Spiegel Artikel zu Vorteilen von online Studium bei ASS und oder ADHS - auch auf Schule übertragbar

<LINK_TEXT text=„https://www.spiegel.de/start/studieren- … 0K_cIN-pmk“>Studieren mit Autismus während Corona: »Für mich ist das Online-Studium großartig« - DER SPIEGEL</LINK_TEXT>

Den Artikel finde ich sehr interessant, es geht zwar um die Uni - evtl könnte auch für Schüler mit ADHS und oder ASS eine hybride Beschulung künftig einen Weg zu entspannterem Schultag und folglich auch besseren Schulerfolgen darstellen.

(Ich wurde durch ein Posting einer SHG auf Facebook auf den Artikel aufmerksam.)

Sehr interessant. Habe ich auch schon überlegt.
Vorteilhaft sehe ich es in Bezug auf Mobbing - da habe ich in der Schulzeit sehr gelitten.
Ich lerne gerne, dennoch habe ich die Schulzeit gehasst. Eben wegen der sozialen Rahmenbedingungen…

Ich hatte die letzten 2 Semester Onlinelehre…ich fand es auch erholsam.
Allerdings konnte ich mich zu Hause meisterhaft ablenken.

Hat Vor- und Nachteile.

Mobbing und andere soziale Probleme in der Schule löst man nicht durch Online-Unterricht.

Es ist Aufgabe der Schule, eine angstfreie Lernatmosphäre für alle Schüler zu schaffen, und zwar IN der Schule. Eine Schule ist schließlich keine reine Lernfabrik für Mathe, Deutsch etc., sondern ein Lebensraum, in dem Schüler einen Großteil ihrer Zeit verbringen und in der auch soziales Lernen stattfinden muss. Einem Schüler muss es gut gehen in der Schule, damit Lernen überhaupt möglich ist, und dafür hat die Schule zu sorgen.

Abgesehen davon kann das Lernen in einer reizarmen, gewohnten Umgebung bei ADHS dennoch eine Option sein, um die Lernbedingungen individuell zu verbessern, mMn aber erst in den höheren Klassen der Sek. 1 oder in der Sek. 2.


Definitiv! Das ist ein Armutszeugnis.

Aber:
Bei starker RS bleibt „Mobbing“ einfach nicht aus. Auch hier wieder Henne-Ei - ohne eine Täter-Opfer-Umkehr betreiben zu wollen und rein von mir auf andere schließend:
Wenn ich anderen unterstelle, mich zu mobben - wenn ich jede hochgezogene Augenbrauche als Anfeindung interpretiere - da hat das Gegenüber wenig Chance.
Oder - Erfahrung bei mir, Kind, Geschwister, Vater: wenn ich ständig bei Kritik in die Knie gehe, wenn ich ständig ausdrückliches Lob brauche - dann wird meine Umgebung dafür kein Verständnis aufbringen können und aversiv reagieren. Mich hat das bei anderen auch end-genervt!!
„Richtiges“ Mobbing, das gibts dann noch gratis dazu.
Das ist für eine normale Schulumgebung mit mehr als 1-2 ADHS-Kindern schwer zu realisieren.

Hier bleibt nur: Aufklärung - Diagnose - Therapie und Begleitung. Und für einzelne Fächer u.U. parallele Arrangements.

Ich konnte meine Kinder (eins lebhaft, eins still) nicht fremdbetreuen lassen, weil die mittags keine sozialen Kapazitäten mehr hatten.
Eine Ganztagsschule ginge vielleicht, weil da bestenfalls viel geplant und einigermaßen strukturiert abläuft. Aber Hort? Katastrophe.
Eine Bekannte hatte ihre „sehr lebhaften“ Geschwister im Hort, das war für den Rest der Gruppe der Horror. Die waren mittags einfach durch, da gabs kein Halten mehr.
Gerade bei ADHS-Kindern hatte ich damals das Gefühl, dass die überdreht stören, weil sie komplett „drüber“ sind. Und da muss halt jemand ran, der sie einhegen kann.

So wie Hybridunterricht in der Regel gehandhabt wird: Einfallsloses Übertragen der Präsenzsituation ins Online - ist das bescheuert.
Wenn man Teile des schulischen Unterrichts einfallsreich und mit modernen Methoden hybrid anlegt, dann ist das was anderes.
Kann richtig gut sein. Wird ja auch praktiziert - aber nicht in Deutschland, da sitzt man noch unterm Stein…

Ich habe komplett online studiert und muss sagen, Präsenz-Lerngruppen, Seminare und das Uni-Leben hätten mir gut getan.
Aber nur bei Bedarf… als Pflichtveranstaltungen hätte ich das als Erwachsene (und auch als junge Erwachsene) nicht gewollt.
Auf Präsenz-„Vorlesungen“ im Grundstudium kann man problemlos verzichten.

Aber auch hier muss das anders arrangiert werden, nicht umsonst gestalten viele Bildungsinstitutionen ihre Räume auch innenarchitektonisch komplett um.

Spannende Sache.

Wenn es soziale Probleme in der Schule gibt, dann sollte man auch versuchen, sie in der Schule zu lösen. Aber klar, das ist nicht immer einfach und dafür braucht man Ressourcen. Übrigens auch für andere Bedürfnisse von Kindern, die nicht im Mainstream mitschwimmen können und besondere Unterstützung brauchen.

Es ist Aufgabe einer verantwortungsbewussten Gesellschaft, die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um wahre Inklusion zu ermöglichen. Ein „Outsourcen“ bestimmter Schüler in Form von Online-Unterricht zu Hause wäre dagegen erneute Exklusion durch die Hintertür.

Traurig, dass gerade in Deutschland Inklusion weniger gelebt, sondern als „Sparmodell“ gefahren wird. Es ist dafür eben bei uns, wie für so vieles, das für die Gemeinschaft positiv wäre, kein Geld da. Wir sind leider ein armes Land. :neiiin

Ok schwieriges Thema. Ich hab mich ja auch wirklich durch die Schulzeit quälen müssen bis hin zur Magenschleimhautentzündung. Meine Eltern mussten mich oft decken und haben Entschuldigungen geschrieben, weil ich nicht die Kraft aufgebracht habe in den Unterricht zu gehen.
Das war aber weniger wegen Mobbing, als aus grotesker Langeweile und dem diffusen Gefühl, dass mir das Schulsystem etwas gegen meinen Willen antut.
Und ADHS Bedingt habe ich da eh gelitten, also unter dem Stillsitzen und den Reizen und darunter, dass ich Aufgaben oft nicht auf meine Art lösen durfte.

Aber ich denke, ich wäre ohne Abitur von der Schule abgegangen, wenn ich jetzt während der Pandemie noch einmal die Schulbank drücken müsste. Das fällt mir immer auf, wenn ich arbeitsbedingt mit Jugendlichen zu tun habe. Das geforderte Level der Selbstorganiation in dem Alter… puh
Außerdem kam ich erst auf den ADHS-Trichter, nachdem ich glorreich an den Onlineveranstaltungen meiner Uni gescheitert bin. Die Überwindung das Mikro zu ent-muten und in einen leeren Raum zu sprechen, in dem die meisten nicht mal die Kamera anhaben, weckt bei mir persönlich noch ganz neue Ängste.

Durch die Oberstufe bin ich vor allem durch das Wohlwollen von und die Beziehungen zu Lehrkräften gekommen. Dass die sich eingesetzt und auch noch meiner verhassten Chemielehrerin auf dem Gang mal geflüstert haben, dass ich nicht komplett unfähig bin, nur naturwissenschaftlich unbegabt, hat mir den Hintern gerettet. Und das sind Feinheiten, die ich mir schwer in der 6 Stunden Zoom-Konfi vor den Zeugnissen vorstellen kann.

Überhaupt ist Lernen etwas sehr soziales. Es geht ja nicht nur darum, Bücher durchzupauken. Man filtert, von wem man gerne etwas lernt, wo man nachfragen kann und die Antworten bekommt, die man sucht. Kein Wunder, dass man bei den Lieblingsleher:innen immer die besseren Noten schreibt.
Im Onlineunterricht bleibt ja nicht nur die Social Awkwardness aus, wie im Artikel beschrieben, sondern auch ein gutes Stück Wärme und nonverbale Kommunikation. Oder die aufmunternde Worte beim Vorbeigehen am Pult.

Irgendwo denke ich fast, dass es in der Schule doch noch viel mehr um diesen sozialen Aspekt geht, als um tatsächliche Inhalte. Also mehr so das Konzept des Lernens lernen und eben Klarkommen mit Mitmenschen. Und das darf auch mal ungemütlich oder herausfordernd sein.
Aber nicht bis hin zum Mobbing, klar.
Mit den Bedürfnissen von ASS und ADHS Kindern lässt sich das vielleicht nicht immer so leicht gestalten.

Aber da sehe ich es wie @Addy_Haller. Das Problem in den virtuellen Raum auszulagern ist zu kurz gegriffen.

Aspekte sozio-ökonomischer Benachteiligung kommen noch hinzu.
Ok, Johanna wohnt vielleicht in einem tollen ruhigen WG Zimmer mit Breitbandinternetverbindung. Aber nicht alle Kids haben ein eigenes Zimmer, einen eigenen Schreibtisch, WLAN und mobile Endgeräte. Und auch die können autismusbedingt mit der Lautstärke in der Schule zu kämpfen haben.
Setzt auch vorraus, dass Eltern zuhause bleiben und betreuen können, zumindest bis zu einem gewissen Alter.

Daran angeknüpft, aber eigentlich schon Off-Topic:

Die Pandemie hat ja auch gezeigt, dass Reproduktionsarbeit dann wieder vermehrt an Frauen hängen bleibt. Und in meinen Veranstaltungen hatten manche Mütter massiv Probleme sich auf das Studium zu konzentrieren, weil das Kind parallel versorgt werden musste.
Für ganz frichgebackene Eltern macht dann ein Hybrid- oder Online-Studium vielleicht Sinn, aber was es eigentlich braucht, sind Kitaplätze. Also alles so halbgare Lösungen.

Ok, back on track:
Schön ist ja, dass es schon ein paar Angebote in der Richtugn gibt. Eine Bekannte von mir, die auch auf dem Autismusspektrum ist, hat sich bewusst für ein Fernstudium entschieden und das funktioniert super für sie.

Auch für Schüler:innen scheint es sowas zu geben. Wie in diesem Video hier erwähnt. Soweit ich das verstehe, muss das Kind von der Schulpflicht befreit werden durch Beurlaubung oder Krankschreibung und kann dann einen Abschluss per Fernlehre machen.

Ein armer Staat?, kommt halt darauf an ob man Milliarden eventuell nicht in allen Belangen richtig einsetzt, oder eventuell gelegentlich unsinnig ausgibt, oder auch Geld in den Sand setzt?.
Wie auch immer, ein Staat der nicht in ein gutes Bildungssystem investiert, sägt sich am eigenen Ast, wird von anderen überholt und abgehängt.

Und wenn man schon die Erkenntnis gewonnen hat, das Adhsler und Autisten oft sogar sehr intelligent sind.
Wie einfältig sind dann eigentlich die, die sich nicht darum kümmern, das Adhsler und Autisten in der Gesellschaft respektiert und im Schulsystem intergriert und gefördert werden.
Statt sie aus dem normalen Schulleben durch Homeschooling „fernhalten“ zu wollen.

Das Ziel sollte ja sein, die Akzeptanz von Adhs und Autismus in der Gesellschaft zu fördern, heisst in das Schulsystem und die Gesellschaft zu integrieren, und nicht Adhsler und Autisten durch Homeschooling Quasi verschwinden zu lassen.

Für Studenten, kann der vermehrte Einsatz von Homeschooling durchaus Sinn machen, aber eben auch in diesem Fall ist es wahrscheinlich nicht gut wenn „alles“ nur noch via Bildschirm stattfindet.

Aber ja, die Bedingungen an der Universität sind nicht mehr die selben wie während der regulären Schulzeit, deshalb sollte man darüber sicher diskutieren was Sinn macht, und was nicht.

@theunfedmind sehr gut was Du angesprochen hast, gerade auch den Punkt, das nicht jeder Zuhause gutes Internet hat. Wenn man bedenkt, das Deutschland den Ausbau eines modernen, funktionierenden Internet lange „verschlafen“ hat, und deshalb im Ländervergleich bei den untersten, hintersten Rängen rangiert, erscheint so ein Vorstoss fast erst Recht, kaum erreichbar.

Dazu kommt noch, das auch die Lehrpersonen, die Eltern, oder die Schüler selbst, mit den technischen Anforderungen des Homeschooling allzuoft überfordert sind, da auch hierfür die nötige Ausbildung fehlt, heisst nicht darin investiert wurde.