Unglücklich mit Arztwechsel und ratlos

Die Psychiaterin, die mich letztes Jahr diagnostiziert hat, fiel aus gesundheitlichen Gründen sehr abrupt aus.
Solange unklar war, ob sie wieder kommt/ es eine Nachfolge gibt, bekam ich von einer anderen Ärztin dort weiterhin die Rezepte. Als dann klar war, dass es dort nicht weitergeht, machte ich mich Ende letzten Jahres auf die Suche und hatte vor 2 Wochen den ersten Termin.

Ich hatte ja gemischte Gefühle, weil ich mit der bisherigen Psychiaterin sehr gut zurecht kam, sie war sehr zugewandt und auch was die Medikation angeht super informiert.
Leider endete die Behandlung noch während der Eindosierung, es war mir nicht mehr möglich, weitere Probleme anzusprechen: Schlaflosigkeit, die mir sehr zu schaffen macht. Auch wollte sie mir noch Tipps geben für ein zusätzliches Medikament, wenn bei Elvanse die Wirkung endet und ich einen langen Arbeitstag oder eine Abendveranstaltung habe.
Es gabe also noch keinen Arztbrief für den Hausarzt, der hatte mir aber auch schon mal das Rezept ausgestellt, als ich es zeitlich nicht in die Praxis geschafft hatte.

Inzwischen konnte ich mir aber zumindest die Krankenakte schicken lassen, und nahm die mit zum Erstgespräch bei der neuen Psychiaterin - um da wieder anzusetzen mit der Behandung.

Mein Eindruck nach der ersten Stunde: ich werde nicht für voll genommen, und kann von dort auch keine Unterstützung erwarten :face_with_diagonal_mouth: zudem ist mir die Dame zutiefst unsympathisch. Wirkt, auch durch ein ständiges „hintergründiges“ Lächeln, überheblich. Stellt Fragen/ stellt in Frage - und bezieht nicht Stellung.

Sie hat mir kaum Fragen über mein Befinden gestellt, sondern erst mal alles in Frage gestellt, was die bisherige Psychiaterin gemacht/ gesagt/ nicht gemacht hat.
Warum ich überhaupt darauf gekommen wäre, ASHS zu haben… das sei ja auch gerade „modern“… sie selbst hätte schon vielen Patienten dabei geholfen, die positiven Aspekte vom ADHS zu erkennen und davon zu profiteren.
Warum Frau X mir gleich als erstes Elvanse verschrieben hat, es gebe doch andere, gut erprobte Medikamente… aus meiner Antwort, dass sie das als gut verträglich empfohlen hat, zumal es unabhängig von Nahrungsaufnahme funktioniert und ich früh morgens nicht essen kann - interessierte sie nur, dass ich nicht frühstücke. Also kein Wunder, dass es mir nicht gut geht…

Dann bekam ich 20 Minuten lang einen Monolog zu hohen Suchtpotential und den Möglichkeiten zum Missbrauch der Substanzen… als sie dann den Straßenverkaufswert von Stimulanzien erwähnte, hakte ich kurz ein, dass speziell Elvanse ja für diesen Markt eher uninteressant ist, da es ja, wie ich nachgelesen habe, anders, im Darm verstoffwechselt wird und dadurch den „Kick“ nicht bietet, fiel sie mir ins Wort mit „ja ja, man kann ja viel lesen“… :roll_eyes:

Es ging dann weiter, was mir Dr.X denn außer dem Medikament noch angeboten hätte… also was für eine Therapie? Man könne doch nicht nur Tabletten verschreiben… meine Nachfrage, welche Art Therapie sie denn sinnvoll fände bekam ich - ein überhebliches Lächeln und keine Antwort. Sie kenne mich ja noch nicht.
Dieses Dauerlächeln hat mich von Minute zu Minute mehr aufgebracht, ich hatte mich grade noch so unter Kontrolle.
Zum meinem Problem „Schlafmangel“ bekam ich suuuuper Tipp: spazierengehen… nicht zu spät abendessen… ich sprach dann über meine Schlafhygiene, die aber leider auch nicht wirklich hilft - bekam dann wieder ein „Lächeln“ und nochmal den „wertvollen“ Hinweis, dass es echt nicht gut ist für mich, dass ich nicht frühstücke.

Ich war inzwischen komplett verwirrt, weil mich der Gesprächsverlauf aggressiv machte und ich nicht erkennen konnte, wohin das führen sollte.
Ich versuchte dann noch, mein 2. Problem zu adressieren, die zu kurze Wirkdauer an langen Tagen und fragte sie nach einer Möglichkeit, mit etwas unretardiertem an solchen Tagen die Wirkdauer zu verlängern - damit gab ich dann ungewollt den Startschuss für „Drogenmissbrauch, de zweite“ :face_with_monocle: und, nein - sie verschreibt mir keinesfalls ein weiteres Stimulanz.

Immerhin: sie verschreibt mir (wenn auch mit deutlicher Missbiligung…) weiterin Elvanse 70mg, da ich ja „anscheinend“ davon profitiere… und sie möchte mich im April wieder sehen.
Ich selbst war nach dem Termin dermaßen aufgewühlt und zornig, dann ich erst nach einer Stunde strammem Walking etwas runter kam. Und mir graut vor dem nächsten Termin - lieber eine Wurzelbehandlung als das.

Inzwischen ist ihr Artztbrief bei meinem Hausarzt angekommen und in 10 Tagen habe ich einen Termin bei ihm. Ich hoffe sehr, dass er die weitere Verschreibung übernimmt und ich zu dieser Psychiaterin nicht mehr gehen muss.

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So wie du die Situation wären mir da paar „schöne“ Worte „rausgerutscht“. Aber immerhin hast du das Rezept bei der eitlen Schlange bekommen.

Ich würde nebenbei nach einem anderen Arzt suchen und es bei Frau Dr. Schlange nochmal versuchen. Siehst ja dann. Vielleicht hat dein Hausarzt kein Problem mit der Rezepterstellung und du kannst dir die Schlange sparen.

Klingt für mich jetzt nach einem richtig guten Psychiater Termin, hast bekommen was du wolltest, hast diese weitergebildet in Sachen Stimulanz ( Elvanse), kannst ihr ja dann im April zeigen, dass sie sich sehr getäuscht hat und dann mal weiter schauen.

Hast du gut gemacht. :heart:

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Normalerweise kann ich mich gut ausdrücken und fürchte auch keine klaren Ansagen - nur, wenn es um mich selbst geht, bin ich manchmal wie das Kaninchen vor der Schlange.
Und ich hasse das so, kann es aber einfach nicht abstellen.

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Danke für deinen anderen Blick auf die Sache :smiley: das tut mir gut!

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Im Übrigen hilft sich eine Liste zu schreiben, gibt Sicherheit, wenn einem die Worte fehlen, in so einem Gespräch. Dran bleiben!

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Die Liste hatte ich sogar bei mir :confused: wollte aber nicht gleich mit der Türe ins Haus fallen… und dann bekam das ganze so eine ungute Eigendynamik und meine Liste war vergessen :see_no_evil:

Vielleicht steckt in dem Kaninchen, noch ein bisschen Herpestidae. Wer weiß, ich denke schon. :grin: :+1:

Also wenn die Madam aus ihrer Sicht so viel Ahnung von ADHS hat dann hätte sie auch eine Gesprächsführung anbieten müssen in der sich ein ADHSler wohl fühlt und orientieren kann. Das ist genau so wichtig wie aus ihrer Sicht ein Frühstück :wink:

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Erdmännchen :question: oder hat mir Google das was falsches gezeigt :joy:

Mungo und Erdmännchen sind die bekanntesten Vertreter…

Deine Einschätzung hilft mir sehr, danke. Ich würde das, was da stattfand, nicht mal als Gespräch bezeichnen, eher „abgefragt“ werden.

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Ich hatte auch mal so eine spezielle Madam vor mir und es fühlte sich auch noch so an als ob das Abgefragte gegen mich und alle vorherigen Facheinschätzungen verwendet wird.
Je mehr ich es dann versuchte es ins „richtige Licht“ zu rücken um so mehr schien die Madam es als Futter gegen alles zu nutzen. Das ging gar so weit dass die Madam meinte , dass meine Ressourcen die ich benannte, bei meiner Lebensgeschichte gar nicht möglich sind. :see_no_evil::speak_no_evil::hear_no_evil::crazy_face: und dass als Einschätzung in einem erst Gespräch :crazy_face:

So als ob Madam nun die Einzige auf der ganzen Welt ist, die nun alle Fehleinschätzungen gefunden hat und genau ihre Einschätzung die einzig wahre ist und wenn man genau dieser ihrer Einschätzung nicht folgt , dass man keine Chance hat das sich was verbessert .

Ich bin dann woanders hin.

Ich hatte dieses Gefühl auch mal bei jemand anders. Der hatte ich das dann erklärt , dass mich diese Art von Fragestellung komplett in die Enge treibt und ich immer mehr auf Abwehr gehe ob wohl das Thema der Frage selbst nicht mal das Problem ist aber meine Abwehr es dann ja so erscheinen lässt. Die hatte das aber verstanden und danach kamen wir bestens miteinander klar.
Auch schon mal ein erst Gespräch was komplett schief lief und auch da gab ich die Rückmeldung dass es mir damit nicht gut ging und auch hier konnte die Ärztin es nachvollziehen und auch mit der kam ich danach bestens klar.

Also Flucht oder der Sache noch ne Chance geben falls die Madam sich reflektieren kann. Aus meiner Sicht ist es immer die Fachperson, die für ein gesundes Gesprächsklima sorgen muss und wenn im Nachgang eine Rückmeldung angenommen und darauf eingegangen wird, dann kann miteinander auch noch weiter arbeiten.
Das bedarf jedoch ein hohe Fähigkeit der Selbstreflektion der Fachperson, die leider nicht immer vorhanden ist.

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Richtig, richtig spannend - was du im ersten Absatz schilderst, ist 1:1 bei mir so gewesen.
Ich hatte auch ständig das Gefühl, die frühere Ärztin und deren Behandlung verteidigen zu müssen.

Ich denke, ich werde den Termin bei meinem tollen Hausarzt abwarten. Und ihn fragen, was er mir rät. Ihm vertraue ich absolut, er hat mir so gut durch die Krise geholfen und das beste: er durchaus selbstbewusst, ist aber kein Alleswisser und dadurch kann ich ihm auf Augenhöhe begegnen.
Danach werde ich dann entscheiden, ob ich Sache noch eine Chance geben werde.

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Endlich versteht auch mich jemand :sweat_smile:
Weil dass ist echt schwer zu erklären , was dass mit einem macht

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Woooo…was ne Bitch :angry:
Das macht mich schon wütend beim Lesen…
Unfassbar!

Ich muss an die Story von @Pedro denken, als er die Reha-Tante klug und charmant ziemlich cool gefaltet hatte und stelle mir gerade vor wie das bei dieser Frau Dr. wohl laufen würde …da würd ich gern Mäuschen spielen :laughing:

Aber im Ernst @sommerlaune ich kann dich total verstehen. Ich wäre auch völlig entsetzt und wütend gewesen. Unglaublich dieses Verhalten… ts…

Ich würde gegen alle Widerstände im April wieder hingehen und parallel was Neues suchen. Doppelte Absicherung quasi.

Ich drücke dir ganz fest die Daumen dass der nächste Termin positiver verläuft oder du sogar schon einen neuen Arzt hast bis dahin :people_hugging:

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Also was ich mich Frage ist, wieso eine Psychiaterin, die eigentlich den Eindruck macht dich nicht ernst zu nehmen dir trotzdem, maximal Dosis Elvanse 70mg, weiter verschreibt. Widerspricht sich das nicht ein wenig? Vielleicht hat sie dich wirklich nur „abgefragt“, wie du geschildert hast, wenn auch mit einer etwas eigentümlichen, herausfordernden Art… Nur so ein Gedanke.

Haaach ja, davon würde ich mir gerne eine dicke Scheibe abschneiden :+1:
Ich habe oft „Beißhemmung“, wenn es um meine eigenen Anliegen geht :roll_eyes: da neige ich eher zum Rückzug - es sei denn, man macht mich richtig wütend…
Wenn ich mich für andere einsetze, kann ich kämpfen wie eine Löwin…

Im speziellen Fall ist wohl auch nicht unerheblich, dass ich mich Zeit meines Lebens „falsch“ gefühlt habe. Nie gut/ schnell/ erfolgreich etc… genug.
Und ich habe gelernt, dass meine Emotionen nicht relevant, und auch gar nicht richtig sind.
Deshalb hinterfrage ich in solchen stressigen Situationen immer, ob das legitim ist, was ich fühle. Oder ob ich „viel zu empfindlich“ bin… „Keinen Spaß verstehe“…
Wenn es sich in der Situation dann anfühlt, als ob ich mich rechtfertigen müsste, bin ich komplett blockiert.

Zu diesem Thema habe ich inzwischen sehr viel gelernt und kann viel besser zu mir stehen. Ich vertraue mir inzwischen selbst, nur wenn ich mich gestresst, missverstanden und hilflos fühle, klappt das eher so mittelgut… Aber ich arbeite dran.

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Ich habe eher den Eindruck, dass sie so ein Alpha-Weibchen ist, der es ums Recht haben geht und ums bestimmen.
Ich fühle mich unwohl bei ihr und erwarte nichts gutes von weiteren Terminen.

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Ein Grund mehr, sie zurück zu beißen, während du parallel eine alternative suchst. Ich denke mal nicht, dass sie solang dir das Elvanse Offensichtlich hilft, sie es einfach absetzen wird. Darf sie auch nicht einfach mal so, ich fands halt irgendwie komisch, dass sie’s trotzdem weiter verschreibt statt zu senken, hast wohl gut Argumentiert. :+1: