Investment Banking mit AuDHS

Hallo zusammen,

ich wurde kürzlich mit ADHS diagnostiziert und bekomme derzeit Ritalin Retard verschrieben. Dadurch konnte ich das Kopfkino und das innere Rauschen deutlich reduzieren. Echter Fokus entsteht dadurch zwar nicht, aber es senkt die Hürde, überhaupt anzufangen, und liefert so etwas wie psychische Energie, allerdings ohne die kognitive Schärfe, die ich mir erhofft hatte.

Kurz zu meiner Situation:

Ich bin bzw. war Student und starte demnächst als Investment Banker mit Arbeitszeiten von 9 bis 1 Uhr nachts. Meine Probleme decken sich mit den klassischen ADHS-Symptomen: mangelnde Konzentration, Kopfkino, überlastetes Arbeitsgedächtnis, Motivationstiefs, exekutive Dysfunktion, RSD und die Unfähigkeit, Dinge ohne externen Druck (wenn überhaupt) zu Ende zu bringen. Der neue Job mit seinen harten Deadlines und starren Hierarchien wird mein ADHS in den ersten Wochen vermutlich unter Kontrolle halten. Erfahrungsgemäß verliere ich jedoch den Antrieb, sobald ich mich an das Umfeld gewöhnt habe, so war es am Ende aller bisherigen Praktika und Werkstudentenstellen.

Zur Pharmakologie und meinem Erklärungsversuch:

Die Wirkung des Methylphenidats ist für den Job vorerst ausreichend. Durch die neue Umgebung werde ich vermutlich genug extrinsische Dopaminausschüttung erhalten; das MPH reguliert entsprechend noradrenerg und setzt Leistungspotenzial frei.

Ich denke wie folgt. Das eigentliche Problem liegt in einer zu geringen basalen Dopaminfreisetzung im ventralen Tegmentum, wodurch nicht ausreichend mesolimbisches Dopamin bereitgestellt wird. Ein reiner DAT-Wiederaufnahmehemmer wie MPH erhöht zwar die synaptische Dopaminkonzentration, aber wenn die präsynaptische Freisetzung ohnehin niedrig ist, reicht die resultierende Konzentration möglicherweise nicht aus, um die Rezeptoren ausreichend zu stimulieren und Fokus sowie Motivation zu induzieren. Ich verspüte ohne MPH keine Befriedigung an Essen, was auch ein guter Indikator ist. Somit würde eine weitere Dosissteigerung primär das sympathische Nervensystem aktivieren und damit vor allem noradrenerge Effekte verstärken, also Wachheit, Anspannung und Herzfrequenz, ohne den mesolimbischen Dopaminmangel zu beheben. Bei einer Dosis, die theoretisch ausreichend Dopaminwirkung erzeugen würde, wären die kardiovaskulären Risiken langfristig nicht vertretbar.

Dopaminerge Verhaltensmuster zeige ich auf Ritalin nach wie vor, wenn auch abgeschwächt: regelmäßiges Handy-Checking, Snus etc. Einen ausgeprägten Rebound erlebe ich nicht; die Retardformulierung hält den Sympathikus offenbar ausreichend aktiv, sodass ich bis spät abends keine Erschöpfung verspüre.

Was spricht dagegen? Es gibt zur Zeit viele ADHSler die simultan auf GLP 1 sind, die müssten dann zumindest ähnliche Wirksamkeiten aufzeigen, finde dazu aber nicht so viel online. Die Mehrheit (auf Adderall), hat keine Wechselwirkungen.

Im Selbstversuch habe ich bereits verschiedene Dosierungen getestet: morgens 10 bis 40 mg, abends 10 bis 40 mg.

Das eigentliche Dilemma:

Mit diesem Profil wäre ein Wechsel auf amphetaminbasierte Präparate wie Lisdexamfetamin naheliegend, da diese nicht nur die Wiederaufnahme hemmen, sondern auch aktiv die präsynaptische Dopaminausschüttung erhöhen. Aber ich kenne mich ja ne: Ich werde abhängig. Schon bei der Eindosierung von Ritalin merke ich, wie sehr ich diesen Fokus herbeiehne, das Verlangen, endlich normal zu funktionieren. In stressigen Situationen würde ich Lisdex mit hoher Wahrscheinlichkeit missbräuchlich einsetzen: schnell noch etwas fertigstellen, ein stressiges Wochenende überbrücken usw..

Ich hab auch ein sehr auseprägtes Suchtverhalten. In jeden Lebensabschnitten, zwar nie als roter Faden und gott sei Dank nie dauerhaft, aber schon da.

Meine Fragen:

Kennt jemand dieses Mismatch aus zu wenig Dopamin und überwiegend noradrenerger Wirkung? Hat sich etwas als hilfreich erwiesen? Wurde das irgendwann besser?

Mein Neuro hat erst wieder Mitte August Zeit für mich, bin erstmal auf mich alleine gestellt.

Danke Euch.

Dann brauchst du eine dritte Person (Angehörige, Freund/in), die dir das Medikament täglich zuteilt.

Vielleicht gibt es auch Automaten dafür? Wichtig ist dann, dass jemand anders den Code dafür hat, die Sperre aufzuheben.

Es könnte sein, das du ab einem Punkt überdosiert bist und dass dann unangenehm für dich wird und du automatisch nicht höher gehen möchtest.

Aber du hast recht, wenn du so starke Suchttendenzen hast, ist mehr als Vorsicht geboten .

Ich finde die Vorschläge von @Falschparker gut.

PS… ich hatte gedacht , das wird ein Thread wo es speziell um Investment Banking für Menschen mit AuDHS geht. :sweat_smile:

Was hältst du davon deinen Titel in Investment Banker mit AuDHS umzuwandeln?

Wie lange nimmst du denn schon Methylfinidat?

Grundsätzlich ist es ja eine Frage der eigenen Disziplin aber auch sich anderer Tatsachen selbst bewußt machen wie das meist anfangs eine Art gier der Steigerung ausgelöst werden kNn, wdil man plötzlich meint damit ginge es noch optimaler, das weniger zumindest bei mir mehr ist, da gerade ein zu viel zum Prokrastinieren und Zeit absitzen verleitet, zu viel gerade bei Elvanse und dem Steady-state dann emotional oder psychisch das sehr böse quitieren kann und dann nicht übermorgen alles wieder gut sein muß und bekommt der Arzt sowas mit gerade im größerem Ausmaß, das er sobald er ein Gefühl von Sucht, Übermaß, selbstzerstöeriches Verhalten und vieles mehr oder übermäßige Verordnungen feststellt dir den Stecker zieht, und auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Stimulanzien mehr verordnen wird und auch nicht darf, da er dafür immer die Verantwortung. Je nach Arzt kann das dann für Jahre sein und andere sind für Patienten die überkonsomieren und sich nicht an die Einnahmevorgabe halten ihnen zu ihrem Schutz nie wieder irgendwelche BTM Medikamente verschreiben wird. Denn würde er wegschauen und es wäre irgendwas passiert weshalb der verordnende Arzt für BTM Verordnungen zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Formulare werden bei der Bundesdruckerei mit fortlaufenden Nummern versehen und diese Nummern werden entsprechend mit ihrer Nummer und der Stückzahl in ein Register mit der bestellenden Praxis vermerkt. Ärzte bekommen für verdruckte Verordnungen neue Formulare plus die bestellten.

Und bei begründeter Sorge vor Missbrauch denke wird dein Arzt dir Elvanse wahrscheinlich nicht verordnen oder nur ganz kleine Mengen mit strickter Kontrolle. Vielleicht ist eine sehr strikte Kontrolle auch eine Hilfestellung, denn sind z.B. 30 Kapsel nach 9 Tagen weg wären dann quasi 21 Tage ohne wenn ihr vereinbart das er kontrollieren soll…

Das ggf. durch den Kopf gehen lassen auch was du denkst wie du vom Missbrauch abzuhalten sein könntest - kann den Arzt auch erleichtern eine gute Unterstützungsmöglichkeit zu wählen

Ja, leider habe ich keine Familie hier in der Stadt und ebenso keine Beziehung. Wird sich vermutlich bei den Arbeitszeiten auch nicht ändern.

Die Überdosierung kann ich soweit auschließen, da ich ja bereits mit 10 mg Retard angefangen habe, ich habe aber im Selbstexperiment dann immer weiter dosiert und so ziemlich alle Kombinationen ausprobiert.

Zum Titel. Ja da hast du Recht. Ich wollte eigentlich auch noch mehr auf den Job eingehen. Fand meinen Post aber dann viel zu lang und habe den Titel nicht geändert. Wollte mich aber erst auf das wensetliche Problem konzentrieren.

Kann aber auch sein, dass das unrealistische Erwartungen an „Lisdex“ sind. Für mich klingt es etwas mehr nach dem Film Limitless als nach Realität. Wenn ein Feldversuch das entzaubert, ist die Verführung, mehr desselben zu nehmen, vielleicht nicht mehr so groß.

Hängt vermutlich auch davon ab, welcher Anteil zwischen 9 und 1 reale Leistungsfähigkeit erfordert und was davon Hype und Anwesenheitskultur ist. Vermutlich sorgt das „one of the boys“ Leben ohnehin für Rausch eigener Art, für lange Zeit.