Gibts ADHS wirklich? Sind Medikamente die Lösung?

Moin zusammen, seit kurzem wird bei mir ADHS vermutet. Bin schon über 30 und die typischen Anzeichen ziehen sich seit meiner Kindheit durch. Seit langer Zeit beschäftige ich mich mit Meditation. Ich hab mir viel Wissen über Achtsamkeit etc. angeeignet und meditiere schon seit 10 Jahren. Das hat mir schon oft wirklich gut getan. Ich bin mir was ADHS angeht in zwei Dingen unklar und hoffe, dass mir erfahrenere Leute hier etwas Klarheit verschaffen können:

  1. Da ich mich mit Achtsamkeit und Konzentration theoretisch so gut auskenne, fällt es mir schwer anzuerkennen, dass es die Krankheit ADHS bei mir überhaupt gibt, weil das ja nun mal nur ein Mangel an Konzentration ist. An sich ist der Vorgang, aus seinen Gedanken zu treten und Achtsam am Leben teilzunehmen, ja nicht schwer. Irgendwie bilde ich mir ein, dass ADHS nur eine Ausrede für mangelnde Disziplin ist. Doch jedes mal wenn ich mich dann zusammenreißen will, kommt die Unaufmerksamkeit durch die Hintertür und ich finde mich wieder in Tagträumen und Sorgen wieder. Deshalb meine Frage: Ist es wirklich so, dass es Menschen mit einer Krankheit ADHS gibt und dass es diesen Menschen, selbst wenn sie sich auskennen und es versuchen, einfach wirklich schwerer fällt sich zu konzentrieren?

  2. Wo eine Schwäche da auch eine Stärke. Meine Sorge bezüglich der anstehenden Diagnose und der folgenden Ritalin Therapie ist die, dass ich dadurch eine Stärke abstrumpfe, die ich bisher nur noch nicht richtig eingesetzt habe, z. B. weil ich im falschen Beruf bin aufgrund der Unkenntnis über ADHS. Ich weiß z. B. dass ich kreativ und sehr feinfühlig bin. Kann es die Lösung sein, mich zu „normalisieren“ indem ich eine Tablette einwerfe?

LG CHRIS

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Hallo @woistmeingeldbeutel ,

Zum 1:
Die fragen sind absolut berechtigt und ich denke jeder hat da ganz andere ansichten auch hier im Forum.
Achtsamkeit ist tasächlich super für menschen mit ADHS (Kann ich aus eigener erfahrung sagen) allerdings ist es leider auch sehr hart für viele mit ADHS dies in den alltag zu integrieren da die überwindung viel größer ist als bei den meisten anderen Menschen.
Auch Medikamente können dich Achtsamer machen.

Dieses „Einfach zusammenreißen“ und „wenig Disziplin“ ist leider völliger quatsch der sich in unserer Gesellschaft durchgesetzt hat.
Es hat immer gründe warum man wenig „Disziplin“ hat das kann Neurologisch, Genetisch oder Psychologisch bedingt sein aber jeder Mensch ist anders und dementsprechend auch die „Disziplin“.

Zum 2:
Mann muss ADHS nicht als Krankheit ansehen wie du sagst bringt es auch oftmals Vorteile.
Zur Krankheit wird es erst dann wenn es dich in deinen Alltag behindert und du wenig Lebensqualität hast oder durch ADHS zusätzlicher Erkrankungen entwickelts die Depressionen oder Angststörungen.
Die Medikamente bedeuten nicht unmedingt das diese Stärken dann weg sind (Ist natürlich möglich da jeder anders auf die Medikamente reagiert) sondern oftmals das du deine Stärken ausleben kannst da du deinen alltag besser bewältigst und somit auch die sachen umsetzt anstatt deine zeit mit Tagträumen oder ähnlichen zu verbringen. Es geht auch nicht darum dich zu Normalisieren sondern die Kontrolle über die Fähigkeiten zu geben die du gerne hättest. Wenn du 90% zufrieden mit deinen Leben bist macht es natürlich keinen sinn Medikamente zu nehmen.

Ausprobieren schadet nicht :slight_smile:

Grüße DMN

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Hi @woistmeingeldbeutel
ADHS ist NICHT nur ein Konzentrationsproblem, sonder hauptsächlich eine Störung der Signalübertragung hauptsächlich im Bereich der Reizfilter und der exekutiven Funktionen, welche unter anderem zu dem Problem mit der Konzentration auf Dinge die nicht aus unserem eigenen Antrieb heraus angefangen werden müssen führt.
ADHSler können sich bei Sachen die sie gerne tun oft besser konzentrieren als neurotypische Menschen…
Ob es bei dir behandelt werden sollte oder nicht ist hauptsächlich vom Leidensdruck abhängig den du selbst empfindest.
Ich selbst hab erst mit 52 Jahren die Diagnose bekommen aufgrund eines Burnout/Depression, da es unerkannt u. unbehandelt uns oft sehr viel mehr Energie und Kraft braucht durchs Leben zu kommen. Das kann eine Zeitgut gehen, führt aber häufig zu Begleiterkrankungen im psychischen Bereich wenn es halt nicht an der Wurzel angepackt wird…
Ich selbst bin heilfroh die Diagnose bekommen habe und das ich dadurch jetzt auch die Medikation bekomme. Hätte ich es schon 30 Jahre früher erfahren hätte ich mir vermutlich einiges ersparen können…
LG Hagbard

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Hallo woistmeingeldbeutel (Erstmal Respekt für diesen Namen :joy:)
Dann willkommen im Forum.
Die Frage, ob es ADHS wirklich gibt ist in einem Forum, wo sich Betroffene austauschen, vielleicht semioptimal gestellt. Es kommt ja auch keiner auf die Idee, in einem Forum für Krebskranke die Frage zu stellen, ob es Krebs wirklich gibt. Aber immerhin erklärst du es dann verständlich.

Zu deinen Fragen: Es liegt bei ADHS nicht immer an mangelnder Achtsamkeit. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall: Wir sammeln zuviele Informationen auf und können sie dann nicht mehr kanalisieren. Die Reizüberflutung hindert uns, aus den aufgenommenen Informationen die richtigen Schlüsse zu ziehen und dementsprechend zu handeln, bzw. die wichtigen Infos herauszufiltern und uns darauf zu konzentrieren.

Ich selbst habe es geschafft, mich soweit zu disziplinieren, dass ich mich bei einer Beschäftigung überhaupt nicht mehr von anderen Dingen ablenken lasse, allerdings bin ich dadurch im Hyperfokus gelandet. D. h. im Extremfall könnte meine Frau neben mir einen Herzinfakt erleiden und ich würde trotzdem stoisch weiter den Rasen mähen, bis es mir irgendwann auffällt (weil ich sonst über sie drüberfahren würde). Inzwischen bin ich zumindest soweit „zurück“, dass ich auf Hilferufe reagiere. Eine normale Unterhaltung ist so aber nicht möglich: Ich würde zwar mit „Ja“ und „Nein“ antworten, aber nur, damit das „Störgeräusch“ aufhört, ohne auf das Thema wirklich einzugehen oder es auch nur zu registrieren.

Diese Reizüberflutung ist zumindest auch zum Teil dafür verantwortlich, dass wir irgendwann mal „abschalten“ müssen, damit im Kopf nicht das totale Chaos ausbricht.

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Moin, Moin,

Gegenfrage: Wann ist eine Krankheit eine Krankheit? Wann ist ein Zustand der Diagnose wert?

Soweit ich es verstehe:

  1. Sich nicht konzentrieren zu können ist nur ein Symptom. Wie die meisten anderen Symptome ist es eine Störung der (altersangemessenen) Fähigkeit Impulse zu unterdrücken. Den Impuls zu handeln, zu fühlen, zu denken. Menschen mit AD(H)S stören sich und Andere durch ihre Unfähigkeit Impulse zu unterdrücken. (nach 30 Essential Ideas you should know about ADHD, 1B Inhibition, Impulsivity, and Emotion - YouTube) Die ganze Playlist ist sehenswert :slightly_smiling_face:

Die natürliche Erwiederung wäre hier: Aber die meisten Menschen können Ihre Impulse hin und wieder nur schwer unterdrücken. Warum also ADHSler in ne spezielle Kategorie stecken?
Weil ihre Unfähigkeit ihre Lebensqualität massiv negativ beeinflusst . Doch diese Methode ist quantitav. Es gibt kein qualitatives Merkmal an dem man AD(H)S scharf abgrenzen könnte, wie die Wahnvorstellungen und Halluzinationen bei paranoid Schizophrenen.

  1. Unmöglich da eine Antwort zu finden. Aber es gibt eine Menge Möglichkeiten ohne Tabletten zu copen. Effektstärke verschiedener Behandlungsformen von AD(H)S - adxs.org Sehr, sehr empfehenswert
    Medikamente scheinen unschlagbar, aber regelmäßiger Ausdauersport, oh boy, Das macht viel aus. Neurofeedback beim lokalen Ergotherapeuten ist umstritten, aber auch das wäre eine Medikament-Freie Alternative.
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Habe meinen Beitrag weil OT gelöscht.

Hallo Woistmeingeldbeutel und herzlich willkommen, :adxs_anfeuer:

je mehr du dich mit dem Thema beschäftigst, desto mehr wirst du bemerken, dass ADHS keineswegs ein
bloßer Mangel an Konzentration ist. Und dass Zusammenreißen kein hilfreicher Ansatz ist.

Stichworte verzerrte Wahrnehmung und Selbststeuerungsfähigkeiten. Es ist auch keine Disziplinlosigkeit (oder jedenfalls nicht nur), dass unbehandelte ADHS-ler überrepräsentativ durch Unfälle verletzt oder getötet werden, dass überrepräsentativ Partnerschaften scheitern (und die Kinder woanders aufwachsen), Suchtkrankheiten häufiger sind usw.

Und eine medikamentöse Therapie ist auch nicht zwingend eine Normalisierung und Abstumpfung. Wie welche Dosis wirkt merkt man ja selbst, und wenn man feststellt roboterhaft zu werden sollte man die Dosis senken.

Im Gegenteil kann man durch die verbesserte Wahrnehmung auch sensibler für seine Umgebung werden. Und man bekommt Zwischentöne im sozialen Bereich einfach besser mit, was Missverständnisse und Streit vermeidet.

Es gibt viele Leute, die den Vorwurf der Disziplinlosigkeit so verinnerlichen, dass sie sich jahrelang so zusammennehmen, dass sie krank davon werden - weil es für (unbehandelte) ADHS-ler einfach viel mehr Kraft kostet als für Nicht-ADHS-ler.

Das Ziel einer gelingenden ADHS-Behandlung sollte aber höhere Lebensqualität sein - plötzlich fällt einem Vieles leichter und man kann sich viel leichter entspannen. Ich möchte die Gelassenheit, die ich erst durch Ritalin kennen gelernt habe, nicht mehr in meinem Leben missen. Ein langweiliger Normalo bin ich dadurch keineswegs geworden.

Meine Frau hat mich zwar mit meiner ADHS geheiratet, meine Diagnose bekam ich erst nach 12 Jahren Ehe, aber sie wäre entsetzt wenn ich vorhätte mein Medikament abzusetzen. Früher sei ich viel griesgrämiger gewesen, inzwischen sei ich ausgeglichener. Und in der Öffentlichkeit sei ich weniger peinlich.

Viele Grüße
Falschparker

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Habe meinen Beitrag weil OT gelöscht.

Ich habe mir dein Video aus 1. angesehen. Gerade schwanke ich einfach nur zwischen:

  1. Genau so wie ich bin ist 100% richtig
    und
  2. Ja, ADHS ist eine Krankheit die behandelt werden sollte, sonst werde ich leiden

Zu erstens passt die Pinguin Geschichte ganz gut: Das Pinguin-Prinzip - Eckart von Hirschhausen - YouTube

Irgendwas in mir sagt, dass es zwar richtig ist, dass ich so viel hinterfrage und nachdenke, dass aber genau das meine Stärke ist, die ich nur im richtigen Umweld einbringen muss.

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Kurz offtopic:
:heart::heart::heart_eyes::heart_eyes: Pinguine :smiling_face_with_three_hearts::smiling_face_with_three_hearts::heart::heart:

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Habe meinen Beitrag weil OT gelöscht.

So, jetzt kam ich endlich dazu mir das Video anzuschauen. Ganz süß :slightly_smiling_face:
Mehr als das, eigentlich ist es das Ziel, oder? In einer Situation zu leben in der die positiven Eigenschaften vorhehoben werden und man um man die Mankos umgeht.
Radikal, aber wie umsetzen?

Frage: Ist AD(H)S eine Persönlichkeitsdimension oder eine Störung?
Antwort: Ja.
Je nach Ausmaß….

Kuck mal auf ADxS.org die Gesamtsymptomliste an und die Folgen.

Beste Grüße

UlBre

Hallo,

Wenn ich die Überschrift lese, bin ich als ADHS Betroffene schon bedient.
Gibt es Gott?
Ist Alkoholiker ein Kranker?
Ist der Himmel wirklich blau?

Ja, ADHS ist eine belegte und diagnostizierbare Erkrankung zurückzuführen auf einen Dopamin mangel bzw. Gestörte Verarbeitung dessen.

Medikamente - muss man ausprobieren was für die Person in Frage kommt.

Jeden Kritiker und ungläubigen kann ich nur sagen:
Marie Curie hat auch gedacht ihre Erfindung heilt Menschen, bis man es besser wusste.

In meiner Kindheit hieß es: Problem Kind
Heute weiß man es besser. (ADHS mit Hochsensibilität)

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Bei mir hat sich die Frage erübrigt nachdem ich mich mit den Neurotransmitter auseinander gesetzt habe.

Und ich dann eine längere Periode ohne Medikamente verbrachte. Und die Neurotransmitter auf natürliche Art steigerte Sport, Ernährung, Meditation. (Und merkte ja damit kann man es kompensieren aber für mich selbst nicht ausreichend auf Dauer)

Letztendlich geben Ärzte, Wissenschaftler bestimmten Zuständen Namen. Diese sind heilbar oder linderbar.

Im Falle von Adxs linderbar. So mit ja es gibt es wirklich zu 100%.

Ich vergleiche gerne Adxs mit Autismus. Da es da einige parallelen gibt. Bloss das Autismus halt in meinen Augen eine heftigere Nummer ist je nach Ausprägung.

Und nein Medikamente sind nicht nötig. Doch für mich ist die nicht medikamentöse Art, wie einen gedrosselten Roller zu fahren und mit dem für mich richtigen Medikament fahr ich Porsche.

Macht schon großen Unterschied ob ich alles systematisch abarbeiten kann und Informationen besser verarbeiten kann. Und der Reizfilter mich nicht zur Erschöpfung killt. :joy::grin:

Für dich nicht, für andere aber schon!
Solche Pauschalierungen sind hier für einige dann doch ein leichter Schlag in die Magengrube.

Ich gehe mal darauf ein nehmen wir mal an theoretisch.
Es gäbe keine Medikamente für Adhs könntest du existieren oder würdest du sterben?

Es tut mir leid, wenn ich dich mit der Aussage verletzt habe. Im generellen besteht aus meiner Sicht keine Notwendigkeit für Adhs Medikamente, weil man auch ohne leben kann. Doch viele können mit Medikamenten um einiges besser leben. Deshalb verstehe ich dein empören.

Ich kann auch nachvollziehen das du selbst als Individuum sagst bei mir ginge es nicht. Da ich deine Lebenssituationen überhaupt nicht kenne.

Doch hätte keine Arzt Adhs/Ads entdeckt oder dem Zustand/Neurotransmitterungleichgewicht einen Namen gegeben. Wären wir alle ohne Medikamente.

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Deine Logik erschließt sich mir nicht, denn dann wären Schmerzmittel, Fiebersenker, Aspirin, Schlafmittel, Erkältngsmedikamente, Blutdruckmedikamente, Cholesterinpräparate und Psychopharmaka nicht notwendig…
Wenn das einzige Kriterium für die Beurteilung der Notwendigkeit eines Medikaments die Entscheidung über Leben oder Tod wäre, dann wären wir ziemlich arm dran.

Ein Medikament ist dann notwendig, wenn es Leiden in einem nicht unerheblichen Maße lindern und erheblich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann.

Außerdem: Zahlreiche ADHSer begehen Selbstmord oder haben durch ihre spezielle Art der Lebensführung (Drogenabhängigkeit, Risikofreudigkeit, sensation seeking in Form von Extremsportarten) ein hohes Risiko, früher als der Durchschnitt das Zeitliche zu segnen…da verfängt deine Logik erst recht nicht.
Unmedikamentiertes ADHS endet gar nicht so selten tödlich!

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Das mag wohl auch seine Richtigkeit haben verstehe auch den Standpunkt. Doch das meinte ich mit der Defenition.

Wenn man eine Notwendigkeit damit defeniert das es das Leiden drastisch verbessern kann. Ist es für eine Notwendig. Doch ist ein Leiden auch ohne Medikamente in den Griff zu kriegen ist es das nicht unbedingt.

Von daher ist grundsätzlich bei jeden eine medikamentöse Behandlung meistens nicht notwendig. Es ist individuell abhängig.

Genau so ist es bei Bluthochdruck ich kann auch als Erkrankter seine Lebensumstände ändern. Wie z.B mit dem rauch aufhören und mich Salzarm ernähren.

Mein Motto ist bevor ich Medikamente ist, dass ich voreerst nach einer Lösung ohne suche.

Da Medikamente auch erhebliche Risiken besitzen. Als Beispiel Elvanse kann dir eine Psychose bescheren. Und die kann dich ein Lebenlang zum geistig einschränken, wenn du Pech hast. Und da spreche ich aus Erfahrung.

Und Erkältungen und Fieber kann in den meisten Fällen unser Immunsystem auch so Regeln. Als Beispiel bei Antibiotikern ist es auch oft ohne besser’ weil diese die Darmflora zerstören können.

Keiner der geschriebenen Sachen soll einen medizinischen Rat darstellen nur meine eigene Meinung.

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