Hilfe, ich habe mich an meine Kinder vererbt - ab welchem Alter ist ein Test sinnvoll?

Hallo,
ich habe selbst ads/adhs und stelle verstärkt in letzter Zeit (wahrscheinlich einfach, weil ich hier viel lese und deshalb darauf achte…?!) bei zumindest meinem ältesten Kind sehr deutliche und starke Wesenszüge von mir fest… Der Große wird demnächst 6 Jahre, ist sehr erfolgreicher Vorschüler :crazy_face: , wird von vielen (Erziehern, anderen Eltern, sonstigen Menschen) wegen seines für sein Alter sehr großem und (zu) weitem Wissen … bewundert?!/beachtet?! (Keine ahnung, welches das richtige Wort ist…)

Da ich selbst ja auch irgend so ein undefinierter sonstwas mischtyp hastenichtgesesehen bin, weiß ich um mein Erbmaterial. und ich kenne ein wenig die „Liste“ von Anzeichen, ob ein Kind zu adxs neigt. und ich muss sagen, ich mache innerlich sehr oft sehr viele Haken an sehr viele Punkte dieser Liste.

Ich habe offengestanden ein wenig Angst. Nicht darum, dass er adxs hat, sondern dass es ihm so ergeht wie mir, großes Wissen in unrelevanten bereichen, Keiner hat Ahung, und nachdem die Grundschule versaut ist, kommt dann irgendwann (bei mir zum Glück schon so früh) die Diagnose. Ich als „anderer“, mit anderen Interessen, anderen Werten, anderem Wissen, war oft der Gearschte, wurde oft (in der Grundschule!) verprügelt, hatte keine oder nur sehr wenige Freunde. bzw sehr viele, aber nur als „Bekannte“, richtige Freunde habe ich selbst heute nicht.

Da ja durch mich schon eine Vorlast da ist, und ich auch wie gesagt etliche Anzeichen sehe, frage ich mich, ab wann ist eine Diagnose sinnvoll, und auch „sicher“, und daraus folgend auch zielführend in Punkto Therapie undwasweißichwasalles es da so gibt…?!

Grüße der Ingenieur.
(ach ja, richtige Thread? Keine Ahnung. Aber tausend Fehler korrigiert vom abschicken…)

Hallo,

wir haben unseren Sohn sozusagen im ersten/zweiten Schuljahr testen lassen. Die Schule (auch dank der „tollen“ Lehrerin) hatte einige Probleme hervorgebracht und letztendlich haben wir uns Hilfe im Bezirkskrankenhaus gesucht und er kam dort in eine Tagesklinik. Hier wurde er auf längerem Zeitraum beobachtet und eben dann ADHS festgestellt. (Auslöser war auch, dass wir ihn auf Autismus testen lassen hatten/wollten. In der Ambulanz wurden eben jener Test durchgeführt und Strategien entwickelt und es wurde uns angeboten, dass er - falls ein Platz frei wird - in die Tagesklinik könnte (ambulant)).

Es war am Schluss so schlimm, dass er sich selber wünschte, dass sich endlich etwas ändert.

Jetzt bekommt er Medikinet, hat eine neue Lehrerin da nun in der 3. Klasse. Zudem hat er eine Schulbegleitung zugeteilt bekommen, welche ihm im Unterricht zur Seite steht. Er hat leider auch begleitend eine Lese-/Rechtschreibschwäche - aber auch dies ist kein Problem (mehr) in der Schule. Es gefällt ihm in der Schule auch wieder und er fand auch wieder Anschluss und ist regelmäßig mit Mitschülern ausserhalb der Schulzeit in Kontakt. Ansonsten ist er 1x wöchentlich in Ergotherapie.

Anmerkend muss man sagen, dass er als Kleinkind schon immer irgendwie „anders“ als vergleichbare Kinder war. Wir hatten sogar mal einen Intelligenztest machen lassen… Das war noch vor Schuleintritt.

Scheinbar habe ich es ihm vererbt - meine Diagnose kam aber erst viel später.

Grüße,

bernard

Hallo Ingenieur,

es kommt immer sehr auf den Leidensdruck an. Oder auch, ob und wie sich dein Kind in seiner Haut wohl fühlt.

Ich wurde erst mit 37 diagnostiziert und nehme seitdem Medikamente. Und habe dadurch eine Gelassenheit bekommen, die ich vorher nicht kannte. Von daher will ich das Wort Leidensdruck nicht zu eng und zu negativ definieren. Es liest sich bei deinem Sohn jetzt nicht so dringlich an, aber wie gesagt man sieht nicht sofort wie es drinnen aussieht.

Ich habe meinen Kindern auch meine ADHS vererbt. Mein Großer nahm Medis seit er 5 Jahre und 3 Monate war, mein Kleiner noch früher, er war 4 Jahre und 7 Monate. Und das war nicht zu früh, bei beiden nicht. Natürlich in sehr geringer Dosis im Vorschul- und Grundschulalter.

Wenn es sowieso auf (medikamentöse) Behandlung hinausläuft, sehe ich wenig Sinn darin zu warten. Ob der Arzt oder die Ärztin so früh mitmacht, ist die andere Frage - wir sind dafür zeitweise weit gefahren.