Ritalin unretard kein Gewöhnungseffekt?

Ich habe gehört, dass es bei Ritalin unretard keinen Gewöhnungseffekt geben soll. Stimmt das? Hat jemand Erfahrung damit? Ich habe von meiner Psychiaterin einen Befund für Ritalin Adult bekommen damit mein Hausarzt mir dann Ritalin verschreibt (also die retadierte Version). Ich fragte sie, ob ich nicht als erstes das unretardierte ausprobieren könnte (auch wenn man es selber zahlen muss) und sie meinte nur, dass sie dafür noch nie einen Befund ausgestellt hat und es auch nicht machen wird wegen Suchtgefahr. Irgendwie verwundert mich diese antwort, da ich jetzt schon oft gelesen hat, dass unretardiertes MPH bei manchen Personen ein zufriedenstellenderes ergebnis erzeugt als retardiertes. Denkt ihr es ist möglich wenn ich zum Hausarzt gehe und ihn frage, ob er mir zusätzlich unretardiertes Ritalin verschreiben könne auch wenn auf dem befund retardiertes steht? Ich würde irgendwie beide gerne ausprobieren oder zum beispiel das unretardierte ritalin als ergänzung zum retardierten nehmen. Das machen doch auch voll viele so und ist ja eigentlich nichts unübliches? Ich verstehe nicht warum meine psychiaterin so dagegen ist.

Auch wenn einige hier unretardiertes auf Privatrezept bekommen ist es dennoch nicht so leicht. Hier muss der Arzt mitspielen und daran scheitert es oft. Das Missbrauchsrisiko
denke ich ist das Hauptproblem warum hier manche blocken.

Da es nur 2-3 Stunden wirkt ist es in meinen Augen nicht alltagstauglich, da mehrere rechtzeitige Einnahmen notwendig sind um den Tag abzudecken.

2 „Gefällt mir“

Ich habe mit unretardiertem Methylphenidat begonnen (in Österreich wird das lustigerweise einfacher freigegeben als retardiertes wegen der Kosten).
Der größte Unterschied ist, dass die Wirkung sehr schnell einsetzt und auch wieder abflacht. Außerdem ist es einfach, die Dosis zu variieren, weil man die Tabletten aufteilen kann. Also ich denke, zum Eindosieren macht es grundsätzlich schon Sinn.

Der Nachteil ist, wie schon gesagt wurde, die kurze Wirkzeit. Nach der Wirkzeit ist man direkt im Rebound, das heißt man muss rechtzeitig die nächste Dosis einnehmen.
Das ganze muss man dann noch um die Essenszeiten (ich hatte während der Wirkzeit gar nicht, und danach extrem Appetit) planen, und noch genug Zeit vor dem Einschlafen auslassen.

Ich war langfristig echt froh, auf ein länger wirksameres Präparat umzusteigen. Rückblickend war der einzige Vorteil der Druck, nach Einnahme was Produktives zu machen, weil die Wirkung eben nicht so lange anhält. Also ich würde mir keinen Kopf darum machen, der einzige Grund, den ich sehe, um langfristig bei unretardiertem Ritalin zu bleiben wäre, wenn man die Wirkung nur speziellen Situationen will. Ich wüsste nicht, warum es dabei keinen Gewöhnungseffekt geben sollte, ich habe den anfangs auf jeden Fall festgestellt.

Ein Grund gegen die Verschreibung ist wahrscheinlich auch, dass bei unretardiertem das Missbrauchspotential höher ist (ob das gerechtfertigt ist sei mal dahingestellt). Jemand, der das als Droge oder kurzfristigen Leistungsbooster verwenden will, möchte eben genau die schnelle, intensivere Wirkung. Jetzt gegen die Anweisung der Psychiaterin ein anderes Medikament zu nehmen, finde ich aus mehreren Gründen eine ganz schlechte Idee.

Jein, das dürfte der Grund sein warum man für Erwachsene nur die retardierte Form zugelassen hat.
Die Ärztin wird nicht so viel Erfahrung mit ADHS Patienten haben und daher natürlich ungern offlabel verschreiben.

Unretardiertes MPH wird gerne für die Eindosierung genommen, weil sich oft ohne die Retardierung besser feststellen/fühlen lässt wie das MPH bei einem persönlich wirkt.

@Lisa1003 Du kannst die Eindosierung auch mit Ritalin Adult machen.
Unretardiertes Ritalin hat halt zum eindosieren für manche Vorteile. Leider hat es keine Zulassung für Erwachsene.

Was für eine Dosierung steht denn auf Deinem Rezept?

1 „Gefällt mir“

Lustigerweise bekommen Kinder ja unretardiertes MPH und die Mütter sind dann heimliche Mitnutzer, ist als beliebte Hausfrauendroge in den USA bekannt.

Versuchen kann man es immer. Ich würde mir zumindest Belege mitnehmen, welche deine Argumentation unterstützen. Ob es der Arzt dann macht, ist die andere Frage. Wahrscheinlich verweist er sich auf die Psychiaterin. Evtl. hat er aber auch schon anderweitig Erfahrungen gesammelt und macht mit.

Zunächst einmal kennen wir dich und auch die Psychiaterin nicht. Da kann das nur ein Vorwand und kein Grund sein. Bspw. kann ich mir vorstellen, dass bei neuen Patienten erst vorsichtig gehandelt wird, oder bei Studenten wo unretardiertes Ritalin gerne zur finanziellen Förderung des geringen Bafög genutzt wird. Manch Patient hat auch eine Suchtgeschichte oder die Psychiaterin hat negative Erfahrungen erleben müssen. Fehlendes Wissen ist aber auch oft verbreitet, ein Dr.-Titel mit Facharzt-Zusatz (FA) heißt ja nicht dass die Person allwissend oder gar kompetent ist. Oft ist es ja gerade so, dass sich Betroffene durch die Beschäftigung mit dem Thema besser auskennen als ein FA der sich in seinem breiten Fachgebiet insgesamt auskennen sollte.

Hallo Lisa,

warum probierst du das retardierte Ritalin nicht einfach aus? Ob es bei dir einen Gewöhnungseffekt haben wird weißt du doch vorher gar nicht?

Ja, es gibt Argumente für unretardiertes MPH und welche für retardiertes. Aber weder die Gewöhnung ist eines (außer für die ganz Wenigen die das Problem haben) noch die Suchtgefahr.

In Deutschland wurde retardiertes MPH 2011 zugelassen. Davor haben alle erwachsenen ADHS-ler unretardiertes MPH genommen (diese „alle“ waren natürlich viel weniger als heute) - und sind selbstverständlich nicht davon süchtig geworden. Das ist Blödsinn, was deine Ärztin erzählt.

Ich nehme morgens eine Retardkapsel, mittags eine Retardkapsel und abends etwas unretardiertes MPH.

1 „Gefällt mir“