Lebensentwürfe und Beeinflussung durch andere

  • Beitrag enthält viele Fragen-

Moin,

inwiefern lasst ihr euch durch andere Menschen oder aber auch durch andere „Anker“ (z.B. aktuelle gesellschaftliche Norm, die ja immer im Fluss ist bzw. umkämpft/verhandelt wird) in eurem Leben beeinflussen?

Also: Habt ihr beispielsweise geheiratet, weil das im Freundeskreis alle anderen auch so gemacht haben?

Ist es euch aufgrund eurer Neurodivergenz besonders wichtig, ein erfolgreiches Leben bzgl. Beruf, Partnerschaft, Familie etc. zu führen? Oder ist euch das gerade aufgrund der ohnehin schon bestehenden Andersartigkeit eher gleichgültig?

Habt ihr ältere Menschen als Vorbild für euren Lebensentwurf auserkoren? An wem orientiert ihr euch vorrangig?

Wer ist für euren Lebensentwurf maßgeblich gewesen - ihr selbst, ihr und euer Partner etc.? Habt ihr das Gefühl, ihr müsstet gewisse gesellschaftliche Standards (Job, Eigenheim, Ehe, …) erfüllen oder nicht?

Könnte es nicht auch befreiend sein, manche Dinge einfach nicht zu tun (nicht heiraten, kein Eigenheim kaufen etc.), so wie beispielsweise Thoreau oder Perelmann? Oder ist das Utopie?

Und abschließend: Ist die Ausrichtung des eigenen Lebens an einer vermeintlich existierenden sozialen Norm nicht wie ein (inneres) Gefängnis?

Ich hoffe, es sind nicht zu viele Fragen und es nicht zu privat.

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Hallo Quantico,

interessante Fragen.

Ich würde sagen, die allermeisten Leute würden antworten, mich interessieren gesellschaftliche Normen nicht, sondern ich strebe dieses oder jenes Ziel an, weil ich es so möchte. Gerade ADHS-ler!

Was natürlich ein Bisschen ein Selbstbetrug ist. Wie spießig man doch ist, merkt man eher rückblickend.

In welchem Umfeld lebst du? Ist das (frühe) Heiraten nicht schon lange out?

Ich bin jetzt 60 und habe noch als Student mit 25 geheiratet. Das war bereits 1991 eher selten und eigentlich das Gegenteil von Spießigkeit.

Nein, bewusst ganz bestimmt nicht. Rückblickend schon - sowohl Eltern als auch Schwiegereltern (leben inzwischen alle nicht mehr) haben langjährige und glückliche Ehen geführt.

Wer sind Thoreau und Perelmann? Egal, ich gehe aber davon aus, dass durchaus viele Leute entweder gar nie Ehe oder Eigenheim für sich wollen oder vielleicht doch wollen, aber nicht den passenden Partner für das eine bzw. genug Geld für das andere haben.

Ich fand Einfamilienhaus immer spießig und hatte auch Angst, mich finanziell festzulegen und an einen Ort zu binden. Bis sich dann relativ überraschend die Gelegenheit ergab. Aber nicht schon 1991, sondern erst 2011.

Wenn man es als Zwang und Norm empfindet. Meine Frau und mich hat ja niemand gezwungen, wir sind glücklich so.

Nein, wir sind zwar schon lange zusammen, aber hab meinen Partner erst spät kennengelernt.

Es war/ist mir eher gleichgültig. Mir war es wichtiger ein Leben aufzubauen, wo ich für mich gut drin bestehen kann. Mein „Erfolg“ im Beruf ist es für mich, dass ich überhaupt einen Beruf gefunden habe der irgendwie passt und gesundheitlich drin bestehen kann. Erfolg im klassischem Sinne würde mir nichts bringen, da das gar nicht dauerhaft stemmen könnte.

Partnerschaft war keine angestrebtes Ziel um diese haben zu müssen, sondern ist irgendwann einfach passiert. Als Single kam ich auch gut klar.

Es gab in dem Sinne keine Vorbilder , ich musste schon als junge Erwachsene schauen , dass ich trotz meiner Einschränkungen überhaupt meinen Weg finde. Ich muss mich an dem orientieren, wozu ich überhaupt nur in der Lage bin.

Vollzeit wäre z.B fürs Konto gut , aber nicht für meine Gesundheit.

„Vorbilder“ bzw. Menschen , die ich manchmal bewundere, sind die, die neurotypisch ihr Leben gut strukturiert bekommen.

Meine Biografie und das was ich daraus gemacht habe und was ich für mich selbst wollte, ist für mich maßgeblich gewesen. Positiv beeinflußt haben mich in dem Sinne, Menschen außerhalb meiner Familie, die mich gesehen und gefördert haben.

Einen Job muss ich halt erfüllen, um Geld zu verdienen und da habe ich halt versucht etwas zu finden wozu ich überhaupt in der Lage bin es abzuleisten. Kein Job würde mir zwar auch gut tun, aber dann kann ich mir wiederum keine Dinge gönnen oder aufbauen, die mir gut tun.

Ehe , brauche ich nicht , war nie ein „Muss“

Eigenheim wollte ich noch nie und mein Partner und ich wohnen bewusst und frei gewählt zur Miete. Ein Eigenheim ist zwar was schönes, aber es würde mich permanent überfordern und ich könnte die Vorteile daraus dann gar nicht genießen.

Ich war immer schon darin frei und sowie ich jetzt lebe ist es auch eine freie Entscheidung.Bzw. ist es ja eine Frage der Bewertung was frei sein bedeutet. Jemand der sich in einer Ehe wohl fühlt und dies so wollte und auch ein gemeinsames Eigenheim, ist ja auch frei, weil er es frei entschieden hat. Manche fühlen sich als Eignheimbesitzer freier, und die würden sich als Mieter unwohl fühlen.

Ehrlich gesagt gibt es für mich da gar keine sozial existierende Norm . Und egal welche Lebensform man für sich wählt , man ist ja selbst dabei ob es für einem zum Gefängnis wird oder sich frei anfühlt.

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Was ist denn für dich der Hintergrund, dieser Fragen ?

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Hallo zusammen,

danke für eure Antworten!

In welchem Umfeld lebst du? Ist das (frühe) Heiraten nicht schon lange out?

In einem Umfeld, in dem auf jeden Fall (noch) geheiratet wird. :wink:

Wer sind Thoreau und Perelmann? Egal, ich gehe aber davon aus, dass durchaus viele Leute entweder gar nie Ehe oder Eigenheim für sich wollen oder vielleicht doch wollen, aber nicht den passenden Partner für das eine bzw. genug Geld für das andere haben.

Thoureau ist ein amerikanischer Philosoph/Intellektueller gewesen, der es zwischenzeitlich vorzog, allein in einer Hütte im Wald zu leben. Perelmann ist ein Mathematiker, der die Fields Medaille (gilt als Nobelpreis für Mathematik) abglehnt hat inkl. Preisgeld und es vorzieht, mit seiner Mutter in Russland zu leben (weiß nicht, ob die Mutter aktuell noch lebt). Also eine vergleichsweise abweichende Form des Lebensentwurfes.

Ehrlich gesagt gibt es für mich da gar keine sozial existierende Norm . Und egal welche Lebensform man für sich wählt , man ist ja selbst dabei ob es für einem zum Gefängnis wird oder sich frei anfühlt.

Für mich im Prinzip auch nicht. Als Norm würde ich jetzt die Lebensweise der Mehrheit ansehen, die ja durch verschiedene statistische Erhebungen gemessen wird.

Was ist denn für dich der Hintergrund, dieser Fragen ?

Hintergrund der Frage ist, dass es mich erstens schon seit meiner Grundschulzeit interessiert, wie andere Menschen warum wie leben (müssen) und andererseits, dass ich finde, dass das Thema sehr spannend, aber wenig diskutiert wird. Vermutlich auch, weil es eben so privat ist. Oder anders gesagt: Wenn eine Frau ein Kind erwartet, wird nicht gefragt: „Oh, warum hast du dich denn für Nachwuchs entschieden?“, sondern es wird gratuliert (= unausgesprochene soziale Regel/erlernte Verhaltensweise/Höflichkeit etc.). Und auch Eltern werden nicht gefragt, warum sie sich für Nachwuchs entschieden haben; umgekehrt ist das aber durchaus möglich. Solche Fragen finde ich spannend und wie sich das über den Zeitverlauf wandelt. Also heutzutage kann ich Fragen stellen, die meine Oma beispielsweise nicht laut aussprechen konnnte. Also Tabus, Stigmata, Lebensentwürfe, Ausschlussprozesse… sowas interessiert mich. :slightly_smiling_face:

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Ein Lebensentwurf kostet Geld, nur haben das manche kaum und sind auf das Wohlwollen anderer angewiesen.

Meine Vorbilder sitzen alle im Gefängnis oder wurden Hingerichtet aber so richtige Vorbilder sind es jetzt auch nicht. Was ist überhaupt ein Vorbild, jemanden dem man nach eifert, kann man das überhaupt Steuern mit schwerer ADHS?

Absolut wichtiger Punkt, stimme 100 % zu. :slightly_smiling_face:

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Ich war mal wie der kleine Emile von Rosseau, dann kam die erste Frau nach tausend Jahren und aus dem edlen Emile wurde ein schmuddeliger Kevin. Kevin mag halt Frauen. No Front gegen Kevin s und Chantall s. Eine Sophie zu finden ist aber auch ein sehr Ambitionierter Lebensentwurf als mittelloser Pflegefall.

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Das stimmt, muss aber keine Entschuldigung sein, keine Lebensentwürfe zu haben bzw. Entscheidungen für sein Leben zu treffen.

Gehörte zu meinem Lebensentwurf, eine Jacht im Mittelmeer und ein Privatflugzeug zu haben, müsste ich sagen, sorry, kann ich mir nicht leisten. Aber selbst wenn ich das Geld hätte, würde ich mir diese Sachen ganz sicher nicht anschaffen.

Es kann aber auch zum Lebensentwurf gehören, etwas nicht zu tun. Kein Fleisch zu essen oder keinen Alkohol zu trinken. Das kostet nichts und spart sogar Geld.

Wenn ich mir bei Bekannten angucke, wie teuer für sie Trennungen und neue Partnerschaften wurden, vor allem wenn die Kinder in zwei Haushalten eigene Zimmer haben oder regelmäßig besucht oder abgeholt werden müssen, kann ich sagen, wir haben durch unsere lange Ehe schon viel Geld gespart. (Natürlich nicht, weil wir cleverer wären als Andere, sondern weil wir ein Riesenglück gehabt haben.)

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Bin mitte 20 und da denkt glaub niemand ans heiraten xD also nein. Lebe seit kurzem mit meinem Partner zusammen, wir sind aber nicht mal 1 Jahr ein Paar also vor 30 geht da sicher nichts, wenn überhaupt. Uns beiden ist das Thema eigentlich voll egal. Aber aus steuerlichen Gründen wäre es schon gut, ich bin selbständig :joy: :money_mouth_face: aber wenn, dann nur mit Ehevertrag!!

Und in meinem Freundeskreis ist das auch kein Thema tatsächlich. Ja, die ein oder andere Freundin träumt von der Märchenhochzeit, die sind aber momentan alle Single also…der Traum ist noch in weiter ferne. Und sind wir mal ehrlich, so ne Traumhochzeit kann sich eh keiner mehr Leisten, außer man verschuldet sich für die Hochzeit (was ich persönlich absolut schwachsinnig fände aber okay).

Mein Partner und ich haben beide ADHS, und wir sind beide beruflich ehrgeizig. Er hatte schon mit Anfang 20 eine Führungsposition inne, ich hab mit Anfang 20 mein Business neben dem Studium gegründet. Was so Familie und Partnerschaft angeht - da versuchen wir beide einfach nur zu überleben :rofl: ohne große Ansprüche momentan. Ob wir mal ein Kind wollen, keine Ahnung, ich ganz sicher nicht vor mitte/ende 30, ich hab erstmal andere Ziele und will v.a. meine Selbständigkeit natürlich ausbauen, denn als Frau bekomme ich keinen bezahlten Mutterschutz/Elterngeld als Selbständige, das muss man halt auch berücksichtigen.

Nein, nicht das ich wüsste.

Ich, ich ganz alleine :100: darauf bin ich auch stolz. Trotz aller Schwierigkeiten in der Schule (Diagnose kam erst im Studium) und Uni, irgendwie immer meinen Weg (erfolgreich) gegangen…

Na ja, was heißt erfüllen - Job sollte schon jeder Mensch habe, sofern es körperlich/geistig geht. Von gesunden Leuten, die auf der faulen Haut liegen, halte ich nichts. Eigenheim? Gen Z kann sich das eh nicht leisten :joy: davon habe ich mich schon längst verabschiedet, mein Partner auch. Ehe? Wie bereits gesagt, Zweitrangig. Kinder? Ja, da fühle ich als Frau natürlich den gesellschaftlichen Druck :roll_eyes: egal ob in der Familie, auf social Media… aber gott sei Dank wendet sich das Blatt ja gerade in der Gen Z und viele sagen bewusst, sie wollen keine Kinder. Finde ich gut ,dass das kein Tabu (mehr) ist. Ich bin auch eher gegen Kinder, ehrlich gesagt ( aus vielen persönlichen Gründen). Aber wer Kinder haben will - go for it.

Wieso sollte es Utopie sein? In meiner Verwandtschaft gibts einige Onkel/Cousinen/Cousins im alter von 40-65 die nie geheiratet haben (und es wahrscheinlich auch nicht mehr werden), die keine Kinder haben, die zur Miete wohnen. Teilweise mit fester, langjähriger Partnerschaft. Ihre Gründe gegen Kinder und Ehe kenne ich nicht, geht mich aber auch nichts an. Die sind genauso glücklich/unglücklich wie die Leute mit Ehe und Kinder, behaupte ich mal :wink: also ich persönlich sehe da jetzt nichts Utopisches dran. Ich habe/hatte auch an der Uni oder im Kollegenkreis viele Leute, die im alter von 40,50,60+ unverheiratet/geschieden waren und/oder keine Kinder hatten.

Ob es befreiend ist? Puh, das fände ich zu viel gesagt. Es interessiert halt niemanden :woman_shrugging:t2: wirklich, mir ist es absolut egal ob jemand heiratet oder nicht, ob jemand Kinder hat oder nicht, ob jemand Karriere hat oder nicht…was sollte mich das Leben anderer jucken? Glaub das ist auch so ein Generationen Ding, der Gen Z ist das absolut latte was jemand mit seinem Leben macht : D wir supporten uns gegenseitig, egal welcher Lebensentwurf :heart_hands:t2:

Sehr philosophisch, aber ich denke da ist was dran; gerade die millennials, die jetzt schon die ersten Scheidungswellen erleben, sagen teilweise ganz offen, ja sie haben nur geheiratet und Kinder bekommen „weil man das halt so macht“. Zumindest hab ich das online schon seeehr häufig die letzten Jahre gelesen/gehört. Wird teilweise ja auch in YouTube Formaten von den öffentlich-rechtlichen darüber ausgiebig geredet. Also ja, man sollte sich (alleine der Kinder wegen!!) sehr sehr sehr genau überlegen, ob man bspw. wirklich Kinder will, oder ob das nicht eher an äußeren Einflüssen liegen könnte.

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Und da liegt mein Problem. Ich bin ziemlich Ambivalent.

Tach Quantico,

  • Gesellschaftliche Normen sind mir Latte. Ich bin so wie ich bin - und wer mit mir zu tun haben möchte, sollte schon bereit sein mich auch so zu akzeptieren.
  • Meine Vorbilder waren meine Großmutter und meine Eltern. Heutzutage suche ich jedoch nicht mehr nach Vorbildern, sondern gestalte mein Leben frei nach meinen Werten.
  • Es gab keinen „Lebensentwurf“. Ich nahm das Leben wie es kam und suchte mir meinen Weg.
  • Wieso könnte? Ich habe mir kein Eigenheim gekauft. Überhaupt; von welchem Geld hätte ich das tun sollen? Und geheiratet hatte ich zwar, aber inzwischen ist die Beziehung auch schon wieder Vergangenheit. Außerdem war die Idee der Heirat eh nicht auf meinem Mist gewachsen - sondern der Ratschlag einer Paartherapeutin.
  • Die Ausrichtung als neurodivergenter und diverser Mensch an neurotypischen und normalgeschlechtlichen Normen ist kein Gefängnis, sondern schlicht zum scheitern verdammt. Aus einem Gefängnis kann man sich in den seltensten Fällen aus eigener Kraft befreien. Aber gegen gesellschaftliche Nornen und Zwange kann man sich auflehnen und darauf bestehen, seinen eigenen Weg zu gehen.
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Die Ausrichtung als neurodivergenter und diverser Mensch an neurotypischen und normalgeschlechtlichen Normen ist kein Gefängnis, sondern schlicht zum scheitern verdammt. Aus einem Gefängnis kann man sich in den seltensten Fällen aus eigener Kraft befreien. Aber gegen gesellschaftliche Nornen und Zwange kann man sich auflehnen und darauf bestehen, seinen eigenen Weg zu gehen.

Ich stimme dir da sehr zu und sehe und handle ähnlich. Nur: Viele Menschen lassen sich durchaus von Lebensentwürfen anderer Menschen - mitunter sogar sehr stark - beeinflussen, wie beispielsweise sog. soziale Ansteckungseffekte in der sozialwissenschaftlichen Forschung gezeigt haben (siehe z.B. unten).

Das finde ich super spannend, denn wir sind natürlich einerseits soziale Wesen und bedürfen anderer Menschen und ggf. auch eines sozialen Umfeldes, aber dass soziale Normen oder „das, was die Kollegin/der Nachbar tut/kauft“ doch einen so erheblichen Einfluss haben kann, finde ich sehr bemerkenswert. Die meisten Menschen wollen offenbar keine Außenseiterposition inne haben, sondern sich in ein bestehendes gesellschaftliches Gefüge einordnen (können). Ich meine, dass Zugehörigkeit auch ein bedeutendes menschliches Grundbedürfnis ist (Bedürfnispyramide nach Maslow).

Mich interessiert das auch immer in Hinblick auf größere Gruppendynamiken wie sie beispielsweise in Diktaturen (NS-Zeit hier besonders hervorgehoben) auftreten. Dazu kann ich übrigens auch die Dokumentation „Hitler und die Nazis - Das Böse vor Gericht“ empfehlen. Sehr spannend, lehrreich, aber auch verstörend.

  • Meine Vorbilder waren meine Großmutter und meine Eltern. Heutzutage suche ich jedoch nicht mehr nach Vorbildern, sondern gestalte mein Leben frei nach meinen Werten.

Bei mir war es ähnlich. Ich habe von meinen Eltern, Großeltern, Großcousinen, Tanten etc. (habe eine große Familie sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits) gewisse Grundwerte mitbekommen und gewisses Verhalten auch erlernt; also ich wurde mehr oder minder „gelenkt“ bzw. mit einem „klaren Konzept“ (?) erzogen. Daraus habe ich mir die Werte, mit denen ich noch immer übereinstimme, herausgegriffen, aber auch eigene Werte bzw. im Grunde ein ganzes Wertesystem entwickelt, nach dem ich zu leben und zu handeln versuche. :slight_smile:

Da ich auch viele Grundannahmen wie „Jede Person ist seines eigenen Glückes Schmied“ hinterfragt und nicht als Naturgesetz bzw. unumstößliche Wahrheit verstanden, generell viel recherchiert, beobachtet, mich mit vielen Menschen ausgetauscht habe, sind viele Überzeugungen auch für immer verschwunden (ich halte obiges Zitat schon länger für völlig verkürzt). Das heißt natürlich nicht, dass ich jetzt unfehlbar oder alle meine Ansichten toll wären, keineswegs.

Nur dieses Hinterfragen der Ansichten gerade von sehr engen Bezugspersonen hat mich doch sehr geprägt und irgendwie auch gestärkt in meiner eigenen Lebensführung. Kennt das jemand auch?

Ich vermute, dass mir am meisten die Diversität in meiner (erweiterten) Familie sehr geholfen hat, eigene Ansichten auszubilden. Hinderlich wäre es, glaube ich, gewesen, wenn entweder gar nicht diskutiert worden wäre oder es so eine Art „Oberhaupt“ gegeben hätte, dem alle in seiner Ansicht gefolgt wären (gab es bei uns nicht, weil jede Person gehört wurde und sich kein Einzelner durchsetzen konnte).

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Vor vielen Jahren O-Ton eines Bekannten so Mitte 20 in Beziehung : „Irgendwann muss man ja Heiraten und ein Haus bauen!“ und hat es dann wegen dem „Muß“ genau so getan.

Der hatte wiederum auch komische Begründungen, warum das bei mir mit 35 immer noch nicht geklappt hat. :sweat_smile:

Durch bestimmte Verhaltensweisen/Lebenskonzepten habe ich, obwohl ich mich akzeptiert fühle eine „Außenseiterpaoition“ inne. Das nervt mich schon, weil ich dann im Fokus bin oder kommentiert werde, oder mich erklären muss. Das Problem hätte ich dann nicht, wenn ich einfach mitlaufen würde. Aber ich kann nicht einfach mitlaufen , weil sich in mir was sperrt, wenn ich mir nicht treu bleibe.

Wenn ich es mir wünschen dürfte , dann fänd ich es angenehmer wenn ich dabei nicht auffallen und es nicht kommentiert würde, weil auffallen will ich ja eigentlich gar nicht , sondern einfach nur so sein wie ich bin.

Ich bin ungeimpft durch die Pandemie und das war mein kleines privates „Sozialprojekt“ und durfte alle Seiten der Medallie des sozialen Miteinanders dabei erleben. Im wesentlichen aber ein positiver und konstruktiver Umgang mit mir . :folded_hands:Aber auch , dass man mich verrecken sehen wollte, dass man solche Menschen wie mich bei Krankheit nicht behandeln dürft, Wunsch nach Zwangsimpfung - wenn es sein muss mit Gewalt, Drohung den Job zu verlieren etc…, finanzielle Einschränkungen etc…, klare Ausgrenzung.

So ähnlich war es bei mir auch, sei es im positiven oder aber auch eine Abgrenzung gegen sehr destruktive Erziehungsideen und Lebenskonzepte.

Aber in allem war in mir auch immer eine innere Stimme oder ein Bauchgefühl , wo sich dann in mir irgendwie was wehrte , und das egal mit welcher Konsequenz , die daraus resultieren könnte. Also ein Bauchgefühl wo ich nicht mal was konkret Begründen könnte , sondern das ist dann ein tiefes klares „Nein“ was plötzlich da ist .

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