Medikamente: Brauche mal eure Hilfe

… und euer gesammeltes Wissen.

Ich bin noch neu hier, aber habe mich relativ intensiv eingelesen. Jetzt ist mein Termin beim Arzt vorgezogen worden und ich muss mich schnell entscheiden, wie es mit meiner Medikation weitergehen soll.

Meine ADHS Diagnose habe ich bereits seit fast 2 Jahren, aber ich bin vermutlich noch nicht gut eingestellt und habe zwischen Ritalin und Elvanse gewechselt.

Mein Profil hat kaum Anteile vom hyperaktiven ADHS (0,5 von 9 Symptomen), ich bin ein fast ausschließlicher ADS Typ (7,5 von 9 Symptomen). Zusätzlich bin ich sehr stark von SCT betroffen (22 von 26 Punkten). Mein Psychater vermutet eine komorbide Depression, was sich auch in den Onlinetests widerspiegelt. Eventuell gibt es auch Überschneidungen mit dem Autismusspektrum, dort habe ich in den Onlinetests ebenfalls eine sehr hohe Punktzahl mit 40 von 50 möglichen. Mir ist klar, dass das kein professionelle Diagnose ist, aber vielleicht habt ihr dann ein genaueres Bild meiner Schwierigkeiten. Offiziell gibt es nur die ADHS Diagnose.
Mein Hauptprobleme sind mangelnder Antrieb, keine Konzentration und Fokussierung, Prokrastination von unangenehmen Aufgaben, mangelnde Priorisierung, Perfektionismus, kann Sachen nicht einfach sehen sondern muss zwanghaft in die Details gehen.
Bisher habe ich Ritalin Adult bis zu 40 mg/täglich in verschiedenen Dosen über den Tag genommen, am Anfang hat es ganz gut funktioniert, aber die Wirkstofffreisetzung hat nicht gut gepasst. daher Wechsel auf Elvanse. Die erste Einnahme mit 10 mg war super, danach aber nicht mehr. Langsame Dosissteigerung über drei Monate) auf 50mg verwandelte mich in ein Nervenbündel, ich war nicht mehr ich selbst, hatte keine Tiefschlafphasen mehr. Daher zurück zu Ritalin Adult, dass hat dann aber in einer akuten Stresssituation dazu geführt, dass ich gehäuft depressive Symptomatik gezeigt habe.
Dann stand eine Therapie mit Buproprion im Raum, das wollte ich zu dem damaligen Zeitpunkt aber nicht.
Aktuell bin ich seit 3 Monaten wieder bei Elvanse, da ich nach dem Lesen hier im Forum nohmal einen Versuch mit einer sehr geringen Dosis starten wollte. Aber ich komme wohl nicht so gut damit klar: bei sehr niedrigen Dosen (5mg bis 15mg) werde ich eher aggressiver (was ich sonst nicht bin), bei höheren 20 bis 30 mg kann ich nicht schlafen. Insgesamt gibt es kaum bis keine Verbesserung bei meinen Hauptproblemen.

Nun bin ich hin und hergerissen, versuche ich es noch weiter mit Elvanse (obwohl ich es inzwischen eigentlich nicht mehr nehmen möchte), brauche ich mehr Geduld? Oder sind Ritalin und Elvanse vielleicht für mich die falschen Medikamente und ich sollte Buproprion eine Chance geben? @UlBre schrieb ja mal in einem Beitrag, dass man sich und den Medikamenten Zeit geben sollte, um nicht vorschnell eines auszuschließen.

Ich hoffe ihr könnt mir helfen und es waren nicht zu viele Details…

LG und danke,
Unke

Hi,

hast Du Koffein, Thein und dunkle Schokolade bei der Eiundosierung weggelassen ?
Nimmst Du das derzeit parallel zu Dir ?

Das habe ich tatsächlich nach der Anleitung hier beim letzten Eindosieren von Elvanse so gemacht. Beim Ritalin Adult nicht, da ich es damals noch nicht wußte…

Hallo Unke,
Es kann durchaus sein, dass Du komorbide Ängste entwickelt hast, z.B. Arbeits- oder Versagensangst. Prokrastination und Perfektionismus können durchaus eine Folge sein, und das Vertiefen in eine Aufgabe kann auch ein Ausweichen sein.
Prokrastination und Angst machen immensen Stress. Chronischer Stress hat diesselben oder vielleicht noch stärkere Symptome als ADHS, man hat also doppelt ADHS…

Stimulanzien wie Elvanse verstärken Stress, so zumindest meine Erfahrung.
Das bedeutet: erst bzw. zeitgleich muss der Stress weg. Sport, Meditation, Delegieren von Aufgaben, sinnvolle Bewältigungsstrategien trainieren, da kommt man nicht drumherum. Wobei der Anfang schwer ist, es wird dann leichter.

Ich bin so vorgegangen, dass ich sehr langsam aufdosiert habe, ausgehen von einer Dosis, bei der ich noch nicht nervös war.
Mit Therapie, Meditation, Sport den chronischen Angststress (vielleicht macht der Dich aggressiv?) runtergefahren und immer wieder leicht aufdosiert. Der Prozess hat insgesamt zwei Jahre gedauert, hat sich aber gelohnt!
Von 7 mg bin ich jetzt bei 50 mg Elvanse, schiebe Unangenehmes ganz normal auf, aber nicht mehr pathologisch…
Schlaf ist ein guter Hinweis, ob alles ok ist.

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Danke Hibbelanna für deine Antwort!

Versagensangst spielt definitiv eine Rolle, da hast du recht. Daher beginne ich viele Aufgaben auch erst gar nicht. Das macht Stress und führt erst recht zu Blockade, zu schlechterem Schlaf und dann zu schlechterer Konzentration. Ein Teufelskreislauf, aus dem ich im Moment aber ohne Medikation anscheinenden nicht herauskomme, obwohl ich den Mechanismus kenne.
Hast du deine Dosis nach Bedarf oder nach einem festen Schema gesteigert? Wie hast du gemerkt, dass die Dosis zu hoch oder zu niedrig war?

LG,
Unke

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