revenge-bedtime-prokrastination

Endlich hat auch mein Problem einen Namen und ich weiß, dass ich nicht alleine bin.
Dieser Artikel spricht mir aus der Seele und bringt meine Gedanken zu meinem Problem auf den Punkt: „Nimm das, Alltag!“

Seit Jahrzehnten leide ich unter diesem vollkommen kontraproduktiven Verhalten:

<LINK_TEXT text=„https://t3n.de/news/abend-routine-schla … obal-de-DE“>Müde und trotzdem nicht ins Bett? So wirst du die Revenge-Bedtime-Prokrastination los</LINK_TEXT>

Es könnte auch „einfach“ nur am ADHS liegen :wink:

Meine Mutter würde sich im Grab umdrehen wenn sie von dem Artikel lesen würde,

weil was haben sie mit mir nicht alles als Kind schon versucht
und Rituale
und dies
und das

und was habe ich nicht selbst schon alles versucht und was hat man mir nicht alles schon geraten.

Damals heiß es noch Nachteule, oder Abends nicht rein und morgens nicht raus, die kriegt nie ein Ende.

Ehrlich gesagt kann ich über diesen Routine und Disziplinstipp für mich nur lachen auch wenn ich ihn als sinnvoll verstehe.
Ja Abendroutine ist so ein Ding , bekomme ich mal weniger mal besser hin. Auf jedenfall ist rechtzeitig im Bett schon echt hilfeich…wenn dann nicht Abends noch dies und das und jenes wäre.

@Andromache bin gespannt ob du es mit dem einfachen Tipp los wirst :wink: ?

Liebe @Nelumba_Nucifera,

ich bin mir ganz sicher, dass ich mein Problem mit diesem „einfachen“ Tipp nicht loswerde. :frowning:

Es wäre mal eine Überlegung wert, die involvierten Wissenschaftler mal zu fragen, ob sie die Probanden auch auf ADHS getestet haben, denn:

„Einer polnischen Studie aus dem Jahr 2019 zufolge, die sich mit Bedtime Procrastination und schlafbezogenem Verhalten beschäftigte, können weder Wohnort oder Bildungsniveau noch das Zusammenleben mit Partner oder Kindern besonders mit dem Phänomen des nächtlichen Aufschiebens verbunden werden. Allerdings: Die Betroffenen sind eher jünger als älter – und Frauen erzielten in der Untersuchung höhere Werte als Männer. Generell ist besonders in Belastungssituationen die Fähigkeit zur Selbststeuerung wichtig: „Funktioniert sie nicht oder ist sie nicht gut trainiert, steigt das Risiko der Prokrastination“, sagt Psychologin Höcker.“

Ich sitze ja abends auf der Couch neben mir und frage mich, warum ich nicht endlich ins Bett gehe und den Film, den ich unbedingt noch zu Ende schauen will, nicht am Wochenende aus der Mediathek runterlade…
…ich kann mir leider keine befriedigende Antwort geben und bleibe sitzen… :nothere

Super beschrieben! Aber klar, die Frau Höcker ist ja auch eine (oder DIE) Prokrastinations-Konifere :mrgreen:

Kenne ich tatsächlich vor allem aus der Zeit mit Arbeit + Studium + Kinder.
Das hat was von Rückgewinnung von Kontrolle in einem vorwiegend fremdbestimmten Alltag.

Meist wurde ich dann müde, dann wurde es kuschelig auf dem Sofa… dann klappten die Deckel runter.
Irgendwie noch aufgerafft und ins Bett geschleppt - um sich dann blitzwach die Nacht um die Ohren zu hauen.

Ich habe meine Lösung gefunden, indem ich sämtliche Experten-Ratschläge in den Wind geschossen habe:
Ich gehe spätestens 22:30 ins Bett (da bin ich noch „stark“ genug) - und glotz dort selbstbestimmt und vollkontrolliert weiter :shock: :shock: :oops: :lol: .
Und wenn ich müde werde (das geht sehr schnell) muss ich nur den Deckel runterklappen und gut ist.

:mrgreen:

Ich denke, mein Entschluss, das TV schon vor Jahren aus dem Schlafzimmer zu verbannen war ein Fehler.
Wahrscheinlich wäre es sinnvoll, das TV wieder ins Schlafzimmer zu holen und dann die Schlummertaste auf eine Stunde zu stellen und ein Lampe mit Zeitschaltuhr zu installieren.

Aber ich will so wenig Elektronik wie möglich im Schlafzimmer…

Oh ja, dass kenne ich auch zu gut. Am schlimmsten ist es an Tagen, an denen ich nichts auf die Reihe bekommen habe. Dann kann ich nicht einfach ins Bett gehen, man muss ja schließlich noch was schaffen.

Die Erfahrung sagt, im Halbschlaf- Dämmerzustand produziere ich eh nur Murks und noch mehr Chaos. Aber irgendwas, vielleicht das schlechte Gewissen nichts geschafft zu haben, hält mich vom Bett fern. Manchmal ist es sogar z.B. die Meditation, die ich mir vorgenommen aber nicht gemacht habe, die mich wach hält. Mit der Müdigkeit geht bei mir offensichtlich die Dämlichkeit einher. :fischglas

Und jetzt gehe ich schlafen, bevor mir wieder etwas einfällt, dass ich unbedingt heute getan haben sollte.

Gute Nacht
Nymphaea


Ich bin, was das betrifft, vollkommen schmerzfrei. Solange ich nicht stundenlang mit dem Handy telefoniere oder die Sendestation meines Dect-Telefons direkt neben dem Kopf habe. Der Rest sollte absolut vernachlässigbar sein. Zwar gibt es Menschen, die sehr empfindlich dafür sind, aber ich gehe davon aus, dass das Teil einer extremen Hochsensibilität und sehr selten ist.
Ich denke, Schlafmangel ist auf Dauer deutlich schädlicher.

Ich bin sehr dankbar für den Hinweis auf diesen Artikel, das ist ein toller Anstoß, nochmal darüber nachzudenken.

Ich persönlich kann ja kaum ins Bett gehen, ohne hier noch reingeschaut zu haben.

Aber morgens habe ich das auch schon, dieses Problem, weil ich nie einfach eingleisig machen kann, was ich eigentlich gerne würde, die familiäre Situation erfordert so viel Beobachten und Steuern, das ich irgendwie immer auf Sendung bin mit Lockdown, Homeschooling und idealerweise noch Homeoffice und kochen und Haushalt… da taucht man doch gerne in was ganz anderes, Unverfängliches, ab…

:fischglas

@Koo … Hilfe!!!

Was mir noch fehlt im Artikel: Bei mir ist sicher auch eine Ursache, dass ich Angst vor den Herausforderungen des nächsten Tages habe. Naja, Angst ist ein grosses Wort. Wohl eher Unbehagen, Respekt.

Also ich finde ja, dass nicht unbedingt jedes Verhalten ein „Namen“ haben muss… :see_no_evil:

Ja sicher mache auch ich mir über gewisse „Verhaltensmuster“ bei mir selbst mal Gedanken.
Aber so lange es mich nicht all zu sehr „belastet“ (Eben wie mal Abends noch eine Runde daddeln), dann würde ich mich ganz persönlich (!) nur noch verrückter mit allen möglichen „Namen“ & Artikeln machen…

Aber auch da „tickt“ natürlich jeder zum Glück anders…
Ich finden den hier erwähnten Artikel zwar durchaus interessant, messe der Bedeutung jetzt aber bei meinen ADS nicht besonders viel zu…

Also ich sehe das jetzt nicht zwingend als ein kategoriales Label für ein Krankheitssymptom, aber es beschreibt ganz gut etwas, das mir abends Tag für Tag widerfährt…

Egal, ob es einen Namen hat… der Artikel regt mich an, mal darüber in mir nachzuhorchen…

Es trifft absolut nicht auf mich zu, Gottseidank. Mein Schlaf ist mir heilig und ich mag es sehr, früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen.

Mit dem einschlafen hatte ich als Kind grösste Mühe, heute ist es nicht das einschlafen, sondern das durchschlafen. Probiert habe ich gefühlt wahrscheinlich schon alles was so gegen Schlaflosigkeit empfohlen wird, ausser starke Schlafmittel. Das Adhs Menschen anscheinend, und wie mir irgendwie auch einleuchtet, eventuell mehr von Schlafschwierigkeiten als andere betroffen sind. Andererseits kann man auch alle Jahre wieder in verschiedenen Medien die Überschrift lesen „Schlaflosigkeit: die Volkskrankheit Nr.1“, daraus lässt sich also schliessen, das auch „nicht“ Adhs Menschen ihre liebe Mühe mit dem ein- oder durchschlafen haben.

Ich denke bei uns grenzen sich unsre Schlafprobleme zur Volkskrankheit Nr. 1 ab, weil diese häufig schon ADHS bedingt in der Kindheit bestanden.


Als Kleinkind habe ich quasi den ganzen Tag verpennt… Meine Mutter schwärmt noch heute davon wie seelenruhig ich immer und überall geschlafen hab.
Wirklich problematisch wurde es bei mir erst mit der Pubertät…

Oh, revenge-bedtime-procrastination, ich glaub das sollte ich mir als dritten Vornamen eintragen lassen :lol:

Ich hab schon im Kleinkindalter selten vor 21/22h geschlafen, in so Eltern Ratgebern hab ich mal gelesen , eigentlich sollten 2 bis 3-jährige schon zwischen 18.30 und 19.00 Uhr ins Bett. Pustekuchen! Nicht mit mir ^^
Aber wenn ich mal geschlafen hab, dann hab ich geschlafen wie ein Stein.

Als ich in die Schule kam wurde es auch nicht besser, meist hab ich bis 22h noch an den Hausaufgaben gesessen, weil ich mich nachmittags nicht darum gekümmert habe, stattdessen hab ich lieber TKKG PC-Spiele gespielt. Gab auch viel Stress deswegen mit meiner Mutter.

Und auch zur Zeit hat mich die RBP wieder voll im Griff, schlafe meist erst zwischen 2h und wenn’s wieder hell wird… :nothere

Hab schon öfters versucht 'ne ganze Nacht durch zu machen oder halt nur 1-2 Stunden zu schlafen in der Hoffnung am nächsten Abend früher müde zu sein. Manchmal klappt es, aber meistens nur für kurze Zeit, ich kann dann aber oft nicht durchschlafen (alle 90min aufwachen macht kein Spaß) und irgendwann dreht sich alles wieder zu meinem verkorksten Schlafrhythmus um. Es liegt vllt auch ein bisschen daran das ich Schlafen schon seit Jahren (oder sind es schon Jahrzehnte? O.o) nicht mehr als erholsam empfinde und deshalb so sehr vor mir herschiebe einzuschlafen :frowning:

@TheIndifferentSky
Wie alt bist denn?

Ich hab genau das Gleiche Problem. Mit Anfang 20 hatte ich quasi einen 36h Tagesrhythmus…
Mir hilft es Podcasts zum Einschlafen zu hören.
Ich hab zum Glück auch einen Job bei dem ich meistens bis 10 Uhr schlafen kann :kaffeekochen

Wenn ich morgens immer um die selbe Zeit arbeiten muss, gewöhne ich mich zwar daran, hab aber immer wieder mal kleine Ausreißer und musste mich schon krankmelden weil ich nicht geschlafen habe…

„Besonders anfällig für Prokrastinationen aller Art sind laut den Forscherinnen oft Menschen, die impulsiv sind, sich leicht ablenken lassen oder sich allgemein nicht gut selbst regulieren können.“

Aha. :smiley:

Bei diesem spezifischen Problem kommt mMn die ADHS-typische Zukunftsblindheit dazu. Will sagen: Was jetzt ist und gut ist, wird beibehalten. Was in der Zukunft gut sein könnte, wird nicht gesehen.

Oder wie es im Text angedeutet wird: Problem ist weniger, mit den Zubettgehvorbereitungen anzufangen, sondern mit der bisherigen Tätigkeit aufzuhören.

Ich merke z.B. immer erst morgens beim Aufwachen, dass schlafen etwas Wunderbares ist. Abends käme mir dieser Gedanke niemals. Einfach, weil ich dann ja gerade nicht schlafe. :wink:

Ein freiwilliges Beenden einer positiv erlebten Tätigkeit - Geht das überhaupt mit ADHS? Erst recht bei einer mit Suchtpotential wie Surfen im Internet?

Insofern scheint mir der Rat einer von außen verordneten Routine mit analogen Tätigkeiten durchaus vielversprechend bzw. vielleicht sogar als einzige Lösung.

Ich könnte mir das grundsätzlich vorstellen, vorausgesetzt, ich prokrastiniere es nicht. :wink:

Ich hab heute mal was ausprobiert, weil ich dazu neige den Wecker bis zum letztmöglichen Zeitpunkt wegzusnoozen…
Heute musste ich etwas früher raus und ich hab mir einen Apfel, ein Glas Wasser und mein Medikinet in Griffweite positioniert und beim ersten Wecker einmal in den Apfel gebissen und die Kapsel mit Wasser runtergespült und mich dann nochmal 20min hingelegt.
Das Ergebnis war, dass ich wesentlich besser aus dem Bett gekommen bin und sogar direkt nach dem Aufstehen das Auto aus dem Halteverbot gefahren hab und danach die Spülmaschine ausgeräumt hab :juhuu
Vielleicht ist das ja eine gute Methode für diejenigen die Probleme haben morgens aus dem Bett zu kommen?
Ich werde das jetzt öfter mal machen und meine Erfahrungen dazu mit euch teilen :slight_smile:

Edit: Man muss dazu wissen, dass ich morgens regelmäßig 2h brauche vom ersten Weckerklingeln bis ich mich fit genug für den Alltag fühle.
Oft weiß ich dann auch erstmal nicht mehr ob ich das Medikinet schon genommen habe und es dauert eine Zeit bis ich meine Gedanken geordnet hab.