Ist das Hyperfokus?

Hey zusammen,

ich habe jetzt hier und da was im Forum zum Hyperfokus gelesen und wollte mal fragen, ob folgende Situationen in diese Kategorie fallen würden. Ich habe nämlich öfter mal Zustände, aus denen ich mich selbst kaum bis gar nicht lösen kann, weil sie regelrecht meine Aufmerksamkeit verschlingen und ein positives Gefühl erzeugen.

Darunter fällt zum Beispiel, dass ich stundenlang Musik hören kann, aber kaum was Anderes tun kann. Oder, dass ich mich ewig mit einem Thema befasse, hier jetzt natürlich (nicht zufälligerweise) mit ADHS. Das gab’s aber auch schon mit vielen anderen Themen. Währenddessen schaffe ich es kaum mich mit was Anderem zu beschäftigen, muss unentwegt dran denken, darüber lesen/recherchieren oder mit jemandem darüber reden. Es dauert meist eine ganze Weile und etwas Willenskraft davon wieder loszukommen, meist einige Tage oder sogar Wochen.

Im Nachhinein fühlt es sich dann aber meist nicht so toll an, weil ich in der Zeit nichts anderes wirklich schaffe und gefühlt keine wirkliche Kontrolle darüber habe. Wenn ich aus diesem Zustand dann wieder raus bin, wundert es mich meist ein bisschen, dass ich so viel Aufmerksamkeit darauf gerichtet habe. Also ich kann den Zustand dann nachträglich nur schwer nachvollziehen.

Kennt das denn noch jemand in der Weise?

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Jau, das beschreibt es ganz gut.

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Jap. Das isses.

Richtig merkwürdig wird es, wenn du ab einem gewissen Zeitpunkt bei so gut wie jedem Gesprächsthema einfach viel tiefer in der Materie bist, als es dein Gegenüber ist. Dann fühlt man sich regelrecht als Klugscheisser und Angeber. Dabei waren es einfach nur etliche Stunden des Hyperfokus…

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Ja, das was du beschreibst nennt sich Hyperfokus.

Jedoch ist es bei mir so, dass ich sehr viel Spaß an der Betätigung habe- und auch im Nachhinein zufrieden bin, Informationen gesammelt zu haben/neues gelernt zu haben/das Thema vollständig abgehackt zu haben.

Problematisch wird es dann, wenn sich dein Hyperfokus auf mehrere Aktivitäten legt und demnach überschneidet… dann wechselst du akribisch zwischen diesen Themen, welche grade total im Visier stehen- was trotz der Faszination und des Eifers ganz schön an den Nerven zerren kann.

Und am besten ist es, wenn du PARALLEL zu diesem überschneidenden Fokus noch neue Projekte anfängst, an welchen du AUCH noch arbeiten musst, was sich dann wiederum überschneidet und zu einer totalen Zettelei führt! - meine gesamte Wand ich voller Klebezettel, überall geplante und angefangene Projekte, dann Zeug was total im Fokus liegt, Haufen Bücher welche ich alle gleichzeitig lese, darunter eines meiner absoluten Spezialinteresse was mich früher schon sehr interessiert hat, aber mittlerweile mein komplettes Leben einnimmt.

Freunde, ich merke grade selber, es eskaliert gewaltig. Entschuldigt mich, dass ich jetzt so ausgeschweift bin- aber es ist katastrophal, ich befinde mich grade bei meiner Oma und habe mich davon abhalten können meine 2 Medizin-Infohefter, Skizzenbuch, Krimi-buch und Physikbuch mitzunehmen!

Stresst euch euer eigener Antrieb auch so unglaublich- hat jemand eine Idee wie man sich regulieren kann? - bitte keine Listen oder Zettel, davon habe ich genug …

Mich hat es irgendwann ziemlich ernüchtert, dass ich vieles aber nichts richtig kann.
Dann habe ich mir gesagt, dass ich die Anzahl meiner Projekte auf ein Minimum halte und noch weiter reduziere, wenn ich merke, dass Projekt A wegen Projekt B leidet.

Beispiel: ich würde gerne wieder Französisch lernen, es zzt aber einfach nur unrealistisch…Ich schiebe es auf den Sommer.

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Oh, das ist bei mir gar nicht das Problem.
Wenn ich etwas lerne, dann sehr schnell und ausführlich- bin da manchmal etwas zu perfektionistisch, Problem : mir wird zu schnell langweilig/ ich fasziniere mich zu schnell für andere Dinge- dann artet es gewaltig aus

Ich möchte dann alles gleichzeitig machen und schaffe es einfach nicht eins nach dem anderen abzuarbeiten… katastrophal wirklich

Noch ein kleines Update- da ich durch meinen Beitrag selbst reflektieren konnte und das Problem besser erkannt habe :
Habe nun aus der Panik heraus -da die Klebezettel nicht mehr reichen- einen Digitalen Plan in meinen Notizen erstellt, unterteilt in Haupt-Projekte, Neben-Projekte, Eingeschobene-Projekte ← diese darf ich jedoch erst bei maximal 3 Haupt-Projekten mit anfügen und bearbeiten.

Dann habe ich erstmal das Problem mit dem Springen gelöst- sofern ich mich daran halte… trotz dessen laufen hier noch ein paar Dinge parallel, was aber machbar sein sollte- so als Abwechslung.

Sollte jemand grade in einer ähnlichen Situation stecken- ich kann diesen Plan natürlich gerne veröffentlichen, dann kann sich der ein oder andere an der Aufteilung/dem System orientieren um seine Projekte besser und gezielter abzuarbeiten! :face_with_spiral_eyes:

Das „Problem“ habe ich auf der Arbeit…
Fühle mich irgendwie erst bei 3 bis 4 gleichzeitig laufenden Projekten wohl, da ich, wenn ich bei Projekt A nicht weiterkomme, mit Projekt B weitermache, mit Projekt C weitermache mit Projekt D weitermache…
Hat zur Folge dass ich einen knapp 2 Stelligen Projektstapel in unterschiedlichen Stadien auf dem Tisch habe.
Die reichen bspw. von „Warten auf Informationen“ über „Anpassen auf X“ bis zu "Kurz vor Abschluss, letzte Details überarbeiten.
Natürlich können da dann immer wieder noch Kollegen zwischen schießen weil sie etwas „ach so dringendes“ haben. Ist zwar manchmal ganz nett aber im Regelfall eher nervig da die anrufe immer (wirklich IMMER) genau dann kommen wenn ich grade in einem anderen Projekt vertieft bin wo mich jede noch so kleine Störung gefühlt um Lichtjahre zurück wirft.
Sollte mir wohl echt abgewöhnen ans Telefon zu gehen :sweat_smile:

Ach ja, eine ähnliche Variation gibt`s natürlich im Privatleben.
Nur dass ich mich da regelmäßig unkontrolliert verzettle wenn ich mehrere Sachen gleichzeitig mache wohingegen ich auf der Arbeit meist noch irgendwie den überblick behalten kann. Keine Ahnung weshalb oder warum :thinking:
Auch wenn es mal prinzipiell interessant wäre.

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Ich denke mal, dass das an dem Setting liegt, in welchem die „Arbeit“ personifizierterweise neben dir steht und dir in regelmäßigen Abständen „Konzentrier dich!“ und „Reiß dich zusammen!“ zuraunt.
„Zuhause“ hingegen vermittelt idR eher „Sei du selbst.“, „Lass mal locker.“, „Es kontrolliert dich ja keiner.“

So zumindest meine Erfahrungen …darum verzweifelt meine Frau auch täglich aufs Neue, weil sich mein Hirn leider ständig einen unproduktiven und im schlimmsten Fall chaosproduzierenden Hyperfokus aussucht; um mal wieder zum Thema zurück zu kommen. :sweat_smile:

So sitze ich jetzt z.B. nachts um 3 hier am PC, habe mich an einem ADHS-Forum angemeldet, ca. 10+ offene Tabs, die ich alle noch lesen will und kommentiere fröhlich vor mich hin, obwohl ich eigentlich was bzgl Studium tun und mich nur kurz in diesem Rahmen hinsichtlich ADHS, GdB, Nachteilsausgleich und Psychoterapie informieren wollte. Das war vor 2h. Von schlafen gehen wollen wir da mal noch gar nicht reden. :face_exhaling:

Wenn das nicht ein Paradebeispiel für - leider unerwünschten - Hyperfokus ist…
…und dann sag mir noch einer, dass das doch eine Gabe / ein Segen sei. :roll_eyes:

Nun gut…Schluss jetzt!@me :wave:

Moin @Topfhörer

Ich betrachte mein ADHS in der Tat nicht nur als Fluch.

Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich ohne ADHS vermutlich nicht so gut in meinem Job wäre.

Einfach weil ich dadurch besser außerhalb der „normalen Bahnen“ Lösungen für die spezifischen Probleme finde und diese entsprechend umsetzen kann :wink:

Bzgl deiner Theorie bei mir was Ordnung bei der Arbeit und Chaos im privaten angeht möchte ich dir widersprechen.

Ich arbeite Beruflich nahezu 100% mit Excel und riesigen, hochgradig komplexen Formeln.
Da fällt es mir deutlich leichter Struktur zu erzeugen und beizubehalten, einfach weil sonst auch nix funktionieren würde.

Im privaten kann ich es halt nicht so umsetzen…
Evtl weil ich mich bei den Formeln sicherer und strukturierter fühle? Keine Ahnung…
Ist glaube ich für solche Gedanken noch etwas früh.

Au ja! Excel ist aber auch herrlich beruhigend, meiner Ansicht nach. Und wenn so ein Formelmonster dann auch noch aufgeht, ist auch für ein wenig Dopamin gesorgt. :heart_eyes:

Gut, an diesen Aspekt hatte ich nicht gedacht. Bin Mal wieder zu sehr von mir aus gegangen. :sweat_smile:
Ginge mir wahrscheinlich auch so. Allerdings hindert mich mein ADHS mit seinen Comorbiditäten bisher daran, einen entsprechenden Abschluss zu machen, mit dem ich einen passenden Job bekommen könnte. :pensive:

Sorry wenn das jetzt arrogant rüber kommt…

Ich betrachte es als teil meiner Berufsauffassung dass ich (nahezu) Fehlerfrei arbeite.
Dass dann ein Konstrukt mit 40/50 facher Verschachtelung mit mehreren tausend Formeln die ineinander übergreifen funktioniert ist mein Anspruch an mich selbst.
Klar, Fehler können immer wieder auftreten. Vor allem wenn es hochkomplex wird. Dafür gibt es vor meiner Freigabe die Beta-Phase :wink:

Dopamin verspüre ich ehrlich gesagt keins dabei…

Stichwort Quereinsteiger.

So bin ich auch an meinen Job gekommen.

Die Anzahl der Personen die liebend gerne den ganzen Tag mit Excel spielen und bei hochkomplexen Dingen die Übersicht behalten ohne Verrückt(er) zu werden ist jetzt nicht sooo groß :rofl:

Natürlich lautet der Leitsatz fehlerfreies Arbeiten und am Besten schön komplex (sonst isses ja langweilig :wink: ). Das sehe ich genauso und empfinde das somit absolut nicht als arrogant.
Quereinsteigen ist schwierig, wie ich finde, wenn man lediglich ein Fachabi und 12 Jahre Studium vorweisen kann :see_no_evil:

Mein persönlicher Wunsch ist, irgendwas mit CAD zu machen. Qualitätsprüfung wäre auch denkbar. Irgendwas halt, bei dem es nicht „schlimm“ ist, wenn man extragenau ist und dadurch eben etwas länger braucht. Nur leider ist da offenbar immer studieren notwendig.
Aber nüchtern betrachtet bin ich eigentlich recht flexibel mit meinen Wünschen - wer hätte es gedacht. :sweat_smile:
Hauptsache ist, dass es möglichst nicht langweilig wird, seinen Teil zur Absicherung meiner Familie beiträgt und ich mich nicht kaputtarbeite - also einerseits Zeit für besagte Familie übrig ist und und man mich andererseits nicht nach 10 Jahren oder so wegschmeißen kann.
…klingt irgendwie vermessen. :face_with_peeking_eye:

Mir langt schon die Vorstellung, um verrückt zu werden. :crazy_face: (umso größer mein Respekt vor Leuten die sowas können)

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Ja, das kenne ich zu gut. Entweder sind es Themen, manchmal auch Nachrichten, die mich den ganzen Tag oder auch manchmal mehr, nicht in Ruhe lassen oder wie im Moment bei mir wieder das Geschichten schreiben. ich sehe zbs einen Film oder eine Serie und diese inspiriert mich. Einmal angefangen in die Tasten bzw in diese Geschichte zu hauen, ein ich völlig drin und vergesse die Zeit. Aber nicht nur das. Ich möchte kaum mehr aufhören und das führt auch bei mir dazu, dass ich andere Dinge total vernachlässige oder mich seehehr überwinden muss, diese noch zu erledigen. Zum Glück sind es aber meist nur Phasen und danach läuft alles wieder oder ich habe Pech und mich inspiriert wieder etwas anderes. Serie anzufangen, sind bei mir auch mittlerweile sehr gefährlich. Erst letztens habe ich mich wieder in einer verhangen und diese hat schlaflose Nächte gekostet. Mich selbst stört es nicht. Wenn es nach mir ginge, dann ist das alles schon okay so aber, dass Problem ist halt, dass man Verpflichtungen hat. Früh aufstehen muss, Kinder versorgen, der Partner auch gern Zeit mit einem verbringen möchte und die Serie dann nicht so feiert :D. Aber beim letzten Mal hat er verstanden, dass ich es jetzt durchziehen muss, weil ich ansonsten nicht zur Ruhe komme. Er hat mich darin dann sogar unterstützt und die letzte, neuste Staffel sogar auf englisch für mich besorgt aber da war für mich dann auch schon Ende. Ich wollte nicht mehr und wenn dann auf deutsch haha. Ich bin so froh, dass diese Hyperfokus vorbei ist und nehme nun erstmal Abstand von Serien. Und das Geschichten schreiben versuche ich mir einzuteilen und reduziere es auf ein Kapitel am Tag.

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