Komorbidität ADHS & Depression - welches Antidepressivum mit MPH?

Hallo Zusammen, das ist mein erster Post hier! Ich bin Ende 30 und spätdiagnostiziert, die Diagnose ist noch recht frisch und Titration läuft. Aktuell bin ich bei 54 mg Concerta und 50 mg Sertralin. Mein Psychiater möchte mich aber auf Buproprion umstellen, da er das Thema Serotonin-Syndrom sehr ernst nimmt.

Hierzu bereiten mir ein paar Punkte aber Kopfzerbrechen, und ich hoffe, ihr könnt mir mit eurer geballten Erfahrung vielleicht weiterhelfen.

Ich leide seit einigen Jahren an Depression, für die ich nie so wirklich eine Erklärung finden konnte. Es gab Therapieversuche, die aber letztlich nur marginal geholfen haben. Ich habe die wiederkehrende, scheinbar grundlose Traurigkeit irgendwann einfach akzeptiert, so wie andere vielleicht ein chronisches Rückenleiden. Leider gab es letztes Jahr einen Einschnitt, der das ganze hat kippen lassen. Ich merkte, dass ich jetzt echt mal Hilfe brauche, und ging zum Arzt. Mir wurde zunächst Sertralin verschrieben, das mir bei 100mg so mittelmäßig geholfen hat.

Im Rahmen einer Anfang des Jahres begonnenen Therapie habe ich dem Psychiater von meinem Verdacht erzählt, ich könnte ADHS haben, worauf er einen Test vorschlug. Ich hatte vor längerer Zeit mal einen Radiobericht gehört, bei dem ich mich quasi mit allem, was dort ein Betroffener erzählte, identifizieren konnte. Allerdings war ich damals dann bei einem anderen Psychiater vorstellig geworden, der meinen Verdacht vehement abgestritten hat. Nein, ich hätte studiert, wäre seit Jahren im selben Job, da habe man kein ADHS. Ich bin dann kleinlaut abgezogen und habe nicht mehr daran gedacht - bis ich eben vor dem neuen Psychiater saß, zwei Jahre später.

Der neue Psychiater hat also die Tests mit mir gemacht und siehe da, es war im Grunde alles, was für den unaufmerksamen Typ spricht, entweder „Ja“ oder „stark“ oder „sehr stark“ ausgeprägt.

Wir haben daraufhin Sertralin auf 50 mg reduziert und mit Stimulanzien begonnen, und diese haben mein Verhalten quasi von heute auf morgen auf Links gedreht. Ich habe plötzlich wichtige Dinge erledigt, die ich monatelang ignoriert hatte. Ich mache meine Post seitdem auf wie ein normaler Mensch, gehe zu vernünftigen Zeiten ins Bett, hänge nicht mehr Stunden grundlos am Handy, etc. - zuvor bin ich eigentlich mein ganzes Erwachsenenleben nie vor 1h ins Bett gegangen, meist eher um 2, manchmal sogar später. Es gibt noch viele weitere interessante Erfahrungen, von denen ich berichten könnte, die für euch aber sicher nichts Neues sind.

Nun gut, in der ersten Phase der MPH-Einnahme waren ausserdem meine depressiven Symptome wie weggefegt. Ich hatte Tränen in den Augen bei dem Gedanken, dass dies vielleicht endlich der Schlüssel wäre. Dass ich wieder so sein könnte, wie ich vor Jahren mal gewesen war.

Leider hielt dieser Teil des „neuen Ichs“ aber nicht lange an, und ich habe jetzt eigentlich wieder täglich depressive Symptome. Mein Antrieb ist gut, mein Fokus ist gut, ich mache, was ich soll und will - und bin dabei über viele Stunden des Tages traurig: Blei in der Brust, Druck im Hals, taube Zungenspitze, die somatischen Highlights, die eine Depression halt mit sich bringt … nahestehende Personen sind übrigens sehr überrascht, wenn ich mich „oute“, ich würde garnicht depressiv wirken, eher ganz normal, etc. - tja und derweil tobt und wütet es in mir.

Mein Psychiater will nun von Sertralin auf Wellbutrin umstellen, damit man auf der depressiven Seite die Dosierung anpassen kann. Er sagt, mit Sertralin ginge das schlecht wegen der Gefahr des Serotonin-Syndroms.

Allerdings verstehe ich noch nicht so recht, was dieses Buproprion eigentlich ist. Anscheinend geht es da ja auch um Antrieb und Aktivierung, aber diese sind mit dem MPH bei mir ja eigentlich gut. Woher kommt da die antidepressive Komponente? Glaubt ihr, dass es einen Versuch wert sein könnte?

Und ist das mit dem Serotonin-Syndrom wirklich so wild? Soweit ich verstehe, ist das ein sehr seltenes Phänomen, und die Warnung geht auf irgendeine Veröffentlichung der FDA von vor 20 Jahren zurück.

MPH wirkt ja eigentlich auch nicht serotonerg?

Ich stelle ausserdem fest, dass die depressiven Symptome aktuell eher getriggert werden, anstatt „einfach da“ zu sein, und der Trigger ist ganz klar Stress (normaler Alltagsstress mit Haus, Kind, Kegel). Gleichzeitig lassen die Symptome seit dem MPH schneller wieder nach, wenn auch der Trigger weg ist - jedenfalls meinem Gefühl nach.

Das ist also meine Geschichte / Situation – ich bin für jede Antwort / Einschätzung / geteilte Erfahrung sehr dankbar! Meiner bisherigen Erfahrung nach ist das Thema ADHS für Menschen, die ein „normales“ Gehirn haben, schwer nachzuvollziehen, insofern bin ich wirklich dankbar für einen Ort wie dieses Forum, an dem man mit „Wesensgenoss_innen“ in den Austausch kommen kann :slight_smile:

Hallo @Osiris , ich habe zwar gar keine Erfahrung mit Antidepressiva oder Bupropion aber ich habe auch neben meinem ADHS eigentlich schon mein ganzes Leben lang Depressionen gehabt.

Ging mir genau so, ich war jedoch nie in Therapie oder habe mit jemandem darüber Gesprochen da ich große Angst davor habe. Ich hab irgendwann auch akzeptiert dass ich wohl mein ganzes Leben depressiv sein werde. Irgendwann hatte ich aber eine Phase in der ich sehr stark depressiv war, so kam dann auch raus dass ich ADHS habe. Bei mir war dann irgendwann klar dass das ADHS der Grund für die chronischen Depressionen war.

Wenn ich solche Sachen lese fehlen mir als echt die Worte…

Ich habe auch mit MPH begonnen. An meinem ersten Tag bei 20mg musste ich bei Wirkungsbeginn auf der Arbeit auch fast anfangen zu heulen. Die Depressionen sowie die Ängste und der Stress waren plötzlich weg, so ruhig hatte ich mich schon seit vielen Jahren nicht mehr gefühlt. Bei mir war die Wirkungsdauer bei MPH aber sehr kurz und das ADHS und die Depressionen waren wieder genau so da wie davor, wenn nicht gefühlt noch stärker.

Wie gesagt ich habe dass Medikament noch nicht probiert, aber ich würde sagen nein. Bupropion kann man zwar gegen ADHS verschreiben, aber es ist einfach nicht so Wirkungsvoll wie Stimulanzien. Die Wirksamkeit von Psychopharmaka wird mit dem SMD-Wert bestimmt. MPH und LDX haben wenn ich’s richtig im Kopf habe einen SMD-Wert von 0,9-1,2 und sind somit die wirksamsten Psychopharmaka die es es überhaupt gibt. Bupropion hat einen SMD-Wert von 0,3 bei der Behandlung von ADHS. Bupropion mit einem Antidepressivum zu Kombinieren hat einen SMD-Wert von 0,1 und ist quasi wirkungslos. Ich verstehe nicht warum dein Psychiater das MPH auswechseln will, es scheint doch bei dir gut zu funktionieren. MPH hat meines Wissens nach auch überhaupt keinen Einfluss auf ein mögliches Serotonin-Syndrom. Wenn würde eher ein Wechsel auf Elvanse Sinn machen, Elvanse hat eine dauerhafte antidepressive Wirkung und ist das wirksamste Medikament gegen ADHS. Seit ich Elvanse nehme sind meine Depressionen dauerhaft verschwunden. Da MPH bei dir aber scheinbar gut funktioniert spricht nichts dagegen einfach dabei zu bleiben. Bupropion macht theoretisch einfach keinen Sinn.

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Hallo Osiris,

So ne Depri ist echt Sch…

Nachdem mir vor vier Jahren der Gedanke kam „wenn ich jetzt geradeaus gegen den Brückenpfeiler fahre, dann ist endlich Ruhe im Kopf“, wusste ich dass, ich professionelle Hilfe brauche. Nach Sertralin, das meine Sexualität „störte“, gab es Bupropion. das meine Stimmung von -4 auf -1 bis 0 anhob. Mit null Nebenwirkungen - glücklicherweise. Was den von dir zitierten Psychiater betrifft: …

Bei so dummen Äußerungen krieg ich Schaum vor den Mund. Ich selbst hatte studiert mit Abschluss, war einigermaßen erfolgreich im Job, hatte bürgerliches Leben, ehrenamtliche Tätigkeiten trotz ADHS. Das geht, wenn man nur ordentlich (anstrengend bis zum Burnout) maskiert und kompensiert. Aber davon hatte dieser Ahnungslose keinen Schimmer. Den müsste man in eine „Ärzte-Warnliste“ aufnehmen.

Die depressiven Elemente verschwinden nicht so einfach über Nacht. Nach meiner ADHS-Diagnose vor 10 Monaten (ich hatte auf einem Test bestanden) haben wir Bupropion abgesetzt und mit Medikinet begonnen. Da hatte ich auch diesen tollen Anfangseffekt des „neuen ich“. Daran hab ich mich leider schnell gewöhnt und hab den Unterschied zu früher nicht mehr wahrgenommen; das nannte ich „das neue Normal“.

Wie bist du denn eingestellt? Was nimmst du? Wie oft? Ist bei dir der ganze Tag mit MPH abgedeckt?

Ich habe festgestellt, dass ich den ganzen Tag Medis brauche. Denn wenn nachmittags/abends die Wirkung zu früh nachlässt, kommt das alte ich wieder durch: reizbar, sprunghaft, durcheinander, nichts funzt so richtig, autoaggressiv, depressiv. Deswegen seh ich zu, dass der MPH-Level bei mir erst zur Schlafenszeit runtergeht. Sonst kommen die alten Verhaltensweisen verstärkt (!) wieder zum Vorschein. Da hat meine Umwelt (Frau und Freunde/Innen) nicht verdient.

Erst wenn du mit MPH gut eingestellt bist mit Abdeckung des ganzen Tages (!), dann ist Bupropion eine gute nebenwirkungsfreie Option - sofern du dann überhaupt noch ein Antidepressivum brauchst.

Ich weiß nicht, wie es ist ein „Normalo“ zu sein und so zu denken. Genau so wenig können die allermeisten „Normalos“ nachvollziehen, wie es ist mit ADHS zu denken und zu leben. Sie haben einfach ein anderes Gehirn, das nicht ADHS denken kann.

Hallo @Iwan & @Schnusch, ich danke euch beiden für die ausführlichen und einfühlsamen Antworten. Eure Erfahrungen überschneiden sich stark mit meinen Erlebnissen, das hilft sehr wenn man weiß, dass man nicht alleine ist.

Leider komme ich noch nicht gut mit der Funktionalität dieses Forums zurecht, daher kann ich nicht direkt auf eure Fragen und Kommentare antworten.

@Iwan , was du Beschreibst mit dem Brückenpfeiler, das war bei mir eine Szene im Fernsehen, spät am Abend. Ein Soldat wurde zur Exekution in den Wald geführt. Früher hätte ich mich vor der Szene stark gegruselt und Mitleid mit dem Charakter gehabt, aber an dem Abend dachte ich nur: wenn ich das jetzt wäre, dann wäre wenigstens endlich die Depression vorbei. Der nächste Gedanke war dann: ich muss dringend zum Arzt.

Zur medikamentösen Einstellung: Aktuell nehme ich täglich um 8 Uhr am Morgen 54mg Concerta sowie seit Sonntag 150mg Bubpropion. Sertralin habe ich nun ganz abgesetzt, mit milden Absetzerscheinungen (leichte „Zaps“).

Zur Abdeckung des Tages: MPH/Concerta hat bisher über den Tagesverlauf eine Wirkungskurve, die sich zwar mehr oder weniger den ganzen Tag auf das ADHS positiv auswirkt, aber nicht auf die depressiven Symptome . Ich bin beim aufstehen meist bei -1 und dann geht es erstmal runter auf -4, bis das MPH mich um die Mittagszeit wieder auffängt. Gleichzeitig hat es aber schon nach etwa 1h eine gute Wirkung auf meine ADHS-Symptome (gedankliche Klarheit, kein Springen zwischen Tasks, keine Taskaufnahme nach Kriterium „worauf habe ich Lust“ sondern „was sollte ich machen“)

Das Interessante: wenn ich Vormittags eine Tasse starken Kaffee trinke, dann bin ich innerhalb von Minuten plötzlich beschwerdefrei.. das kann dann anhalten oder wieder absinken. In jedem Fall halte ich das für ein Indiz, dass ich mit dem Concerta noch nicht gut eingestellt bin.

Nebenwirkungen: eigentlich nur, dass ich einen leichten Flush-Effekt habe (heißes Gesicht). Und ich muss Abends aufpassen, ordentlich zur Ruhe zu kommen. Der Antrieb hält länger als der Fokus, das heisst, ich mache Abends oft noch Sachen die meinem ADHS-Hirn liegen (meist Dinge mit den Händen und bei denen man sofort ein Ergebnis sieht, wie Gartenarbeit oder Handwerken).

@Schnusch - der Tip mit Elvanse ist sehr interessant; wenn wir mit Concerta nicht auf einen grünen Zweig kommen, werde ich das hoffentlich probieren können. Mein Arzt ist da relativ offen.

@Iwan - bei Buproprion las ich häufiger von Wortfindungsstörungen. Hattest du das?

Hallo zusammen, ein kleines Update:

Ich bin vor zweieinhalb Wochen von Sertralin auf Buproprion umgestiegen, aktuell nehme ich täglich 150mg Bupro und 54mg Concerta.

Bisher habe ich leider nur negative Effekte. Mein Antrieb war vorher mit dem Concerta schon gut, somit war hier ohnehin wenig zu holen. Auf den Affekt wirkt das Bupro bisher kaum, ich habe weiterhin depressive Symptome, so wie ich sie oben bereits beschrieben hatte.

Leider wurde ich mit dem Anfluten des Bupro auch immer gestresster. Ich habe dauernd Druck auf den Ohren, ziehen im Nacken, penetrante Ohrwürmer (heute morgen waren es die Red Hot Chili Peppers ..), alles Symptome die ich aus Phasen kenne, in denen ich durch externe Einflüsse extrem gestresst war.

Mein Arzt konnte damit wenig anfangen, er meinte nur, Ohrendruck habe er noch nie gehört bei dem Medikament .. dabei kann ein erhöhter Noradrenalinspiegel doch durchaus zu einem Stressgefühl führen, oder? Und das sind bei mir bei Stress eben die Symptome …

Nun sagt der Arzt, dass 150mg nur die Einstiegsdosis sind und dass es sich mit 300mg durchaus stabilisieren könnte. Warum genau konnte er mir aber auch nicht sagen.

Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, was ich machen soll … ein bisher schlecht (im Sinne von: in die falsche Richtung) wirkendes Medikament zu erhöhen kommt mir komisch vor ?!

Es hat auch einen adversen Effekt auf mein ADHS, mein Arbeitsgedächtnis ist seit dem Bupro wieder eine Vollkatastrophe, ich lasse ständig Dinge irgendwo liegen etc. – das hatte ich mit dem MPH eigentlich gut im Griff! Echt ein Rückschritt, und es korreliert stark mit dem Stressgefühl.

Mein Arzt sagt, letztlich müsse ich es wissen, aber ich weiss gerade ehrlich gesagt garnicht, was ich machen soll … :frowning:

@Iwan - wieviel hattest du damals genommen?

Hallo Osiris,

Ich war vor knapp vier Jahren nach wenigen Wochen von Sertralin auf Bupropion umgestiegen (vorher hatte ich nie Psychopharmaka).

Ich habe mit 150mg angefangen. Gemerkt habe ich anfangs nichts. Von Anfluten war keine Spur. Nach 2 - 3 Wochen hat sich meine Stimmung etwas gebessert von minus 4 auf minus 1. Nach Dosiserhöhung auf 300mg wurde meine Stimmung besser auf 0 bis plus 1. Die Traurigkeit war weg.

Meine ADHS-Symptome blieben unverändert. Nach meiner ADHS-Diagnose habe ich Bupropion weggelassen, denn Ursache für meine Depression war gefunden. Absetzerscheinungen hatte ich nicht. Nach wenigen Tagen bin ich auf Medikinet umgestiegen. Die Eindosierung mit verschiedenen ADHS-Medikamenten zog sich über Wochen hin. Seit Jahresanfang bin ich bei Kinecteen zweimal täglich (meistens 27mg).

Vielleicht hab ich es ja überlesen; was war der Grund für den Wechsel von Sertralin zu Bupropion?

Hi @Osiris

Bei mit ist vieles sehr ähnlich wie von dir beschrieben und ich habe auch zweimal für eine Weile Bupropion bekommen. Mit nem SSRI bin ich nicht klargekommen - viele NW und keine postive Wirkung.

Bupropion 150 mg hat bei mir anfangs gut geholfen (hatte so einen richtig schönen Honeymoon-Effekt, aber nur beim ersten Mal und auch nur für 1-2 Wochen), danach habe ich eigentlich nichts mehr davon gemerkt. Bei der Aufdosierung auf 300 mg hab ich mich auch dauerhaft eher ein bisschen gestresst gefühlt, wenn überhaupt Wirkung zu bemerken war. Nicht dramatisch, aber für die subjektiv nicht vorhandene Wirkung eigentlich trotzdem nicht ganz einzusehen.

Stimulanzien (MPH und LDX) wirken bei mir auch besser auf meine depressiven Symptome und ich stelle ähnlich wie Iwan fest, dass ich idealerweise eine Tagesabdeckung habe, weil sonst abends die Dysphorie und emotionale Dysregulation manchmal mit Nachdruck zurückkommen.

Vielleicht wäre es tatsächlich für dich auch einen Versuch wert, es mal ganz ohne AD zu probieren und stattdessen eine Ganztagsabdeckung mit dem MPH anzustreben? Ich kann damit trotzdem sehr gut schlafen, besser sogar als mit Bupropion. Aber im Endeffekt muss du das natürlich mit deinem Psychiater zusammen entscheiden, der kennt sich besser aus :slight_smile:

Hallo @Iwan , lieben Dank für deine Antwort. Diese hilft mir sehr und bestätigt meinen Verdacht, dass Buproprion einfach nichts mit ADHS zu tun hat.

Wir haben gewechselt, weil ich meinem Arzt berichtete, dass die Affektstörung auch unter 50mg Sertralin weiterhin besteht. Er sagte dann, Sertralin könne er wegen des Serotonin-Syndroms nicht erhöhen und wir sollten auf Wellbutrin / Bupro umsteigen. Es war also eine Negativentscheidung, nicht im Sinne von „aufgrund des Wirkprofils wird Wellbutrin/Bupro Ihnen besser helfen.“

Die - zeitweilig - deutlich überlegene Wirkung des MPH auch auf den Affekt spüre ich genau wie du, jedoch ist diese bisher nicht zuverlässig. Hier bestätigst du ebenfalls meinen Verdacht, dass mein Arzt und ich uns auf die Einstellung des MPHs konzentrieren sollten.

@Moloko - danke auch für deine Antwort, und du bestätigst ebenfalls meine Vermutungen. Ich hatte zwar praktisch keine Nebenwirkungen mit Sertralin, es hat mir - abgesehen von der Dämpfung bestimmter, seltener Angstattacken - aber auch kaum geholfen.

Das Bupro habe ich gestern abgesetzt und was den Stress betrifft geht es mir schon deutlich besser. Mein ADHS ist auch wieder zurückgegangen. Am Nachmittag des letzten Tages mit Bupro ging es garnicht mehr. Ich wollte - mit nicht viel Zeit - zum Joggen gehen und hab meine sieben Sachen zusammensuchen wollen und stand irgendwann halb angezogen und panisch im Wohnzimmer. Mein Handy war weg, meine iPods waren leer, ich habe den Fast Charger nicht gefunden, etc pp – jetzt Tag zwei ohne Bupro alles wieder weitgehend OK!

Die KI führt die Stressreaktion übrigens auf eine Übersteuerung des tonischen Noradrenalins zurück, was mir plausibel vorkommt.

Ich habe dann sogar überlegt, ob ich erstmal die Stimulanzien weglasse und es mit 300mg Bupro probiere, aber als ich dann Abends wieder halbwegs einen klaren Kopf hatte dachte ich, hey, das ist totaler Quatsch, in erster Linie muss dein ADHS behandelt werden … im Moment nehme ich also tatsächlich kein AD und nur MPH.

Ja, das Bupropion hemmt meines Wissens fast nur die Aufnahme von Noradrenalin, und im Vergleich nur minimal die Wiederaufnahme von Dopamin. War mir damals, als ich es erstmalig bekommen habe, auch gar nicht so bewusst. Ist ja auch nichts Schlechtes, erklärt aber, warum es etwas anders wirkt als z. B. MPH.

Nur eine Sache, damit du nicht davon überrascht wirst: Es kann auch beim Bupropion zu einer Absetzreaktion kommen. In der Regel sehr mild im Vergleich zu SSRI oder SNRI, aber ich hatte beide Male nach einigen Tagen noch mal ein ordentliches Tief. Das war aber auch beide Male nach spätestens einer Woche wieder überstanden und alles war wieder normal. Manche merken aber auch gar nichts vom Absetzen.

Und achte vielleicht einfach mal darauf, ob deine Grundstimmung stabil genug bleibt ohne AD, denn eigentlich soll das Bupropion die ja im Hintergrund stabilisieren. Ist denke ich sehr individuell, ob das funktioniert und im individuellen Fall überhaupt nötig ist, aber ich drücke die Daumen, dass es mit dem MPH gut klappt! :four_leaf_clover:

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@Moloko

Nur eine Sache, damit du nicht davon überrascht wirst: Es kann auch beim Bupropion zu einer Absetzreaktion kommen.

Ja, damit hab ich schon gerechnet. Gestern Abend ging es dann auch mal richtig in den Keller. Heute war es wieder OK, ich war nur plötzlich gegen 19 Uhr sehr müde.

@Moloko

Und achte vielleicht einfach mal darauf, ob deine Grundstimmung stabil genug bleibt ohne AD

Ein guter Punkt, und ich beobachte das in der Tat sehr genau. Tatsächlich hatte ich aber bisher sowieso kein AD bei dem ich (annähernd) beschwerdefrei gewesen wäre, was den Affekt betrifft. Meine Vermutung und Hoffnung ist, dass das MPH + Verhaltenstherapie hier den Unterschied machen wird.

Das ständige Mikroversagen in den letzten Jahren hat sehr an mir genagt, insbesondere weil es mir aus dem näheren Umfeld gespiegelt wurde (Familie / Freunde - meine Frau haben die typischen Auswirkungen wie Mangel an Zeitgefühl, Aufschieberei, etc sehr belastet) und es mich im Job in die Erschöpfung getrieben hat. Bei den banalsten Dingen habe ich regelrechte Panik entwickelt, ich könnte wieder etwas verpeilt haben. Dazu kam die langsame, aber immer deutlicher werdende Erkenntnis, dass ich mich nie ändern werde - I am what I am and that is all I am.

Das war aber alles vor der Medikation sowie dem Verständnis für den (neurologischen) Grund meiner Situation. Inzwischen sehe ich, was möglich ist und das gibt mir Hoffnung.

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