Elvanse: Wirkung der Dosis abhängig von Schlafdauer?

Genau diese Frage habe ich als Thema noch nicht gefunden und für mich ist’s noch nicht ganz greifbar.

Wenn man zu wenig geschlafen hat dann sind die ADHS Symptome natürlich immer viel stärker auch wenn man gar keine Medikamente nimmt.

Ich habe das Gefühl das die gleiche Dosierung von Elvanse an unterschiedlichen Tagen unterschiedlich wirkt.
Klar, das ist ja auch immer von vielen Faktoren abhängig - Schlaf, Ernährung, Sport, Stress usw.

Vielleicht kann man es auch nicht differenzieren aber trotzdem möchte ich mal die Elvanse Erfahrenen fragen, wie sie es erleben.

Ist die Wirkung abhängig von der Schlafdauer?

Huhu :slight_smile:

In meinem Fall scheint die Schlafdauer doch viel auszumachen. Vor allem, wenn der Arbeitstag stressig war/ist.

In der ersten Woche nach der Ersteinnahme mit 30mg hatte ich mit Einschlafproblemen zu tun und kam oft nicht über 4h Schlaf. Kam trotzdem beim ersten Wecker raus. Musste tagsüber aber mal die Augen schliessen, weils sonst zu dolle wurde am Bildschirmarbeitsplatz.

In der zweiten Woche hat sich das mit dem Einschlafen gelegt.
Dann lag ich in der Regel ab 22Uhr im Bettchen und bin, anders als früher ohne Medikament, ganz schnell eingeschlafen.

In dieser / dritten Woche war es ähnlich.
Nur an 2 Abenden habe ich es nicht vor 1-2Uhr geschafft, die Augen zuzumachen (lag aber immerhin dann schon im Bett).
Das lag aber an mir und dem informativen Forum hier :man_shrugging:

Dafür lag ich gestern dann schon kurz nach 21Uhr in der Kiste und bin heute bisher viel entspannter und weniger anfällig für Stress.

Was die Wirkdauer bisher angeht:

  • Einnahme gegen 07:15 vorm Frühstück. Nahrungsaufnahme dann i.d.R. gegen 08:00.

  • Wirkeintritt spürbar zwischen 08:30 - 09:00.

  • Erstes Loch gegen 13:00 (Müdigkeit, muss dann die Augen schonen und bewusst Pausen vom Bildschirm machen).

  • Wirkung nicht mehr spürbar gegen spätestens 15:00. Der Kopf wird dann matschig und werde schusseliger und kann mich nicht mehr so gut auf komplexe Tasks auf der Arbeit konzentrieren. Insgesamt bin ich i.d.R. aber immer noch besser drauf, als ohne Medikament. Manchmal etwas emotional und näher am Wasser gebaut, aber das hat wohl auch mit privatem Stress und dem Aufarbeiten der Kindheit zu tun.

Ich muss dann nicht mehr unbedingt im Feierabendverkehr hinterm Steuer sitzen und vermeide es, wann immer ich kann.

Ich glaube, ich trinke über den Tag zu viel, oder auch zu spät noch. Mein Glas ist eigentlich ständig mit Wasser oder Früchtetee gefüllt und wird immer gleich wieder nachgefüllt.

Nachts muss ich dadurch gegen 2/3Uhr mal kurz aufs Klö‘chen. Schlafe dann aber auch gleich wieder ein und komme gleich mit dem ersten Wecker um 7 wieder raus.

Habe dem Doc heute morgen beim Checkup einen Audruck der 3 Elvanse Wirkungskurven gezeigt und darauf Notizen gemacht und den Zeitraum markiert, wo die spürbare Wirkung deutlich nachlässt.

Werde ab morgen 50mg testen und weiter beobachten :crossed_fingers:t2:

Das war jetzt vielleicht etwas am Thema Schlaf vorbei :face_with_hand_over_mouth:

Ich würde sagen ja, Schlaf ist wichtig und kann einen deutlichen Unterschied machen. Jedenfalls fühlt es sich bei mir so an.

Da sich ja auch der Schlaf ohne Medikation auf den Menschen auswirkt ist es ja logisch das die Medikation anders empfunden wird , weil man sich ja auch ohne Medikation an so einem Tag anders fühlen würde. Ich habe die Schlafauswirkung mit oder mit ohne Elvanse oder Medikinet.

Schlaf wirkt sich ja auch auf den Hunger aus.

Ich kann das Freitags gut beobachten , da ich wegen Hobby da öfter zu spät nach Hause komme und dann meist noch spät was esse und dann noch Zeit brauche um runterzukommen. Wenn ich dann auch noch nur ein Gläschen Bier getrunken habe kommt noch mehr aufs Gesamtpaket.

Vereinzelt habe ich Freitags dann auch schon mal auf die Medikation verzichtet.

Bei beiden Medikamenten hatte ich das Gefühl weniger Wirkung oder gar Verstärkung der Symptome zu haben.

Die emotionale Stabilisierung durch Elvanse scheint aber zu bleiben.

Das haben jedenfalls einige hier im Forum berichtet.
Betrifft aber sicher nicht alle.

Himmel Herrgott, eine, die`s begriffen hat. :clap:

Das ist toll, Justine, von da an ist der Weg nicht mehr weit bis zu der Erkenntnis, dass der ADHSler eine flexible Dosierung braucht.

Deine Einschätzung ist richtig, Schlaf hat u.a. die stärkste Auswirkung auf Stimulanzien überhaupt.

Auch das Fressen spielt eine Rolle, also den ganzen Tag nichts gegessen: ganz andere Wirkung.

Bei zu wenig Schlaf ist die Wirkung der Stiumulanzien stark eingeschränkt, gefühlt scheint das Zeug überhaupt nicht zu wirken.

(Im Klartext: in jenen Fällen zu denen Stimulanzien ursprünglich entwickelt wurden, zum Vertreiben starker Übermüdungserscheinungen, wirkt es am allerwenigsten.)

Bei zu viel Schlaf, ist es umgekehrt, schon geringste Dosen Stimulanzien wirken depressivierend, und fickrig machend, koffeinähnlich.

Wie bei allen „Drogen“ ist das Setting entscheidend.

Am Strand von Jamaica (ver-)braucht Dein Hirn nicht halb so viel Amphetamin wie zu Hause beim Schreiben der Doktorarbeit.

Regelmässiger Sex mit dem richtigen Mann, genügend Stimuli (nicht Überstimuli) in der Umgebung, regelmäßige Belohnungen von aussen usw. sorgen für eine drastische Abnahme des Amphetaminbedürfnisses, je nachdem, wie viele Dopaminquellen Du Dir in Deiner Umgebung erschlossen hast.

Ein Tag mit viel Sport verbraucht die Hälfte an Amphetamin als ein Tag auf dem Sofa, der Tag auf dem Sofa aber immerhin deutlich weniger als der Tag am Schreibtisch.

Im Urlaub und in stressfreien Zonen, braucht man generell die Hälfte an Amphetamin.

Wenn Du verknallt bist, braucht Dein Hirn gar keine zusätzlichen Stimulanzien.

Playstationspielen verbraucht unglaublich viele Stimulanzien; Gartenarbeit so gut wie gar keine usw.

Hinzu kommen natürlich Deine Komorbiditäten.

Ist ja logisch, dass eine manische Depression in der Depression anders auf Stimulanzien reagiert, als in der Manie.

Bei einer unipolaren Depression gibt es auch erhebliche Stimmungsschankungen usw.

Bei einem Borderliner können die Stimulanzien am einen Tag, ein selbstverletzendes Verhalten unterdrücken, am anderen Tag einen regelrechten Hyperfokus darauf entwickeln.

Bei einem Alkoholiker kann ein und dieselbe Stimulanziendosis an einem Tag das Verlangen nach Alkohol überhaupt nicht aufkommen lassen und am anderen Tag einen erheblichen Suchtdruck auslösen usw.

Von der fuzzilogischen Wirkung von Stimulanzien auf die Weiber während ihres Zyklus`, will ich erst gar nicht anfangen zu schwärmen, da kennst Du Dich vermutlich besser aus.

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Wow …mega! Du schreibst sehr anschaulich und bringst es immer auf den Punkt. Danke dafür @anon52525231 (OT hier, aber muss ich mal schnell los werden: ich lese deine Berichte verdammt gern ;-))

Zum Thema: klar, Die Abhängigkeit von Elvanse mit äußeren Einflüssen wie Schlaf & Nahrungsaufnahme sind real.

Wenn ich ganz brav wie im Beipackzettel und vom Herrn Dr. empfohlen meine Tablette morgens nehme, ist alles in Ordnung. Die Nebenwirkung an der Stelle es lediglich, dass ich ab mittags so langsam müder werde. Wenn ich das aber akzeptiere ist alles safe, Schlaf ist OK, Essen ist OK.

Jetzt kommt aber meine Lösung zur Verlängerung der täglichen Wirkung: ich nehme die Tablette später oder ich splitte sie und dann habe ich den Salat: ich schlafe schlecht, ich esse fast gar nichts mehr und alles gerät durcheinander.

Deshalb bin ich exakt der Meinung wie @anon52525231 eine individuell gesteuerte Behandlung mit Amphetaminen ist eigentlich unabdingbar.

In meiner Wahrnehmung sollte das vielleicht morgens 1x Elvanse sein und später Attentin nach Bedarf und fertig ist die Laube . So einfach, so schwer in der Umsetzung…

Leider sieht das nämlich nicht jeder so und deshalb bin ich immer noch der Meinung Attentin sollte auch Erwachsenen verschrieben werden, so wie sie es brauchen (… Himmelherrschaftszeiten :triumph:)

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