Erste Erfahrungen mit Elvanse

Hi,

ich wurde die letzten 20 Jahre als Bipolar 2 diagnostiziert und entsprechend mit Venlafaxin behandel, mit wechselndem mäßigen Erfolg.
Nun wurde doch eine ADHS Diagnose gestellt und ich habe vor 5 Tagen mit 20 mg Elvanse angefangen und bin seit heute auf 50mg.

Als erstes Reaktion, ich fühle mich so gut wie seit sehr langer Zeit. Alles ist deutlich leichter, die Schwere ist weg. Ich hab wieder Spaß eine gute Serie zu gucken und auf Social media rege ich mich nicht auf und bekomme keine schlechte Laune wie in der Vergangenheit. Würde den Zustand definitiv nicht als euphorisch bezeichnen, fühle mich einfach nur gut und mache mir keine Sorgen. Bei Hausarbeit ist nur Koch die normale Faulheit zu überwinden aber es kostet nicht mehr unmäßig Kraft.
Soweit also erst einmal toll.

Aber:

  • immer noch klappert ich viel mit den Zähnen wobei es nachmittags schlimmer wird (vielleicht weil die Wirkung nachlässt)
  • ich kann voller Konzentration und Begeisterung einen Podcast mit Infos nach nach dem anderen hören, aber hab absolut keine Lust zu arbeiten (App Entwicklung)

Ich hatte davor auch oft Probleme mit dem Antrieb aber meist verbunden mit schlechter Laune. Jetzt ist die Stimmung gut aber ich frage mich grad wie ich mich morgen motiviere wieder zu programmieren wenn mich das Projekt gerade überhaupt nicht interessiert.

Wie sind eure Erfahrungen mit Antrieb und Motivation unter Elvanse? Soll ich erst mal bei den 50mg warten für ein paar Tage oder weiter erhöhen?

Lg
Thomas

Hab auch das Gefühl, dass mich Elvanse auch zu weniger sinnvollen Dingen motiviert.
Ich kann mit Elvanse hoch motiviert den Haushalt erledigen, aber ich kann damit auch hoch motiviert 8h lang eine Serie gucken (was ich ohne nicht könnte).

Vielleicht hilft da dann auch eine Verhaltenstherapie im Bezug zu ADHS.

Sonst, wenn es die Auftragslage zulässt, halt nur Aufträge annehmen, die sich spannend genug anhören oder so…

Bin auch immer ordentlich am Kauen, falls du das meinst mit Zähne klappern.

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Elvanse dient nicht dem Antrieb oder Motivation, sondern zur Reduktion der ADHS-Symptomatik. Deine Symptome sollten dir bekannt sein und einzuschätzen wie sie sich entwickeln.

Etwas zu machen liegt in deiner Hand. Elvanse ist da nur die “Gehhilfe”. Alles andere muss man selbst ansteuern. Mit Medikation geht es gewissermaßen einfacher. Mit der ADHS-Diagnose lernt man vieles anders zu machen - daher hilft auch das Informieren über die Thematik und Suche nach individuellen Lösungen. 0815 funktioniert selten bei Neurodivergenz. Verhaltenstherapie klingt schön, dafür braucht man aber in erster Linie einen guten Therapeuten der sich mit dem Thema auskennt - eher selten der Fall. Da ist Psychoedukation ganz gut. Podcasts sind da super geeignet, wenn du sie eh schon gerne hörst. Falls du des Englischen einigermaßen mächtig bist, hat mir da “Hacking your ADHD” als Podcast sehr gefallen und geholfen.

Gehört gewissermaßen zur Impulsivität. Der Impuls hier ist, lieber den Podcast zu hören statt die Arbeit zu erledigen. Vlt. kannst du beides kombinieren? Ich höre gerne Podcasts und räume auf und putze.

So eine Eindosierung - also Finden der richtigen Dosis und Präparat - ist keine Sache von Wochen. Oft geht es ein halbes Jahr. Ich nehme Elvanse jetzt seit 1 Jahr und nehme gerade Anpassungen vor, weil sich meine Lebenssituation ändert.

Du bist den 1. Tag bei 50mg. Behalte das für eine Woche bei und beobachte wie es dir damit geht. Es kann sein, dass 50mg optimal sind. Es kann sein dass 30mg ideal sind. Es kann sein dass ein anderes Präparat ideal ist.

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Dank euch vielmals für eure Rückmeldung
en.
ich beobachte mal weiter und berichte

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