Negative Effekte bei Weglassen der Medikamente

Hallo zusammen,

bei mir (w, 41 Jahre) wurde während eines Klinikaufenthalts wegen Depressionen (Burnout) letzten Herbst ADHS diagnostiziert.

Ich wurde dort dann mit Elvanse 20mg eingestellt. Das Medikament hat in Bezug auf Konzentration, Gedankenkreisen und Impulsivität gut geholfen, allerdings merke ich jetzt nach ca. 1/2 Jahr der Einnahme dass die Wirkung gegen Abend echt stark nachlässt. Meine Hausärztin denkt dass die Dosierung hochgefahren werden sollte.

Was mir allerdings wirklich Schwierigkeiten bereitet ist, dass ich bei Nichteinnahme von Elvanse wieder sehr stark in negativen Gedankenschleifen festhänge. Dann viel grüble, Angst habe dass allen um mich herum was schlimmes passiert etc.

Da frage ich mich wie ich früher gelebt habe ohne Medikament, vor der Diagnose.

So komme ich ja nie mehr ohne Medikament aus…

Ist das bei euch auch so ???
Habt ihr auch einen negativen Effekt wenn ihr eure Medikamente mal weg lasst bzw. vergesst?

Viele liebe Grüße

Polygon

Hab seit beginn mit Elvanse letztenJahres im April keinen Tag ausgelassen, weil ich ähnliches vermute​:sweat_smile:

Vielleicht hängt das damit zusammen, v.a wenn Komorbitäten bestehen, die v.a sekundär zum AD(H)S entstanden sind, und leider wieder aufploppen wenn man aufhört das AD(H)S zu behandeln.

ich kenne den Gedanken gut, habe auch das Gefühl das ich dann nicht mehr arbeiten könnte usw. Das bedeutet für mich, dass das Medikament eben viiieeeeel Sicherheit gibt. Ob das so sein sollte, keine Ahnung. Würde man ja erstmal nicht davon ausgehen, das AD(H)S Medikamente vor allem für psychische Stabilität da is bei manchen.

So is es bei manchen eben die Konzentration oder körperliche Unruhe die belastet, bei uns eben mehr die emotionale Ebene. Womöglich kann man dann eher akzeptieren ein paar Tage unkonzentrierter zu sein, wie wenn eben Angstzustände oder Depressivität zurückkehrt.

Find ich ein spannendes Thema vielleicht hat ja jemand hier dazu Infos aus der Wissenschaft :slight_smile:

aber mach dir doch da jetzt nich zu viel Sorgen, is doch Toll das du gefunden hast was dir hilft :slight_smile: :four_leaf_clover:

Du kennst jetzt den Unterschied. Früher war der Zustand ohne Medikament für dich normal.

Schlimmer als früher ist es nicht oder vielleicht für wenige Tage schlimmer. Aber es erscheint einem schlimmer.

Der Gedanke, nicht mehr ohne Medikament auszukommen, ist vielleicht erschreckend, aber es gibt auch keinen Grund, das Medikament in absehbarer Zeit wegzulassen. Man kann Elvanse oder Methylphenidat viele Jahrzehnte nehmen.

Das ist ja der Beweis, dass es wirkt und du dass richtige Medikament hast,

Wäre doch ehr komisch, wenn du ein Medikament nimmst und hinterher merkst , dass es nichts bringt .

Das haben wir ja alle irgdwie hinbekommen bis halt nichts mehr ging . Vermutlich wäre uns das ein oder andere erspart geblieben, wenn wir es eher gewusst hätten .

Es kann sein, dass du es in einem Jahr noch mal ohne versuchst und das du es besser verträgst.

Manche vertragen das Absetzen von Elvanse nicht so gut und ich musste z.b alle paar Tage pausieren. Es könnte auch sein dass nur die ersten Tage bei dir so heftig sind und nach ein paar Tagen ist es aushaltbarer ???

Ich merke es auch wenn ich meine Medis weglasse oder vergesse , im wesentlich in den typischen ADHS Symptomen.

Ich pausiere auch mal bewusst und dann kann ich das in den ersten Tagen kompensieren und dann wird es schnell wieder chaotisch.

Ich habe bei den Auslassversuchen auch immer die kleine Hoffnung das es ohne geht, aber jedesmal überzeugt mich das Chaos vom anderen .

Viel mehr Sorge mache ich mir was wäre , wenn ich es plötzlich nicht mehr vertrage oder verschieben bekomme , weil es mir doch so sehr hilft .

Liebe @Polygon ist es nicht auch irgdwie schräg wenn wir uns dafür verurteilen, dass ein Medikament wirkt und wir ohne Medis weiterhin die Probleme haben die zur Diagnose gehören ?

Ich gehe davon aus, dass ich wohl immer die Medikation benötige. Ich habe ja auch ADHS unter den ruhigsten und sortiertesten Bedingungen,

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Meine Situation ist etwas anders, da ich zum einen Methylphenidat und zum anderen immer nach Bedarf genommen habe. Inzwischen muss ich ganz darauf verzichten, da sich erst Nebenwirkungen und dann Herzprobleme eingstellt haben, letztere davon unabhängig. Ich habe auch keine zusätzlichen Einschränkungen, vom Herzen abgesehen.

Am Anfang war es anstrengend bis absurd wieder komplett ohne auskommen zu müssen. Meine Impulsivität und eine stärkere Verpeiltheit waren deutlich spürbar. Damit musste ich besser umgehen, was mir insgesamt gelungen ist. In den fünfzehn Jahren mit Medikamenten habe ich Stratgegien entwickelt, die mir weiterhin helfen. Vieles plane ich ganz anders als vor der Diagnose und muss es jetzt eben noch genauer. Mit dem Gedankenkreisen habe ich nicht so schlimme Erfahrungen wie du. Für das, was mich nachts am Schlafen hindert, versuche ich es zur Zeit mit Atemübungen. Eine andere Option wäre Autogenes Training.

Dennoch vermisse ich die Medikamte. Es war leichter mit und freiwillig hätte ich sie nicht abgesetzt. Aber ich bin unglaublich erleichtert, dass es auch ohne geht. Denn davor hatte ich auch immer Angst.

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Ich denke auch dass ich aktuell nicht mehr aussetze bzw. versuche die Einnahme nicht zu vergessen :see_no_evil_monkey:

Das versuche ich auf jeden Fall. Die Bedenken kommen auch oft aus dem Umfeld wie bspw. “Früher hast du es doch auch ohne geschafft “ oder “also ich hätte Bedenken bei solchen Medikamenten, die will man doch nicht auf Dauer nehmen”

Aber mir hilft es - und das sollte ja die Hauptsache sein . :blush:

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Das könnte sein. Ich hab bisher immer nur mal 1-2 Tage ausgesetzt.

Das stimmt . Oftmals kommen die Bedenken aus dem Umfeld. Glaube wenn man die Diagnose so spät bekommt können viele nicht so recht damit umgehen bzw. glauben nicht so recht dass es sein kann.

Das probiere ich auf jeden Fall auch mal aus :blush:

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Die laufen alle nicht in deinen Schuhen, manchmal ist es besser, das Umfeld nicht mit einzubeziehen duckundwech

110%

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Ja, das habe ich auch gedacht. Viele empfinden die ersten 3-4 Tage nach dem Absetzen von Elvanse als unangenehm.

… oder dass es plötzlich nicht mehr lieferbar ist, bei dem Chaos auf unserem Planeten :grimacing:

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Manche Menschen müssen eine Brille tragen… manche müssen Blutdrucksenker nehmen… manche brauchen Insulin…. Und wir eben Stimulanzien​:upside_down_face:

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Da hast du natürlich Recht. So sollte man es eigentlich sehen :blush:

Hallo Polygon,

im Grunde ist es der Beweiß, dass deine ADHS Diagnose korrekt ist. Versuch einfach eine Höherdosierung, es gibt ja m.W. bei jedem irgendwann einen Gewöhnungseffekt.

Ich frag mich auch wie ich früher eigentlich funktioniert habe auf einem gewissen Niveau. ADHS scheint irgendwie in der Kindheit präsent zu sein, dann rutscht es irgendwann wohl in den Hintergrund, und bei mir mit 52 die Diagnose. Wobei ich schon sehr viel länger Konzentrationsprobleme hatte und ADHS locker auch 10 Jahre früher hätte entdeckt werden können. Ich kam per Zufall drauf. Meine Liste ist länger, nicht ganz so einfach herauszufinden was woher kommt.

Depris spielen übrigens auch eine große Rolle bei der Wirksamkeit von den Elvanse (ich hab Lisdex). Das hatte ich erst kürzlich. Ich dachte ähnlich wie du, dass das Zeug nicht mehr wirkt. Aber es war ein Depri der Lisdex im Grunde neutralisiert hat. Der Depri ist weg und Lisdex funzt wieder.

Alles nich so einfach wenn die Kopfchemie aus dem Gleichgewicht ist.

Was die Wirkung von Elvanse auch verlängert ist Bupropion. Das hab ich gerade eingeschlichen, und es verlängert/verstärkt bei mir die Lisdex Wirkung.

An deiner Stelle würde ich zuerst mal 25mg (Kapseln kann man öffnen und die Dosis ändern, oder das Pulver in einen Tee rühren….) oder 30mg Elvanse ausprobieren.

Grüße Chris

Ja, das dachte ich auch.

Keiner würde einem 40jährigen Menschen sagen:

“Ja, dass du deine neue Brille jetzt dauerhaft trägst…?! Willst du denn nicht davon loskommen? Da musst du ja immer wieder zum Augenarzt gehen und jährlich neue Gläser verschreiben lassen (der will daran doch nur verdienen!). Was für ein unnötiger Aufwand. Da gewöhnen sich deine Augen nachher noch an die Brille und du bist ohne total blind. Und dann??” :joy::joy::joy:

“Wie, du nimmst jetzt täglich Blutdrucksenker? Nee, würde ich ja niee machen. Einfach tief durchatmen, dann geht der Blutdruck auch so herunter, wirst sehen!”

Aber bei ADHS-Medis wird so etwas gesagt. Als sei das ein reines Luxusmittel. Eine kleine Droge, die man sich gönnt, aber nicht braucht.

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