Hallo!
Ich nehme seit knapp vier Wochen 30 mg Elvanse, was auch die Einstiegsdosis war. Nun fällt es mir schwer einzuschätzen, ob das bereits die bestmögliche Wirkung bei mir erzielt oder ob es eventuell eine bessere Dosis - egal ob höher oder niedriger - für mich geben könnte. Da mag auch mein Perfektionismus heraus kommen, deshalb ist mir das Schwarmwissen hoffentlich nützlich bei der Entscheidungsfindung.
Elvanse 30 mg wirkt bei mir wie folgt:
positiv:
- emotional deutlich gedämpfter (statt überschießend stark)
- Konzentration kann willentlich gelenkt werden
- ich kann etwa 3 Stunden pro Tag damit konzentriert an einer Sache arbeiten
- ich nehme Mimik und Gestik meines Gegenübers deutlicher war
- deutlich weniger Anspannung in ruhige Situationen
- Hintergrundgedanken sind (fast) komplett weg
- ich bin insgesamt ruhiger und gelassener
- ich kann deutlicher und geplanter Sprechen und auf Fragen antworten
- keine Impulskäufe mehr
negativ:
- das Anfluten der Wirkung ist etwa ein Stunde wirklich unangenehm (Reizbarkeit unter Menschen, Unruhe, manchmal Kopfweh und niedriger Blutdruck)
- Rebound etwa ab 18 oder 19 Uhr für ca. eine Stunde (ist erträglich und wird sich auch mit anderer Dosis nicht ändern)
- Nebenwirkungen generell auf Magen-/Darm-Trakt durch meine MCAS
- stärkeres Rückzugsbedürfnis
- teilweise sensorisch empfindlicher
- Müdigkeit beim Anfluten der Wirkung morgens
- mit Sport ist die Wirkdauer bei mir etwas verkürzt und die Wirksamkeit verringert
Teilweise habe ich überlegt, ob das unangenehme Gefühl morgens beim Anfluten der Wirkung schon Zeichen einer Überdosierung sein könnte, weil noch Wirkstoff im Körper ist. Aber nach einer Stunde etwa ist die Wirkung eben wirklich angenehm.
Schön wäre es, wenn die Wirkung abends noch eine Stunde länger anhielte. Nachdosieren mag ich wegen der unangenehmen Nebenwirkungen wirklich ungerne. Außerdem wünsche ich mir manchmal eine etwas stärkere Wirkung im Bereich Reizoffenheit/Ablenkbarkeit und beim Sport weniger Absenkung von Wirkdauer und Wirkung insgesamt.
Ich wäre dankbar für eine Einschätzung der Wirkung und insbesondere ob das Anfluten ein Zeichen von zu hoher Dosis sein könnte. Wäre vielleicht doch eine Nachdosierung eine Lösung für abends und den Sport?
Wichtige Info: ich habe keine Zyklus. Die Wirkung ist jeden Tag recht gleichmäßig da.
Nach etwas nachdenken möchte ich die Frage gerne präzisieren:
Ist diese Problematik beim Anfluten der Wirkung morgens ein Zeichen einer Überdosierung? Nach einer Stunde etwa ist alles ziemlich gut, wie gesagt.
Beispiel zur Veranschauulichung: heute Morgen war ich in der Anflut-Zeit so dumpf im Kopf, das mir ein Kreuzworträtsel unmöglich erschien. Ich hatte nur so sehr schwierigen Zugriff auf mein Gedächtnis, um nach den Wörtern zu überlegen, so wie ich das eigentlich nur ohne Medikation kenne.
In der ersten Stunde gehts mit der Umwandlung erst langsam los.
Bei klassischen Retardpräparaten wird der Wirkstoff verzögert aus der Tablette/Kapsel freigesetzt.
Lisdexamfetamin ist aber ein Prodrug:
Die Kapsel enthält sehr gut lösliches Lisdexamfetamin, aber das muss nach der Resorption eben erst enzymatisch (über den Darm ins Blut und da dann zunächst) in Lysin und Dexamfetamin gespalten werden. Letzteres ist der aktive Metabolit von dem wir profitieren.
Wenn es anfangs zu Nebenwirkungen kommt, kann es also auch einfach das Anfluten sein.
Wenn es Richtung Peak (3,5 - 4,8h - je nach fettreicher Mahlzeit) besser wird, würde ich eine zu hohe Dosis ausschließen.
Für den Rest gilt leider, es auszuprobieren.
Ohne hätte man keinen direkten Vergleich.
Und es ist auch nicht unüblich, 1-2 Dosisstärken höherzugehen, um herauszufinden, ob das Ende der Fahnenstange tatsächlich erreicht wurde.
Falls ja, geht man einfach wieder zurück zur ursprünglich am besten funktionierenden Dosis 
Danke für die ausführliche Erklärung! Das hilft mir wirklich weiter.
Da es eben tatsächlich nach etwa einer Stunde deutlich besser wird und ich danach eine sehr angenehme Wirkung verspüre, wird es keine Überdosierung sein. Sondern vermutlich, neben dem Anfluten generell, die MCAS und der erhöhte Stoffwechsel durch die Stimulanzien.
Deshalb werde ich überlegen, ob und wann ich eine Dosisstufe höher gehe, weil es sein kann, dass dann die Nebenwirkung zu stark wird, während die Wirkung etwas untergeht. Lässt sich ohne Ausprobieren natürlich nicht sagen, klar.
Wirkt eine höhere Dosis LDX nur stärker oder auch länger (zeitlich)?
Die Halbwertszeit bleibt gleich (~11h).
Nach 11h ist also noch etwa die Hälfte drin.
Die subjektiv empfundene Wirkdauer hängt aber davon ab, ob ich im für mich optimalen therapeutischen Bereich lande (und Nebenwirkungen tolerierbar bleiben).
Hier gilt dann das Inverted-U Prinzip.
Landet man drüber, kippt es / verschlechtert sich wieder.
Landet man drunter, ist es auch nicht die gewünschte Wirkung.
Landet man am unteren Rand des therapeutischen Bereichs, fliegt man entsprechend auch schneller wieder raus.
Je besser der therapeutische Bereich aber getroffen wird, desto länger hat man davon → die subjektiv empfundene Wirkdauer ist länger.
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Und wie ist das wenn man sich auch außerhalb der Wirkdauer wohlfühlt, also mit voller Wirkung und außerhalb?