Mit neuem Psychiater über mögliche Diagnostik sprechen

Hallo allerseits,

ich möchte mich kurz vorstellen: Ich bin 39 Jahre, männlich und lebe seit kurzem im Norden Deutschlands.

Da ich umgezogen bin, habe ich nächste Woche einen Termin bei einem neuen Psychiater. Bislang habe ich einige stationäre Aufenthalte und Psychotherapien hinter mir und nehme seit über 17 Jahren Medikamente (Antidepressiva und Neuroleptika). Meine Diagnosen sind eine schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv (F 25.1) und eine Soziale Phobie (F 40.1).

Bei dem neuen Psychiater habe ich recht schnell einen Termin bekommen - was nicht unbedingt Gutes heißen muss - und auch so manche Rezensionen schrecken mich ein wenig ab. Jedoch soll es primär „nur“ darum gehen, die Medikamentenversorgung zu sichern.

Allerdings umtreibt mich seit Neuestem ein Thema, das ich eventuell - je nach dem, welches Gefühl ich bei ihm habe - ansprechen möchte: Ich befürchte, dass bislang eine Diagnose bei mir ausgeblieben ist: ADHS. Ich verstelle mich in solchen Arztgesprächen oder auch bei psychiatrischen Aufenthalten und im Leben allgemein sehr gut, was wohl dazu geführt hat, dass bislang - abgesehen von meinem Partner - noch keiner den Verdacht geäußert hat.

Diese Tage habe ich allerdings alte Zeugnisse aus meiner frühen Schulzeit zur Hand genommen und gelesen, und was so mancher Lehrer berichtet hat, geht schon deutlich in die Richtung und auch wenn ich mich zurückerinnere und vergägenwertige, was mir heute sowohl beruflich als auch privat Schwierigkeiten bereitet, könnte ich ein ADHSler sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: Warum schreibe ich? Wie würdet ihr in meiner Situation vorgehen? Würdet ihr das Thema beim neuen Psychiater ansprechen oder sollte ich mich an eine „Fachstelle“ wenden - ich habe gesehen, dass es hier an der Uniklinik eine Psychiatrische Institutsambulanz geben soll. Doch allzu lange warten möchte ich auch nicht.

Vielen Dank fürs Lesen, ich freue mich auf eure Ratschläge.

Liebe Grüße

Oktober

Hallo Oktober,

willkommen im Forum.

Um eine Idee zu bekommen, ob, wie stark und mit welcher Ausprägung Du AD(H)S haben könntest, kannst Du den AD(H)S-Symptomtest auf ADxS.org machen. Es handelt sich um ein Onlinescreening. Eine richtige Diagnostik kann immer nur ein erfahrener Arzt oder Therapeut machen.
Viele User hier im Forum kennen den Test, sodass das Ergebnis hilft, Deine Beschreibung besser einzuordnen.

Viele Grüße

Hallo Oktober,
ich würde da ein bisschen nach deinem Gefühl gehen und wenn du weißt, dass du dich in solchen Gesprächen tendenziell verstellst, dir so ein Gespräch ggf. gut vorzubereiten.
Wenn der Psychiater dir sympathisch ist, würde ich meinen Verdacht äußern- für mich ist es ein Gütekriterium, dass ein/e ÄrztIn mich in meiner Kompetenz so ernst nimmt, dass sie oder er auch einen begründeten Diagnoseverdacht ernst nimmt. Wer mich da unterbricht, abwinkt, meine Erfahrung und Selbstkompetenz nicht schätzt, die oder den möchte ich nicht als Arzt/Ärztin haben.
Wenn der neue Psychiater dir da nicht geheuer erscheint, dann kannst du dich ja an die Ambulanz wenden.

Natürlich solltest du mit ihm sprechen, aber wenn er das nicht machen möchte oder kann, dich nicht abschrecken lassen.

Herzlich willkommen im ADXS-Forum! :adxs_anfeuer:

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Herzlich Willkommen im Forum!
Ja, spreche ihn darauf an. Auch wenn er die Diagnose nicht selbst erstellen kann: Vielleicht kennt er eine gute Diagnosestelle. Und selbst wenn auch er nur die Institutsambulanz kennen sollte: Wenn er als dein Arzt dort anruft und um einen Termin für dich bittet, geht`s eventuell etwas schneller, als wenn du nur mit deinem
eigenen und dem Verdacht deines Partners dort anrufst… :slight_smile: Einen Arzt nehmen die dort schon etwas ernster.

Aber was die Institutsambulanz betrifft, du hast nur geschrieben

aber nichts davon, dass es eine ADHS-Ambulanz ist.

Eine „normale“ psychiatrische Klinikambulanz hat im Zweifelsfall genauso wenig Ahnung von ADHS bei Erwachsenen wie ein normaler Psychiater. Wenn dort nichts von ADHS-Diagnose auf der Internetseite angegeben ist, würde ich nicht hingehen.

Hallo und vielen Dank für eure Antworten!

Ich habe den von Ulbre orgeschlagenen großen Symptomtest durchgeführt, und mein Partner hat den Fremdbewertungstest abgeschlossen. Die Ergebnisse deuten auf eine deutliche bzw. spürbare AD(H)S-Symptomatik hin. Das bestärkt mich, mit meinem neuen Psychiater darüber zu sprechen, wenn, mein Gefühl es zulässt.

Am Donnerstag habe ich den Termin. Ich werde gerne berichten. Gut vorbereiten werde ich mich auf jeden Fall.

@Falschparker, die Internetseite der Ambulanz, führt zumindest eine Sprechstunde „ADHS im Erwachsenenalter“ an. Daher bin ich guter Dinge, dass dort auch eine Diagnostik durchgeführt werden könnte.

Nochmals vielen lieben Dank, auch für das Willkommenheißen hier im Forum!

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Alles Gute Dir!

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