Verursachen alle ADHS-Medikamente Schlafstörungen?

Hallo,

ich hab meine Diagnose erst letztes Jahr bekommen. Medikinet war eine reine Offenbarung, verursachte aber Herzrythmusstörungen und massive Schlafprobleme, obwohl ich es immer erst 2h nach meinem Morgen-Espresso einnahm und dann keinen weiteren Kaffee mehr trank. Ich ging von eh nur 10mg runter auf 5mg, half nichts. Mit Elvanse das gleiche.

Dann habe ich irgendwann zehn Tage Koffeinentzug gemacht, bis hier die Entzugssymptome weg waren und es nochmal probiert: null Koffein und 10mg Medikinet: ich stand senkrecht im Bett, es war nicht auszuhalten, ich hatte nach ein einer Woche richtig Angst vor der Tablette.

Jetzt ging es für ein paar Monate ganz gut mit 25mg Atomoxetin und zum Schlafen 2mg Melatonin. An Koffein wieder nur der Morgenespresso, die Tablette dann 2h später. Trotzdem haben die Schlafstörungen wieder so massiv zugenommen, dass ich es absetzen musste. Das mit dem Schlaf liegt an nichts anderem, sonst schlafe ich immer einwandfrei. Mache normalerweise auch sehr viel Sport, ca. 2h täglich.

Hier im Forum ist auch bei anderen Medikamenten von Schlafproblemen die Rede, ist das wirklich bei allen so??? Mein Psychiater sagt , noch ein weiteres empfehlenswertes Medikament gebe es eh nicht (??!!).

Dankbar für jeden Tipp,

Chiemgauer

Hallo Chiemgauer,

ich schlafe mit Stimulanzien besser, nehme teilweise auch noch eine kleine Dosis zum ein/durchschlafen.

Ich find interessant was du zu Koffein schreibst, ich hab teilweise auch schon bemerkt, dass Koffein die Wirkung sowohl von elv als auch von mph dämpft.

Was mir zu dir einfällt, die Dosis ist scheinbar wirklich sehr individuell. Manche nehmen 1mg, fühlen sich bei 2mg wohl schon überdosiert. Und andere benötigen 100mg oder mehr.

Fehldiagnose wär halt auch immer möglich, wenn du von den Stimulanzien unruhig wirst.

Ahso, und ich nehme derzeit zusätzlich bupropion, von wegen anderer Medikamente, ich kann nichts schlechtes berichten.

LG Micha

Hallo Chiemgauer,

meine Erfahrung mit Medikinet und Ritalin sind zwar schon eine Weile her, aber ich weiß auch noch, dass ich nicht einschlafen konnte. Ich war Hundemüde aber innerlich so unruhig, wie manche es bei übermäßigen Kaffeekonsum berichten.

Nun nehme ich Elvanse, meist gegen 11 und gegen 21 Uhr fallen mir die Augen zu. Auch ein Mittagsschlaf ist machbar. Nun ist der Verdacht, unterdosiert zu sein zwar da, aber noch nicht fest.

Ich gehöre aber eh zu Team immer müde Taube.

Also zusammengefasst, unter mph konnte ich das mit der Schlaflosigkeit für mich betätigen, unter lisdexamfetamin bisher nicht. Bei Elvanse habe ich aber auch beides bisher an Erfahrungen gelesen, die einigen die es runter bringt und besser schlafen und die, die nicht gut schlafen.

Deine Erfahrung mit dem Kaffee finde ich sehr interessant. Ich kann das nur mit Elvanse berichten. Ich trinke manchmal 2 Stunden bevor ich meine Tablette nehme einen Kleinen Cappuccino aus der Kapselmaschine. Das funktioniert, aber später als die zwei Stunden würde Ich es nicht mehr machen. Ich habe einmal einen doppelten getrunken und ich war wie angestochen. Herzrasen, gerieben und hibbelig. War auch erst spät schlafen. Das liest man oft. Das es bei dir aber so ist, dass du ohne Kaffee mit Tablette nicht schläfst habe ich tatsächlich noch nicht gehört.

Obwohl, eine Bekannte von mir, schläft besser, wenn sie abends einen Kaffee trinkt. Mich hatte Koffein auch nie vom schlafen abgehalten, hatte jetzt aber keine Erfahrung die ich berichten könnte ob es irgendeinen Einfluss auf mich hatte. Tatsächlich erst unter Elvanse.

Warum das so ist weiß ich allerdings nicht. Vielleicht Hirnchemie?

Edith: das hat mich jetzt so interessiert, dass ich (ja, ich weiß das KI mit Vorsicht zu genießen ist, hab beruflich damit zu tun :wink:) dass ich mal nachgehakt habe:

–> “Warum der Schlaf danach so schwierig sein kann

Koffein blockiert Adenosin → ohne Koffein hat man zunächst zu viel Adenosinwirkung, später aber eine Verschiebung der Rezeptorbalance.

MPH wiederum unterdrückt Adenosinwirkung indirekt über mehr Dopamin.

Ohne das „Dämpfende“ des regelmäßigen Koffeins ist die Gesamterregung im Gehirn stärker. → Schlaf wird erschwert, selbst wenn kein Koffein mehr da ist.


:person_in_lotus_position: Fazit:

Koffein war in diesem Fall wie ein Gegengewicht oder Puffer im Neurotransmittersystem.
Nach dem Entzug steht das System „nackt“ da – und reagiert übermäßig auf jede dopaminerge Stimulation, wie MPH.

Das stabilisiert sich meist wieder, aber es kann einige Wochen dauern, bis das Gleichgewicht zwischen Adenosin, Dopamin und Noradrenalin sich neu einpendelt.”

Ich bin kein Mediziner. Aber vielleicht ist da ja was dran und hilft dir weiter, als Ansatz :smiling_face:

Vielen Dank Dafür ich liege seit 2 Jahre wach mache jede 3 Nacht komplett durch den rest schlafe ich 2-3 Stunden. Ich habe richtig Angst das ich irgendwann wegen dieser Schlafstörung draufgehe, habe gefühlt alles versucht und gelesen. Diesen zusammenhang hatte ich nicht auf dem Schirm und ich werde jetz Forschen und demendsprchend handeln. DANKE :heart:

Hallo Anana,

ich hatte ebenfalls zu starke Nebenwirkungen bei allem, was ich gegen mein ADS probiert hab: Medikinet, Elvanse, Atomoxetin.

Alles hat gut gewirkt, aber ich hatte so krasse Herzrythmus- und Schlafstörungen, dass ich das wieder absetzen musste. Panikattacken etc. hatte ich nicht. Als ich gehört hab, dass viele gibt, die Medikinet und Elvanse nur punktuell nehmen, also an Tagen, an denen sie es besonders brauchen, hab ich das probiert. Ich nehme jetzt ca. alle 3 Tage 30 mg Elvanse und hab nix mehr mit dem Herzrhytmus und nehme aber es auch nie den Tagen, wo ich Sport treibe. Mit der Dosis lassen sich die Nebenwirkungen kontrollieren, während ich ein bisschen positive Wirkung auch ein, zwei Tage nach Einnahme merke.

Ich trinke an den “Pillen”-Tagen morgens vorher meinen Espresso, dann keinen Kaffee mehr.

Mit dem Schlaf blieb es mühsam - auch an den Tagen ohne Einnahme! Wobei ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Einschlafen und Durchschlafen. Und es zum Durchschlafen kaum vernünftige Medikamente gibt, die sind alle dann sehr stark und ständig Upper wie Elvanse und dann Downer schlucken, das wäre mir unheimlich.

Einschlafen kann man aber mit vielen kleinen Kniffen verbessern:

Nach der Arbeit halbe Stunde joggen oder gemütlich radeln - Stoffwechsel schaltet um auf Fettverbrennung: hilft Einschlafen. (Intensiver Sport bewirkt das Gegenteil!)

Kein Kaffee nach 14 Uhr

Heiße Dusche, bevor man ins Bett: Gefäße weiten sich, danach sinkt die Körpertemperatur - hilft Einschlafen

Ganz kaltes Schlafzimmer: Hilft die ganze Nacht

Alkohol: hilft beim Einschlafen, stört aber das Durchschlafen. Ich trinke ein Feierabendbier gegen 18 oder 19 Uhr, danach keinen Alkohol mehr.

Melatonin wirkt ca. zwei Stunden verzögert, also soll man es ein Weile vorher nehmen. Da ich mit den genannten Tricks aber gut einschlafe, nehme ich 4mg Melatonin, wenn ich ins Bett gehe. Auf die Art schlafe ich mindestens die halbe Nacht wirklich gut und es ist immer noch so, dass ich gelegentlich Schlaf nachholen muss, aber so passt es schon. Und ach ja: Magnesium wird hier empfohlen - seit ich das nehme (täglich), fing es dann, dass ich Elvanse überhaupt besser vertrage.

Bin so froh, dass ich endlich einen Weg gefunden hab, vielleicht helfen meine Tipps bei dir oder jemand anders :wink: