Junge fast 11 ADHS Schübe?

Huhu.

Ich möchte gerne mal eure Meinung/ Erfahrungen lesen.

Mein Sohn wird bald 11 u ist momentan gut mit 20 mg Equasym eingestellt, eine morgendliche Einnahme.

Seine schulischen Leistungen sind zwischen befriedigend - sehr gut, je nachdem wie sehr ihn das Fach interessiert.

Unser Problem war eig schon immer die Impulsivität und seine Wut- und Trauerausbrüche vorallem in größeren Gruppen.

In letzter Zeit vor den Ferien hatte er sich gut im Griff. Er wird zwar häufiger gemobbt, weil er einfach sehr sensibel ist und sich auch gerne in alles verwickeln lässt, aber selbst hat er keine körperlichen Auseinandersetzungen mehr gestartet.

Er hat sehr hart an sich gearbeitet die letzten 6 Monate und Kritik häufig gut angenommen und umgesetzt.

Jetzt seit 2 Tagen ist er wirklich schlimm drauf! So laut, grob motorisch und aggressiv, ich musste eben sogar ein Spielbesuch beenden.

Erst dachte ich, es könnte ja Pubertät sein, aber ich muss immer wieder daran denken, das wir häufig so 3-4 Tage hatten, an dennen die Symptome so im Vordergrund waren. Häufig ging es einfach von alleine bzw wir mussten sehr ruhig und liebevoll mit ihm sein (das ist echt hart manchmal, wenn du den halben Tag Puls hast wg deinem Kind).

Ist das möglich, das Kinder richtige Schübe mit ihrem ADHS haben?

Ich habe mit hm schon geredet, das wir zu solchen Zeiten Kontakte meiden u auch zu keinem Sporttunier fahren, da es da in der Vergangenheit immer so war, das man schon immer prophezeien konnte, wann es knallt und es auch IMMER so war.

(Er weint bei geringstem Anlass hysterisch vor allen anderen u wird dann entweder geärgert u wird dann handgreiflich oder er wird getröstet u reagiert genauso, weil er die Ansprache o Berührungen nicht haben kann. Wie gesagt,nur in größeren Gruppen, 1 zu 1 ist er nicht so, im Gegenteil. )

Mein Mann allerdings meint, das ist eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ da ich ihn dann auch zu sehr kontrollieren und einengen würde. Ich bin nämlich seit kurzem selbst diagnostiziert u sicher auch mal genauso ätzend, aus der Sicht meines Kindes…

Lasst mal bitte euren Gedanken freien Lauf!
Und Danke fürs Lesen musste mal gerade raus :frowning:

Grüße

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Gut, dass du das einfach mal rauslässt und so wie ich das wahrnehme, spürst ziemlich genau, was mit deinem Kind ist und wie du ihn schützen und zur rechten Zeit fördern kannst.
Und er scheint ja für seine 11 Jahre schon bemerkenswert reif und selbstreflektiert zu sein. Was du über ihn schreibst, spüre ich förmlich. Egal ob mit 11, oder jetzt mit 47 bringen mich manche Situationen zumindest innerlich an meine Grenzen. Und ich wünsch mir noch heute, dass jemand kommt, um mich aus der Situation zu holen. Passiert natürlich nicht und ich habe Strategien, es nicht so sehr zu zeigen, aber deine Herangehensweise wird deinem Sohn langfristig sicher einiges erleichtern, wenn er spürt, dass seine Bedürfnisse gesehen und ernstgenommen werden. Und ganz sicher findet ihr noch Strategien, wie er sich auch selbst regulieren kann.

Natürlich kann ich mir vorstellen, dass sich das wie Schübe anfüllen kann. Die Anforderungen an uns wechseln, die Bedingungen ändern sich, die Hormone und manchmal kommt auch noch Hunger dazu. Der einzige Unterschied zu Krankheiten, die wirklich schubbedingt auftreten ist, dass die Symptome nie ganz weg sind, sondern einfach weniger Leidensdruck entsteht, wenn der Rahmen gerade passt.

Was dein Mann sagt ist aus seiner Sicht richtig, aber ich glaube fest daran, dass man intuitiv spürt, was gerade zu tun und zu lassen ist. Es ergibt doch keinen Sinn, gegen dieses Bauchgefühl zu handeln, nur um zu beweisen, dass das wirklich eine Überforderungssituation ist. Ich führe ähnliche Auseinandersetzungen, aber „nur“ als Stiefmutter. Meiner Ansicht nach kann man viel Druck rausnehmen, damit die Situationen gar nicht eskalieren müssen. Der Vater sagt, der Junge muss es ja lernen, trotzdem regelmäßig beim Training und zu Turnieren zu erscheinen usw. Ich hingegen sage, lass ihm heute Zeit und Ruhe für sich, er wird sonst in die Überforderung kommen und dann das Gefühl haben, gescheitert zu sein.

Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen: wir ziehen da nicht an einem Strang und ich ziehe mich zurück, weil ich es selbst als übergriffig empfinde, mich in die Erziehung einzumischen. Und er hat ja in gewisser Weise recht: gesellschaftlich genormt ist: du musst funktionieren, egal wie und wenn du nicht zuverlässig bist, bist du nicht im Team. Das ist auch doof. Mir wäre nur lieber, die Gesellschaft würde sich ändern und nicht alle sich an das System anpassen müssen, aber was weiß ich schon …

Übrigens habe ich aber auch bei meiner eigenen Tochter, ohne ADHS, darauf geachtet, dass ich sie in Überforderungssituationen schütze und ihr Raum für „begleiteten“ Rückzug gebe. Sie ist jetzt 19 und soweit ich es beurteilen kann, war es gut so. Man muss doch nicht in der 8. Klasse schon seinen ersten burn out bekommen, weil einem die Anforderungen plötzlich über den Kopf wachsen. Dann lieber kurz innehalten, Prioritäten ausrichten, Kraft tanken und dann weitermachen.

Es kostet Euch bestimmt sehr viel Kraft insgesamt und ich hoffe von Herzen, dass Ihr genug Kraftquellen habt :green_heart:

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Danke das du dir Zeit für uns genommen hast!
Ich habe mich sehr über deinen Text gefreut.

Das ist aufjedenfall ein interessanter Gedanke, das ADHS nicht stärker wird an sich, sondern die Rahmenbedingungen es eher in den Vordergrund schieben.

Mein Mann hat eine ganz ähnliche Einstellung, wie deiner, zum Sport.

Aber das finde ich das schwierige, wann wird ADHS vom Junior vorgeschoben (ich kann nicht, weil will nicht ;-)) u man muss ihn nach vorne puschen u wann braucht er Ruhe und Verständnis.

Hm :thinking: ich glaube man muss aufpassen das man sein Kind nicht überbehüten will weil es vielleicht in gewissen Bereichen seine Probleme hat, sondern das man ihm die Möglichkeit gibt Probleme selbst zu erfahren und dann daraus zu lernen.

Natürlich ist man durch eigene vielleicht negative Erfahrungen geprägt, was einen dann Hypersensibel werden lässt, und das eigene Kind möchte man dann natürlich davor schützen das es womöglich ähnliche negative Erfahrungen sammelt.

Andererseits sind ja auch oft gerade die sensiblen Kinder trotzdem fast sogar darauf angewiesen das sie bestimmte Erfahrungen sammeln müssen um daraus etwas für sich lernen zu können.

So wie ich z.B. nicht glauben wollte das die Herdplatte heiss ist, ich musste erst drauf langen bis ich es geglaubt habe. :joy:

Aber ja, ich verstehe Deine Gedanken @Moospettich , wie gelingt es einem sein Kind weder überzubehüten, noch das man ihm womöglich nicht hilft wenn es dann wirklich Hilfe bei der Lösung von Problemen braucht?.

Ich glaube das beste ist zu versuchen eine gesunde Vertrauensbasis aufzubauen, und zu akzeptieren das Leben bedeutet das nichts statisch bleibt, sondern ständige Veränderung bedeutet, und das kein Tag wie der andere ist, deshalb ist Offenheit und Gespräche führen auch so extrem wichtig. :heart:

Verstehe ich es richtig, dass jetzt in den Ferien schlechter läuft?

Ich kenne das von meinem Sohn, dass die erste Ferienwoche anstrengend ist. Die Struktur fällt weg, man lässt sich fallen und alles kommt raus.

Huhu, wir haben hier schon 3 Wochen Ferien u eigentlich war er mega entspannt, seit gestern ist es so und auch sehr intensiv.

Er kann sich das auch nicht erklären, meint nur, ihm wäre, als hätte er keine Tablette genommen.

Das hatten wir immer mal wieder aus heiterem Himmel.
Manchmal ruft sogar der Lehrer an, Junior wäre so angespannt, ob zu Hause alles okay wäre.

Meistens habe ich mit so einem Anruf schon gerechnet, da es schon so kleine Indikatoren gibt.

Er ist eig immer total laut, lustig usw im positiven Sinne, aber wenn er in Gesellschaft richtig laut redet u alle übertönt u unterbricht und eher befehlsartig redet, dann weiß man, es geht los.

Absolut. Früher haben wir uns nichts angenommen,bis er so alt war, das man das ADHS nicht mehr abtun konnte: „ach er ist noch klein“ und jetzt bin ich immer präsent u bereit zu kämpfen.
Das ist auch dem geschuldet , das Mobbing auf den weiterführenden Schulen eine ganz andere Dimension hat.

Die Angst, nen normalen pubertären Tag, unnötig groß zu machen, wechselt sich ab mit der Angst, evtl mal was nicht mitzubekommen.

:see_no_evil:

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Das ist untypisch für ADHS. Kann trotzdem alleine davon kommen, die individuelle Bandbreite ist groß.

  • Wir hatten hier im Forum schon den Fall, dass eine Medikamentenpackung unwirksam war. Die davor und die nächste taten wieder - mehrfach gegengecheckt von Tag zu Tag, also klar nachgewiesen, nicht nur vermutet.
    Bei Euch unwahrscheinlich, weil sich das Spiel wiederholt, also mehr als Denkanstoß
  • Wenn Medis zu warm gelagert werden, können sie die Wirkung verlieren. Betrifft dann aber auch die ganze Restpackung…
  • Hormonschwankungen können dazwischenfunken / überlagern und den Dopaminabbau beeinflussen (Zyklus bei Frauen). Pubertätsschübe? Kaum für 3, 4 TAGe, oder?
  • Nahrungsmittel können Probleme machen. Besonders Koffein (Cola?), bei manchen Zucker oder individuelle Unverträglichkeiten. Eine Unverträglichkeit würde auch zu den 3-4 Tagen passen.
  • Stoffwechselveränderungen können Einfluss haben
  • Andere Medikamente können den Medikamentenabbau verändern

Hier findest du mehr:

Hi. Danke das du dir Zeit genommen hast :slight_smile: das mit den Unverträglichkeiten werde ich mal beobachten, da er oft über Bauchschmerzen klagt!

Ansonsten fand ich das mit dem Zyklus sehr interessant, klar er ist ein Bub, aber ich bemerke gerade, das ich PMS habe u vielleicht bin ich sensibler u nicht er.

Wir hatten hier gerade eine entsprechende Situation, die eskaliert ist und da trage ich ganz klar die Hauptschuld dran.

Bei PMS und ADHS-Symptomen könntest du mal Histaminintoleranz anschauen.
Kenne die Wahrscheinlichkeit nicht, ist bei mir eher ne anekdotische Evidenz. Kann aber zusammenhängen.

Wie verträgst du die ADHS-Medis?

Ich nehme erst seit ca 2 Monaten Medikamente zZt Ritalin Adult 20-10-0 und habe seit 2 Woche das Gefühl, keine Wirkung mehr zu haben.

Ich bin aber auch komplett wieder in so eine depressiven Phase gerade reingerutscht.

Mein Sohn und ich besuchen die selbe therapeutische Praxis u nach den Ferien muss ich unbedingt hin und über meine Medikamente reden.

Im Moment habe ich so viele Fragen. Ich glaube ich stehe ganz am Anfang einer langen Reise.