Selbstmedikation bei Diagnose erwähnen?

Hallo liebe Forumschaft,

ich bin kurz davor mich auf ADS diagnostizieren zu lassen und stelle mir dabei die Frage: Sollte ich erwähnen das ich schon diverse Medikamente auf eigene Faust ausprobiert habe?

Zum einen denke ich das es einen wichtigen Beitrag zur Diagnose wäre da ich auf Elvanse 30mg erstaunlich gut reagiere. Fast keine Nebenwirkungen und keine Stimmungsveränderungen, ich fühle mich ganz normal wie immer nur mit dem Unterschied mich klarer im Kopf zu fühlen und endlich mal steuern zu können was in meinem Kopf vorgeht. Als Nebenwirkung habe ich nur ein leichtes Druckgefühl im Kopf was manchmal kurz mit leichten Kopfschmerzen kommt aber nicht weiter störend ist. Appetitlosigkeit konnte ich nicht feststellen, ich esse sogar mehr da ich Mittags was koche und das nicht wie sonst bis zum Abend aufschiebe wodurch ich dann mehr Esse. Schlafprobleme habe ich damit auch nicht.

Habe noch Methylphenidat 20mg probiert bekomme davon aber nach der Wirkung Kopfschmerzen und Rebound.

Ich habe 5x vereinzelt Medikamente genommen über zwei Monate hinweg und bin nicht abhängig davon. Habe aber Angst das der Arzt das denken könnte und glaubt ich wäre nur da um Medikamente zu missbrauchen oder so

Ich denke das meine Reaktion auf Stimulanzien dafür spricht das ich betroffen bin, da ich nicht wie angeblich andere davon high oder so werde.

Habe aber auch bedenken das zu erwähnen. Was denkt ihr?

Hallo,

also erst einmal ist kein Hinweis auf ADHS, was man von Stimulanzien nicht wird. Da gibt es kaum Evidenz, wie Nicht-ADHS-ler reagieren, und es wäre ja auch blödsinnig, das zu erforschen.

Der Schwerpunkt sollte darauf liegen, wie du ohne Medikament bist. Also ob das eine typische ADHS-Symptomatik darstellt mit hohem Leidensdruck.

Dass und wie gut gegen diese Symptomatik Elvanse oder Medikinet wirken, lässt Rückschlüsse darauf zu, dass es sinnvoll ist eine solche Behandlung auch anzustreben. Ob man das ganze dann ADHS nennt oder nicht, kann dir zweitrangig sein, vorausgesetzt du kriegst die Medikamente dann verordnet.

Wie die dich untersuchende Ärztin tickt, kann hier niemand voraussagen. Ich meine, wenn sie denkt, der will ja nur Medikamente bekommen, hat sie ja durchaus recht, was denn sonst. Es wäre aber eben auch nicht unberechtigt, jedenfalls solange es eine wirkliche Behandlung einer wirklichen schweren Störung darstellt.

Es soll aber auch Leute geben, die das gar nicht lieben. Muss man rausfinden oder erspüren.

ADHS-ler können aber eh kaum lügen. Also wenn die Ärztin im Prozess der Untersuchung fragt, ob man schon mal Stimulanzien probiert hat, das dann verneinen und sie merkt an der Art und Weise, wie du das machst, dass du schwindelst, ist für das Vertrauensverhältnis auch nicht so gut.

Schwer.

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Da kann man wirklich nicht klar ja oder nein sagen. Kann -abhängig vom Arzt- beides in die Hose gehen. Ich würde also auch sagen, erst mal gegenseitig „beschnuppern“ und dann entscheiden, wie weit Du „die Hosen runter lässt“.

Mein Arzt hat eh nach Substanzgebrauch (aktuell und früher) gefragt - also nicht nur Medis, sondern auch Alk, Nikotin, Drogen… In der Antwort darauf könnte man wohl auch die Einzelversuche mit ADHS-Medis gut „verpacken“ ohne dass es gleich nach „Suche Stoff auf Rezept“ rüberkommt.

Ich wünsche Dir ein empathisches Gespräch mit einer kompetenten Person!

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Ich sehe dass auch so, dass es zwei Seiten einer Medallie hat.
Manche Ärzte sehen es als hilfreich und sehen drüber hinweg andere könnten es kritisch sehen, was ja im Bezug zu BTM auch berechtigt ist.
Eigentlich dürftest du ja nicht mal an Medis dran kommen, weil sie dir keiner so geben darf.
Vorteil ist natürlich dass der Arzt mit deinem Vorwissen dir vielleicht gleich das passende verschreiben kann.

Aber noch als Hinweis, 5x unterschiedliche Medikation getestet heißt noch nicht das es dann einfach so easy weitergeht. Eine Eindosierung ist dann nochmal was anderes, da könnte es noch mal etwas mehr Nebenwirkungen geben , aber muss natürlich nicht.
Nun ja und die Arbeit am ADHS geht eigentlich mit der Diagnose und Medikation dann erst richtig los :sweat_smile:

Und natürlich ist die eigentliche Voruntersuchung Blut und EKG wichtig .

Ich wünsche dir einen guten netten Arzt und baldige Diagnose so dass du dann auch wirklich von der Medikation profitieren kannst .

Ich würde es bei der Diagnostik nicht erwähnen. Wie bereits gesagt wurde, kann das nach hinten losgehen. Außerdem geht es da viel eher drum, wie es dir ohne geht und wie den Alltag ohne Medikamente läuft.

Ich habe nach meiner Diagnose 2 mal Elvanse versucht, als ich es noch nicht verschrieben hatte. Das habe ich bei meiner Neurologin bei Medikamenteneinstellung auch gesagt. Da hatte ich die Diagnose aber bereits von wem anders. Ich habe es nur erwähnt, da ich wusste auf Elvanse reagiere ich gut und ich auch Elvanse versuchen wollte. Ihr erstes Mittel wäre nämlich MPH gewesen. Das war gar kein Ding.

Ärzt*innen haben ja auch Schweigepflicht. Ich würde es aber sehr gut abwägen.

Hey!

Ich hab mir vor meinem ersten Diagnostiktermin dieselbe Frage gestellt wie du.
Ich dachte bislang, es wäre völlig klar, dass man das erwähnt und dass das die ÄrtzInnen als diagnostische Info auch gern wissen wollen. Ich bin von Eltern aus ganz stark darauf trainiert worden, alle körperlichen oder geistigen Empfindungen, die einem so im Weg stehen könnten, zu ignorieren (hab dich mal nicht so, das ist nichts usw.). Deswegen war es für mich ganz wichtig, über die Wirkung von Medikinet festzustellen, dass offensichtlich etwas in meiner Neurochemie nicht so funktioniert, wie es sollte (ob das nun ADHS ist oder nicht) - zu merken, dass ich mit Medikinet müde werde, länger sitzen kann, nicht mehr so viel reden will, und allgemein der Kopf ruhig ist und ich wie so Scheuklappen auf hab oder mit dem Kopf unter einer Decke liege. Deswegen war das für mich ein zentraler Marker, der mir überhaupt erst das Vertrauen in meine eigene Wahrnehmung und die gefühlte Legitimation gegeben hat, um überhaupt darüber nachzudenken, dass ich ADHS haben könnte und mich auf den Dianostikweg zu begeben. Der Psychiater hat dann furchtbar reagiert, hat irgendwie sinnlos versucht Cop zu spielen, wollte wissen, von wem ich die Mittel hatte (was ich selbstverständlich nicht gesagt habe) und meinte nur ‚Na das wirkt ja bei allen irgendwie‘. Das hat mich richtig sauer gemacht, weil die Wirkweise bei Leuten, die das als Speed-Ersatz oder sonstwas nehmen, ja offensichtlich eine völlig andere ist (ich wüsste nicht, wie mich Medikinet zum Feiern oder die Nacht durcharbeiten annimieren sollte). Dabei ist es natürlich klar, dass Medikamentenmissbrauch insbesondere in diesem Bereich gravierende Konsequenzen hat und dass man damit nicht leichtfertig umgehen darf (was ich nie getan habe). Meiner Meinung nach sollte man aber genau das nutzen, wenn ein Patient oder eine Patientin von so was berichtet - fragen, in welchem Rahmen und wie das genommen wurde, da merkt man dann ja auch, was die Intention dahinter war. Weil gleichzeitig ist bei dreijährigen Wartefristen auf Diagnostiktermine auch klar, dass Menschen sich irgendwie helfen müssen und dass ich das aus einem enormen Leidensdruck heraus gemacht habe, habe ich auch zur Genüge erklärt.

Also, summa sumarum - nach der Erfahrung würde ich tendenziell eher davon abraten, weil das anscheinend nicht unbedingt als diagnostisch relevant gewertet wird, und höchstens machen, wenn du merkst, dass die Person allgemein offener/verständnisvoller ist bzw. nicht nur ihren Job macht, sondern sich vielleicht auch weiterführend mit dem Thema und der Lebensrealität ihrer PatientInnen auseinandersetzt.

Ich hoffe, das hilft und wünsch dir ganz viel Kraft!

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Danke für deine Antwort. Dieses nicht ernstgenommen werden von den Eltern bei solchen Themen habe ich auch sehr früh erlebt, weswegen ich mir sehr viel selber ausgeredet habe. Jetzt wo ich erwachsen bin habe ich erst so richtig wahrgenommen was für psychische Probleme ich habe und baue da so langsam Verständnis für auf um daran zu arbeiten.

Nachdem deine Ärztin so negativ reagiert hat, hattest du schwierigkeiten mit deiner glaubwürdigkeit bei der Diagnose? Und hat das geklappt das du Medikamente verschrieben bekommen hast?

Ich mache mir irgendwie extrem Sorgen und habe auch etwas Angst vor dem Termin, dort nicht ernstgenommen zu werden. Der Druck ist für mich sehr groß da ich nicht wüsste wie ich sonst mein Leben auf die Reihe kriegen soll wenn ich keine Hilfe bekomme.

Hey!

Ich hatte den Auswertungstermin noch nicht und bin auch sehr ängstlich davor, weil ich genau wie du nicht weiß, wie ich mein Leben ohne Diagnose, ohne Therapie, ohne Medikamente hinbekommen soll. Aber ich versuche, dem zu begegnen, indem ich mir erstens aufschreibe, was es danach für Möglichkeiten für eine Zweitmeinung gibt (damit der Druck auf dieser einen Diagnostik und diesem einen Paar Menschen nicht so groß ist). Und ich bereite mich quasi schonmal darauf vor, was passiert, wenn die erstmal nicht der Meinung sind, indem ich mir mit engen Menschen all die Dinge aufschreibe, die dafür sprechen; die Gründe aufschreibe, weswegen der Arzt und die Psychologin diesmal das übersehen haben könnten (ich bin auch eine Frau, die sehr gut in der Schule war, und die Probleme mit Emotionsdysregulierung, die bei mir massiv vorliegen seitdem ich klein bin, haben die gar nicht interessiert, was mir sagt, dass die ein sehr traditionelles Verständnis von ADHS haben).

Und mir hilft tatsächlich einfach, mich sehr, sehr viel mit dem Thema zu beschäftigen, viel zu lesen und auch mal Online-Tests zu machen und wie gesagt auch mit anderen darüber zu sprechen, um ein Vertrauen in meine Wahrnehmung aufzubauen und dass ich mir das alles nicht einbilde. Und dann eben ggf. ab zur Zweitdiagnostik!

Versuche mal den Focus von den Medikamenten zu nehmen. Sowohl von den Selbstversuchen als auch von denen, die Du haben möchtest.

ADHS wird anhand der Symptome diagnostiziert, nicht anhand der Wirkung von Stimulanzien.

Beobachte Dich selbst, schreibe Dir auf, womit Du Probleme hast. Lies hier im Forum rum. Da könnten Dir so einige Lichter aufgehen. Z.B. Dinge, für die Du inzwischen Strategien entwickelt hast, damit sie nicht mehr passieren (wie zu spät kommen, Termine vergessen, Dinge verlegen…), die aber eigentlich doch ein Problem sind (wenn die Strategien versagen).

Übertreibe nicht, aber untertreibe auch nicht. Sei ehrlich zu dir selbst. Wenn Du authentisch bist, nimmt ein Arzt (zumindest die meisten) Dich auch ernst.

Viel Erfolg!