Probleme mit Medikament oder zu ungeduldig?

Hallo zusammen,

bisher nur stiller Mitleser, aber ich brauche mal einen Rat.

„Kurz“ zu mir:
Ich bin Ende 30 und habe mein ganzes Leben schon das Gefühl, dass ich mit anderen Problemen zu kämpfen habe als die meisten anderen. Als Kind eher ruhig und angepasst, daher war ADHS eigentlich nie ein Thema. Probleme kamen eigentlich erst mit dem Wechsel von der Realschule aufs Gymnasium, als ich tatsächlich mal was für die Schule tun musste und es die pure Quälerei war. Abitur habe ich aber durchschnittlich abgeschlossen und dann eine Ausbildung gemacht.
Gefühlt habe ich mich mein ganzes Leben nur durchgemogelt, hab es irgendwie immer hinbekommen einen guten Eindruck aufrechtzuerhalten und wenn es drauf ankam, habe ich meine ganze Arbeit innerhalb kürzester Zeit erledigt.
Eigentlich kam ich ganz gut klar, ausser dass mich gewisse Sachen immer viel viel anstrengender fand als andere Menschen um mich herum. Ich habe es gehasst aufzuräumen und zu putzen, obwohl ich eigentlich schon die Ordnung bevorzuge. Das ist ein innerer Konflikt, den ich auch in anderen Lebenssituationen ständig in mir hatte. Anspruch und mein Antrieb waren immer in Disbalance. Ich habe sogar nebenberuflich zwei Studienabschlüsse geschafft, allerdings unter enormen Kraftaufwand.

Irgendwann wurde mir das alles zu viel und ich habe mich in eine Sackgasse manövriert. Ich hatte nie offiziell Burnout, aber mir war klar dass es irgendwann darin enden wird. Mir wurde zweimal gesagt dass ich evtl. ADHS hatte, ich war aber voller Vorurteile und hab mich tatsächlich erst nach dem zweiten Mal dafür geöffnet, dass es eine Möglichkeit ist. Auf einmal ergab dann alles einen Sinn.

Meine Hauptprobleme:

  • Innere Unruhe und permanentes Gedankenrasen
  • Keine Geduld
  • Keine Konzentrationsfähigkeit, außer das Thema ist extrem interessant oder die Zeit drängt
  • Schnelle Erschöpfung
  • Unfähigkeit Tasks abzuschließen
  • Außerhalb von „Notsituationen“ kein Antrieb
  • Neigung zu Süchten und teuren Hobbies
  • Schlechte Impulskontrolle (habe häufig Leute mit Worten verletzt, auch wenn inhaltlich korrekt)

Ich habe jetzt die Diagnostik durch und meine Symptome im Erwachsenenalter sind insgesamt sehr typisch, aber als Kind war ich nicht auffällig genug. Daher nur „Starker Verdacht“ auf ADHS.
Jetzt ging aber die Eindosierung mit Methylphenidat AL (Ritalin-Generikum) los um zu schauen, ob mir das hilft.

Und ja, das tut es - fast überall.
Bei 10mg habe ich schon einen deutlichen Unterschied gemerkt, endlich konnte ich meine akuten Probleme angehen, hatte Energie und gleichzeitig merkte ich wie mein Körper und Geist sich entspannt. Leider fehlte mir die Wirkung nachmittags.
7 Tage später, bei 20mg alles noch ein bisschen besser, aber ging wieder einen Tick zurück.
Weitere 7 Tage später bei 30mg war ich auf einmal müde, hab geredet als wäre ich abgelenkt (ständige Versprecher) und hatte auch Probleme mit hohem Puls.
Bin dann nach 4 Tagen wieder (nach Rücksprache mit der Therapeutin) auf 20mg und nehme 10 gegen Mittag nach.
Generell habe ich nicht mehr das Gefühl, dass es so gut hilft wie in den ersten 1,5 Wochen. Ich habe immer noch Schwierigkeiten mich zu konzentrieren und vieles geschieht nur intuitiv, also so wie ich mein Leben zuvor auch geführt habe, mit der Folge, dass ich nach wie vor tollpatschig bin und Flüchtigkeitsfehler begehe. Vergesslich bin ich auch. Der Rest ist eigentlich ok, aber noch lange nicht optimal.

Meine Fragen an euch:

  • Bin ich evtl. falsch dosiert (zu hoch oder zu niedrig) oder sollte ich evtl. ein anderes Medikament ausprobieren?
  • Muss sich mein Hirn evtl. erst mal daran gewöhnen, dass es jetzt anders funktionieren kann und muss ich erstmal an meinen schlechten Gewohnheiten arbeiten (von keiner Planung und intuitiver Handlungsweise zu mehr Organisation)?

Danke euch schon mal für eure Mühen

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Hallo und willkommen,

ist doch super sofort eine Wirkung gespürt zu haben.

ich denke zum einen gewöhnt man sich an den Effekt. Es wirkt noch genauso, es ist einem aber nicht mehr so bewusst. Das Medikament ist ja nur eine Unterstützung, keine Lösung.

Bleib doch erst einmal bei der 20 / 10 und experimentieren mit den Einnahmezeitpunkten. Ggf. Nachmittags auch auf 20.

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Das musst du bestimmt auf jeden Fall… aber… jetzt wird es möglich…

Jedenfalls war das bei mir so.
Mit MPH konnte ich plötzlich Routinen lernen… habe die auch nicht gleich wieder vergessen…
und ich bin plötzlich fähig, etwas auch mal abzuschließen…

Bei der Dosierung hast du ja schon gemerkt, dass du mit 30mg irgendwie „drüber“ bist. Aber MPH an sich scheint dir gut zu helfen. Also hast du einige Möglichkeiten zum Feintuning. Die Uhrzeit kann eine Rolle spielen, vielleicht auch die Verteilung über den Tag, die einzelnen Medikamente haben andere Wirkungsabläufe, da gibt es richtig große Unterschiede, obwohl es immer der gleiche Wirkstoff ist… Manchmal ist es auch einfach nur die Tagesform oder das Pensum… Du brauchst etwas Geduld, bis es passt…

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Probier doch mal 15/10/0…

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Danke für eure Antworten!

Habe auch schon überlegt auf 10mg zurückzugehen, da die 20mg tatsächlich nur zu Anfang wirklich gut funktioniert haben und es dann leicht schlechter wurde. Bin auch eigentlich ein Typ der eher sensibel auf Medikamente reagiert und kleinere Dosen braucht.

Ich habe in ca. 5 Tagen meinen nächsten Termin bei der Psychiaterin, ich werde bis dahin mal ein bisschen mit der Dosierung „spielen“ um ihr vielleicht schon direkt bessere Erkenntnisse liefern zu können.

Hi @Conjoined3618 ,

du hast ja schnell eine Wirkung gehabt und auch gemerkt, was besser funktioniert. So gut trifft es längst nicht jeden. Ganz wichtig ist, sich mit ADHS an sich auseinanderzusetzen. Die Funktionsweise muss klar sein. Das eröffnet dir die Chance, deinen eigenen „Normalzustand“ zu finden, der sich zwangsläufig von dem unterscheidet, was so allgemein als normal gilt. Dann kannst du wohlmöglich auch etwas gnädiger mit dir umgehen, denn: Was du als ADHSler bisher geleistet hast ist verdammt gut und hat mit „durchmogeln“ nix zu tun. Die Medikation macht dich nicht per se leistungsfähiger, teilweise geht es einem, zumindest phansenweise auch mal schlechter. Aber wenn du dem nachspürst, kannst du vielleicht besser benennen, was der Auslöser ist, wie es sich konkret in bestimmten Situationen anfühlt und du erhältst im Idealfall auch eine Ahnung davon, was dir dann gut tun könnte. Und dann kannst du konkret verschiedenes ausprobieren. Aber es dauert seine Zeit und das ist auch völlig okay. Hier gibt es vieles zu entdecken, was dir helfen kann, deinen eigenen Weg zu finden. Viel Erfolg dabei!

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Von Methylphenidat AL gibts keine 15 mg. Das ist ein Generikum von Ritalin adult.