ich bin 43, männlich, von Beruf Betriebswirt und habe nun die Diagnose ADHS unaufmerksamer Typ erhalten.
Obwohl ich bei mehreren Ärzten und Neuropsychologen mehrere Tests gemacht habe und diese alle eindeutig waren und auch meine Historie sehr gut zur Diagnose passt (Schulzeugnisse, Art und Ausprägung meiner Probleme im Privaten und beruflichen etc) fällt es mir sehr schwer, die Diagnose anzunehmen. Der Grund ist, dass ich seit vielen Jahren theapieresistente Depressionen habe und mir denke, dass die Symptome theoretisch auch von der Depression stammen könnten. Und es liegt auch daran, dass ich einige ADHSler kennen gelernt hatte, diese aber alle vom Typ Hyperaktiv waren und ich bei dem, was man äußerlich bei diesen Menschen üblicherweise wahrnehmen kann, ganz und gar nicht wieder finde, eher im Gegenteil.
Manchmal komme ich mir deswegen vor, wie ein Hochstapler, obwohl ich in den Interviews die Fragen immer ehrlich beantwortet habe.
Nun habe ich 30mg Elvanse verschrieben bekommen (man bot mir 50mg zum Start an, ich wollte aber niedrig beginnen) und in einem Monat dann Kontrolltermin zur Dosisanpassung.
Meine Fragen zu Elvanse lauten nun:
Muss meine Symptomatik nach einem Monat unter 30mg Elvanse besser sein? (Vorausgesetzt Elvanse ist das passende Medikament für mich)?
Woran würde ich während oder nach diesem Monat zweifelsfrei erkennen können, dass ich kein ADHS habe?
Woran könnte ich erkennen, dass die Dosis zu hoch, ausreichend oder zu gering ist?
Müssen die Symptome nach dem Monat weg sein? Wenn die Symptomatik nur besser, aber nicht weg ist, ist das dann Grund zum Anlass, die Dosis zu steigern? Was wäre andererseits ein Grund, die Dosis zu senken?
Aus Neugier würde mich interessieren, was die meistgenutzten Dosen von Elvanse bei Erwachsenen sind, gibt es hierzu verlässliche Infos? Oder gab es hierzu mal Umfragen?
Ist bei Elvanse mit einer ähnlichen Toleranzentwicklug zu rechnen, wie bei den Menschen, die Amphetamine illegal und ohne Indikation einnehmen? Darüber habe ich einiges gelesen, dass es dann eine Downregulation bei den Rezeptoren gibt und man am Ende kaum noch Effekte spürt und man im Grunde nur abhängig von einer Substanz ist.
Kann mir jemand ein gutes Buch oder weitergehende Infos empfehlen für meinen Subtyp ADHS-I?
Nein. Das hängt nämlich auch davon ab, ob es die richtige Dosis für dich ist.
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Wenn Du zweifeln möchtest, wirst Du immer was zum zweifeln finden. Wenn es so einfach wäre, es aufgrund eines Medikaments zweifelsfrei festzustellen, könnte man sich die Diagnostik sparen.
Da kann ich dir diesen Thread empfehlen und außerdem das führen der Eindosierungshilfetabelle, Verzicht auf Kaffee und Energiedrinks etc. weil das dein Befinden sonst zu sehr beeinflusst.
Ich habs so gemacht wie es mein Psychiater auch empfohlen hat und ich es hier auch immer wieder lese. Begonnen mit 20mg, wöchentlich um 10mg gesteigert, bis auf 60mg, da hatte ich keine Verbesserung ggü. den 50mg, darum bin ich jetzt bei den 50mg gelandet. Letztlich musst du dich selbst genau beobachten um heraus zu finden wie es bei dir passt. Mit den 20mg war ich ziemlich müde, vor allem ab ca. 14 Uhr, aber auch davor innerlich ruhiger und etwas konzentrierter. Mit 30mg war ich wie auf Knopfdruck ganz anders, emotional völlig überfordert, habe mich sozial eher zurückgezogen und viel geweint. Mit 40mg war das komplett weg, ich war innerlich wieder entspannter, ruhiger, habe einige Themen weg geschafft aber soziale Kontakte fand ich anstrengend und fiel mir immernoch schwer länger still zu sitzen. Jetzt mit 50mg kann mich bis nachmittags ca. 15/16 Uhr gut konzentrieren, werde erst gegen 17 Uhr wieder fusslig im Kopf aber eine innere Ruhe, weniger Anspannung bleibt erhalten. Zwischenzeitlich habe ich die Dosis gesplittet, morgens 30 g und etwa 4h später 20mg, so habe ich den Eindruck bin ich vormittags nicht so “drüber” und die Wirkung ist länger. Das alles sind meine Erfahrungen und du kannst natürlich davon ausgehen, dass deine anders sein werden
Zu den Punkten 1 bis 7 hat @fifty_none schon einiges geschrieben.
IIch bin 76, männlich, im Unruhestand. Vor fast 4 Jahren habe ich die Diagnose Angststörung und Depression bekommen. Vor 4 Monaten wurde ADHS (Mischtyp) diagnostiziert; dank der ADHS Medikamente ist von Angststörung und Depression keine Spur mehr. Wenn mir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte ADHS, hätte ich es für unmöglich gehalten.
Gestatten mir ein paar Anmerkungen zu deinen einleitenden Sätzen. Der Begriff therapieresistente Depressionen ist in deinem ADHS Zusammenhang krass gesagt Unfug. Deine theoretische Überlegung stimmt nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus . Eigentlich bist du ein klassischer Fall von falscher Behandlung.
ADHS ist ein angeborener Mangel an Dopamin und nur Adrenalin im Gehirn. Infolgedessen sind einige Gehirnfunktionen beeinträchtigt. Mit ADHS kannst du hochsensibel, hochintelligent kommunikativ und und und; trotzdem funktioniert das Gehirn nicht so wie du es brauchtest. Als eines der Resultate entwickelt der nicht behandelte ADHS Mensch in vielen Fällen eine Depression. Psychotherapieversuche sind in der Regel zum Scheitern verurteilt, solange ADHS nicht behandelt wird. Dein Gehirn hat nicht die Kapazität um mit den Ergebnissen oder nicht Ergebnissen der Psychotherapie umzugehen. Das sieht dann nur so aus, als wäre man therapieresistent.
Du bist kein Hochstapler (Du hast auch ADHS - typisch das Imposter-Syndrom). ADHS Menschen können ihr ADHS sehr gut vor der Umwelt und auch vor sich selbst(!) verbergen, nennt man “maskieren” oder “kompensieren”.
Viele ADHS Menschen bekommen erst nach einer langen Diagnose-und Therapie Irrfahrt ihre zutreffende Diagnose ADHS. Passiert leider immer wieder, so auch bei dir. Du kannst die Diagnose für dich akzeptieren, rate ich dir.
Ich wünsche dir und deiner Medikamentierung (bitte mit Geduld) viel Erfolg
Ein Einstieg mit Elvanse ist ein bisschen ungewöhnlich. Nur aus Interesse hattest du neurologische Auffälligkeiten oder hattest du eine Lernbehinderung?
Ich kenne mich nicht gut mit ADHS-I aus, aber ich habe ein bisschen darüber gelesen:
Helga Simchen ( Meine Homepage - Bücher zu ADS & Co ) gilt als Koryphäe auf dem Gebiet, allerdings richten sich Ihre Publikationen vornehmlich an die Kinder und Jugendlichen Versorgung.
Johanna und Klaus-Henning Krause, befassen sich ein bisschen mit ADHS-I und Russell Barkley auch, aber eher aus differenzialdiagnostischer Sicht.