Passende Berufe bei AD(H)S

Ich denke mal, die meisten hier kennen die Qual der Berufswahl: Reizüberflutung, zuerst Hyperfokus/Hyperfixierung und dann nichts zuende bringen bzw. Langeweile, Ausgrenzung/Mobbing, Grübeln, Abbrechen und Neuanfangen, instabile Psyche, emotional, impulsiv raus wollen, Probleme mit Disharmonie, usw. - die Liste der Probleme ist lang.
Was habt ihr für Berufe und gibt es vielleicht sogar einen Beruf, mit dem ihr gut klar kommt?
Ich habe schon so viele Berufe probiert (Busfahrer, Architekt, Stadtplaner, Soziologe, Tantra-Masseur, LKW-Fahrer, Mediengestalter, Barkeeper, …) und kam überall nicht klar. Während mich die Sinneseindrücke überfordert haben war ich in den Bereichen Kreativität, emotionale Intelligenz und Sinnlichkeit unterfordert. Ich finde es so traurig und seit Jahrzehnten bin ich depressiv. Ein passender Beruf würde mir viel Selbstbewusstsein geben. Aber leider ist Lego-Spieler kein Beruf.
Wie gehts euch damit?

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Das Problem bei AD(H)S ist nicht, dass die Aufmerksamkeit „defekt“ wäre, sondern dass sie aufgrund der veränderten / verringerten Motivierbarkeit anders (im Alltag: schlechter) funktioniert. Bei hoher intrinsische Motivation funktioniert sie dagegen ganz wunderbar.
Für den Beruf ist es daher wichtig, etwas zu finden, was dich in drin sich wirklich, wirklich interessiert.

Und dann gibt es bei manchen Menschen das Problem, dass sie kein Interesse auf Dauer behalten können, sondern dass deren Interesse immer wechselt, alle paar Monate oder Jahre. Da ist es dann nahezu unmöglich, einen Job zu finden, der einen wirklich interessiert.
Dann bleibt nichts anderes, als zuerst die Medikation richtig und sauber einzustellen und dann zu schauen, aber die Motivierebarkeit (das Interesse) sich stabilisiert.

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@anon43680050 ich dachte immer meine beruflichen Umorientierung kann man kaum Topen aber vom Architekt und Statplaner zu LKW Fahrer ist schon krass, Barkeeper ist schon auch nicht ohne.

Beim mir war es Chronologisch so. ( Die Zahl 1-6 dahinter = Zufriedenheit im Beruf - 1 ist sehr gut )

Zimmermann 4
Schalungszimmerer im Hochbau Akkord 4
Bundeswehr Grundwehrdienst 4
Audi Bandarbeit 4
Detektiv 3
Personenschutz 3
Betonmischerfahrer 2 13 Stunden Arbeitstag
Betonpumpenfahrer 2 13 Stunden Arbeitstag und mehr
Staplerfahrer 3
Sattelzugfahrer 4
Lagerist 4
Maschinenbediener Industrie 4 + 2 mal Firmenwechsel
Kieswerk Laderfahrer 3
Labortätigkeit im Betonwerk 4
Mischmeister Betonmischanlage 3
Disponent Betonmischer 4
Werkleiter Betonwerk 3
Tiefladerfahrer und Baggerfahrer 3
Fahrzeugbau 3

Alleine im Betongeschäft hatte ich 8 mal einen Firmenwechsel und nichts davon war Leiharbeit.
Glücklich war ich nirgendwo

Ich hatte früher genau die selbe Ansicht wie du. Leider habe ich gemerkt, dass deine Ansicht unrealistisch und naiv ist.

Ich dachte auch, dass ich einfach nur etwas finden muss, was mich begeistert. Die Realität sieht aber oft anders aus und genau das ist ja das Problem.

Beispiel: Mich hat ein Thema konstant intrinsisch motiviert und begeistert, für das es mehrere Berufsbilder gibt. Alle diese Berufe habe ich gelernt und angefangen auszuüben, aber all diese Berufe waren neben den begeisternden Teilen konträr zu meinen ADHS-Eigenschaften, sodass ich trotz meiner hohen und stabilen intrinsischen Motivation alle Berufe verlassen musste.

Außerdem habe ich mich wegen dieser hohen Begeisterung so sehr in die Arbeit gestürzt, dass ich bis zu 300 Stunden im Monat gearbeitet hab und mich in der Freizeit permanent zusätzlich mit dem Thema des Berufs und der Branche auseinandergesetzt hab. Ich konnte nicht anders, weil meine Begeisterung eben so groß war. Das nennt man wohl ADHS-typischer Hyperfokus/Hyperfixation. Außerdem haben mich aufgrund meiner hohen Begeisterung Sachen, die in der Firma, in der Branche oder in der Produktentwicklung, Unternehmens-Kommunikation, im Marketing und Kundenservice schief liefen, extrem beschäftigt, emotional mitgenommen und in viel Frust und Wut getrieben, die ich definitiv nicht gehabt hätte, wenn mich der Beruf weniger begeistert hätte, weil es mir dann, wie den meisten Kollegen, schlicht egal gewesen wäre.

Durch meine konstant hohe Begeisterung habe ich in den Pausen freiwillig und teils heimlich Qualitätskontrolle im Lager gemacht und in der Freizeit konnte ich nur noch über Produktentwicklungen nachdenken. Es hat zwar neben all dem Frust und all der Wut -die daher rührte, dass der Chef und seine Mitarbeiter so unglaublich oft unfähig waren und das Potenzial ihrer Produkte null ausgeschöpft haben- auch Spaß gemacht, aber letztendlich war diese hohe Begeisterung schädlich für mich. Ich habe mich mit 300 Stunden im Monat plus permanenter Freizeitbeschäftigung ausgelaugt, überreizt und nervlich kaputt gemacht. Noch immer überkommt mich Wut, wenn ich an diese Firmen zurückdenke.

Auch gab es in diesen Berufen viele Tätigkeiten, die absolut nicht zu mir und meinem Naturell passten und mich daher gequält haben - langes Sitzen zum Beispiel. Was nützt mir Begeisterung für einen Job, bei dem ich 10-12 Stunden am Tag sitze, obwohl ich ADHS-typisch viel Unruhe und Bewegungsdrang habe und all die Stimmungen, Disharmonien und Undstimmigkeiten in der Firma aufsauge und dadurch erschöpfe.

Was nützt mir Begeisterung, wenn mein Chef und meine Kollegen einfach eine andere, stumpfsinnigere Denkweise haben als ADHSler und daher immer wieder in Konflikt mit mir geraten.

Ich habe jetzt sehr viele Berufe ausprobiert und für einige auch wirklich voller Begeisterung gebrannt, aber es war überall das gleiche, weswegen ich fürchte, dass es keinen Beruf gibt, der zu mir passt - selbst die Berufe, die mich eigentlich begeistern, passten nicht. Und ein Beruf, der sowohl meinen ADHS-Eigenschaften wie Bewegungsdrang und Kreativität besitzt und mich gleichzeitig begeistert und mich erfüllt gibt es offenbar nicht.

Hier noch ein Beispiel aus meinem Leben, das veranschaulicht, was passiert, wenn sich jemand wie ich für etwas begeistert:

Seit meiner Kindheit begeistere ich mich wie gesagt stabil und intrinsisch für ein Thema. Es gibt einen Hersteller, der Produkte zu diesem Thema herstellt. Dieser Hersteller ist Marktführer und schon seit meinem 11./12. Lebensjahr mein Idol gewesen. Von meinem 12. bis 19. Lebensjahr habe ich Tag und Nacht in Schule und zuhause minütlich an diesen Hersteller und dessen Produkte gedacht, diese analysiert und studiert, samt Branche und Historie. Als ich 19 war, wollte ich endlich bei dieser Firma arbeiten, weil ich, genauso wie du, dachte, dass es wunderbar wird, wenn ich etwas mache, was mich begeistert. Erst noch eine Ausbildung oder ein Studium zu machen wäre qualvoll langweilig gewesen und hätte mir viel zu lange gedauert, daher hab ich mich auf den nächstbesten Praktikumsplatz bei dieser Firma beworben und diesen mit Ach und Krach trotz schlechter Schulnoten bekommen.

Ich hatte also nun ein Praktikum bei meiner Idol-Firma, die immer mein Traum war und die mich stabil und intrinsisch begeistert hat.

Bereits nach einem Monat Praktikum in einer Stelle, die normalerweise eine dreijährige Ausbildung erfordert, wurde mir langweilig in dem Job. Glücklicherweise wurde mein Kollege, der im Gegensatz zu mir eine Ausbildung und langjährige Erfahrung in dem Beruf hatte, aber deutlich schlechter war als ich, bereits nach kurzer Zeit krank und kam monatelang nicht zur Arbeit, sodass ich seine komplette Vollzeitstelle zusammen mit meiner Vollzeit-Praktikumsstelle ausfüllen konnte, wodurch meine Langeweile verging. Bereits nach wenigen Monaten füllte ich also bereits mit 19 Jahren zwei Vollzeitstellen mit hohem Arbeitspensum gleichzeitig aus, in einem Beruf, den ich weder gelernt hatte noch Erfahrung drin hatte. Und das alles für ein mickriges Praktikumsgehalt von 650€ pro Monat.

Aber auch diese doppelte Arbeitsbelastung wurde mir nach drei Monaten kotzlangweilig und ich war zu dem Zeitpunkt bereit, auch mehrere andere Abteilungen zu übernehmen. In der Kundenservice-Abteilung konnte ich bereits nach wenigen Wochen die langjährigen Mitarbeiter, die im Gegensatz zu mir eine Ausbildung hatten, weiterbilden und mit meinem großen Fachwissen schulen. Auch die Abteilungen Qualitätssicherung, Druckvorstufe, Werbefotografie, Webseitenpflege etc. konnte ich bereits nach einem Monat Arbeit selbst qualitativ deutlich hochwertiger führen als all die Vorgesetzten und Kollegen, und das ohne Erfahrung und ohne Ausbildung/Studium. Alles intuitiv und selbst beigebracht durch meine jahrelange Begeisterung für die Firma.

Ich wusste sogar oftmals mehr über die Firma und deren Produkte als die Chefs und Gründer der Firma. Und warum wusste ich so viel? Weil ich alles und alle Details und Infos wie ein Schwamm aufsauge, nicht abschalten kann und jede Minute über ein Thema nachdenke, wenn es mich interessiert.

Gleichzeitig hat es mich extrem wütend gemacht und ausgelaugt und erschöpft, dass die Firma qualitativ deutlich schlechter war als mein Anspruch und jeder Fehler hat mich stark geärgert, weil ich es als eine Zumutung für die Kunden empfand.

Ich habe diese Firma oft hinterrücks, ohne Anerkennung und oft auch heimlich, von innen heraus saniert, verbessert, Fehler im IT-System intuitiv ausradiert, den Kundenservice in meinen Pausen heimlich geschult und wie gesagt heimlich Qualitätskontrollen im Lager durchgeführt - unbezahlt und heimlich, weil mich die Firma und die Produkte begeistert haben.

Zuhause angekommen bin ich direkt an den privaten Computer gegangen und hab mir die Prospekte der Firma angeschaut und über Produktinnovationen und Weiterentwicklungen nachgedacht.

Ich war also eine Art High-Performer.

Nur habe ich nie Anerkennung oder Geld dafür bekommen, bis auf 650€ Praktikumsgehalt pro Monat.

Es ist so verdammt anstrengend für mich, mit 500 PS in der Firma zu sitzen, während alle anderen mit 100 PS da rumgurken. Ich brauche etwas, wo ich meine 500 PS auf die Straße bringen kann und mein Potenzial ausschöpfen kann - eine Firma, die mein Potenzial nicht verkümmern lässt, sondern erkennt, wertschätzt, weiterentwickelt und gerecht bezahlt. Aber ein Studium oder sonstiges wäre mir viel zu langweilig und würde mir viel zu lange dauern. Ich sitze ich seit einigen Jahren in Arbeitslosigkeit, weil ich genau diese Erfahrung bei mehreren Firmen gemacht habe und ich keine Firma und keine Lösung finde, mein Potenzial in Erfolg und Geld zu verwandeln. Auch bei der Partnerwahl ist es ähnlich: wenn mich was interessiert bin ich wie besessen, denke nur daran, gebe unglaublich viel, erwarte aber auch was, aber alle Partnerinnen, die ich hatte, haben mich stark enttäuscht und für alle war ich zu intensiv, zu viel, zu insistierend, sodass ich mich dauernd kleinhalte und zurücknehme, um wenigstens überhaupt jemanden zum Kuscheln und Reden zu haben.

Ich brauche beruflich wie privat jemanden, der mich so intensiv will und braucht und wertschätzt und das auch honoriert, denn ich habe so viel zu geben und erwarte auch viel - leider zu viel. Jemanden, der alles gibt und alles nimmt, so wie ich. Ich kann nicht anders :frowning:

Ich versuche immer, mich und meine Erwartungen runter zu schrauben, aber es klappt nicht. Kennt das einer von euch?

Das führt bei mir zu Selbsthass und Minderwertigkeitskomplexen.

Einen Beruf zu haben, der mich begeistert, lässt mich direkt in den Hyperfokus schalten, der aber extrem energieziehend ist, sodass die Erschöpfung vorprogrammiert ist. Wichtig wäre es wahrscheinlich, einen Beruf zu finden, der nicht allzu sehr begeistert, damit ich nicht allzu sehr emotional an den Produkten und allgemein der Arbeit hänge. Egal welche Arbeit, hier und da kommt man mit anderen Menschen in Berührung und nie läuft alles optimal, was sehr belastend sein kann, wenn man sich sehr dafür begeistert. Gesünder wäre es wahrscheinlich, einen Beruf zu finden, der einem nicht so wichtig ist und der einem egaler ist, sodass man weniger überlastet.

Ist bei Lebensgefährtinnen übrigens das gleiche: je mehr mich eine Partnerin begeistert, desto mehr hyperfokussiere ich mich auf sie, wodurch ich stark klammere, ihr kaum Freiräume lasse, eifersüchtig bin und sie obsessiv besitzen und filmen möchte, um sie immer und für immer haben zu können.

Wenn ich hingegen eine Freundin habe, die mich emotional und charakterlich und körperlich weniger begeistert, dann tritt mein obsessives besitzergreifendes Verhalten nicht auf und ich kann gelassener sein, weil ein Verlust oder eine schlechte Entwicklung nicht so schlimm wäre wie bei einer Freundin, die mich begeistert. Außerdem muss ich bei einer Freundin und einem Beruf, die mich nicht so sehr begeistern, nicht andauernd dran denken und mich komplett davon abhängig machen. Je weniger mich ein Beruf/Partnerin begeistert, desto unabhängiger bin ich. Und je unabhängiger ich bin, desto weniger verschwende ich meine Energie in die Person/in den Beruf.

Daher glaube ich, dass ein Beruf zu mir passt, bei dem ich nicht aufgrund von starker Begeisterung in den Hyperfokus rutsche.

Ideal wäre es natürlich, wenn mich der Hyperfokus nicht auslaugen würde und wenn Beruf und Partnerin meinen Hyperfokus wertschätzen und honorieren würden. Aber seien wir mal ehrlich zu uns selbst: sowas dürfte es meiner Erfahrung nach kaum geben. Falls doch dann schreibt es gerne!

Wie ist das bei dir? Kommst du in einem Job, der dich begeistert, wirklich klar?

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@anon43680050

Hast du dich mal auf Hochbegabung testen lassen?

Und, wenn dir Honorierung so wichtig ist, warum hast du dann viele Jahre für so wenig Geld gearbeitet? Oder hat dich die Begeisterung für deinen Job nicht losgelassen?

So ist leider das System hier in DE (wenn du in DE leben solltest). Es geht meistens um deine Qualifikation auf dem Papier und nicht um deine tatsächliche Leistung a la american dream.
Und nach der Qualifikation wird man bezahlt, egal, ob dein Kollege besser oder schlechter ist als du.

Das Einzige wo es honoriert könnte wäre evtl die Selbstständigkeit, wo nur deine Leistung zählt und ob du Kunden aquirieren kannst.

@Irrlicht Ja, ich hab mich mal auf Hochbegabung testen lassen, aber erstens hat der Prüfer während des Tests dauernd ablenkende Sachen gemacht, weshalb sich auch etliche Prüflinge nicht konzentrieren konnten und sich beschwert haben, und zweitens habe ich bis jetzt noch immer nicht das Testergebnis bekommen, obwohl es schon im Januar hätte da sein müssen. Ich werde mich im Juni nochmal auf Hochbegabung testen lassen, aber diesmal im Einzelsetting. Das Problem ist halt, dass ich diese Hochbegabung/diesen Hyperfokus nur dann abrufen kann, wenn mich etwas interessiert und das wird bei dem Inhalt des Tests ja nicht der Fall sein, sodass der nicht repräsentativ sein dürfte.

Tatsächlich war meine Begeisterung für die Firma so groß, dass ich das geringe Gehalt in Kauf genommen habe und einfach nur die Produkte und die Firma verbessern wollte. Das meine ich damit, dass die Begeisterung auch zu stark und somit hinderlich sein kann.

Hi, kann dich in Teilen nachvollziehen. Habs nicht ganz so krass, aber kenne es, wie sicher einige hier.
Kann mich im Beruf massiv reinsteigern und hab hohe Ansprüche. Ja, das brennt aus und frustriert. Bilde mich deshalb laufend fort und schaffe es mehr oder weniger da nachzujustieren, wo ich mich mehr oder weniger kognitiv und emotional engagieren will. So die Kurzfassung.

Wurdest du da jemals ausgenutzt (also über die das hinaus, die du gerne tatest, dass dich da also jemand zusätzlich lenkte)? Wurdest du jemals abgebremst, oder dir von jemandem gesagt, dass du weniger machen sollst o.Ä.?

Versteh das mit dem Geld. Das ist ein Faktor. Der andere Faktor ist, dass man vom Umfeld wertgeschätzt wird. Das hörte man bei dir nicht ganz raus bisher, darum meine obigen Fragen.

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Naja Ausnutzen ist das ja im Prinzip, wenn die Firma merkt, dass man zwei Stellen ausfüllt und man dennoch nur mit 650€ bezahlt wird. Aber gesagt hat das keiner. Wertgeschätzt hat es auch keiner. Es wurde einfach nur hingenommen.

Kann mir gut vorstellen, dass du der erste dieser Art warst und die entweder a. dachten, was sie da nur für nen Glücksgriff hatten, oder b. nicht zu viel verstärken wollten aus ebenjener Befürchtung dass du dich eh schon ausbrennst oder c. (und da kommt nochmal meine zweite unbeantwortete Frage von oben) dir Hinweise gaben es ruhiger anzugehen?
Alles nur Ideen, ich versuch n Bild zu kriegen von dem Ganzen.
Frage mich halt, wie der kollegiale Austausch war und die Rückmeldungen.

Wie lange warst du bei der Firma als Praktikant?

Ich hatte die Frage damit beantwortet, dass es einfach nur hingenommen wurde. Ergo: es wurde nichts gesagt, auch nicht, dass ich ruhiger machen möge. Austausch war keiner vorhanden. Der Senior Chef hat seinen Sessel vollgepupst und war in 6 Monaten vielleicht 3 mal zu sprechen. Der Junior Chef war sehr gestresst und wurde von seinem Vater ausgenutzt und hat kaum kommuniziert. Man hatte schon Glück, wenn man ihn zwei mal pro Woche kurz etwas bezüglich eines Projekts fragen konnte und dann ist er auch direkt weggerannt, bevor man sich ausgesprochen hatte. Oft konnte ich nicht alle Fragen stellen.
Ich war 6 Monate da.

Jessas, solche Zustände… gut dass du da weg bist. :adxs_byebye: Danke fürs genauer Beschreiben. Denn darum ging’s mir; ein besseres Bild davon zu kriegen, wie dir begegnet wurde.

Tut mir leid für all die anderen blöden Erfahrungen nachher. Kann nicht viel raten, aber du wirst hier sicher einige antreffen mit ähnlichen Erfahrungen. Geraten hast du dir ja selbst schon einiges. Durch guten Austausch hier im Forum kann man manchmal auch nochmal nen anderen Blick kriegen oder sich zumindest weniger allein fühlen.
Hab deine anderen thread-Beiträge noch nicht gelesen - bist du schon in den Genuss von ADHS-Meds oder Coaching, Therapie o.Ä gekommen?

ADHS-Meds und Coaching erst ab Juli. Und du? Kann sein, dass du das schon mal wo geschrieben hast, aber hab es gerade nicht aufm Schirm.

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Kein Ding, man kann nicht von allen alles lesen ^^
Ich geh zur Therapie, nehme Meds (bin noch nicht zufrieden mit Einstellung und die Psychiater-Odyssee ist nochmal ein anderes Thema)… I’m getting there.
Cool, dass es bei dir im Juli losgeht! Warten ist blöd (das werden so tatsächlich so ziemlich alle hier verstehen/ ähnlich erlebt haben), aber immerhin ist schon mal was konkretes in Aussicht.
*edit: Ok, nur halb cool. Grad im anderen thread gelesen. Hauptsache es passiert was und stagniert nicht, schätz ich mal.

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Welche Meds nimmst du denn?

Elvanse und Bupropion. Macht die Kuh noch nicht fett, aber es läuft besser als ohne.

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Das sind die Medis, die bei mir auch das meiste Interesse hervorgebracht haben

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Klingt aber heftig bei dir @anon43680050 … HB könnte schon gut sein, andere Dinge werden neben dem ADHS sicher schon bei dir gesehen worden sein…

… da ich einige Nerds in der Familie habe und auch einige mit Neigung zu Hyperfokus, Verausgabung und labiler emotionale Ausstattung… alle auch Schnellchecker bis HB… und davon einer eine Autismusdiagnose hat und mindestens zwei auch so gelagert sind… und ich tagtäglich alles austarieren muss und mich diesem allen auch verwandt fühle… darf ich fragen, ob du oder andere mal bei dir an eine autistische Komponente gedacht hast/haben…?

Vielleicht könnte das noch zu ergänzenden Strategien und oder vielleicht hilfreichen Hinweisen führen…

Alles Gute!

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Manno, das klingt echt krass, Janosch, Deine Energie ist bewundernswert. Es klingt für mich so, dass Du Dein eigener Chef werden musst, musst dann nur halt aufpassen, dass Du Deine Mitarbeiter nicht so hart schuften lässt wie Du es tun würdest. Ich denke mir, es würde Dir dann gut tun, einige lästige Arbeiten zu delegieren, dass Du Dich um die für Dich spannenden Dinge kümmern kannst. Und eine geeignete Medikation wäre auch gut, damit Du nicht innerlich durchbrennst. Es gibt neben den klassischen Medikamenten wie Elvanse oder Medikinet auch einige Ärzte, die Cannabis in sehr kleinen Dosen gegen ADHS verschreiben. Ich mache seit einem Monat solch eine Therapie. Die innere Unruhe hat aufgehört und ich kann viel klarer denken und mich auch gut auf Menschen einlassen, die ganz anders als ich ticken. Hier im Forum hat auch jemand darüber berichtet, dass er viel freier und konzentrierter bei beruflichen Terminen war als vorher. https://adhs-forum.adxs.org/t/cannabis-als-medizin-selbstversuch/334
Ich habe übrigens einen Beruf gefunden, bei dem ich wahrscheinlich mein Leben lang hängen bleiben werde : Musiker in einer Festanstellung.
Es gibt da immer wieder Neues und intrinsische Motivation, manchmal auch Langeweile, aber vor allen Dingen nur 2-4 stündige Dienste, und keine 8Std.-Büroschichten. Ich wünsch Dir alles Gute!

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Darf ich kurz fragen? Bist du studierter Musiker oder hast du die Anstellung ohne Studium bekommen?
Der Beruf Musiker ist ja recht frei.
Ich kenne einige private Musiklehrer, die nicht studiert haben und erfolgreich unterrichten. Natürlich Amateure und keine Nachwuchsprofis.

Aber manchmal frage ich mich, ob das nicht mein Weg gewesen wäre. Ich merke, dass das Musikmachen die erste Tätigkeit ist, die mich immerwieder motiviert. Ich muss nur einen genialen Song hören und ich pack mich ans Instrument…

Leider habe ich das erst mit 26 entdeckt :frowning:
Ein bisschen zu spät. Und ich müsste viel mehr üüben…

Das mit dem Musiker passt bei einem bestimmten ADHS Profil tatsächlich sehr gut…

Aber ich würde den Teufel tun und gleich zu Anfang nach Cannabis fragen, bevor die normalen Mittel nicht versucht wurden. Das ist ganz bestimmten seltenen Fällen vorbehalten, wenn sonst gar nichts wirkt.

Meine Ärztin hatte ich nach zwei Jahren mal angesprochen, aber sie hat weit von sich gewiesen, dass es das überhaupt gibt. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass sie davon gehört hat, es aber bei mir nicht sieht, da andere Mittel ja doch irgendwie wirken, nur halt nicht ideal.