Noch nicht diagnostiziert. Was tun bis dahin?

Moin!

Ich bin seit heute hier im Forum. Ich habe bereits 36 mal die Sonne umkreist und erst vor ca. 6 Monaten das erste mal konkret den Verdacht gehabt, ich könnte ADHS haben. Dass mit mir etwas nicht stimmt, wusste ich jedoch seit Jahren. Ich habe hier bereits den Test gemacht mit einem Ergebnis von 31 /46, was meinen Verdacht, an ADHS zu leiden nur bekräftigt hat.

Da ich derzeit noch nicht diagnostiziert bin (habe erst am 30 März einen Termin beim Neurologen), wollte ich gern wissen, was ich machen kann, bis zur Diagnose und wie es euch ging, was ihr so gemacht habt.

Und wie lange hat es bei euch vom ersten Verdacht bis zur (erfolgreichen) Therapie gedauert?

LG

Tido

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Bei mir hat es 18 Jahre gedauert :sweat_smile:
Also es wurde mir im Alter von 7 diagnostiziert aber nicht behandelt.
Jetzt habe ich mich unlängst für eine medikamentöse Behandlung entschieden.
Nebenwirkungen sind bei mir kaum vorhanden.
Aber von der Wirkung her… Ich kann in jedem Fall
Tätigkeiten viel fokussierter und schneller angehen.
Aber ich habe über die Jahre einen so großen Versagenskomplex aufgebaut, dass ich bei wichtigen Dingen trotzdem prokrastiniere. Ich habe halt Angst und fühle mich nicht gut genug.
Ach ja, am besten hilft es bei mir gegen Gedankenkreisen und innere Unruhe. Und ich kann mich prima beschäftigten mit allem was nicht negativ vorbelastet ist. Ohne Medikamente würde ich mir die ganze Zeit Selbstvorwürfe machen dass ich nicht lerne und am Ende gar nichts tun. So erledige ich wenigstens andere Dinge. Ich habe bloß eine Klausur nicht beim ersten Versuch bestanden (Vor der Medikation) und jetzt habe ich Angst davor herauszufinden, dass ich zu blöd dafür bin.

ADHS war für mich immer eine Randnotiz im Hinterkopf.
Es ist nicht so dass man mir deswegen irgendwas hat durchgehen lassen.
Du kannst dich ja über das Thema belesen bis dahin.
Psychoedukation gehört ohnehin zur Therapie und
es kann helfen gewisse Eigenarten und Verhaltensmuster nachzuvollziehen. Vielleicht versuchen nicht zu viel drüber zu Grübeln. Die Diagnose kann dir höchstens Möglichkeiten öffnen, durch eine Bezeichnung deiner Daseinsform
kann sich nichts zum negativen verändern, wenn du es selbst nicht daraus machst :smiley:

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Hallo @Tido :hugs: das ist ja super, dass es so schnell bei dir geht. Ich hatte vor genau 2.5 Jahren den Verdacht, dann kam die Pandemie und meine Anfragen gingen mehr oder weniger ins Leere (Wartezeiten von 9 Monaten bis 1.5 Jahren, Ambulanzen haben teilweise die Wartelisten bis heute geschlossen). Erst im September fand ich einen netten Psychotherapeuten, der mir weiterhalf und mir eine Psychiaterin empfahl. Seit einem Monat nehme ich jetzt Medikinet, es ist noch in der Beobachtungsphase und ich weiß noch nicht so ganz, ob es hilft.

Für die Wartezeit: Ich finde die Onlineartikel des englischsprachigen Attitude- Magazins gut und informativ, und mag die Videos von How to ADHD. Als Buch fand ich für meine Ungeduld am ansprechendsten „Die ADHS-Sprechstunde“ von Gerrit Scherf. Kurz, knackig, kompakt. Hoffe, geholfen zu haben, alles Gute.

Moin, bei mir ist es ähnlich. Vorerscheinungen gab es, aber hat keiner gemerkt oder weiter danach geschaut. Nun habe ich die 41 Lenze hinter mir und stehe bald vor der Medikation.

Ich treibe Sport und versuche mich hier im Forum einfach auszutauschen und mich vielleicht damit nochmals kennen zu lernen und in manchen Situationen auch besser zu verstehen.

VG
Lucky81

Sport ist sehr förderlich!
Ich habe zwar nicht die Disziplin für monotone Betätigung wie Joggen oder Fitnessstudio, aber ich power mich 3× die Woche 4 Stunden mit Badminton aus.

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Hauptsache ist doch es hilft einem… Was ist doch dann egal oder? :stuck_out_tongue_winking_eye:

Hallo zusammen,

das ist mein erster Beitrag, zu einem Thema, das mich auch gerade beschäftigt.
Ich stelle mich bei den Neuvorstellungen auch noch ausführlicher vor…

Ich habe vor 1 1/2 Jahren einen Termin für die ADHS Ambulanz zur Diagnoseabklärung erhalten und warte seitdem. Das Thema ADHS hatte ich bis dahin gar nicht auf dem Schirm (komme eher aus dem Bereich Angststörung…), je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr Sinn ergibt es aber für mich.

Ich habe mir einige Literatur zu dem Thema angeschafft und finde die Hintergründe interessant, mehr helfen mir aber praktische Tipps, auch aus der Literatur, aber auch aus anderen Quellen. Ich habe so zumindest einige Werkzeuge gelernt, die mir im Alltag und auf der Arbeit etwas weiter helfen.

Zum Beispiel Pomodoro-Technik um mich gezielt auf etwas zu fokussieren und mich möglichst nicht abzulenken (klappt nicht perfekt, aber es hilft schon). Ich versuche Ordnung im Haushalt zu halten und einen Terminkalender zu führen (was mich aber oft schon überfordert). Auch Prioritäten überdenken und sinnvoll setzen probiere ich mit einem gezielten Notizbuch, in dem ich alle wichtigen Sachen sammele und danach priorisiere und jeweils nur einen konkreten nächsten Schritt plane.

Was mir auch hilft, ist das Thema mit Freunden, meiner Freundin oder Bekannten anzusprechen.
Hier fängt aber auch die Problemzone an: Wie offen bin ich darüber, zumal ich ja noch gar keine offiziell diagnostizierte ADHS habe? Meine Freundin hat wenig verständnis und sagt schnell, ich „problematisiere“ alltägliche und selbstverständliche Dinge. Ich zweifle oft selber an mir und gerate in Selbstzweifel.

Also warte ich Prinzip sehnsüchtig darauf, wenigstens Klarheit zu bekommen und natürlich erhoffe ich mir auch Beistand und Besserung meiner Symptome.

Ach ja und Sport hilft mir auf jeden Fall auch - bei der körperlichen Unruhe, aber auch vor allem um meine Gedanken in den Griff zu bekommen, mich abzulenken und positiver zu denken.

Viele Grüße