Kein Job wegen Medikation

Hi.

Ich wollte mich mal hier erkundigen ob Jemand bereits ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder weiß wie ich mit dem Thema umgehen kann.

Kurz zu mir. Ich bin Paul, 36 Jahre alt, Elektroingenier. Als Kind wurde ADHS diagnostiziert und mit Ritalin behandelt. Vor der Puppertät abgesetzt.
Vor etwa einem halben Jahr das Thema wieder aufgegriffen und ich nehme jetzt Elvanse 30mg.
Habe aufgehört meine Fingernägel abzukauen, habe meine depressiven Phasen besser imm Griff, bessere Kommunikation, mehr Struktur, aufgehört zu Kiffen und zu rauchen, besserers Seltwertgefühl.

Nun zu meinem Thema
Ich habe eine Zusage für einen neuen Job als Ingeniuer im Außendienst zum 01.03.24, vorrausgesetzt die betriebsärztliche Untersuchung verläuft gut. Nun war ich bei einer Betzriebsärztin und wurde untersucht. Alles top, körperlich gesund. Auf die Frage hin ob ich regelmäßig Medikamente nehme bejahte ich dies und berichtete das ich jeden morgen eine Elvanse 30mg nehme. Die Ärztin hat mir daraufhin keine Freigabe für den Job gegeben. Sie meinte ich seie dann ja nicht in der Lage den Job auszuführen. Auch das die Medikation problematisch ist bzgl. Führerschein. Sie hat mir den Anschein gegeben ich sei ein Drogenjunkee. Ich habe sofort gemerkt das sie keine Ahnung über das Thema ADHS und die Behandlung hat. Mein Psychiater hat ein Schreiben aufgesetzt und Ihr geschickt. Das reicht ihr nicht aus und ist Ihr nicht aussagekräftig genug. Es bestehen Ihr noch zu viele Unklarheiten was mein Leistungsbild mit und ohne Medikation betrifft. Ende vom Lied ist das ich jetzt erstmal keinen Arbeitsvertrag bekomme. Entweder verzögert sich das ganze jetzt oder ist sogar komplett hinfällig. Ich bin auf jeden Fall sehr sauer weil der Job echt was für mich wäre und auf das große Interesse auf Gegenseitigkeit beruht.

Mein Psychiater hat gemeint es kann sogar sein das ich rechtliche Schritte gegen die Ärztin einleiten kann. Richtung Diskriminierung oder so. Hat Jemand vielleicht Tips oder eine ähnliche Situation erlebt?

Viele Grüße an alle.

Paule

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Ist befremdend, wie die Ärztin reagiert , man könnte meinen diese hätte noch nie was von AD(H)S gehört. Hoffentlich bekommst Du den Job trotzdem.
Im Forum kennen sie sich sicher besser aus als ich, aber rechtliche Schritte und an die korrekten Orte, könnten den Fall klären, oder auch ein Exempel statuieren, was aber fatal wäre.
Umgekehrt könnte man ja verlangen, wegen Gleichberechtigung, dass man als AD(H)Sler (ca. 7% der Bevölkerung) nicht benachteiligt wird.

@Paul123Konstantin sowas darf doch einfach nicht wahr sein?, ich kann es echt nicht fassen was Du da erzählst?, es kann doch nicht wahr sein das man wegen Adhs und Medikation zum Arbeitslosen gemacht wird?, und das sogar mit einer Top Ausbildung wie Du hast?, einfach unglaublich. :adxs_noooin:

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Ich denke, dagegen kann man rechtlich vorgehen. Das ist Diskriminierung, weil die Begründung einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Hast Du eine Rechtsschutzversicherung? Und beim Fahren geht es um den Außendienst, Führerscheinklasse 3, oder? Da gibt es nämlich keine Einschränkung der Fahrtauglichkeit wegen ADHS oder Elvanse

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Also ich würde kämpfen, auch wenn es dir selbst nichts mehr nützt (was du vorher natürlich nicht weißt).

Denn es gibt ja nun wirklich keinen Grund, jemand nicht als Elektroingenieur einzustellen wegen ADHS, und wegen der Autofahrten schon gar nicht. Eine Betriebsärztin kann nicht einfach nach persönlicher Vorstellung entscheiden.

Lass dich auf jeden Fall von einem guten Fachanwalt beraten, das Geld sollte es dir wert sein.

Bist du Mitglied in einer Gewerkschaft? Falls noch nicht ändere das bald.

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Hi und danke für deine Antwort!!! Ja es geht nur um Fahrte mit dem PKW. Also Führerscheinklasse 3.
Es wird ADHS’lern sogar empfohlen unter Medikation zu fahren. Ich selbst fühle mich dabei auch wesentlich sicherer. Eine rechtschutzversicherung habe ich leider nicht.,aber wenn ich mich dazu entschließe dagegen vor zu gehen wird mich das nicht aufhalten.

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Hi!

Das ist ein guter Tip. Ja ich bin in IGBCE. Und das auch schon länger.
Vielen Dank. An die werde ich mich direkt mal wenden.

Vielen Dank!

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Leider ist es tatsächlich so. Ich habe auch zwei sehr gute Arbeitszeugnisse vorzuweisen und bin körperlich fit. Umso mehr ich darüber nachdenke umso absurder kommt mir das ganze vor. Ich werde auf jeden Fall Beschwerde einreichen.

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Das kann schwierig werden. ADHS gilt nicht als Behinderung. Es sei denn, du kannst einen GdB nachweisen. Falls du dich schlecht oder falsch behandelt fühlst, kannst du dich wohl an die Bundesärztekammer bzw. die zuständige Landesärztekammer wenden. Du kannst auch den Befund anfechten. Dazu solltest du dir einen Anwalt/Rechtbeistand nehmen. Ggfs. können auch die zuständigen Gewerkschaften weiterhelfen. Fahrten mit dem Dienstauto dürften keine Rolle spielen, das wäre eher der Fall, falls du dich als Busfahrer oder Lokführer bewerben würdest.

Edit: Okay, @Falschparker war schneller.

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Was mir nun noch in den Sinn kommt: Könnest Du Dich nicht mit dem Typen der Dich einstellen wollte kurzschliessen. Mag auch ein Risiko sein, die Stelle nicht zu bekommen.
Schicke ihm das Video Hirschhausen und ADHS.
Zudem könntest Du der der Ärztin versprechen, bis die Sachen geklärt ist, aufs Medi zu verzichten. Falls das natürlich mögich ist, um den Job dann zu machen.

Es geht ja nur darum um die Anstellung zu bekommen und etwas Zeit zu gewinnen.

Gerade weil es NICHT als Behinderung gilt. Es gibt halt gewisse Medis, die man i.a. nimmt, sei es Antidepressiva, oder anderes. Es ist ja in Deinem Fall eine ganz normale gängige Medikamentierung.

Das ist doch absurd. Wieso sollte man auf ein Medikament verzichten, bei dem das das Ergebnis ist:

Für was? Um sich einer uninformierten Ärztin zu beugen?

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Kommt mir gerade noch was weiteres in den Sinn: kannst Du nicht einfach an einer Fachstelle ein Attest machen lassen, dass Du voll arbeitsfähig bist. Was Du ja auch bist. Und es gibt sicher Ort, wenn man ein neutrales Gutachten bekommt.
Es geht ja @zoi nicht darum, dass man sich beugen sollte, sondern man möche den Job, und i.a. braucht man ihn halt auch. Und wenn er schon SO NAHE steht.

der @ Paul123Konstantin braucht ja zudem kein psychisches Gutachten, sondern einfach eines, dass seine Gesundheit und Fähigkeit bezeugt, DIESEN JOB zu machen. Ein Issue, was Du erwähntest, könnte Dir allerdings beim Fahren ein echtes Problem geben, wenn man das mal kontrolliert. Ich habe einen Bekannten, dem wurde als Fahrer, der Führerausweis genommen. Und wie man weiss, es reicht eines am Wochenende…

In diesem Zusammenhang, die „Veranlagung“ zu ADS ist in 7% der Menschen vorhanden. Demnach, und meiner Meinung nach, „keine Krankheit“ per se.
Dass es zu Issues kommt, wer kommt nicht zu Issues, wenn man permanent im Druck ist (und nicht nur als AD(H)S-ler, und dann in einem Burnout landet. Wobei es nicht selten ist, dass Leute mit Burnout mit AD(H)S diagnostiziert werden…
Andere Gruppen innerhalb der Neuro-Diversität haben halt wieder andere Problem, alle ihre Stärken und Schwächen. Mit unserer Gesellschaft müssen ALLE umgehen.

Was reicht „eines“ am Wochenende um den Führerschein abgenommen zu bekommen …Meinst du damit „eines“ der Medikamente?? Oder was anderes ???

So viel zum Fachkräftemangel

Was macht dieser Saftladen wenn ein Bestandsmitarbeiter diagnostiziert wird und beginnt Medikamente einzunehmen?

Ich würde mich ggf. auch an den Verein ADHS Deutschland wenden.

eines rauchen kann eben schon zuviel sein, wenn Du nun weisst, was ich damit meine.
Kommt ja noch dazu, dass gewisse Firmen, z.B. die Lehrlinge auf das testen, ähnlich einem Alkoholtest beim Autofahren. Ich sagt ja nur, weil er meinte, er würde nun nicht mehr, dank des Medis.

Diese Aussage von dir hilft dann aber nicht. Weil es ja rein um die Medikation geht und das hat mit dem Führerschein an sich nichts zu tun.
Wer noch was anderes zu sich nimmt hat halt Pech gehabt.

So sehe ich dich auch. Wie bereits erwähnt wird Menschen mit ADHS sogar empholen unter Medikation Auto zu fahren. Was anderes nehme ich natürlich nicht und die Sache ist auch vollkommen klar. :slight_smile:

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Ich habe durch Elvanse einen viel Besseren Zugang zu meinen Emotionen. Dies macht sich postiv bemerkbar in Sachen Depressionen. Ich werde nicht wegen dieser Ärztin darauf verzichten. Auch nicht für eine Weile.

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Wie es um die rechtliche Einordnung zur Wirkung von Stimulanzien am Steuer oder beim Bedienen von Maschinen u.s.w. steht, weiß ich nicht, mir kommen aber spontan mehrere Gedanken zu dem Thema:

ADHS als Risikofaktor für Unfälle & positiver Einfluss der Medikamente:
Ein unbehandeltes ADHS erhöht das Risiko für Unfälle merklich, welches durch die Einnahme von Medikamenten gesenkt werden kann. Wenn Du undiagnostiziert unter Einfluss von ADHS–Medis herumfährst, könnte das evtl. rechtlich (und medizinisch) betrachtet problematisch sein. Wenn Du die Diagnose hast, und stabil auf Deine Medikation eingestellt bist, sollte diese meiner Logik nach die Verkehrstauglichlichkeit erst recht herstellen bzw. verbessern.

Wie das juristisch einzuordnen ist, könnte evtl. ein:e Fachjurist:in für Medizin– und/oder Verkehrsrecht beurteilen. Du könntest auch eine:n Verkehrsmedizier:in dazu befragen. Letztere könnte Dir auch bescheinigen, dass Du unter der Medikation voll verkehrstauglich bist, und Maschinen bedienen kannst. Klären würde ich unter diesen Umständen aber auch, wie es einzuordnen ist, falls Du mal ohne Medikation am Steuer sitzt, und ob das kritisch wäre, weil Du ja eine feste Diagnose zu einer „Erkrankung“ hast, die unbehandelt nachweislich die Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst. Könnte also sein, dass Du, ähnlich wie ein:e Brillenträger:in darauf achten solltest, Dich nur mit Medikation ans Steuer zu setzen.

Wie gesagt sind das alles nur meine Gedankengänge. Wie das juristisch einzuordnen ist, sollte das Fachpersonal beurteilen. Hängt evtl. auch vom Einzelfall (klinisches Bild u.s.w.) ab.

Zu Päddis Beitrag noch (ich kann hier offenbar keine Zitate einfügen): sobald es einen Diagnose–Code gibt, handelt es sich um eine Erkrankung. Dabei ist unerheblich, wieviele Menschen davon betroffen sind. Umso wichtiger wäre es, fachlich abzuklären, welche Auswirkungen das rechtlich hat.

Verhältnis zum zukünftigen Arbeitgeber im Falle einer Klage:
Falls Du juristisch gegen die Betriebsärztin vorgehst, könntest Du evtl. Dein Recht einklagen, gleichzeitig signalisierst Du aber Deinem Arbeitgeber, dass Du „in den Kampf ziehst“, wenn es Probleme gibt, anstatt diese auf friedlichem Wege zu lösen.

Einerseits signalisierst Du zwar Interesse am Job, andererseits beginnst Du das Verhältnis aber auch mit einer Forderungshaltung. Selbst wenn es um Dein Recht geht: entscheidend für das zwischenmenschliche Verhältnis sind meist nicht die harten Fakten, sondern die emotionale Ebene. Arbeitgeber mögen es i. d. R. nicht besonders, wenn Mitarbeitende dazu tendieren, schnell juristische Schritte einzuleiten. Auch hast Du ja noch keinen Arbeitsvertrag, d. h. sie könnten auch aus irgendwelchen anderen Gründen einen Rückzieher machen, sofern Du keine rechtsgültige verbindliche Zusage hast.

Falls Du einen anderen Weg findest, die Angelegenheit zu klären, z. B. mittels Attest eine:r Verkehrsmediziner:in und/oder einem offenen Dialog mit dem Arbeitgeber, könntest Du die Situation auch zu Deinem Vorteil nutzen. Du kannst signalisieren, dass Dir die Stelle sehr wichtig ist, Du gerne eingeninitiativ in ein Gutachten investierst, und eine konstruktive Lösungsfindung anstrebst, und damit signalisieren, dass Du auch in schwierigen Situationen das Zepter in der Hand hältst.

Frage: wie offen möchtest Du mit der Diagnose umgehen?
Wenn Du offen über Dein ADHS sprechen möchtest und kannst, würde das die Klärung der Umstände natürlich erleichtern. Berücksichtigen solltest Du dabei aber auch, dass alles, was einmal gesagt wurde, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Das kann unter gewissen Umständen auch ein Nachteil sein. Es gibt z. B. viele Firmen, die sich gerne von Mitarbeitenden trennen, die bestimmte Erkrankungen haben, sobald sich eine passende Gelegenheit dazu ergibt. Erlaubt ist das freilich nicht, aber wenn man sich beispielsweise im Falle einer Umstrukturierung von Arbeitnehmer:innen trennen muss, trifft es halt dann „zufällig“ die mit einer Vorerkrankung. Dann nachzuweisen, dass Letzteres der Beweggrund war, wird schwierig.

Psychische Erkrankungen, wie Depressionen, oder Vorerkrankungen, die Ebensolche begünstigen, stehen oftmals leider GANZ weit oben auf der Unbeliebtheitsliste. Ich würde mir persönlich wünschen, dass man ohne Angst haben zu müssen, offen mit Arbeitgebern darüber sprechen kann, aber erfahrungsgemäß sieht die Realität leider oft anders aus. Daher würde ich mir an Deiner Stelle vorab der Diskussionen gut überlegen, wieviele und welche Informationen Du preisgeben möchtest, also ob Du ganz offen über die Diagnose reden willst, oder lieber nur darüber, dass Du eine Diagnose hast, die keinen Einfluss auf Deine Arbeitsfähigkeit hat oder haben wird. Welche Option besser ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das solltest Du für Dich entscheiden, ggf. nach dem dem Gespräch mit einem Juristen oder einer Mediziner:in.

Ich wünsche Dir viel Erfolg und ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen!

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