Hänge in der Luft

Hallo an alle,

ich bin neu hier, habe erst seit 2 Wochen den dringenden Verdacht, dass ich ADHS habe. Halt die ruhigere Form. Ich bin jetzt 34 geworden und mehr oder weniger zufällig auf das Thema gestoßen. Bei meinem Sohn ist seit letztem Jahr ADHS im Raum und bin leider an die falsche Kinderärztin geraten, die das ganze nicht sehr ernst genommen hat. Allerdings wächst der Leidensdruck bei meinem Sohn (12) gerade deutlich. Er liegt abends im Bett und weint viel, weil ihn keiner versteht. Hat Probleme in der Schule und das Gefühl missverstanden zu werden. Glaube daher bin ich dann eines Tages auf eine Doku gekommen. Dann ist es mir nach der Doku wie Schuppen von den Augen gefallen.
Alles was da beschrieben wurde, kannte ich auch. Seitdem informiere ich mich fast täglich darüber, weil ich hoffentlich endlich den roten Faden gefunden habe.

Anfangs ging es mir gut, ich war plötzlich selbstbewusst. Hatte endlich eine Antwort gefunden, mich zum ersten mal nicht mehr dumm, faul und als Versagerin gefühlt.
Ich konnte es kaum erwarten, meinen Eltern und Freunden zu erzählen. Endlich hatte ich eine Erklärung für all das. Leider waren die Reaktionen ernüchternd. Keiner nimmt es wirklich ernst, geschweige denn glaubt mir. Ich weiß, das sollte mich nicht jucken.
Aber das tut es leider. Ich war dann in Nürnberg für ein Erstgespräch. Habe dort eine Bestätigung erhalten, mit Verdacht auf ADHS. In meiner Heimatstadt (2 Stunden entfernt) gibt es nichts. Keine Spezialisten, nur eine bekannte Klinik, die erst wieder im Oktober Plätze für Wartelisten vergibt. Vielleicht. Zum Glück bin ich schon seit Jahren in psychotherapeutischer Behandlung und hoffe, dass der mich zumindest ernst nimmt.
Der lässt mich allerdings auch schon seit Wochen warten, verschiebt die Termine usw. (eigtl. ein guter Therapeut).
Kinderpsychologe lässt auch auf sich warten. Alles zieht sich so ewig lange hin und ich weiß nicht wie lange ich das noch durchhalte.
Ich merke, ich bin wirklich erschöpft. Nebenbei sind noch zwei weitere Einschneidungen in mein Leben mit denen ich klar kommen muss. Außerdem meine Selbständigkeit, bei der ich zusehen kann, wie ich sie langsam verliere, weil ich trotz funktionieren nicht das leisten kann, was nötig wäre. 100 Ideen und Pläne, die ich gerne endlich umsetzen möchte, aber es so nicht klappt; Elterngespräche in der Schule meines Kindes, um für ihn einzustehen und darum zu kämpfen, dass sie ihn angemessen behandeln.
Ich habe sehr viele gemischte Gefühle. Wut, Trauer, Mitgefühl mit mir selbst, Mitgefühl für mein Kind, Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit usw.
Ich kann mit niemandem so richtig darüber reden, weil es keiner ernst nimmt. Es tut eher noch mehr weh, wenn mir dieser Leidensdruck, der auch bei mir deutlich da ist, aberkannt und relativiert wird. Also zieh ich mich zurück, wie ich es immer schon tue und versuche nicht die Fassung zu verlieren und trotz der Umstände nebenbei irgendwie zu heilen.
Aber ich weine sehr viel und ich merke mir gehts überhaupt nicht gut. Ich funktioniere halt noch irgendwie und bin stark für mein Kind, aber am liebsten würde ich mich auf eine Insel setzen, aufs Wasser starren und heilen dürfen. Für das was mir jetzt 34 Jahre „angetan“ wurde und das jetzt nun auch meinem Kind passiert, wenn ich nichts dagegen unternehme.
Ich habe Angst, dass ich nie eine normale Beziehung führen kann, dass ich nie ein normales Leben habe usw. .
Ich habe ein relativ geordnetes Leben, habe mir mein Leben irgendwie intuitiv so zurecht gebogen, dass ich irgendwie klar komme, aber ich schaffe es nie über den Punkt hinaus. So, dass alles leichter wird, sich endlich Erfolg einstellt, keine Existenzängste mehr habe usw. .
Im Endeffekt hängt so ziemlich alles mit ADHS zusammen, wie ich immer wieder anhand von neuen Informationen erfahre. So viele Verhaltensweisen, die ich nie mit dem in Verbindung gebracht habe.
Wie seid ihr damit umgegangen, in den Wochen nach der „Selbstdiagnose“? Wie geht ihr mit Leuten um, die es nicht ernst nehmen? Wie heilt man richtig, wenn nebenbei der Alltag funktionieren muss?
Keiner fragt wie es mir damit jetzt geht, obwohl das eine krasse Info war vor 2 Wochen. Ich fühl mich sehr alleine, merke, dass ich eigentlich nicht so wirklich Freunde habe oder halt nur Menschen, die mich akzeptieren, aber mögen sie mich so wie ich bin?
Hatte letztes mal einen Gedanken, der mich sehr traurig gemacht hat: Wenn ich dann irgendwann mal Medikamente nehme, hat mich vielleicht dann mal jemand wirklich gern? Im Januar hat sich mein damaliger Freund von mir getrennt, nach sehr kurzer Zeit, mit den Worten: Du bist nicht kritikfähig, du bist impulsiv, du bist langweilig (wiederholende Routine jeden Tag, die mir hilft meinen Alltag zu schaffen), usw…
Das hat mich sehr verletzt, da ich wirklich intuitiv versuche, mich anzupassen, mein Leben lang schon, aber ich glaube es hat mich getriggert, weil ich es schon so oft gehört habe. Erst jetzt verstehe ich, dass er irgendwo recht hatte, auch wenn es nicht gerecht war.
Ich weiß nicht ob ich bis Oktober durchhalte. Mein Leidensdruck ist schon sehr hoch und jetzt wüsste ich wahrscheinlich was hilft und habe keinen Zugang dazu.
Sorry für die lange Nachricht, aber so ist das momentan für mich.
Vielleicht hat ja jemand einen Tipp oder gute Worte. Bitte keine Kritik oder „krieg deinen Arsch hoch“ Kommentare. Ich brauche einfach nur Trost, liebe Worte und Unterstützung, alles andere hab ich schon durch.
Vielen Dank.

Grüße
Mag

Liebe Mag, ich drücke dich mal unbekannterweise .
Ich selbst befinde mich aktuell gerade in der Testung ( 1 von 3 Terminen hat stattgefunden ).
Ich bin in etwa in deinem Alter und habe 2 Kinder .
Ich kann es dir nachfühlen es ist ein Kampf an allen Fronten (nicht aufzufallen , da Termine vergessen .x Dinge nicht erledigt usw) und der macht müde , gleichzeitig die Traurigkeit darüber, dass es nie jemanden aufgefallen ist.
Bei dir kommt dazu jetzt noch der Kampf für dein Kind und bringt vermutlich dass Fass zum überlaufen.
Hast du irgendeine Möglichkeit dir Hilfe zu holen ? Gibt es jemanden ( Eltern , eine Freundin) ?
Sich krankschreiben zu lassen fällt Ja vermutlich aus , wenn du Selbstständig bist.
Ich rate dir dringend , zu schauen was dich unterstützen könnte , ansonsten sehe ich einen psychisch bedingten Burn out auf dich zu kommen.
Hast du Möglichkeiten schneller an einen Termin zu kommen? Eventuell nochmal andere Stellen abklappern.
Ich wünsche dir alles Gute :four_leaf_clover:

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Danke für deine Nachricht. Verständnis hilft etwas.
Ja das stimmt. Es ist sehr anstrengend und mache es wie immer allein. Freunde nehmen mich nicht ernst, Familie ist wie immer nicht wirklich für mich da. Drücken mir Bücher in die Hand: ADHS ist nicht das Ende der Welt usw. Ein bisschen Wille ist da, aber eben nicht wirklich die Bereitschaft mich durch Verständnis zu unterstützen. Das ist gerade das Einzige, das mir helfen würde. Alles andere hab ich 34 Jahre auch alleine geschafft. Aber dieses alleine schaffen macht so einsam und kostet so viel Energie.
Ich warte jetzt auf den Termin am Freitag bei meinem Psychologen und hoffe, dass es dann leichter wird. Eventuell weiß der noch Stellen. Glaube aber eher nicht.
Im Moment kämpfe ich noch und wehre mich mit Händen und Füßen alles aufzugeben, aber mir geht die Kraft aus. Ich habe eigentlich schon entschieden meine Selbständigkeit aufzugeben, bis ein paar Tage später diese Doku aufgeploppt ist. Seitdem habe ich wieder Hoffnung, dass es doch irgendwann irgendwie klappt und versuche die langen Wartezeiten irgendwie hinzunehmen. Aber wenn es so weiter geht, werde ich es aufgeben müssen. Damit habe ich mich schon abgefunden. Bin eigentlich ein sehr optimistischer Mensch, aber gerade verliere ich echt die Geduld.
Ich wünsche dir auch alles Gute und drück dir die Daumen, dass bei der Diagnostik alles gut läuft und du schnell durch kommst. Ich wünsch dir, dass du für dich Klarheit findest und sich dein Leben bald leicht anfühlt.

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Dankeschön , wie schade dass du da auf so wenig Verständnis in deinem Umfeld stößt .
Ich freue mich zu lesen wie es dir weiterhin ergeht .
Selbstständigkeit bedeutet ja meist auch das man investiert hat ( finanziell und emtional und auch Zeit) das mag man nicht wegwerfen weil es gerade schwierig ist, ich drücke dir die Daumen , ich wünsche dir Verbesserung und Hoffnung :slightly_smiling_face:

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Hallo Mag,
herzlich willkommen hier!

Ich fang mal mit der schlechten Nachricht an: Wenn du im Oktober auf die Warteliste kommst, kann es noch sehr lange dauern, bis du einen Termin für die Diagnostik hast. Bei mir waren es etwas über anderthalb Jahre, bei vielen anderen hier ging es etwas schneller, aber eben nicht schnell. Ich will dich damit nicht runterziehen, aber ich denke, es hilft, wenn du realistisch planen kannst, gerade wenn du dabei bist deine berufliche Zukunft umzustrukturieren.
Ich bin jetzt gerade in der Diagnostik und hatte bereits einige Monate, bevor ich auf die Warteliste kam, angefangen, mich mit der Möglichkeit ADHS auseinanderzusetzen. Wie ich die Zeit bis jetzt genutzt habe: Ganz viel Wissen über ADHS anlesen. Andere Strategien ausprobieren als die, die in den Ratgebern für neurotypische Menschen stehen. Das ist das buchstäbliche Austauschen des Windows-Handbuchs gegen das Mac-Handbuch (Ach, meine Windows-Installation ist gar nicht fehlerhaft - ich hab gar keine!).
Das ist nicht Medikamente nehmen, aber es hilft, und wenn nur dabei, besser mit sich selbst umzugehen und besser im eigenen Umfeld zu kommunizieren, was wie geht und was eben nicht.

Ich glaube, die Tragweite, die es für einen selbst hat, ist für Außenstehende nur schwer auf den ersten Blick zu erfassen. Hab Geduld (ja, auch so eine ganz große Stärke von Menschen mit ADHS) und überleg dir mit etwas Ruhe, mit wem aus deinem Umfeld du am besten tiefer in das Thema einsteigen kannst.
Ich halte das für mich noch sehr unter dem Radar, so lange ich keine offizielle Diagnose hab. Bei mir wissen nur zwei Menschen davon, und die haben mit der Zeit angefangen sich selbst etwas mit ADHS zu beschäftigen und sagen inzwischen, ja, das klingt sehr nach dir. Mit den beiden kann ich mich inzwischen recht gut darüber austauschen.
Hier im Forum ist man mit seinen Sorgen und Nöten gut aufgehoben und trifft auf Menschen, die einen verstehen, auch wenn das im eigenen Umfeld erstmal noch nicht so gut läuft.
Du könntest auch mal schauen, ob es in deiner Gegend eine Selbsthilfegruppe gibt.

Wenn der Groschen bei einem selbst gefallen ist, stellt einem das erstmal die Welt vom Kopf auf die Füße (oder auch andersrum). Es dauert seine Zeit, bis man sich zurechtfindet. Ich drücke dir die Daumen, dass dein Therapeut zumindest mit den Grundlagen von ADHS vertraut ist und dich erstmal begleiten kann!

Liebe Grüße!

Hey vielen Dank.
Ja ich stelle mich schon auf lange Wartezeiten ein. Habe es schon öfter gelesen, dass man sehr lange warten muss. Unglaublich in einem so entwickelten Land. Macht mich echt wütend, aber werde es akzeptieren müssen.
Strategien entwickeln klingt gut. Hilft tatsächlich sich Infos, Tipps und Tricks zu holen, besser damit umzugehen. Hast du vielleicht ein paar Vorschläge für Seiten, Bücher ect., die dir geholfen haben oder hast du die Strategien für dich selbst entwickelt?
Eigentlich will ich meine berufliche Zukunft nicht umstrukturieren. Ich liebe das was ich mache und hätte noch so viel Ideen wie es besser werden könnte, habe aber oft Tage, an denen ich mich nicht konzentrieren kann, unruhig bin, viel zu viel auf einmal machen will/vornehme oder total unmotiviert bin. Das in einer Selbständigkeit ist der Untergang früher oder später. Ich hoffe ich halte durch und finde vorübergehend Lösungen. Habe aber eh schon so viel probiert und weiß einfach, dass ich Medikamente bräuchte.
Es wäre sehr schade, das alles aufzugeben, nur weil mir ein bisschen Dopamin fehlt. Ich habe sehr viel Energie und Liebe da reingesteckt.
Zu dem zweiten Punkt: Ja das kann ich auch verstehen. Ich habe meinen Sohn nicht verstanden, bis mir vor zwei Wochen bewusst wurde, dass ich ihn doch verstehe. :slight_smile: Ich denke, dass du das sehr vernünftig machst, es noch unter Verschluss zu halten, bis es offiziell ist. Man muss echt auch aufpassen, dass man es sich nicht ausreden lässt, weil alle es irgendwie besser wissen.
Das ist sicher nicht böse gemeint und wahrscheinlich habe ich zu hohe Erwartungen an meine Freunde. Andererseits denke ich mir, das ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor in meinem Leben und es sollte jeder wissen, der mit mir zu tun hat, schließlich verstehe ich, dass das auch anstrengend sein kann. Für einen selber und für Außenstehende.
Ich weiß nicht wieso ich mich gerade so alleine fühle. Wenn mich jemand fragt, rede ich darüber, aber ansonsten behalte ich es lieber wieder für mich. Es tut weh, dass man anderen nicht so viel wert ist, dass sie aktiv Fragen stellen und sich für mich interessieren. Ich glaube ich würde anders reagieren. Verstehe aber, dass das Thema für viele zu abstrakt ist. War es ja für mich auch. Jetzt gerade muss ich es für mich erst mal einsortieren.
Ich drück dir auch die Daumen, dass sich alles so entwickelt, wie du es dir vorstellst, viel Kraft für die Diagnostik und viele gute Wegbegleiter.

Viele Grüße

Hallo,

um eine Idee zu bekommen, ob, wie stark und mit welcher Ausprägung du ADHS haben könntest, kannst du den ADHS-Symptomtest auf ADxS.org machen. Es handelt sich um ein Onlinescreening. Eine richtige Diagnostik kann immer nur ein erfahrener Arzt oder Therapeut machen.
Viele User hier im Forum kennen den Test, sodass das Ergebnis hilft, deine Beschreibung besser einzuordnen.

Viele Grüße

Als „kleinen Einstieg“ fand ich „ADHS Was isn das eigentlich“ von Hannah Schmidtpott mit Illiustrationen von Slinga ganz gut (eignet sich aus meiner Sicht auch gut zum Weitergeben ans eigene Umfeld).
Jetzt lese ich gerade „ADHD For Smart Ass Women“ von Tracy Otsuka.
Dann noch viel hier im Forum und auf der Seite von ADDitude (die auch oft kostenlose Webinare auf englisch zu verschiedenen Themen rund um ADHS anbieten).
Abgesehen davon halte ich für mich selbst Augen und Ohren offen, was gut funktioniert und was nicht. Ich bin zum Beispiel grad drauf gekommen, dass bunte Farben auf mich anregend wirken und hab an der Arbeit gleich meinen Browser auf knallpink eingestellt. :smiley:
Ich glaube, ich hatte als Kind ein viel, viel besseres Gespür dafür, wie ich funktioniere und was mir gut tut, wann ich eine Pause brauchte etc. Dann habe ich sehr lange versucht in der Neurotypische-Erwachsener-Simulation zu leben - und jetzt bin ich dabei wieder mehr zu dem cleveren Kind von früher vorzudringen.

Es ist ja irgendwie auch cool, dass du all das jetzt mit deinem Sohn zusammen entdecken kannst! :slightly_smiling_face:

Zu diesen „mal so und mal so“-Tagen: Ich bin grad fast damit durch, zwei Zyklen lang die Intensität meiner Symptome zu tracken - und richtig geschockt darüber, wie sehr sich erste und zweite Zyklushälfte unterscheiden. In der zweiten Hälfte verdoppelt sich die Intensität im Schnitt fast. Je nach Art der Selbständigkeit kann ich mir vorstellen kann, dass frau das für sich nutzen könnte. :slightly_smiling_face:

Ich glaube, hier fehlt - so wie es uns selbst auch gefehlt hat - das Wissen in der Öffentlichkeit darüber, dass ADHS auch erwachsene Frauen betrifft, und dass es sich da durchaus anders äußern kann als beim typischen ADHS-Jungs-Bild, das alle vor Augen haben. Das kann erstmal kaum einer einsortieren.

Vielen Dank für deine guten Wünsche - die geb ich gern an dich zurück!

Ah, und ich mag den Podcast „ADHS Perspektiven“. Den hatte ich noch vergessen.

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Ihren Podcast mag ich auch :partying_face:
Angenehmes Stimmchen auch.

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Okay habe laut Tests eine Sozialphobie, leichte Depressionen und mit 80% Wahrscheinlichkeit ADHS. Dachte ich mir bei den Fragen schon. Ersetzt leider nicht die Diagnose.

Liebe Grüße

Ich mag deinen Schreibstil der ist sehr angenehm zu lesen. :slight_smile:
Die Buchempfehlungen werde ich mir besorgen. In den Podcast habe ich mich ein wenig rein gehört. Sehr interessant. Ich sauge gerade eh alles auf was ich in die Finger kriegen kann. So konzentriert an einer Sache war ich schon lange nicht mehr.
Ja es ist so wie es ist aber ich habe jetzt schon ein bisschen was erreichen können was mir wieder ein wenig Mut macht. Z.B. einen Diagnosetermin für meinen Sohn im Oktober und nächste Woche einen Termin beim Kinderpsychologen.
Mein Therapeut hatte heute auch endlich Zeit. Ich habe ihm von dem Verdacht erzählt. Er wirkte eher defensiv und skeptisch weil es ja gerade „jeder hat“.
Allerdings hat er angeboten, dass er sich in das Thema ein liest und er die Testung übernimmt. In zwei Wochen ist es dann soweit.
Da er so skeptisch war bin ich es jetzt auch, ob er denn dafür geeignet ist, wenn er sich damit noch gar nicht aus kennt und auch nicht wirklich so ernst nimmt wie ich mir wünschen würde. Ich musste viel erklären und befand mich dann irgendwie in einer Rechtfertigungsposition. Aber das erlebe ich gerade immer wieder und das Thema kommt ja gerade erst auf. Immerhin ein Lichtblick.
In meinem Umfeld ist trotzdem keiner der es ernst nimmt oder mir Unterstützung anbietet. Da muss ich sehr vorsichtig sein.
Mit meiner Mutter habe ich seit dieser Woche keinen Kontakt mehr. Sie ist einfach abwesend, fragt nicht nach wie es mir geht oder ob sie mich unterstützen kann. Das ist nicht das erste Mal. Ich hab einfach keine Lust mehr so zu tun als sei alles in Ordnung nur damit ich andere nicht belaste.
Naja und Selbständigkeit geht die nächsten Tage drauf oder nicht man wird es sehen. Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Es sind andere Sachen wichtiger und muss meine Kräfte zusammen halten.
Mit Zyklus und ADHS muss ich mich erst mal einlesen. Habe schon gehört dass der Einfluss auf die Symptome hat.
Vielen Dank für die Anregungen.

Liebe Grüße

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Es gibt einige Threads hier , wo es darum geht wie Freunde darauf reagieren oder ob man es überhaupt erzählen soll. Nutze da mal die Suche zu dem Thema.

Ich habe es z.B bewusst nur ganz wenigen erzählt , aus dem engen Freundeskreis weiß es nur meine beste Freundin.

Ich sehe es für mich so, das auch wenn die meine ADHS verstehen würden, dass es nichts an den Dingen ändert, an denen ich bei mir selbst arbeiten muss. Es bleiben irgendwie die gleichen Baustellen.
Die Freundschaften an sich sind ja da und das ist mit am Wichtigsten für mich.

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Wenn es ADHS nicht gibt, warum sind denn die Wartelisten so voll? Dann wäre doch alles Chic!
Alles nur Einbildung! Ich könnte :face_vomiting:.

Nee, wir mit ADHS sind die ersten, die durch unser System abgeschliffen werden, weil nicht für uns gemacht. Dann noch mit dem Makel der Phantomkrankheit rumzulaufen und dem ewigen ‚Selber Schuld!" und dem „Du machst das schon!“ weil kein NT dich versteht, ist schon übel.
Ich kann dich verstehen.
Fühl‘ dich gedrückt! :hugs:

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Was eigentlich total bescheuert ist, denn laut Studie ist das kein kleiner unbedeutender Anteil an Betroffenen, sondern 5-7% der Bevölkerung, die Diagnostiziert ist. Die Dunkelziffer wird vermutlich um einiges höher sein.

Barkley meinte mal, dass ADHS das Zentrum der Psychiatrie wird. Nur eingestehen wollen die meisten sich das nicht. Ist man halt auch nicht drauf vorbereitet…

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Die Skepsis kann ich verstehen. Wie ist er denn sonst so drauf? Versteht er dich und nimmt dich ernst? Ist das nur jetzt bei diesem Thema so gewesen?
Falls ja, würde ich den Diagnostiktermin mal abwarten und schauen, was passiert. Eine Zweitmeinung kann man sich ja trotzdem noch einholen.

Was du in der Zwischenzeit machen kannst ist, dir Beispiele aus dem Alltag für die Symptome heraussuchen. Ich habe das gestern erst mit meinem Bruder gemacht. Er hat den Symptomtest gemacht und dann aber nicht gewusst, was denn z.B. zu Taskwechselproblemen gehört oder was eigentlich Dysphorie bei Inaktivität ist. Wir sind dann alle Rubriken durchgegangen und haben besprochen, was das eigentlich ist und wie es sich im Alltag zeigen kann. So konnte er besser einschätzen, ob das, was im Testergebnis steht, für ihn auch so passt.
Man kann da auch gut ChatGPT nach Erklärungen und Beispielen fragen, wenn man sich nicht die komplette ADxS Seite durchlesen will/kann.

Oh krass, ChatGPT weiß mehr wie mein Therapeut. Erschreckend und lustig zugleich. :slight_smile:
Danke für den Tipp. Das mache ich. Ich folge vielen jetzt auf Instagram, die ihre Erfahrungen im Alltag teilen. Dadurch habe ich auch schon viele ungelöste Fragen klären können. Dass z.B. Impulsivität nicht nur bedeutet, dass man in Streitgesprächen nicht ruhig bleiben kann, sondern, dass man auch manchmal dumme Entscheidungen trifft und vieles mehr. Das führt zum einen dazu, dass ich mich selber besser verstehe, aber zum anderen habe ich wirklich Angst, dass ich nie ein normales Leben führen werde. Klar, kommt es darauf an, wie ich jetzt damit umgehe und wie stark ich an mir arbeite (bin seit ich 17 bin in Therapie, also an meinem Willen mangelt es sicher nicht), aber diese Bewusstwerdung, dass das schon immer Teil meines Lebens war und wahrscheinlich für immer sein wird ist wie eine Befreiung und ein Schlag auf den Hinterkopf zugleich. Gehört vermutlich zum Heilungsprozess dazu.

Mein Therapeut ist eigentlich ein Guter. Hat mich generell schon immer ernst genommen und wirf niemandem vor, dass das keinem aufgefallen ist. Kann mich mit 34 Jahren halt mittlerweile gut verstecken. Er wollte es mir auch nicht absprechen und ich rechne ihm das hoch an, dass er es so ernst genommen hat, sodass er sich jetzt intensiv mit dem Thema befasst. Das tut er auch bestimmt. Ich habe aber für die Anerkennung kämpfen müssen und alles dafür getan, dass er versteht wie hoch mein Leidensdruck ist.
Ich verstehe, dass die Therapeuten, die schon lange dabei sind, gerade überfordert sind, mit all den Selbstdiagnosen. Sie haben es halt anders gelernt und haben auch keine Ahnung von Social Media und der damit verbundenen Selbstermächtigung. Trotzdem sollte er da schon ein bisschen differenzierter damit umgehen können. Es ist schließlich sein Beruf. Aber den Zahn werde ich ihm schon noch ziehen. :slight_smile:
Ich mache den Test, sonst muss ich bis nächstes Jahr warten. Es sind ja standardisierte Tests, da muss er sich ja an die Vorgaben halten. Und wenn er so skeptisch ist und das Ergebnis dafür spricht, hat es ja auch den Vorteil, dass ich es dann ernster nehme. Aber auf jeden Fall werde ich erst mal in der Warteliste von einem ADHS-Zentrum bleiben.
Auf Dauer werde ich mir wahrscheinlich jemanden suchen müssen, der sich damit schon länger beschäftigt und mir therapeutisch besser helfen kann. So drehe ich mich nur im Kreis.
Finde es sehr cool von dir, dass du deinen Bruder so unterstützt. Du bist bestimmt selber davon betroffen und kannst es gut nachvollziehen. So sollte es sein und so einfach wäre es, Betroffene zu unterstützen.

@schlingelprinz
Das glaube ich auch, dass das gar nicht so wenige sind und man einfach einen riesen Teil der Gesellschaft ignoriert hat. Das wird eine große Welle, die da auf das System zu rollt. Ich denke mir auch, die Gesellschaft ist selber Schuld. Wahrscheinlich wären wir alle bereits in der menschlichen Entwicklung weiter, wenn diese „andersartigen“ Menschen Gehör gefunden hätten und nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden wären.
Abwarten und zusehen. Bin gespannt wie sie reagieren, wenn sie es endlich erkennen. :slight_smile:

@Hypoborea
Er hat nicht explizit gesagt, dass es ADHS nicht gibt. Er nimmt es durchaus ernst, aber hat einfach noch nicht so viel Ahnung davon und ist offensichtlich auch gerade von diesem „Hype“ überfordert. Ich glaube auch, wenn man sich nur in ein paar Symptomen wiedererkennt und Probleme hat, hat man durchaus ein Recht heraus zu finden, was da los ist. Es ist ein menschliches Recht, die gleichen Chancen zu kriegen, wie jeder andere auch, das ja schon im Kindesalter beschnitten wird. Ja, man braucht viel Geduld für die Menschheit. Glaube, dieses System/Patriachat hat halt einen üblen Einfluss auf alles was lebt und besonders auf alles was anders ist und vor allem auf Mädchen und Frauen.

@Nelumba_Nucifera
Danke dir, genau das suche ich gerade. Ist ja sozusagen die Basis. Ohne Freunde und Familie wird es schwierig. Das verstehe ich gut, dass du nichts erzählt hast. Ich habe den Verdacht auch nur meinen engsten Freunden und Familie erzählt und bin da gerade am Anfang. Ich für mich habe aber entschieden, dass ich mich nicht weiter verstellen will. Ich will Bewusstsein schaffen, weil es nicht nur um mich geht, sondern auch um mein Kind, der unter diesem Druck sehr leidet. Überhaupt will ich dazu stehen um ihm so gut ich kann ein Vorbild zu sein und ihm zu zeigen, dass man ein Recht hat selbstbewusst durchs Leben zu gehen und zu sich selber stehen kann und darf.
Es hat mir halt auch in Freundschaften und generell in Beziehungen ziemlich viele Probleme bereitet, von daher finde ich es wichtig, dass meine engsten Personen davon wissen und Verständnis auf beiden Seiten da ist. Das ist mir persönlich wirklich wichtig, sonst haben diese Beziehungen für mich auch keine Substanz und sind nur anstrengend. Das heißt aber nicht, dass sie alles wissen müssen oder ich aufhöre an mir zu arbeiten, aber ich will verstanden werden so gut es geht und es sollte ein gegenseitiges Interesse an dem Menschen in seinem ganzen Wesen bestehen, sonst ist das ja irgendwie einsam und ziemlich oberflächlich.

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Verstellen tue ich mich eigentlich nicht , meine Macken heißen halt nicht ADHS😉

Anpassen an bestimmten Stellen tue ich mich eher aus meiner eigenen Motivation für mich selbst heraus .

Ich würde im grundegenommen nichts anderes wie bisher von mir selbst und meinen Mitmenschen erwarten . Von daher hätte ich eher das Gefühl dass ich es mit einer offenen Diagnose für alle komplizierter machen würde .

Aber mit deiner Sichtweise auf dein eigenes Kind ist es auch noch mal eine ganz andere Situation.

Es gibt auch nicht den einen richtigen Weg oder eine allgemein gültige Empfehlungen , weil es bei jedem anders ist wie mit der Offenheit bei einer ADHS Diagnose reagiert wird .

Naja, solange sich die Gesellschaft es leisten kann, ein paar Prozent auszugrenzen, und die Phantasielosen Gleichschrittmenschen ans Steuer zu lassen…
Wir sehen ja, was dabei herauskommt.
Ohne einen Elon Musk oder Otto Lilienthal, Einstein, Thurnberg, würden wir immer noch im 18. Jahrhundert leben. Es sind die belächelten, die uns voran gebracht haben.

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Zum Thema mit wem im Umfeld rede ich darüber:

Ich glaube, es ist für viele kaum nachvollziehbar, wie sehr es den Blick aufs eigene Leben verändert, sobald man selbst versteht, dass man neurologisch anders gestrickt ist. Die Freundin, die es bei mir weiß, hat ein Kind mit LRS und darum eher eine Vorstellung davon als viele andere es hätten.
Außerdem kann man schlecht von neurotypischen Menschen verlangen, dass die auf einmal einen Hyperfokus zum Thema ADHS bekommen. :upside_down_face:

Mir ist es aber auch wichtig, dass es Menschen in meinem Umfeld gibt, denen ich mal erzählen kann, was mich grad beschäftigt oder was mir aktuell Schwierigkeiten macht - und bei denen ich sagen kann, sorry, ich krieg das grad nicht hin, und die dann auch wissen, warum.

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