HSP und ADHS in einer Ehe

Hallo zusammen,

ich schreibe hier gerade, weil ich mich emotional ziemlich überfordert und allein mit meiner Situation fühle und hoffe, mich mit Menschen austauschen zu können, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Meine Frau und ich stecken seit einigen Wochen in einer sehr belastenden Phase. Wir lieben uns grundsätzlich sehr und waren viele Jahre ein eher stabiles Paar ohne große Eifersucht oder ständige Konflikte. Wir sind Eltern von zwei Kindern.

Seit ihrer Selbstständigkeit und dem damit verbundenen Stress hat sich aber vieles verändert.

Es gibt oft eine Nähe/Distanz Problematik bzw. meist geht es um Arbeitspensum in ihrer Selbständigkeit.

Meine Frau (48) vermutet selbst, dass bei ihr ADHS eine große Rolle spielt. Sie beschreibt, dass sie sich oft im „Überlebensmodus“ befindet, sich selbst nicht mehr richtig spürt und teilweise nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist. Nähe fühlt sich für sie momentan oft erdrückend an – nicht nur bei mir, sondern allgemein.

Ich selbst (43) bin wahrscheinlich hochsensibel und reagiere stark auf emotionale Veränderungen. Sobald ich spüre, dass sie sich zurückzieht oder innerlich belastet ist, bekomme ich Verlustängste und das Gefühl, es muss irgendwas mit mir zu tun haben und das Gefühl von „ganz weit weg.“

Dadurch entsteht bei uns oft eine Dynamik aus Rückzug und Klammern, obwohl wir beide eigentlich Verbindung wollen.Wir waren nie das typische Paar und haben alles auf unsere Art getan und sind bis letztes Jahr da sehr gut mit gefahren.

Das Schwierige ist: Wir reden sehr ehrlich miteinander, haben auch noch emotionale Nähe und wollen unsere Beziehung nicht verlieren. Trotzdem fühlen wir uns beide gerade erschüttert und wissen oft nicht, wie wir aus dieser Spirale herauskommen sollen.

Vielleicht gibt es hier Menschen, die ähnliche Erfahrungen mit:

  • ADHS in Beziehungen,

  • Hochsensibilität,

  • Verlustangst,

  • emotionaler Überforderung oder Nähe-/Distanz-Dynamiken gemacht haben.

Wie habt ihr gelernt, mit solchen Phasen umzugehen, ohne euch gegenseitig immer weiter unter Druck zu setzen?

Vielen Dank fürs Lesen.

Die größte Nähe, die mein Partner mir je geben konnte ist sein Vertrauen in mich/uns und meinem großes Bedürfnis nach Distanz und Rückzug.

Zur gleichen Zeit weiß er die Freiheit für sich dadurch zu schätzen ( in vorheriger Beziehung war er komplett eingeengt)

Wir sehen es ein wenig so, dass jeder mit seinen eigenen Problemen zunächst für sich selbst klarkommen muss und dafür benötigt man Zeit und Raum. Der Halt der Partnerschaft gibt dafür Sicherheit und Kraft.

Ist einer in Not und benötigt wirklich Hilfe , dann ist man natürlich da . Wenn wir Zeit füreinander finden dann wissen wir die Zeit sehr zu schätzen.

In den letzten Jahren benötigten wir Beide viel Zeit für uns selbst. (Verarbeitung von Vergangenheit, Probleme im Job , Psychische Probleme, körperliche Probleme , Wechseljahre, älter werden etc.) wir haben da eher versucht uns gegenseitig zu entlasten in dem jeder seine Bedürfnisse und Wünsche an den anderen runtergefahren hat .

Irgdenwie wie ein tiefer , wohlwollender Wunsch, dass es dem anderen jeweils gelingt wieder zu sich selbst zu finden .

Geholfen hat uns auch die Sicht auf andere Partnerschaften , wo es beiden gelungen ist mehrere Jahre an Krisen/ Leid / Flaute etc. sogar bis hin zu fremdgehen irgendwie durchzustehen und irgdwann zeigte sich nach Jahren plötzlich wieder das partnerschaftliche Miteinander, als ob durch diese Phase die Beziehung sogar gestärkt wurde. Das fanden wir immer bewundernswert.

Zugleich sahen wir auch Partnerschaften, die direkt auseinandergingen als es mal schwieriger wurde und keiner seine Erwartungen an den andern runterschrauben wollte es aber zugleich von dem anderen erwartete .

Wir wollten / wollen beide lieber erstere Version sein und haben manchmal stumpf gesagt ," dass ist die Phase, die alle haben und wo sich zeigt ob man als Paar besteht." …,da müssen wir einfach durch , das ist auch eine Form von Liebe, die man nur in der Phase nicht so spürt."

Versuche die Zeit mit Dingen zu füllen , die dir gut tun , wenn deine Frau Abstand benötigt .

Auch wenn du gerne helfen möchtest aber manche Dinge muss man selbst durchleiden um daraus für sich eine Veränderung erschließen zu können .

Vielleicht hilft dir dieses Bild???

Wenn deine Frau auf Distanz und Abstand ist , dann ist mit der Freiheit , die du ihr gibst dein Herz , deine Liebe und deine Nähe trotzdem bei ihr . Die Nähe , die du dadurch zurückbekommst, ist ihr durchatmen, weil es keinen Konflikt auslöst , der euch distanziert.

Es ist so, als ob du ihr Blumen schenkst , aber keine zurückbekommst und irgdwann siehst , dass sie die Blumen eingepflanzt hat und sich sogar vermehrt haben .

Hab keine Angst davor, weil deine Frau auf Rückzug ist. Sie hat aktuell einfach nicht die Kraft für mehr , selbst wenn sie es anders wollte .

Wenn ihr diese Phase gemeinsam übersteht zeigt sich die Kraft eurer Partnerschaft und wenn nicht , dann ist es auch eine Warheit, die vorher verschleiert war.

Die größte Nähe die du schenken kannst ist Freiheit und Vertrauen in sich selbst, den andern und in die Beziehung selbst.

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Hallo Thorin,

Du schilderst eure Herausforderungen sehr abstrakt. Wo liegt denn konkret die Problematik? Musst du dich viel um eure Kinder kümmern oder den Haushalt schmeißen? Habt ihr klare Vereinbarungen getroffen?

Warum tauchen gerade jetzt Schwierigkeiten auf, obwohl ihr bisher recht unkonventionell gelebt habt? Ist eine/r von euch unglücklich und wenn ja, warum?

Liebt ihr euch noch?

Diese Fragen stellen sich mir spontan. Als selbst hochsensible Person kommuniziere ich (inzwischen) sehr klar und eindeutig meine Bedürfnisse und Grenzen, sowohl in Partnerschaft, Freundschaft als auch in der Familie. Das hat mir am meisten gebracht, so dass ich entspannt und zufrieden leben kann… also mit mir selbst im Reinen. Das spüren auch andere Personen und somit entstehen wiederum andere/positive Dynamiken (bin so gar keine Prinzessin der Dunkelheit :grinning_face_with_smiling_eyes:)

Starke Verlustangst hat meist mehr oder minder schwerwiegende Ursachen (trivial) und sollte mitunter nicht unbehandelt bleiben (hat m.E. nicht zwingend etwas mit HSP zu tun!). Menschen sollten sich nicht aneinander festhalten, sondern sich gegenseitig bestärken und/oder unterstützen, inspirieren (meine Lebensauffassung).

Wenn man Kinder hat, gestaltet sich das natürlich viel komplizierter. Was braucht ihr beide denn als Paar, um zufrieden und erfüllt zu sein?

Das jetzt etwas bruchstückhaft dazu.

Liebe Grüße!

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Der Trick ist, sich nicht unter Druck zu setzen. Gegenseitig nicht und auch sich selbst nicht. Wenn ihr schon immer eure eigene Definition von Beziehung gelebt habt, sind das die besten Voraussetzungen.

Wenn du weißt, dass deine Verlustängste eigentlich unbegründet sind, musst du das unbedingt aus der Sache raushalten. Es ist eine weitere Belastung, wenn man den anderen jetzt auch noch ständig überzeugen muss, dass sich an der Beziehung oder an dem Gefühl nichts geändert hat.

Das Nähe-Distanz-Problem entsteht auch oft, weil die Definition von Nähe und Distanz nicht zur Situation passt. Man muss nicht im gleichen Raum sein, um sich nah zu sein.

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Vielen Dank für eure Antworten. Tatsächlich helfen mir eure Gedanken gerade sehr dabei, manches etwas klarer zu sehen.

Ich glaube, ein großes Problem bei uns ist wirklich diese Dynamik aus Nähe und Distanz, die sich in den letzten Monaten immer weiter hochgeschaukelt hat.

Wir waren eigentlich viele Jahre ein Paar mit viel Vertrauen und Freiheit. Eifersucht oder ständige Konflikte gab es bei uns früher kaum. Deshalb erschüttert uns diese aktuelle Situation wahrscheinlich auch so sehr, weil wir beide immer dachten: „Uns passiert sowas nicht.“

Meine Frau ist durch ihre Selbstständigkeit und den ganzen Druck offenbar in einen Zustand geraten, in dem sie sich selbst kaum noch spürt. Sie beschreibt oft einen Überlebensmodus, emotionale Erschöpfung und das Gefühl, gar nicht mehr zu wissen, wer sie eigentlich ist. Nähe fühlt sich für sie momentan oft schnell wie zusätzlicher Druck oder Vereinnahmung an, obwohl sie gleichzeitig sagt, dass sie unsere Beziehung nicht verlieren möchte.

(Wir haben es so geregelt, das ich den kompletten Haushalt und die Kinder übernehme.Das liegt aber auch daran, das es mir leichter fällt, strukturiert zu arbeiten und das für uns Sinn ergibt. Im speziellen bedeutet das, das ich in meinem Beruf nur bis zum frühen Nachmittag arbeite und dann zu Hause übernehme. Sie kocht dafür Abends.Sie arbeitet meist von zu Hause aus, ist aber auch mal an Wochenenden geschäftlich unterwegs und ich bleibe mit den Kindern zu Hause. Wir versuchen es so oft es geht ,Geschäftliches und Familie zu verbinden und sind dann auch 2-3 x im Jahr, halb Urlaub/Halb Business gemeinsam unterwegs.)

Bei mir löst ihr Rückzug starke Verlustängste aus. Ich spüre ihre Anspannung oder Distanz oft sehr früh und gerate dann innerlich in Alarm. Das führt leider dazu, dass ich Nähe suche, reden möchte oder Sicherheit brauche ,was sie wiederum noch mehr unter Druck setzt.

Ich merke inzwischen selbst, dass meine Verlustangst wahrscheinlich ein wichtiger Punkt ist, an dem ich arbeiten muss. Denn eigentlich gibt es objektiv betrachtet viele Zeichen dafür, dass wir uns noch lieben und unsere Beziehung nicht einfach aufgeben wollen. Trotzdem reagiert mein Nervensystem oft so, als würde ich alles verlieren.

Der Gedanke, dass man sich nicht permanent gegenseitig beweisen muss, dass noch Liebe da ist, hat mich sehr getroffen. Ich glaube, genau das passiert bei uns gerade oft unbewusst und setzt meine Frau zusätzlich unter Druck, obwohl sie emotional ohnehin schon kaum Kraft hat.

Auch der Satz, dass Nähe nicht zwingend bedeutet, ständig im gleichen Raum zu sein oder alles gemeinsam machen zu müssen, beschäftigt mich gerade sehr. Vielleicht haben wir unbewusst begonnen, Nähe zu stark an ständige emotionale oder körperliche Verfügbarkeit zu koppeln.

Im Moment versuchen wir deshalb eher:

- weniger Grundsatzdiskussionen zu führen,

- Druck rauszunehmen,

- kleine schöne Momente wieder zuzulassen,

- und gleichzeitig unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen besser wahrzunehmen.

Es fühlt sich trotzdem oft noch wie eine große Erschütterung an und ich merke, wie schwer mir das emotional fällt. Aber ich glaube langsam, dass unsere größte Herausforderung gerade nicht mangelnde Liebe ist, sondern dass wir lernen müssen, mit Stress, Überforderung, ADHS-Dynamiken und Verlustängsten anders umzugehen.

Liebe Grüße

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Checkt euch mal nach autismus durch. HSP ist einfach nur hübsch für autismusbedingte Reizüberflutung.

Es gibt ja parallel pkay nenntman auch bei autisten. einfach in einem raum gemeinsam sein. ohne dasselbe zu tun. ich und freund haben separate raeume und fragen vorher ob es ok ist gerade in dem raum des anderen zu sein. und nehmen es nicht als beleidigung auf wenn der parrner gerade keine kraft etc hat.

Abendd schauen wir meistens gemeinssm fern muss aber nicht

Vielleicht arbeiwst du besser am Detailerlennen.

Weil was wohl deine Ängste auslöst scheint ein „Störgefühl“ zu sein. Ich nenne sowas Störgefühl, weil ich ob bei meinem Tier im Sterbeörozess, aber auch bei meiner Freundin in der Kriese, meiner Tante quasi auch im Krebsbehandlungsstatus und vielen ähnlichen Situationen nicht genau weiß was ich wahrnehme. Meist merke ich Angst, Verzweiflung, Panik, absolute Hilflosigkeit etc. und weiß aber nicht warum ich das beum Gegenüber wahrnehme (scheinbar auf den ersten Blick alles ok) aber meist kommt später raus, daß eher wenig ok war und mich diese Wahrnehmungen die ich nicht genau zuordnen, spüren doch nicht belegen kann/ konnte und alle meinen das wäre „quatsch/ich rede mir da was ein/ich bilde mir da etwas ein“ das genau das diese Ängste und Panikattcken auslöst.

Vielleicht bist du unterbewusst genauso feinfühlig und das sind dann bei dir nicht kontrollierbare Attacken und Anfälle, die dich überreagieren lassen. Hatte ich dohl schon in der Kundheit und kann sowas erst heute rekonstruieren bzw. verstehen und dann braucht msn auch einiges an Zeit für sicj damit umgehen zu lernen, vielleicht auch länger um damit umgehen zu können und vielleicht nimmst du Gefühle deiner Frau wahr, die das auslösen weil du es merkst aber sie ggf es selbst dann noch nicht so empfindet oder erst mit sich selbst verarbeiten/ zurechtkommen muß und wenn du bei ihr viel Alarm schlägst noch mehr Chaos und ganz schlimmes Gefühlsoverflooting auslöst

kann sein wenn du verstehst was du wahrnimmst und damit umgehen lernst es insgesamt besser bei dir wird