Suche Input zu ADHS im Berufsleben (IT-Branche)

Hallo zusammen,
ich bin 32 Jahre alt und komme aus dem Raum München. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema ADHS, da ich immer mehr merke, wie es mich beeinträchtigt. Ich bin diagnostizierter ADHSler und nehme Medikinet nur nach Bedarf, da ich es nicht so gut vertrage. Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert. Direkt nach dem Studium habe ich bei einem mittelständischen, sehr moderaten Beraterunternehmen im SAP-Umfeld (BI) begonnen. Zunächst lief dort auch alles gut, ich hatte ein gutes Team um mich herum und die Arbeitsweise nach dem SCRUM-Prinzip lag mir. Als dieses Projekt beendet war, bekam ich nur 1-Mann-Projekte und schon hier merkte ich schnell, dass das nicht die geeignete Arbeitsweise für mich war. Als dann noch Unstimmigkeiten mit meinem Chef dazukamen, habe ich mich nach einem anderen Job umgesehen und gekündigt.

Seitdem arbeite ich in einem großen Unternehmen als Prozessmanager (Bindeglied Fachabteilung- Entwicklerteam). Beim Einstellungsgespräch hat sich die Abteilung als sehr innovativ und fortschrittlich dargestellt (Verwendung moderner Softwareentwicklungsmethoden wie SCRUM etc.). Als ich nach einem halbjährigen Bewerbungsprozess dort angekommen war, war davon nichts zu sehen. Es gibt kein wirkliches Team, jeder duckt sich weg oder arbeitet gegeneinander, es herrscht ein ziemlicher Druck der Chefs, das Personal wird teilweise zu 140% in Projekten verplant und eigentlich läuft alles so ziemlich ohne Struktur und Konzepte ab. Ich merke immer mehr, dass diese Art zu arbeiten mir nicht liegt und sie komplett gegen meine ADHS-Veranlagung spricht. Ich bin aber auf diesen Job angewiesen, da ich im März ein Kind erwarte und daher den Job nicht einfach ohne Alternative hinschmeißen kann. Im Moment habe ich den Plan, mir noch maximal ein Jahr dort zu geben, auch um mich weiterhin mit meiner ADHS-Problematik zu beschäftigen und meine berufliche Richtung zu finden. Ich bin im Moment noch in tiefenpsychologischer Behandlung wegen familiärer Probleme, aber ich möchte in nächster Zeit noch eine ADHS-Therapie beginnen. Diese wird mich aber bei meiner Suche nach einer neuen beruflichen Orientierung nur bedingt weiterbringen.

Mein Wunsch wäre es, in einem innovativen IT-Bereich (Phyton, Webapplikationen, Django, Big Data, KI etc) zu arbeiten, in dem ich meine Stärken als ADHSler nutzen kann und wieder näher an der Entwicklungsseite bin. Allerdings habe ich hier noch keine Erfahrung. Ich versuche hier immer wieder den Einstieg über Programmierkurse zu bekommen, aber kann hier einfach nicht am Ball bleiben, auch wenn es mich eigentlich interessiert. Das ist denke ich auch durch mein ADHS bedingt. Ich würde gerne einen Arbeitgeber finden, der meine Stärken sieht und bei dem ich mein ADHS nicht verstecken muss. Ich habe gelesen, dass in der Schweiz Arbeitgeber bereits in diesem Bereich geschult werden und die Stärken von ADHSlern zu schätzen wissen. Ich frage mich, ob es solche Arbeitgeber auch in Deutschland gibt. Hat hier jemand schon positive Erfahrungen gemacht? Im Moment bin ich für jeden Tipp dankbar, auch was mögliche Richtungen der beruflichen Orientierung (IT-Bereich), geeignete Firmen, Motivationssteigerung etc. angeht. Alleine trete ich auf der Stelle und komme nicht wirklich vorwärts.

Vielen Dank schonmal!

Hi

Willkommen im Forum.

Klingt so, als hättest du noch nicht das richtige Medikament in der richtigen Dosierung gefunden. Vielleicht wäre ja Lisdexamfetamin (z.B. Elvanse) etwas besser geeignet?
<LINK_TEXT text=„https://www.adxs.org/adhs-behandlung-th … ente-adhs/“>Amphetaminmedikamente bei AD(H)S - ADxS.org</LINK_TEXT>

Welche Nebenwirkungen hast du denn?
Es sollte sicher das Ziel sein, das Medikament über lange Zeit täglich zu nehmen, damit man sich daran gewöhnt und davon profitieren kann.

Tausche Königreich (wenn ich eines hätte) gegen das Dasein als digitaler Nomade.

Propier es doch vielleicht mal über Freelancer-Plattformen. Hört sich neunmalklug an und ist es wahrscheinlich auch. Trotzdem, als IT-Fachkraft kann man sich theoretisch die Jobs doch aussuchen.
Das sage ich als Laie und ich lasse mich gerne eines besseren belehren…

Aber ich denke, gegoogelt hast Du sicherlich selbst.
Trotzdem stelle ich mal mein Ergoogeltes hier rein:

<LINK_TEXT text=„https://www.autismus.de/detailseite/aut … rbeit.html“>https://www.autismus.de/detailseite/autismus-und-arbeit.html</LINK_TEXT>

<LINK_TEXT text=„https://www.augsburger-allgemeine.de/ba … 73216.html“>Autismus: Warum Autisten in der IT-Branche besonders stark sind | Augsburger Allgemeine</LINK_TEXT>
„Auticon hat seit der Gründung 2011 in Berlin einen rasanten Aufstieg hingelegt: Das IT-Unternehmen ist inzwischen mit 20 Standorten auf drei Kontinenten vertreten. Sein Erfolg liegt in einem außergewöhnlichen Konzept: Hocheffiziente IT-Spezialisten, sogenannte Consultants, arbeiten an Projekten großer Firmen wie Airbus, Allianz oder auch beim LKA, meist direkt in den Räumen des Auftraggebers. Diese Spezialisten haben alle eines gemeinsam: Sie sind Autisten. Einer von ihnen ist Benjamin Heiland, der am Münchner Standort angestellt ist.“

<LINK_TEXT text=„Karriere - Finanzen - FOCUS Online … 62470.html“>Autismus: Siemens und Henkel stellen Autisten als IT-Spezialisten ein - FOCUS Online</LINK_TEXT>
Siemens und Henkel…

Ich könnte mir vorstellen, dass man evtl. die in den Artikeln genannten Personen aber auch Betriebsrätinnen, Personalabteilungen der Unternehmen erreichen kann - über social media, oder per Mail.
Meist sind Firmen, die sich eines solchen (leider noch) Spezialthemas widmen, miteinander im Gespräch.

Weitere Möglichkeit wäre eine Anfrage bei Gleichstellungs- oder Behindertenbeauftragte von Firmen und Kommunen.


Leider ist die Meinung ziemlich weit verbreitet. Ich kann das absolut nicht bestätigen… Klar bin ich nicht mehr der überzeugendste Kandidat, irgendwann ist man auch von Selbstzweifel zerfressen, aber solche Aussagen ziehen bei mir immer nochmal 10 Selbstwertpunkte ab.
Über ein Jahr Jobsuche, hunderte Bewerbungen, diverse Gespräche und ich wäre froh um irgendeinen IT nahen Job.

Hi Bjoe,

ich arbeite seit 8 Jahren als Softwareentwickler und habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht. Mittlerweile habe ich einen Recht guten Fragenkatalog zusammen um Aussagen wie „Wir machen Scrum, Agile, Continuous X und DevOps“ auf den Grund zu gehen. Der Joel Test ist schonmal ein guter Anfang. Damit kannst du mehr Infos über die Arbeitsweise des Teams herauskitzeln und dann bei Bedarf tiefer ins Detail gehen.

Nun zu deinem „Problem“ mit der fehlenden Erfahrung. Ich hatte in den 8 Jahren 5 Bewerbungsgespräche und 5 Zusagen. Jedes Mal, war es ein komplett anderer Bereich der IT-Branche. Beispielsweise sind die Unterschiede zwischen Web- und Embedded-Entwicklung enorm. Ich erwähne es deshalb, weil ich denke, dass man seinem zukünftigen Arbeitgeber klarmachen kann, dass man bereit ist neues zu lernen. Das ist schonmal mehr Wert, als jemand, der ein bisschen was kann, aber keine Motivation mitbringt. Mein ADS anzusprechen, habe ich mich bisher allerdings auch nicht getraut.

Wie wäre es mit einem Coaching?
Schreibst du die Bewerbungen selbst?

Vielleicht strahlst du etwas bei den Vorstellungsgesprächen aus, was dem AG nicht überzeugt oder irritiert? Vielleicht Unsicherheit? Denn ich glaube nicht, dass es an mangelnder Kompetenz deinerseits liegt.

Warst du bei der Agentur für Arbeit oder bei einer Erwerbslosenberatungstelle? Hier kannst du (meistens) kompetente Hilfe umsonst bekommen.


Coaching könnte sicher was sein, das was ich aber bei einer ersten Google Suche gefunden habe, schreckt mich eher ab.
Ja ich schreibe meine Bewerbungen selbst bzw. lasse mir bei den Anschreiben meist von meine Frau helfen.
Ich kann mich natürlich auch irren, aber ich habe jahrelange selbst Bewerbungen gescreent, so schlecht ist meine nicht.


Bei letzterem bin ich mir nicht so sicher. Und ja, inzwischen strahle ich wohl auch Unsicherheit aus.


Eine Erwerbslosenberatungstelle gibt es bei uns nicht und die AfA ist für mich nicht zuständig, ich habe nie Leistungen bezogen und derzeit auch keinen Anspruch.
Zudem sind deren bemühen arbeitslosen Akademiker Informatiker, die schon etliche Jahre Berufserfahrung haben, zu helfen, eher gering bzw. trifft dort auf dasselbe Unverständnis, weil ja doch alle nach ITlern suchen.
Gibt natürlich ein paar Punkte, von denen ich weiß, dass es auch daran liegt. Mein Lebenslauf ist „beeindruckend“, so wird mir das wiedergegeben, leider ist es der eine Allrounders und das führt dann häufig zu der Situation,
dass für eine bestimmte Tätigkeit doch zu wenig Erfahrung vorhanden ist. Überqualifiziert habe ich jetzt auch schon öfter gehört.
Gibt natürlich noch ein paar hinderliche Dinge, die will ich aber hier im öffentlichen Bereich auch nicht wiedergeben.