ADHS vor allem eine Störung in der Entwicklung der Exekutivfunktionen (EF) ist.

Auf Seite 81 gibt es eine Liste mit neun Symptomen, welche überwiegend nach den EF fragen.
Link zur Liste:<LINK_TEXT text=„http://www.dr-kuehle.de/uploads/media_i … iginal.pdf“>http://www.dr-kuehle.de/uploads/media_items/adhs-im-erwachsenenalter-fragebogen-barkley-2008.original.pdf</LINK_TEXT>
Beachtlich finde ich die cut-off Grenze: Die 4 ersten Symptome reichen für ein positives Ergebnis!

Desweiteren habe ich viele Aussagen in dem Buch gefunden, die mich und meine Situation treffend beschreiben.
Also für mich nichts Neues, aber sehr gut, um es den vertrauten Menschen in meinem Umfeld zu zeigen.

Hier mal in loser Zusammensetzung:

„ADHS ist eine Entwicklungsstörung der Exekutivfunktionen, die nicht erkannt werden kann, bis höhere Herrausforderunegn bewältigt werden müssen.“ S43
„Es (Interesse) entsteht entweder spontan oder gar nicht.“ S44
„Er (Kahnemann) argumentiert, dass „Aufmerksamkeitskontrolle von zwei Systemen geteilt wird“. Er versichert zudem, dass in System 1 Eindrücke und Gefühle mühelos verankert sind
und durchdachte Entscheidungen auf System 2 beruhen. System 1 operiert automatisch und schnell, mit weniger bis keiner Mühe und ohne eine Art der willentlichen Kontrolle“ S46
„In der hier vorgestellten Sichtweise der ADHS werden Exekutivfunktionen als hauptsächlich automatisch ablaufender Prozess beschrieben. Dies ist ein wichtiger Grund für die Hartnäckigkeit der ADHS und die Tatsache, dass Menschen mit ADHS, obwohl sie dies wünschen, ihre problematischen Vwrhaltensmuster kaum ändern können.“ S47
„Viele Erwachsene mit ADHS bereichen, dass sie große Schwierigkeiten damit haben, ihr „Denken“ abzustellen, wenn es Zeit ist schlafen zu gehen.“ S59
„Sie fanden zudem, dass bei Menschen mit ADHS die Wirkung von Melatonin verzögert einsetzt“ S60
„Motivationsprobleme bei menschen mit ADHS ergeben sich aber auch daraus, dass die unmittelbare Misseerfolge nicht aushalten und mit Belohnungen, die erst auf lange Sicht eintreten, nicht umgehen können“ S65
„, dass Menschen mit ADHS für Aktivitäten kaum motiviert sind, die keine unmittelbare und andauernde Verstärkung bieten“ S67
„Die Umwelt unsterstellt dem Menschen mit ADHS, dass er sich hartnäckig weigert und alle Probleme gelöst wären, wenn er nur bereit wäre, es mehr und öfter zu versuchen, oder wenn man häufiger und drängender dazu ermahnen würde“ S97
„Menschen mit ADHS bestitzen nicht die Vorraussetzungen, die nötig sind, um über wiederholte Instruktionenzu lernen; dies ist etwa mit dem vorhaben vergleichbar, wenn man einem Menschen mit gelämten Beinen das Laufen erläutern wollte.“ S119

Hmm. Schwierig, bei den neun Symptomen überhaupt eins finden, das nicht zutrifft. Oder ist das bei euch anders?

Moin

Das Buch liegt hier ja nur rum.
Wenn es jemand haben möchte, würde ich es weitergeben wollen.
Bücherporto kostet knapp 2€, die übernehme ich, wenn der nächste Mensch, nach dem Lesen das Buch wieder weiterschickt.

Lieben Gruß K.

P.S.
Ich habe mir ein paar Textstellen im Buch mit einem Kugelschreiber notiert, nicht wundern :wink:

Hier! :sunglasses:

Gerne, schick mal deine Adresse per PN.

Au, da melde ich mich auch an, vielleicht als nächster in der Reihe…

Hallo K-Punkt,

Das Buch ist gestern angekommen, vielen Dank. :slight_smile:

In der Tat scheint es dazu angetan, einige meiner brennendsten Fragen zu beantworten.

Soll ich es an UlBre schicken, wenn ich damit fertig bin?

Viele Grüße!

Addy


Du darfst uns gerne teilhaben lassen , an deinen Erkenntnissen aus diesem Buch :wink: :wink:

Gern, habe aber gerade erst angefangen. Aber es ist vielversprechend.

Die wohl wichtigste Erkenntnis für mich bisher ist, dass er in Sachen Exekutivfunktionen eine Gegenposition zu Barkley einnimmt, wie @K_Punkt unten schon geschrieben hat (S. 46).

Im Gegensatz zu Barkley sieht er die Exekutivfunktionen eher als automatisch ablaufende Prozesse, auf die man selbst deutlich weniger Einfluss hat als Barkley vermutet. Entsprechend sei es sehr schwer, daran etwas zu verändern.

Dies passt zur Kritik Rossis an Barkley, der sich gegen die Forderung Barkleys gewehrt hat, man solle Medikamente nutzen, um seine Exekutivfunktionen aktiv zu verbessern.

Wenn ich Brown richtig verstanden habe, dann verbessern sich die Exekutivfunktionen durch Medikamente eher automatisch als durch aktives Beeinflussen, wobei ich denke, dass letzteres trotzdem nicht schaden kann. Aber es entlastet eben, wenn es trotz aller Mühe einfach nicht gelingen will.

Ja ja, die lieben Exekutivfunktionen bei uns :shock: :roll:

Wikipedia beschreibt es nochmal ganz gut
Exekutive Funktionen – Wikipedia

Ich finde das ist schon ein schwieriges Thema im Bezug zu ADHS und etwas wo man schon auch sehr drunter leidet.

Es ist eben genau der Spagat zwischen, was ist einfach neurologisch bedingt oder noch trainierbar.?
Wo gleicht es nur die Medikation aus, oder wo kann ich die Medikation nutzen etwas zu ändern?
oder einfach auch mal „natürliche Unlust“ :wink:

Meine Schreibtsichschubladen, auch unter Medikation ein wunder Punkt.
Mein Schreibtischschubladen mit der Erkenntnis von ADHS und unter Medikation so eingerichtet das wirklich nur noch flächig jedes Ding an seine Platz passt. Ich kann sie nicht mehr anders einräumen auch im höchsten ADHS Hypermodus ohne Medikation.

Das habe ich nun fast 1 ½ Jahre so und ich glaube wenn ich die Einteilung rausnehme , weil ich denke ich habe ja dies „Exekutivfunktion“ nun trainiert, wäre ich einem Trugschluß unterlegen.

Ich würde mir nur ein paar Tage geben und trotz Medikation wäre das Chaos bald wieder vorhanden.

Das Einzige was mir hilft , ist dafür Sorge zu tragen eben meine Schubladen so einzurichten das ich beim sinnvollen Einräumen nicht nachdenken muss.

z.B. Papierkram in Ordner halten.-> Exekutiv funktionierend,
[list]

  • man bekommt einen Brief
  • [/list]
    [list]
  • öffnet diese,
  • [/list]
    [list]
  • tut den Umschlag in den Mülleimer
  • [/list]
    [list]
  • geht zum Schrank mit den Aktenordnern
  • [/list]
    [list]
  • holt den Ordner raus
  • [/list]
    [list=]
  • heftet den Brief passend ab
  • [/list]
    [list]
  • Ordner zurück in den Schrank
  • [/list]
    [list]
  • Tür zu
  • [/list]
    [list]
  • und Thema hat Ruh
  • [/list]

    z.B. Papierkram in Ordner halten.-> so hätte / könnte es etwas übertrieben bei mir sein

    • ich bekomme einen Brief
      -lege ihn irgendwo ab
      -vergesse diesen Brief
      -finde ihn irgendwann wieder
      -lege ihn auf den Todo Stapel
      -er wandert nach unten
      -irgendwann benötige ich diesen Brief
      -suche ihn und breite alle Briefe wild aus
      -find ihn
      -Kaffeefleck ist auch schon drauf
      -öffen ihn, reisse dabei den Brief mit an
      -Umschlag landet irgendwo
      -wo muss ich den denn nur abheften?
      -wo sind die passenden Ordner?
      -habe ich schon einen Ordner dafür?
      -muss erst 5 Ordner raussuchen um den passenden zu finden, verteile sie wild
      -finde endlich den passenden
      -scheiß klammer hakt, die könnte ich erstmal grade biegen
      -wo ist die Zange?
      -räume alles aus den Schränken raus
      -ah da ist die Zange
      -ah die Zange quitscht
      -Zange könnte ich noch eben mal ölen
      -wo ist das Öl?
    • räume weiter Schränke aus
      -ah da ist mein Holzleim !
      -endich kann ich meine Bilderrahmen kleben
      -endlich Bilderrahmen geklebt
      -was wollte ich nochmal ?
      -ah der Brief
      -welcher von den 5 Ordner war das nochmal?
      -wieder wildes gesuche
      -finde ihn
      -Klammer klemmt immer noch und ich frussel das Papier eben so raus, obwohl ich weiß eben grade biegen wäre hilfreicher
      -ah interessant was ich da abgeheftet habe, fang ne runde an zu lesen
      -suche irgendwann weiter
      -ah da muss der Brief hin
      -ich hefte ihn ein, damit ist der Auftrag des abheftens erledigt und bin Stolz auch mich , mal endlich was abgehftet zu haben,
      -und lasse alles so liegen, mache nicht mal die Klammer oder den Ordner zu
      -weil hab erstmal einen Kaffee verdient.

    Da funktioniert exekutiv in so vielen Schritten nichts, da hat die Medikation echt viel zu tun oder man hat ganz schön viel abzutrainieren :lol:

    Ich habe keine Aktenordner mehr , habe nur noch Hängeregister , dahinter im Schrank direkt der Eimer für Papiermüll
    weil im gelegentlichen Bestenfall …Schublade auf , Brief auf, Umschlag in Müll , Papier in das passende Register schieben.

    Irgendwann habe ich festgestellt das Aktenordnerablage viel zu viel „exekutive“ Schritte abverlangt die viel zu viel Spielraum für 1000 andere dinge überlassen, die Chaos auslösen .
    Mit diesem System bleibt zumindest das Chaos geringer

    Ich glaube man ist manches mal besser damit bedient zu vereinfachen wie auf endlich eine „exekutive Verbessrung“ zu hoffen

    @Addy_Haller

    Oh ja das tut es !!!

    Jaaaaaa, bittebitte :slight_smile:))

    Ich behaupte immer noch, dass Stimulanzien, indem sie Dopamin und andere neurotrophe* Stoffe erhöhen, die Voraussetzungen für Lernfähigkeit (wieder)herstellen.
    Diese Lernfähigkeit repariert vieles von selbst. Therapie kann dieses Lernen aber deutlich unterstützen und erweitern. Wie Realschule oder Gymmi zur Grundschule.
    Insofern: erst mal mit Medis klar kommen lernen (geht von selbst ~ Grundschule) und auf dem Fundament dann therapeutisch aufbauen (braucht versierten Input ~ Realschule/Gymmi).

    Bastle Innerlich an einem neuen Kapitel von ADxS.org, das den Nutzen von Psychotherapien bei AD(H)S (und anderem) erläutern soll. Sauspannend…

    Viele Grüße

    UlBre

    *neurotroph: die Neuroplastizität fördernd bzw. für diese erforderlich