Medikinet ohne Eindosierung

Hallo zusammen :blush:

Ich habe Ende des vergangenen Jahres, für mich recht überraschend, mit 28 Jahren die Diagnose ADS erhalten, nachdem ich eigentlich primär wegen einer generalisierten Angststörung ca. 6 mal beim Psychiater war und von meinen Problemen mich auf meine Arbeit zu konzentrieren berichtet habe.
Es wurde dann ein Test durchgeführt und am Ende dieses Termins stand dann die Diagnose und ich wurde mit einer Überweisung zum Hausarzt für ein Blutbild und EKG um mit medikamentöser Therapie beginnen zu können und vielen Fragezeichen entlassen.

Es hieß dann ich könne mit medikinet 5mg beginnen, es seien bis zu 60mg also auch eine Steigerung möglich und nach reiflicher Überlegung aus Angst das Medikinet auszutesten habe ich mich dann dafür entschieden.
Die ersten Tage waren schwierig, vermutlich weil ich auch zu genau aus Angst auf jedes kleinste Zeichen einer Nebenwirkung wie Herzrasen geachtet habe, danach habe ich allerdings dann eine Besserung während der wirkzeit bemerkt und es primär wegen einer langen Autofahrt die Anstand weiter genommen, dabei hat es mir auch durchaus geholfen, die Strecke hätte ich mir so nicht zugetraut. :slight_smile:

Mein Arzt sagte ich könne das Medikinet bis zu zweimal täglich nach Bedarf nehmen, also am Wochenende oder im Urlaub auch weglassen.

Mein nächster Termin war dann erst 4 Wochen später, ich habe zwei Wochen lang unter der Woche Medikinet genommen und nach der ersten Woche keine so starke Wirkung mehr bemerkt, ich bin immer noch sehr motorisch unruhig und schweife oft in Gedanken ab, auch meine ständige Müdigkeit ist noch etwas spürbar.
In meinem Urlaub habe ich dann die Einnahme pausiert.

Als ich dann wieder beim Psychiater war und das Thema angesprochen habe mit der Wirkung hieß es nur dass ich ja auch jahrelang meine Gedankenmuster , also das abschweifen in Gedanken, als Gewohnheit habe und es schwer sei das ganz wegzulassen, eine Steigerung der Dosis wurde überhaupt nicht thematisiert und dann das Gespräch weg vom Medikament in eine andere Richtung gelenkt.
Hier lese ich immer wieder dass es eine Eindosierungsphase geben sollte und war etwas verwundert, ich wollte aber auch nicht von mir aus eine Erhöhung der Dosis ansprechen. :sweat_smile:

Jetzt habe ich bald nach erneuten 4 Wochen meinen nächsten Termin, ich nehme das Medikinet nur an Tagen mit Meetings weil ich kaum einen unterschied merke ohne Medikament , immerhin ist dafür auch kaum noch ein rebound zu merken.

Ich frage mich jetzt ob ich versuchen sollte beim nächsten Besuch gezielt eine erhöhte Dosierung anzusprechen, mich wundert das Vorgehen doch etwas so ohne eindosierung nachdem es anfangs hieß man könne die Dosis erhöhen.

Vielen Dank fürs lesen des langen Textes :blush:

Hallo Elly,

also grundsätzlich sind 5 mg als Eingangsdosis ungewöhnlich (wenig). Normalerweise wird mit 10 mg / Tag begonnen und dann bei Bedarf nach 1-2 Wochen auf 20 mg gesteigert usw. Das sollte deine Ärzte auch wissen und dich dahingehend auch beraten.

Medikinet kann offiziell 2x täglich genommen werden. Was auch Sinn ergibt, da die Wirkung nicht den ganzen Tag abdeckt. Einige (u.a. ich) nehmen es auch 3x täglich.

Wenn Du Angst vor Medikamenten hast, dann ist das natürlich ernst zu nehmen. Aber davon abgesehen wird deine Dosis viel zu gering sein, um positive Effekte zu merken.

1 „Gefällt mir“

Ist es denn Medikinet Adult Oder die unretardierten Tabletten ?

Ich nehme Medikinet adult

Möglichst niedrig mit der Dosierung zu beginnen kam mir sehr gelegen, weil ich so eine Angst vor Medikamenten habe , nachdem ich es jetzt aber einige Male genommen habe würde ich eben doch ganz gerne eine höhere Dosierung ausprobieren.

Zu Beginn habe ich ja schon einen positiven Effekt, gerade in Hinsicht auf meine Müdigkeit gemerkt, aber jetzt merke ich wie du auch sagst so gut wie gar nichts.

Wenn das eine sehr geringe Dosierung ist, sollte ich mich vielleicht dann überwinden und meinen Wunsch einer höheren Dosierung direkt ansprechen.

Mein Arzt ist damals bei mir auch mit 5mg angefangen. Sein Schema für mich war mit wöchentlicher Steigung.
5/0/0
5/5/0
5/5/5
10/5/5
10/10/5
10/10/10

Und danach der feinschliff.
Ich war/bin auch vorsichtig und empfindlich und habe jede Dosisanpassung gespürt.

Bin einfach seinem Plan gefolgt weil ich das Gefühl hatte er weiß was er bei mir tut .

Ich war allerdings auch gut begleitet.

manche steigern auch zunächst die erst Dosis .

Hallo Elly,

Herzlich willkommen hier im Forum!
Mich wundert, dass du bei einer generalisierten Angststörung mit MPH beginnst. Bei mir hat MPH in höheren (aber gut wirksamer Dosis) die Ängste verstärkt. Auch hatte ich im Rebound Probleme mit starker Müdigkeit.
Elvanse wirkt bei meiner Unaufmerksamkeit nicht so gut, aber gut gegen die Müdigkeit und hat weniger Nebenwirkungen und Rebound.
Du findest hier im Forum gute Hinweise zur Eindosierung. Kurz gesagt, die richtige Dosis findet man in dem man bis zur Überdosierung steigert. MPH wirkt ja nicht so lange, daher brauchst du auch gar keine Angst vor einer leichten Überdosierung haben.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Eindosierung.
Lg, Georg

Ich habe auch bevor ich begonnen habe Medikinet zu nehmen hier im Forum die Eindosierungshilfetabelle gefunden und eigentlich immer von einer schrittweisen eindosierung gelesen.
Umso verwirrter war ich als es dann hieß ich könne 1-2 mal täglich nach Bedarf erstmal 5 mg nehmen und man könne dann gucken ob man ggf. steigert, weil ich davon ausgegangen war, dass man immer in gewissen Intervallen bis zur Überdosierung steigert und dann einen Schritt zurück geht.

Mit einem Plan wie deinem hätte ich auch eine gewisse Sicherheit gehabt, die mir bei dem Vorgehen in meinem Fall irgendwie fehlt, ich fand es schade dass ich damit erstmal etwas über 4 Wochen „allein gelassen“ wurde und als ich zur Sprache brachte, dass ich keine wirkliche Steigerung meiner Konzentration bemerke, dachte ich dass der Arzt mir daraufhin eine höhere Dosierung verschreiben würde und fand es irgendwie schade dass das abgetan / übergangen wurde. Irgendwie fühlte ich mich auch nicht richtig ernst genommen, als es hieß dass ich mir diese Art zu denken halt angeeignet hätte über Jahre - ich habe mir ja nicht angeeignet alle 5 Minuten gedanklich abzudriften, wenn ich nunmal ADS habe.

Natürlich möchte ich meinen Arzt auch nicht reinreden was er mir verschreiben sollte (generell bin ich nicht gut darin meine Meinung oder wünsche anzubringen ), aber ich werde zumindest mal vorsichtig ansprechen , dass ich es gut fände eine höhere Dosierung zu bekommen, vielleicht sollte ich ihn auch mal gezielt auf eine Eindosierung ansprechen , nachdem ich hier eigentlich ausschließlich davon lese, dass das so der übliche Weg wäre.

2 „Gefällt mir“

Danke :blush:

Ich denke es wurde Medikinet gewählt, weil ich erzählt habe, dass mein Bruder kurz vor mir diagnostiziert wurde und bereits Medikinet einnimmt und mir gut zugesprochen hat, dass es nicht so schlimm sei wie ich befürchte. Eine meiner größten Ängste ist das Ersticken und deshalb auch allergische Reaktionen / ein anaphylaktischer Schock (hatte früher starkes Asthma und habe ein paar harmlosere Allergien), weil mein Bruder mir hinsichtlich der Allergien ähnlich ist, hat es mich also beruhigt dass er auf den Wirkstoff gut reagiert hat ( ich weiß der Gedankengang ist etwas seltsam und das ist eigentlich keinerlei Sicherheit, aber ich nehme jeden Gedanken der mich beruhigen kann dankend an :joy:).
Bisher habe ich auf Medikinet zum Glück nach den ersten 3 malen der Einnahme nicht mit Angst reagiert, kann natürlich auch an der niedrigen Dosierung liegen, deshalb danke für den Hinweis ! :blush:

Einen rebound habe ich nach den ersten Malen der Einnahme auch bemerkt und dann die Einnahme etwas nach hinten verschoben, damit dieser erst gegen Abend eintritt und nicht genau dann, wenn ich meine Tochter abholen muss.

Ich frage mich auch ob es so üblich ist, dass man das Medikament nach Bedarf nimmt, also einfach am Wochenende weglässt? Eine Eindosierung klingt für mich nach regelmäßiger / täglicher Einnahme.

1 „Gefällt mir“

Hi Elly,
Bei MPH habe ich auch immer wieder Pausen eingelegt. Eben wegen der Nebenwirkungen. Bei Elvanse mache ich nun keine Pausen mehr. Es wirkt einfach sanfter / subtiler.
Egal ob du MPH regelmäßig nimmst oder nicht, die passende Dosis solltest du trotzdem finden. Ist ja schon super, dass du die 5mg so gut verträgst!

Lg, tom

1 „Gefällt mir“

Was ebenfalls wichtig ist, beim Finden der richtigen Dosierung (was tatsächlich nicht so einfach ist, höchst individuell ist - weiblicher Zyklus z.B. - und seine Zeit dauert):

  • Kein Kaffee oder andere Stimulanzien (Alkohol usw.) während der Eindosierung.
  • Medikinet Adult sollte unbedingt zu oder nach einer Nahrungsaufnahme erfolgen, da sonst die verzögerte (retardierte) Freigabe des Wirkstoffs durcheinandergerät.
  • Führen eines Tagebuchs / Protokoll - Menge / Uhrzeit / Wirkbeginn / ggf. Nebenwirkungen (ich habe damit auch wieder Kaffee langsam in meinen Tagesablauf eingebaut).

Ich habe selbst mit der Menge experimentiert und meinem Arzt dann mitgeteilt, wie es wirkt und was sich für mich am besten anfühlt.

Ich bin regelmäßig zwischen den regulären Terminen zur offenen Sprechstunde gekommen, um kurze Absprachen zu machen oder Rezepte anzupassen - vielleicht ist das bei Dir auch möglich.

Das ist eine immer wieder diskutierte Frage. Auch mein Psychiater empfahl mir regelmäßige Pausen (am Wochenende). Da ich aber auch am Wochenende ADHS habe und ich auch in meiner Freizeit sehr stark von den positiven Effekten profitiere, mache ich diese Pausen ausgesprochen selten (ca. alle 8 Wochen 1 Tag).

1 „Gefällt mir“

Hi,
Falls ich bei höherer Dosierung verstärkt Nebenwirkungen bemerke, werde ich mal im Kopf behalten, nach einem testweisen Umstieg auf Elvanse zu fragen.

Ich hoffe ja, dass ich beim nächsten Termin erstmal Gehör finde was eine Eindosierung mit regelmäßiger Steigerung angeht.

1 „Gefällt mir“

Hey danke für die Antwort !

Ich hatte mir die Eindosierungstabelle vor meiner ersten Einnahme auch heruntergeladen und diese zu Beginn immer ausgefüllt (bis ich es dann irgendwann vergessen habe :sweat_smile:), leider kam das beim letzten Arztbesuch auch gar nicht zur Sprache.
Auf Koffein hatte ich, weil ich es hier so häufig gelesen hatte, ebenfalls verzichtet, mein Arzt hatte nur erwähnt dass ich vor der Einnahme etwas essen müsse.

Ich bin auf jeden Fall schon sehr froh über die ganzen Tipps hier, hätte mir aber eher gewünscht, dass das vom arzt ausgeht mit der schrittweisen Erhöhung und Co.

Ok, ich habe es zum Teil auch mal am Wochenende genommen, besonders wenn hier viele Kinder zu Besuch waren, weil ich schon das Gefühl habe, dass es mich etwas ruhiger macht. :smile:

Aber selbst mit der Menge experimentieren geht ja auch eher wenn man auch höhere Dosierung verschrieben bekommt oder hast du mehrere auf einmal genommen?

Mein Arzt hat leider keine offene Sprechstunde und ich würde auch nicht einfach hingehen ohne dass es mir angeboten wird um das von mir aus zu besprechen fürchte ich, deshalb warte ich jetzt auf meinen Termin in 1,5 Wochen und werde dann mal meinen Mut zusammen nehmen und das thematisieren.
Ich habe bei sowas immer Sorge, dass es schlecht ankommt dem Arzt da quasi „reinzureden“. :sweat_smile:

Um die Wirkung von 20 mg auszuprobieren habe ich dann einfach 2x 10 mg genommen. In deinem Fall 4x 5 mg.

Das ganze System muss sich dann auch erst einmal einpendeln. Ich hatte bei meiner Enddosis auch erst noch leichte Nebenwirkungen die aber nach 1-2 Stunden vorbeigingen und nach ein paar Tagen gar nicht mehr auftraten.

Wenn Du wirklich deutlich überdosiert bist, dann merkst du es.

Ich war am Anfang auch verzweifelt und wollte schon abbrechen (negativer Hyperfokus :smile:) Dranbleiben lohnt sich.

Das feine Dosieren ist ein Vorteil von Medikinet. Nicht ohne Grund gibt es mittlerweile auch 5 mg Tabletten.

1 „Gefällt mir“