Das richtige Medikament finden

Guten Tag,

mein Name ist Thomas, bin Mitte 20 aus dem Österreich.

Ich bin seit einem halben Jahr mit ADHS Diagnostiziert und leide quasi mein ganzes Leben schon darunter. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Als erstes Medikament wurde ich mit Concerta eingestellt. Die ersten zwei Monate 18mg (keine Wirkung mehr nach einem Monat) und jetzt seit 3 Monaten auf 36mg.

Wirken tut es leider nur selten und habe das Gefühl das mich das Medikament mehr durcheinander bringt als es hilft. Fühle mich oft verwirrt, müde und selten auch etwas ängstlicher. Fokussieren kann ich mich die ersten zwei Stunden besser und danach fangen die Nebenwirkungen an.
Jetzt überlege ich ob ich die Dosis erhöhen sollte oder auf ein anderes Medikament umsteigen sollte. Ich habe halt Angst davor auf höherer Dosis noch mehr Nebenwirkungen zu bekommen. Aber vielleicht teste ich es einfach mal einen Tag.

Denkt ihr ich bin noch unterdosiert oder ist es einfach nicht das richtige Medikament für mich?

Freue mich über Tipps von euch, vielleicht hatte jemand eine ähnliche Erfahrung.

MfG

Willkommen in unserem illustren Kreis!

Ok, das ist seltsam. Concerta eignet sich eigentlich nicht wirklich gut zur Eindosierung mit MPH, weil es zu lange am Stück wirkt. Das dauert ja dann ewig.

Welche Wirkung entspricht denn deiner Erwartungshaltung? Ich nehme beispielsweise Kinecteen das eigentlich Concerta von der Wirkweise entspricht. Das merke ich nicht, wenn ich nicht bewusst drauf achte (finde ich persönlich gut, weil es sich „normal“ anfühlt und nicht unnatürlich).

Kann gut sein, dass du noch unterdosiert bist. Concerta 36 mg entspricht etwa 3x10 mg (weil drei Freisetzungszeiträume) an unretardiertem MPH.

Klingt ein bisschen nach Rebound, weil du ja sagst, dass es die ersten zwei Stunden gut wirkt. Oder ist das auch währenddessen? Vielleicht funktioniert der Retardierungsmechanismus von Concerta bei dir nicht wie er soll. Hatte eine ähnliche Erfahrung mit Ritalin adult.

Sprich mal mit deinem Arzt und probier nach Absprache Concerta 54mg. Oder lass dir ein Rezept für un-retardiertes MPH geben. Ich weiss nicht wie das in A ist aber in D muss man das in der Regel selbst zahlen. Ist aber nicht so extrem teuer. Irgendwas um die 30 Euro für Ritalin 10mg 60 Stk.

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Also erhoffen tu ich mir davon eine subtile Wirkung, eine etwas verbesserte Konzentration und wenig Nebenwirkungen.

Interessant dass du die Wirkstofffreisetzung ansprichst.

In der Tat merke ich das Medikament ca. 30 Minuten nach der Einnahme und falle 1,5 bis 2 Stunden nach der Einnahme in ein Loch mit Nebenwirkungen. 4 Stunden nach der Einnahme wird es wieder viel besser und wirkt so wie ich es mir vorstelle. In diesem Zeitraum bin ich auch innerlich viel ruhiger und ausgeglichener Nach ca. 8 Stunden merke ich garkein Wirkung mehr und die Nebenwirkungen fangen wieder an.

Deine Erklärung scheint mir sehr plausibel und ich danke dir 1000 mal :pray:

Denkst du das dieses Loch mit einer höheren Dosierung verschwinden könnte? Ich werde am Nachmittag meine Ärztin anrufen und sie um Rat fragen.

Vielen Dank für deine Hilfe :+1:

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Vorab: Nein ich bin nicht arbeitslos, weil ich so schnell antworte, sondern Winterpause an der Uni und Ablenkung von den morgen und übermorgen anstehenden Klausuren :smiley:

Concerta soll bis zu 12h wirken. 8 h sind auf jeden Fall schonmal gut.

Das ist auf jeden Fall möglich. Man muss sich die Wirkung wie eine Kurve vorstellen. Also es ist nicht „zack an“ und „zack aus“, sondern die Wirkung erreicht irgendwann ihren Peak und fällt dann ab. Es kann also sein, dass bei dir die Dosis in dieser Auslaufphase zu niedrig ist, um dich vor diesem Loch zu „schützen“. Also könnte das durch eine höhere Grunddosis durchaus ausgeglichen würde.

Nahtlos wird es nie klappen aber zumindest annähernd. Bei mir kommt so ein kleines Loch in der Regel passend zur Mittagspause. Kann also auch einfach das normale Mittagstief sein.

In welchem Zusammenhang nimmst du das denn ein? Mir ist beispielsweise aufgefallen, dass die Wahrnehmung dieser Löcher von dem abhängt was ich tue. Also lerne ich konzentriert wirkt es gefühlt auch mal länger als die 12h. Natürlich auch durch Kaffee unterstützt. (Kaffee ist in der Eindosierung nicht zu empfehlen, weil es das Ergebnis verfälschen kann, also welche die passende Dosis ist).

Isst du genug? Nimm dir mal einen Schokoriegel oder eine Fanta und konsumier das, sobald du merkst, dass dieses Loch kommt bzw., wenn du es einschätzen kannst, auch schon ein wenig davor.

Das lässt sich auf jeden Fall damit erreichen. Ist zwar immer individuell wie jeder das wahrnimmt. Ritalin hat mich beispielsweise immer extrem fokussiert aber es hat sich eben sehr unnatürlich angefühlt was ich persönlich gar nicht mochte.

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Nahm bisher nie Concerta. Was ich aber bisher so mitbekommen habe:

Concerta wirkt in den ersten Stunden wegen dem Verlauf kaum bis gar nicht.

Viele nehmen deswegen morgens zusammen mit Concerta unretardiert MPH (5-10mg).

Als erstes würde ich aber die Dosierung des Concerta erhöhen. Wenn sich da tagsüber die Wirkung als gut zeigen sollte, kann es passen. Wenn nicht vlt. nochmal erhöhen.

Wenn dennoch morgens die ersten Stunden durch das Concerta-Loch geprägt sind würde ich zusätzlich 5-10mg MPH nehmen.

Ich weiß nicht wie es in AT ist. Aber in DE muss das unretardierte MPH auf Privatrezept laufen. Da es da aber Generika und Großpackungen gibt, geht es nicht so stark ins Geld.

Die Dosisfindung kann ruhig 6 Monate Zeit in Anspruch finden. Geduld ist da notwendig.

Du beschreibst da die relativ zackige Auf-und Ab-Linie der Concerta-Wirkstofffreisetzung.
Da wäre ein Wechsel auf Medikinet retard oder adult oder auf Ritalin Adult wahrscheinlich hilfreich.
Bis in Österreich Elvanse verschrieben wird (was für Erwachsene besser wäre) ist es wohl ein weiter Weg.

Hallo @UlBre ,
Also nachdem ich mit Ritalin nicht zufrieden war, hat mir mein Arzt in Österreich zuerst Amfetaminsulfat (zur Dosisfindung) und danach Elvanse verordnet. Das war schon 2021.
Gab nie Probleme, wusste gar nicht dass es Chefarztpflichtig ist.
Im Gegensatz zu Ritalin fällt es in Österreich auch nicht unter das Suchtmittelgesetz (~ DE: BTM) und konnte daher schon seit Jahren elektronisch verordnet werden. Seit 2023 geht das nun ja auch bei Ritalin.

Lg, tom

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Ich probiere es mal mit der Dosiserhöhung.
Elvanse hat mein Psychiater gesagt können wir jederzeit ausprobieren. Aber am Anfang hat das Concerta eh so gut geholfen, da möchte ich gerne dabei bleiben. 36mg ist ja eh noch sehr wenig und da ist noch viel Luft nach oben denke ich.

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Was kann schon passieren? Wenn die Dosis wirklich zu hoch ist, merkst du es sofort und es ist nur einen Tag lang unangenehm. Dann wäre es allerdings natürlich unpraktisch, wenn du eine Riesenpackung 54-er Kapseln da liegen hast. :adxs_grins:

Wenn die Wirkung in der zweiten Hälfte gut ist, aber nach 1,5-4 Stunden nach Einnahme schlecht, könnte vielleicht eine unretardierte Dosis (10 mg?) eine Stunde nach Einnahme der Concerta-Kapseln Abhilfe schaffen.

@UlBre Wirkt Kinecteen gleichmäßiger?

Mit Ärztlicher Absprache probieren wir nun die Erhöhung auf 54mg. Werde sie morgen mal testen.

Habe leider auch gestern das Ergebniss meiner Psychologischen Testung erfahren (über 18 Wochen her) und wurde neben ADHS Mischtypus mit Autismus Diagnostiziert. Kann ich mir persönlich zwar nicht vorstellen, aber die werden es schon wissen (Kompetenzzentrum für Autismus und ADHS).

Ich hoffe das es nun endlich passt mit der Dosis.

Seit gestern nehme ich 54mg und die Nebenwirkungen haben sich minimiert.

Natürlich sind die 2 Tage noch nicht repräsentativ, aber ich denke schon das ich unterdosiert war. Sonst hätte ich mit einer höheren Dosis mehr Nebenwirkungen und nicht weniger.

Schwindel, Nervösität ist komplett weg und Blutdruck ist mit 120/80 und Ruhepuls von 58 unverändert wie ohne Medikamente.

Werde in 2-3 Wochen nochmal ein Update machen.

Hallo @Trachea ,

freut mich zu lesen, dass die Erhöhung der Dosis zu einer Verbesserung geführt hat.

Da ich selbst momentan noch Elvanse nehme, davor Atomoxetin ausprobiert habe und ursprünglich mit Medikinet adult gestartet bin, möchte ich meinen Psychiater bei der nächsten Sitzung bitten, doch auch mal Concerta ausprobieren zu dürfen.

Von daher profitiere ich hoffentlich von deinen Erfahrungen hier und würde mich freuen, wenn du weiter deine Beobachtungen teilst :smiling_face:

Liebe Grüße

Warum möchtest du vom Elvanse weg?

Ich glaube bevor man das Medikament wechselt, sollte man mal alle möglichen Dosierungen ausprobieren.
Bei mir hat bisher jede Dosierung komplett anders gewirkt.

18mg, kaum Wirkung, kleine Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Mundtrockenheit

36mg , seit ersten Tag noch weniger Wirkung als 18mg, volle Breitseite an Nebenwirkungen, Aufmerksamkeit noch schlechter als ohne Medikamente

54mg ,bisher gute Wirkung, 0 Nebenwirkungen, noch weniger als bei den 18mg

2x 36mg mit 8 Stunden Abstand, erste Dosis fürn Arsch mit starken Nebenwirkungen, ab der 2. Gabe die selbe Wirkung wie die 54mg.

Laut meinem Psychiater solltest man ruhig höhere Dosen auch probieren, SOFERN DIE VITALPARAMETER DES HERZKREISLAUFSYSTEMS PASSEN. Was auch physiologisch logisch ist. Wortwitz badumtsss

Streng genommen möchte ich vom Elvanse nicht weg. Ich fühle mich sogar sehr gut unter der Wirkung von Elvanse. Aber die Symptome, die mich am meisten einschränken, sind fehlende Motivation, keine Priorisierung, Prokrastination bis zum Jüngsten Gericht, u. ä. Und Elvanse hilft mir bei diesen Problemen bisher nicht. Weder bei 30mg, noch bei 50mg. Ganz im Gegenteil: Ich werde unter Wirkung von Elvanse phlegmatisch, fühle mich aber gut dabei.
Daher gehe ich nicht davon aus, dass die 70mg Elvanse nun die ausschlaggebende Veränderung bei mir bringen.

Bei Medikinet hatte ich zumindest eine leichte Steigerung des Antriebs gemerkt. Daher denke ich, dass grundsätzlich MPH besser für mich geeignet ist.

Super-duper-mega-toll wäre natürlich ein Medikament, dass beides bei mir schafft: antriebssteigernde und angstlösende Wirkung.

Ich habe dieses Medikament (für mich) noch nicht gefunden, daher möchte ich zum nächsten Medikament wechseln.

Eine Kombination von MPH und LDX würde mich auch reizen.
Ich gehe aber nicht davon aus, dass mein Arzt da mitspielen würde.

Wie würdest du an meiner Stelle vorgehen?
Tatsächlich die 70mg Elvanse testen, um Gewissheit zu haben?

Bespreche das mit deinem Arzt. Wenn du unzufrieden bist musst du erhöhen oder das Medikament ändern.Ich kann dir da keinen Rat geben.

Ich hatte auch ohne Medikamente nie das Problem „den Arsch hochzubekommen“ und weis auch nicht ob du das von einem ADHS Medikament erwarten kannst.

Wenn es dir hilft kannst du mit Absprache deines Arztes einen Beta Blocker zu dem Methylphenidat nehmen. Gerade propranolol hilft vielen bei Angstzuständen.

Wenn es dir körperlich gut geht und der Arzt mitmacht, warum dann nicht die ganze Bandbreite testen? :slight_smile:

30 war okay, reichte aber nicht.

50 ist soweit supi und scheint für mich nah am Limit zu sein bzgl. der Balance zwischen Symptombehandlung, Wirkdauer, Antrieb, Motivation, Schlaf etc.
Wollte aber trotzdem wissen, ob ich schon drüber bin, oder ob das noch besser wird.

70 war die ersten 3 Tage noch mehr supi, danach aber 6 Tage umgekehrte Wirkung und total tiefenentspannt. Hatte keine Lust mehr auf den Haushalt und andere Aktivitäten. Fühlte mich aber trotzdem pudelwohl. War nur kein Dauerzustand, also wieder zurück.

Ich hätte es nicht herausgefunden und einschätzen können, wie mein Körper auf die verschiedenen Dosen reagiert, hätte ichs nicht probiert :man_shrugging:

Vielleicht biste schon drüber, oder noch zu niedrig.
Trial & Error. Sagen auch etliche Psychiater, die ich mir im Netz anschaue. Von der Maximal Dosis sollte man sich nicht abschrecken lassen (wenn die Nebenwirkungen bisher vertragen wurden). Man muss eben sein eigenes therapeutisches Fenster finden.

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