Elvanse adult, Sucht "in die Vergangenheit"?

Hallo zusammen,

seit ca. 3 Wochen spüre ich immer mehr Verlangen nach Alkohol und Gras. Elvanse nehme ich seit gut vier Monaten.
Alkohol bekam ich vor einigen Tagen nicht kontrolliert und war stark angetrunken, fast schon betrunken. Sodass ich wieder sämtliche Leute unterhalten habe und nur blöde Gedanken rumgeschwirrt sind :unamused:.
Hinzu kam noch mein Schlafentzug in dieser Woche… Naja es ärgert mich immer noch so dermaßen, dass ich aktuell einfach nur noch Angst habe zu versagen und ich nur verwirrt bin.
Ich war so happy, dass ich endlich die Diagnose bekam und mir geholfen wurde, aber aktuell rudere ich gerade wieder „back to the roots“.
Aktuell bin ich gut eingestellt - Elvanse adult 50mg (morgens) und Concerta 36mg (mittags).
Hatte vorher Elvanse adult 30mg morgens und mittags, da die Dosis nicht reichte und es Lieferschwierigkeiten gab, bekam ich off label use 40mg morgens und mittags.
Das war mir zu viel, da ich nicht mehr schlafen konnte, viel Stress auf der Arbeit, heftig kalte Hände & Füße bekam und auch immer ein gewisses Verlangen verspürte.
Seit knapp 6 Wochen komme ich mit elvanse und concerta, wie oben geschrieben, sehr gut zurecht, aber das Verlangen nach Alkohol vor allem Bier ist echt heftig geworden die letzten Wochen.

Hat jemand von euch schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Bei mir sind es die Zigaretten. Ich nehme Elvanse jetzt seit 3 Tagen, und es ist richtig, richtig schlimm. Ich tiger quasi schon vor der Tankstelle lang und ringe mit mir ohne ende (und das nach über 8 Jahren!)

Ich habe früher viel gekifft und eben auch andere Sachen, aber danach habe ich zum gluck kein Verlagen (einfach weil das letzte mal mich fast das Leben gekostet hat und ich eine Psychose hatte), ist aber nun auch schon 8 Jahre her. Deshalb war die Meds nehmen auch ein Riesending. Aber geht jetzt :slight_smile:

Ich hatte vorher Atomoxetin und Medikinet, was ich beides überhaupt gar nicht vertragen habe, und da hatte ich es auf jeden Fall nicht. Hätte gedacht vielleicht weil es was mit dem Belohnungszentrum im Hirn macht, aber bin da kein Experte. Ich weiß aber auch von der Zeit vorher, dass es bei mir immer wieder in stressigen Phasen hoch kam und aber auch zB nach er Geburt meines Kindes hätte ich für eine Zigarette alles getan, aber ging ja nun nicht. Du schriebst ja viel stress auf der Arbeit, vielleicht kommt das auch zusammen? Also das Korrelation - Kausalität Thema.

Bei mir vermute ich, dass es durch den Stress des Einnahmen kommt durch meine Vergangenheit, ich habe total angst vor Medikamenten, und da kann es sein (so aussage meiner Psychotherapeutin) dass sich der Körper an alte dinge erinnert, die einem damals ruhe und entspannung gegeben haben. Es kann also vielleicht einfach ein altes muster sein, was der Körper nicht vergessen hat. Mir hilft der Gedanke irgendwie.

LG

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Danke für deinen Gedankenanstoss :blush:
Du hast Recht!
Genau deswegen (Stress), habe ich vor einigen Jahren meinen Job gewechselt und Stunden reduziert. Ich merke einfach immer wieder, dass ich nicht extrem belastbar bin und es dann zu dem Verhalten kommt. So war es früher auch schon, halt bloß ohne Medis, sondern andere Sachen.
Das allerschlimmste ist für mich die die nächsten Tage, da ich mir immer wieder heftige Selbstvorwürfe mache und extrem down bin, da ich wieder versagt habe.

Hast du eine Strategie zu „widerstehen?“

LG

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Kenne ich, ich bin dann leider doch ins Burnout gerutscht weil es als selbstständige nicht so einfach geht mit dem Jobwechsel und Stunden reudzieren.

Genau, die anderen Sachen haben es dann geregelt. Bei mir war es kokain. Mich hat es total runtergebracht und in den Fokus, sodass ich meine Ausbildung und Studium geschafft habe, während alle immer „voll drauf“ waren. Dazu dann halt die Zigaretten als „soothing method“. Und dann zum schlafen eben das Gras. Bis ich dann mit irgendwann viel später herausgefunden habe was da wirklich hinter steckt.

Selbstvorwürfe kenn ich nur zu gut. Die sind tatsächlich aber durch das Elvanse bei mir besser. Gute Strategien waren bei mir in die Beobachteperspektive zu gehen und mir immer wie ein Mantra zu sagen: Ich bin nicht mein innerer Kritiker. Ihn als liebevollen Anteil zu sehen, der am ende ja nur mich schützen will und aber klar sagen, nein, danke, ich brauche das gerade nicht. Habe ich aber auch lange jetzt Therapie für gemacht um das hinzubekommen. Mir hilft es gar nicht ihn versuchen wegzudrücken, macht es nur schlimmer.
Eine coole Technik die ich auch mache sind meine Moments-Jars. Ich habe mehrere Gläser, in die ich Zettel stecke auf die ich was raufgeschrieben habe. Zb habe ich ein „Was ich alles geschafft habe“-Jar, ein „Dinge die andere und ich an mir mögen“ - Jar usw. Das lese ich mir dann immer wieder durch.
Mir hilft es auch dies was ich geschafft habe Sachen ins kleinste runter zubrechen. SO ehe ich mehr dinge, die ich schon geschafft habe. Zb: „Ich habe zwar gelüste, aber ich habe zwei Tage nicht nachgegeben“. oder: „Ich habe es zwar 5 Monate nicht geschafft die Meds zu nehmen, aber ich habe nun schon mal die Kapsel aufgemacht, die Dosis reduziert und es fast geschafft. Morgen versuche ich es noch mal.“ und dann „Heute habe ich die Kapsel in den Mund genommen und mich damit angefreundet, morgen schaffe ich es“ und dann „Heute habe ich die Kapsel nach 5 Monaten geschluckt“ Manchmal sind es auch so Sachen wie: „Ich habe mir heute einen Termin gemacht beim Neurologen“ oder „Ich habe zwei Punkte auf meiner ToDo geschafft“ (auch wenn 100 drauf stehen).
Ich denke du siehst was ich meine, vielleicht hilft es dir ja.

Ich finde du kannst stolz auf dich sein, dass du das Thema angehst, dass du Rat und Unterstützung suchst und dich damit beschäftigst / es reflektierst. Alles im leben kommt und geht, und du machst doch gerade - so wie es klingt - auch wenn es anstrengend ist - einen tollen Job darin dem Verlangen nicht nachzugeben. Auch wenn es von einem random stranger in einem Forum kommt, vielleicht hilft es dir ja :slight_smile:

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Ich weiß absolut was du meinst :smiley:
Habe meine Ausbildung und Ausbilderschein auch mit viel Alkohol uvm. gepackt - ist mir bis heute noch ein Rätsel, wie das möglich war😉
Versuche seit Monaten ein Therapieplatz zu finden also einen PT, der „ADS-Konform“ ist. Aber aktuell leider, sehr sehr schwierig.

Vielen Dank für deine Worte / Tipps :+1::heart:

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Ja ich weiß, so schwer! Ich habe tatsächlich dann eine Private Praxis gewählt und bin den Weg der Kostenerstattung gegangen, was mehr als ätzend war/ist, aber immerhin habe ich nun eine tolle Therapeutin.
Wäre ja vielleicht auch eine Idee für dich?

Gerade wenn du schon lange suchst sollte das durchgehen :pray:t2:

LG und alles gute :smiling_face_with_three_hearts:

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Jep, kenne ich. Alkohol, Gras und Zigaretten. Amphetamin und Zigaretten ist sowieso Suchtkombi Nr. 1 genauso wie Alkohol und Zigaretten. Ich schaff es auch nur von allem die Finger zu lassen, weil ich weiß wie es enden würde und es sofort wieder meine Angst- und Panikattacken steigern würde, die ich „einigermaßen“ im Griff habe. Am Liebsten würd ich aber gerne mal wieder einen Joint rauchen. Aber dann kommt mal schnell wieder in den „morgens Amphe, abends Joint“ Kreislauf und ist nach paar Wochen wieder schwer in der Sucht und ein Wrack und das ADHS dreht noch mehr am Rad wie es so schon tut.

Muss aber dazu auch sagen, ich hab vor meiner Diagnose gerne illegal Amphetamin und Gras konsumiert, oft auch in Kombination, wobei mir damals schon bewusst war, dass höchstwahrscheinlich ADHS vorliegt, aber ihr kennt ja den Weg zur Diagnose…Daher kann ich nicht sagen, ob es bei mir einfach wieder mein Suchtgedächtnis triggert, dass halt bei Einnahme von Elvanse direkt wieder an Gras und Zigaretten denkt, weil das so von früher kennt, oder ob das normal ist.

Naja gut, jemand der noch nie geraucht oder gekifft hat, wird da wohl kein Verlangen haben, weil das Gehirn das gar nicht kennt.

Amphetamin und Methylphenidat senkt halt beides die Hemmschwelle und die Impulskontrolle…beides sollte sich bei uns ADHSlern aber dadurch eigentlich verbessern. Hast du früher Amphetaminmissbrauch betrieben? Vielleicht bist du überdosiert und nimmst es gar nicht so wahr? War lange Zeit auf 70mg…mittlerweile ist mir klar geworden, ich war volle Kanne überdosiert, aber habs lange Zeit nicht kapiert weil mein Suchtgehirn mir einen Streich gespielt hat und mir vorgetäuscht hat, ich brauch diese hohe Dosis, weil es mir ja damals vermeintlich gut ging im Rausch…

Angst- und Verwirrungszustände klingen schon nach einer Überdosis…bzw. auch vom Schlafmangel, du aber durch die Medikamente wachgehalten wirst obwohl das Gehirn Ruhe bräuchte…hab das auch gehabt und dachte ist wohl halt eine typische Nebenwirkung, dass das mal vorkommt weil ichs ja von früher kenne…aber bei illegalem Amphetamin überdosiert man halt auch schnell, weil man den Wirkstoffgehalt nicht kennt.

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Hey @YellowShard93,
vielen Dank für deinen Hinweis :slight_smile:

Ja, „klar“… Aber ich muss sagen, nach einem sehr negativen Erlebnis 2018, mach’ ich es nicht mehr. Ich bin dann zwischendrin auf Koks umgestiegen (nicht besser), Aber auch nicht lange, da ich keine Lust auf Stress hatte, wegen Führerschein etc. Als Alternative habe ich dann heftigst Kratom (red) als Tee konsumiert. Zum Schluss war es so, dass ich mir sogar vorgekocht und mir auf die Arbeit, Meetings, Feiern uvm. mitgenommen habe. Als ich dann 2023 damit aufgehört habe, ging es mir dermaßen schlecht, dass ich wieder fast in die Drogen-Falle getappt wäre. Aber zum Glück bekam ich dann meine Diagnose. Ich muss wirklich gestehen, dass es aktuell nicht rund in meinem Hirn läuft.
In 14 Tagen, habe ich einen Arzttermin und werde mal darüber mit sprechen.

Jup!!!
Aber mein Psychologe sagte Freitag zu mir… es ist ein großes Zeichen dafür dass wir nicht richtig eingestellt sind… und dadurch und uns selbst den dopoamin Verlust und selbst zuführen… das heißt… reden mit dem psychater/in…

Bei mir ist es genau andersherum. Ich habe mit Elvanse (50mg morgens) absolut kein Verlangen mehr nach Alkohol. Ich habe sonst ihn und wieder abends ein Glas getrunken wenn die Kinder im Bett waren. Nie übermäßig viel und nicht regelmäßig.