Psychotherapeut lässt mich an mir selbst zweifeln

Hallo Zusammen

Vor einiger Zeit kam eine Arbeitskollegin auf mich zu, welche vor ein paar Jahren mit ADHS diagnostiziert wurde. Sie fragte mich, ob ich mich einmal abklären liess - um sie zu zitieren: „du hast bestimmt auch ADHS“.

Zuerst habe ich nicht viel gemacht, aber nach einer persönlichen Krise informierte ich mich mal etwas mehr und durch verschiedene Fragebögen wuchs in mir die Vermutung, dass ich tatsächlich ADHS haben könnte.
Als Hintergrund: Ich befinde mich seit ca. 6 Jahren in Therapie aufgrund einer Angststörung, die jeweils vor Allem dann zu Tage kommt, wenn grosse Veränderungen anstehen (Umzug, Studium etc.). So einiges habe ich bereits versucht, verschiedene Antidepressiva, Pregabalin, verschiedene Therapeuten, doch nichts konnte mir bisher wirklich helfen. In den letzten Jahren wurde es aus meiner Sicht sogar schlimmer.

Mit dieser Vermutung, ich könnte ADHS haben, ging ich also zu meinem Psychotherapeuten. Er gab mir dann zwei Fragebögen, den WURS-K sollte meine Mutter und den ADHS-SB sollte ich selbst ausfüllen.
Das machte ich dann - wobei meine Mutter anscheinend nicht mehr wusste, weshalb ich als Kind zur Schulpsychologin musste - und gab die Fragebögen ab.

Schon als er mir die Bögen gab, meinte mein Therapeut, er denke nicht, dass ich ADHS habe. Andere Klienten von ihm mit ADHS seien sehr viel zappeliger.
Ich solle mich hier, auf ADxS, mehr informieren.

Als er die Bögen auswertete, meinte er, der WURS-K sei negativ und der ADHS-SB knapp positiv, aber er würde nur Klienten zur tieferen Abklärung schicken, wenn beides positiv sei. Ausserdem wäre er sehr überrascht, wenn ich ADHS hätte, und meine Symptome würden bestimmt von meiner Angststörung kommen.

Beim ADHS-Symptomtest hier hatte ich 30 von 43 Symptomen und einen Score von 9,62, mit 9 von 9 Symptomen für Unaufmerksamkeit und 3 von 10 bei Hyperaktivität. Erst als ich ihm auch diesen mitbrachte und darauf bestand, von einer Spezialistin abgeklärt zu werden, hat er mich dann überwiesen - aber nicht, ohne noch einmal zu betonen, dass er überzeugt sei, ich hätte kein ADHS.

Ich sei als Kind ja gut in der Schule gewesen, und generell sei ich nicht verpeilt. Auch hätte ich keine planlosen Redeschwälle. Und noch mehr.

Naja, genug gesagt, zu meiner Frage: mittlerweile zweifle ich echt daran, dass ich ADHS haben könnte. Dabei hatte ich auch schon Symptome, bevor ich eine Angststörung hatte, z.B. passierte es während der Lehre oft, dass ich noch vor der Schulzimmertür einen Spickzettel schrieb, weil ich vergessen hatte, dass wir eine Prüfung haben. Schon immer war ich zappelig, auch wenn ich es jetzt besser kontrollieren kann, usw.

Was ist eure Meinung? Ich habe den Eindruck, mein Therapeut hat immer noch das alte Klischee vom Zappelphilipp im Kopf. Es beeinflusst mittlerweile die ganze Therapie, weil ich mich einfach nicht mehr ernst genommen fühle.

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Egal, was der aktuelle Therapeut sagt.
Du möchtest und darfst dir einen Diagnostikplatz suchen.

Punkt.

Was die aktuelle Therapie angeht:
Ursprünglich bist du da mal wegen einer anderen Diagnose gelandet.

Sollte letztendlich ADHS hinzukommen, ist diese Therapie wahrscheinlich schon vorbei. Vielleicht ändert sich seine
Meinung sogar noch, je mehr er aktiv darüber nachdenkt.

Aber jetzt erstmal alles mitnehmen, was dir - unabhängig von Diagnosen - im Alltag behilflich sein kann :four_leaf_clover:

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Also dem würde ich aber mal was erzählen. Natürlich sind viele Zappelig aber eben nicht alle.

Du darfst Dir einen Diagnoseplatz suchen, Du darfst Dich diagnostizieren lassen und glaub mir, die Zweifel an allem und jedem gehören dazu.

Ich bin jahrelang wegen Depressionen in Behandlung gewesen. Inzwischen habe ich (auf Umwege) gelernt, dass der damalige Job (an dem ich leider viel zu lange festgehalten habe) die Ursache war. Der passte einfach nicht mit meinem ADHS zusammen. Den Job bin ich schon länger los, die Diagnose hab ich erst seit 09/25.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich verstehe Dich. Zu dem Psychotherapeuten hätte ich auch kein Vertrauen mehr. Ist zwar in der aktuellen Situation nicht einfach, sich einen neuen zu suchen, aber ich würd es tun.

Alles Gute, hoffentlich findest Du bald jemanden, der Dich und Deine Probleme UND Deine Wünsche ernst nimmt!

(Der Therapeut klingt wirklich wie jemand, der noch das klassische Zappelphilipp Bild im Kopf hat. Lass mich raten, es ist eine Mann, und er ist schon älter?)

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Ja, total. Komisch aber, dass er ASxs.org kennt und dir das empfohlen hat, dann sollte er doch eigentlich besser informiert sein…?! :thinking:
Für eine Diagnostik braucht man aber nicht das Einverständnis seines Therapeuten. Oder ist es eine große Praxis und er kann dir in dieser Praxis einen Termin organisieren? Das wäre natürlich ein Vorteil.
Lg und viel Glück für dich :four_leaf_clover:

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Hallo,

gerade bei Frauen kommt es häufig vor, dass der Kindheitsfragebogen negativ ist. Zumal wenn er von deiner Mutter ausgefüllt wurde und die inzwischen deine Kindheit positiver sieht als sie wirklich war, wie du ja selbst schreibst.

Und für deinen Therapeuten ist die Sache schwierig. Nehmen wir an, du hast wirklich ADHS, dann hat er es ja viele Jahre übersehen und dir nicht die Hilfe gegeben, die du brauchst. Also muss er es so einrichten, dass er alles richtig gemacht hat.

Wohlgemerkt - ich unterstelle nicht, dass er das so überlegt. Das wäre ja extrem zynisch! Sondern das läuft unbewusst. Sich selbst in Frage stellen, da kommt sofort eine Abwehr, ohne Nachdenken.

Und das, ich will nicht sagen Geschäftsmodell, besser vielleicht der Werkzeugkasten eines Therapeuten ist das Gespräch. Jede/r neigt dazu, das zu überschätzen, was man anbieten kann. Bei ADHS ist das ja leider nicht das Allererste. Also neigt man dazu, eine ADHS-Diagnose dann zu empfehlen, wenn es offensichtlich ist, also bei hyperaktiven jungen Männern.

Wie gesagt, das läuft alles unbewusst. Natürlich will er für alle seine Klienten das Allerbeste.

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Ja, genau das.

Der Therapeut sieht ScaryGoldfish quasi durch die „Angststörungsbrille“ und schreibt alles, was sie sagt, tut, empfindet, der Angststörung zu - auch wenn es, objektiv betrachtet auch zu anderen Diagnosen passen könnte.

Suche dir eine Diagnostik.

Wenn man immer das gleiche probiert und noch mehr davon und es nicht hilft, sollte man etwas anderes probieren. (Wenn die Behandlung der immer gleichen Diagnose Angsstörung mit allen erdenklichen Mitteln in 6 Jahren keine Veränderung zum Positiven gebracht hat, dann probier was anderes aus, z.B. ADHS-Diagnostik.)

Ggf. kann es hilfreich sein, mit deiner Mutter vor dem Ausfüllen eines erneuten Fragebogens zu reden und gut gewählte Fragen zu stellen, sie vielleicht an SItuationen erinnern, in denen du im Nachhinein ADHS-Symptome erkennst und ihr erklären, warum. Vielleicht hat auch sie eher den zappeligen Jungen vor Augen und kann die vielen Auswirkungen der Unaufmerksamkeit nicht alle sehen.

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Also dem würd ich direkt zweimal was erzählen beim nächsten treffen. Ich hoffe du hast keine Angst vor deinem Therapeuten.

Ich finds gut das du für dich einstehst. :flexed_biceps:

Wenn ich das lese, schwillt mir der Kamm. Da bekommst du die Diagnose „Angststörung“ aufgedrückt, wirst fehltherapiert und mit Psychopharmaka behandelt / misshandelt, die es am Ende nur schlimmer machen. Schlimm! Mein Mitgefühl für dich.

Ich war in der Schulzeit total unauffällig, auf „lieb“ dressiert („Fawn Response“) und habe trotzdem bei einer guten und in ADHS weitergebildeten Therapeutin meine Diagnose bekommen.

Meine Empfehlung: Such dir eine Diagnostik und trenne dich schnell von diesem sogenannten „Therapeuten“ und glaub ihm nichts mehr.

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Hallo an Alle

Vielen Dank für all eure Antworten!

Ihr habt mir alle sehr geholfen, etwas weniger an mir zu zweifeln.
Ich habe jetzt einen Termin für eine Abklärung bei einer Neuropsychologin. Bereits jetzt bin ich gespannt darauf.

Es gab noch ein paar Fragen, die ich versuche, zu beantworten:

  • Mein Therapeut ist ein Mann, aber noch eher jung
  • Ich bin ein Mann - war aber als Kind eher zurückgezogen und ruhig
  • Warum er ADxS kennt aber anscheinen nicht so gut informiert ist, verstehe ich ebenfalls nicht

Ich sprach noch einmal mit ihm über das gesamte Thema, kam aber nicht weiter.
Werde mir voraussichtlich einen neuen Therapeuten suchen.

Nochmals vielen vielen Dank an euch alle!

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Mein Therapeut, den ich habe oder vielleicht nicht (es ist kompliziert… ) ist auch eher… zurückhaltend. Er wolle keine Stempel frühzeitig aufdrücken.

kPTBS konnte er hingegen schnell erkennen. Auch ohne Testung.

Keine Ahnung, was die für Probleme mit ADHS haben.

Hattest du mal reichlich freie Tests bezüglich Adhs gemacht?
Und du weißt das unbehandelte Adhs auch aus verschiedenen Gründen Ängste und Panikattacken über längere Zeit hervorbringen und unqualifizierte Ärzte und Therapeuten machen da dann alles was ihnen nutzt und was sie können nicht was wirklich mit den Personen ist.

Du kannst mal im Forum suchen es sind nicht um sonst so viele Personen hier spät und sehr spät diagnostiziert worden, eben weil so viel falsches Wissen von früher von in den Köpfen herrscht und auch auf Symposien kommt immer wieder von den referierenden Ärzten wirklich Wut, daß sich immer noch im Bereich um Adhs viel zu wenig weitergebildet und noch viel weniger getestet wird, obwohl eigentlich jede psychische Praxis dazu verpflichtet wäre.

Im Übrigen was mal früher als Ads diagnostiziert wurde fällt heute auch unter Adhs vielleicht auch mal da Symtombilder zum lesen deiner Mutter geben vielleicht vervollständigt sich dann ihr Bild besser auch für mögliche Fragebögen die auszufüllen sind