Hab ich überhaupt AD(H)S?

Hallo, Anfang März wurde bei mir ADS Diagnostiziert und mir wurde Methylphenidat AL10 verschrieben. Morgens und Mittags je eine. Die erst Pille hat reingehaut, genau gesagt ich hab die Welt anders erleben können.
Es war so ein Gefühl als ob dir einer einen Helm aufgesetzt hat. Es wurde auf einmal „Leise“, die ganzen Nebengeräusche waren weg oder ich hab die nicht war genommen. Ich muss sagen das ich ziemlich empfindlich auf Geräusche reagiert hab, das heißt, wenn ich in ruhe lesen möchte, dann muss es wirklich Still sein. Jemand der im Nebenzimmer hin und her läuft hätte meine Konzentration gestört.
Zum weiteren, der Kopf hat sich ziemlich klar angefühlt, als ob einer so einen Schirm vor dem Augen weg gemacht hat. Ich konnte einige Aufgabe in sehr kurze Zeit erledigen wo ich teilweise Stunden brauchte. Auch Motivation und Energy zum Arbeiten war bei mir im Bereich Nachmittags da, eigentlich bin ich Nachmittags im so einen Tiefen Loch gefallen und habe versucht bis zum Feierabend durchzuhalten.
Das war der erste Tag. Dann kamen die Kopfschmerzen. Es hat sich eingependelt alles, aber ich merkte das es nach und nach alles nachließ. Die Wirkung wie am ersten Tag kam auch nicht mehr. Ein Rebound hab ich so nie gespürt und war froh darüber.
Monat später , bei neuem Termin wurde mir Medikinet verschrieben. Morgens 20 Mittags 10. Woche später könnte ich mit 30-10 und dann 30-20 versuchen.
Ich nehme seit 5 Tagen jetzt 30-20 und habe bis jetzt keine merkbare Verbesserung gespürt, im Gegenteil.
Seit gestern hab ich starken druck auf dem Kopf. Hohen Blutdruck 183/96 und Herzrasen 110. Möchte heute die Dosis wieder reduzieren in der Hoffnung das es mir körperlich besser geht. Herzprobleme hatte ich bis jetzt noch nie.
Jetzt mache ich mir Gedanken über Fehldiagnose. Methylphenidat habe ich gut vertragen, lag aber evtl. an der Dosis. Medikinet hab ich seit Anfang leichte Kopfschmerzen und ständigen Durst, dazu trockene Haut und co, als ob ich am Austrocknen bin.
Bis auf die Energy die mich bis Abend begleitet und das ich nicht mehr Gereizt reagiere, merke ich von Anfänglicher Wirkung nicht viel. Daher frage ich mich ob es überhaupt die richtige Diagnose bei mir war oder hab ich da wirklich mir was vorgegaukelt? Nächsten Termin habe ich im Juli und direkt die Ärztin kann ich nicht erreichen. Ich muss dafür dahin.(100KM)
Da wollte ich mich an euren Schwarmmwissen wenden und um Rat fragen. Ging es einem genau so? Was kann ich machen? Bin leicht verzweifelt :frowning:

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Hallo und willkommen.

Das Methylphenidat von AL ist nen Generikum von Ritalin. Manche vertragens, manche nicht.

Wir steht es um deinen Koffeinkonsum?

Wie ist dein Schlaf?

Achtest du auf deine Ernährung?

Das ist Beweis genug, dass es bei dir wirkt. Es gibt keinen Zweifel an der Diagnose. :wink:

Das Loch am Nachmittag ist der sogenannte Rebound. Der kann sehr unterschiedlich sein von Person zu Person. Solange das aber gut zu kompensieren ist, oder man rechtzeitig nachlegt, ist das weniger ein sehr schweres Problem. Gibt natürlich auch genug Fälle, wo das sehr krass ist und man nicht klar kommt, dann auf was anderes wechselt.

Du hast dir nix vorgegaukelt und hast genauso ADHS wie der Rest hier auch.
Dieses Gefühl von „Dia Diagnose kann ja nicht stimmen“, nennt sich auch gerne mal Imposter-Syndrom. :wink:
Kennt man, ist blöd, kann man aber lernen mit umzugehen. Das widerfährt ziemlich jedem Betroffenen zu irgendeinem Zeitpunkt.

Mir hat Selbstakzeptanz und Psychoedukation sehr geholfen, damit besser klar zu kommen.

Und nochmal. Willkommen hier :wave:

Dieses Loch ist weg seit dem ich Medikamente einnehme. Ich habe Nachmittag immer vor mich hin vegetiert. Wen mich mich an PC hingesetzt habe was zu erledigen, war ich schnell auf manche andere Sachen abgelenkt und hab schlicht und einfach die Zeit verstreichen lassen und die Arbeitet meist geschoben " morgen ist auch ein Tag".
Kaffee trinke ich nicht mehr, es gab zwar paar Ausreißer aber es ist dabei auch geblieben. Bei der Ernährung wird schon geachtet.
Kommt dieser Gefühl irgendwann wieder? Oder merkt man dieser Klarheit später gar nicht?

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Doch bestimmt. Du hast bisher nur noch nicht die richtigen Medis und richtige Dosierung gefunden. Das kann mitunter länger dauern.

Rede nochmal mit dem Arzt darüber. Vielleicht kannst du ein anderes Generikum von Ritalin versuchen, (müsste aber dann über aut idem wohl laufen, weil die Kassen ja mit Herstellern Verträge haben.) Oder ein anderes MPH Präperat. Concerta und Medikinet wären noch möglich. Falls das alles nichts ist, kannst du Elvanse versuchen.

Es ist alles wie gesagt am Anfang ein längerer Prozess.
„Trial and Error“ ist hier nicht unüblich.

Ich würde aber nochmal mit dem Arzt über die Medis reden und vorallem über die Nebenwirkungen mit dem Puls. Das ist nicht zu beschwichtigen. Wenn es am Anfang kurz auftritt für ne Woche oder 2 und dann verschwindet, ist alles gut, ansonsten bitte angeben und bereden!

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Danke, hab sowieso vor gehabt die Praxis zu kontaktieren. Ich hatte am Anfang Methylphenidat AL 10mg, damit hatte ich nicht solche Probleme. Jetzt habe ich Medikinet verschrieben bekommen, 20 und 10mg.

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Du weiß, das Medikinet ggü Ritalin (und Generika) unter anderem stark von der Nahrungsaufnahme abhängt?

Die Retardierung bei Medikinet funktioniert nur zureichend, wenn du zum Frühstück und beim Nachlegen was isst. Am Besten ne gut ausbalancierte Mahlzeit. Daher eignet sich das nicht für schlechte Frühstücker.

Ansonsten würde ich darauf bestehen, wieder zu Ritalin bzw das Generikum zu wechseln und dort die Dosis anzupassen.

Selber Wirkstoff im Grunde. Ja. Trotzdem ist jedes Präperat mit MPH anders und wird anders vertragen.

Ich muss da mal deutlich widersprechen.

„Das ist Beweis genug, dass es bei dir wirkt. Es gibt keinen Zweifel an der Diagnose.“

Nein. Stimulanzien wirken auch bei Menschen ohne ADHS leistungssteigernd. Man kann die Diagnose definitiv nicht stellen nur weil Stimulanzien helfen.
V.a. im Kinder u. Jugendbereich sehr häufig:
Unruhiges Kind, ADHS-Verdacht, Versuch mit Stimulanzien, Kind „bessert“ sein Verhalten - Diagnose bestätigt.
Das ist der Fehler, der zB in den USA dazu führt, dass ADHS krass überdiagnostiziert wird und jede Menge Kinder Stimulanzien bekommen ohne medizinische Notwendigkeit, sondern allein zur Leistungssteigerung und Verhaltensanpassung:

Bitte vorsichtig sein mit solchen Aussagen.

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